Deutsche Bank, eine tickende Zeitbombe?

Deutsche Bank, eine tickende Zeitbombe?

Deutschlands größtes Kreditinstitut hat es geschafft, an Gesellschaften in Ländern von Brasilien bis Italien Geld zu verleihen und die Transaktionen nicht in der Bilanz erscheinen zu lassen, obwohl die Forderungen der Bank weiterhin bestehen. Das geht aus Angaben von vier mit den Vorgängen vertrauten Personen sowie Bloomberg News vorliegenden internen Unterlagen der Deutschen Bank hervor.

Aus Transaktionen im Gesamtvolumen von 2,5 Mrd. Euro wird ein Ansatz ersichtlich, durch den das Ausmaß der Kredite verschleiert wurde. Bei solchen Transaktionen waren unter anderem die italienische Banca Monte dei Paschi di Siena und Banco do Brasil involviert. Über einen ähnlichen Kredit an Dexia verhandelte die Deutsche Bank nur Wochen, bevor Dexia Staatshilfe in Anspruch nahm, geht aus den Unterlagen hervor – und andere Deals bis Ende 2011 verbuchte die Bank nach gleichem Muster, wie zwei mit den Transaktionen vertraute Personen berichten.

400-Milliarden-Risiko

“Die Undurchsichtigkeit und Komplexität dieser Transaktionen sollte uns große Sorgen machen”, sagte Joshua Rosner, ein Analyst bei Graham Fisher & Co. in New York, der Anfang 2007 vor den Risiken von Subprime-Hypothekenanleihen für die Volkswirtschaft gewarnt hatte. Die Kredite gehören zu den 395,5 Mrd. Euro an Aktiva, die die Deutsche Bank in ihrer Bilanz nicht aufführt, weil sie entsprechende Zahlungsverpflichtungen dagegen aufrechnet, berichtet eine Person, die direkte Kenntnis von der Praxis hat. Die Gesamtsumme, die die Bank im April unter den neuen IFRS- Bilanzstandards erstmals veröffentlichte, entspricht 19 Prozent der veröffentlichten Aktiva der Bank von 2,03 Billionen Euro.

Kathryn Hanes, eine Sprecherin der Deutschen Bank, erklärte, das Frankfurter Kreditinstitut befolge die Bilanzregeln peinlich genau und konservativ und berücksichtige dabei deren zugrundeliegende Intention. Die Bank habe damit begonnen, diese Positionen auf Bruttobasis zu veröffentlichen, um noch mehr Transparenz zu zeigen. Die aufgerechneten Kreditsummen seien unerheblich für Bilanz und wichtige Kennzahlen, führte sie aus.

Thomas Blees, ein Sprecher für KPMG in Berlin, den Rechnungsprüfer der Bank seit 1990, wollte keine Stellungnahme abgeben.

So wird Kapitalbedarf verschleiert

Diese Verbuchung der Kredite, die in den Unterlagen für einige Transaktionen als “erweiterte” Repo-Geschäfte bezeichnet werden, reduziert die ausgewiesenen Kredite. Die beiden Co-Vorstandchefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, bemühen sich, die Investoren zu überzeugen, dass die Bank in Relation zur Bilanz ausreichend kapitalisiert ist, um sich gegen potenzielle Verluste abzusichern.

Die Bank profitierte von Geschäften im Zusammenhang mit den Krediten, beispielsweise durch den Verkauf von Kreditausfallversicherungen für Staatsanleihen, die später im Zuge der europäischen Staatsschuldenkrise unter die Räder gerieten, wie aus Dokumenten hervorgeht, die die Transaktionen mit Monte Paschi und Banco do Brasil beschreiben und wie drei mit den Transaktionen vertraute Personen gegenüber Bloomberg erklärten, die nicht namentlich genannt werden wollten, da die Kredite privat waren.

Aus den Kredit-Dokumenten und anderen publizierten Informationen geht nicht hervor, wie sich die Positionen der Bank entwickelt haben oder ob sich die Aufsichtsbehörden der Bilanzierung bewusst waren. “Das ist ein Marktrisiko”, sagt Theodore Krintas, geschäftsführender Direktor von Attica Wealth Management in Athen. “Als Investor würde ich das sehr gerne wissen.”

Unterlagen zu den Krediten an Monte Paschi und Banco do Brasil, die abgeschlossene Deals beschreiben, zeigen, dass sie entsprechend aufgesetzt waren, um die Aufrechnung von Aktiva gegenüber Zahlungsverpflichtungen zu ermöglichen. Die Deutsche Bank wollte sich einer vergleichbaren Bilanzierung auch bei einem Kredit an Banco Popolare SC im Jahr 2009 bedienen, wie aus einer internen E-Mail der Bank und aus Informationen einer mit dem Deal vertrauten Person hervorgeht. Banco Popolare musste wie auch Monte Paschi staatlich unterstützt werden.

Auch Hellas-Deals schmutzig

Die Deutsche Bank ging auch langfristige Repo-Geschäfte mit drei weiteren Kreditinstituten ein - National Bank of Greece und Hellenic Postbank aus Griechenland sowie Al Khaliji aus Katar, erklärten vier direkt mit der Finanzierung vertraute Personen. Bei den Transaktionen ging es auch um ein entsprechendes Aufrechnen, erklärte eine der Personen, die darüber informiert worden war, wie die Bank die Deals bilanziert. Bloomberg News wurden keine Dokumente zu den drei Deals zugänglich gemacht.

Bis zum dritten Quartal 2009 war das Volumen dieser Aufrechnungen so stark angestiegen, dass zumindest zwei führende Manager Bedenken äußerten, die Aktiva der Bank würden zunehmen, wenn die Kredite nicht länger aufgerechnet werden könnten, erklärte die informierte Person.

In einer schriftlichen Stellungnahme zu Fragen zu allen sechs Deals erklärte Hanes von der Deutschen Bank, dass die Informationen nicht akkurat seien. Darunter seien Bezüge zu angeblichen Transaktionen, die niemals stattgefunden hätten und Verweise auf Unternehmen, für die die Bank niemals erweiterte Repo-Transaktionen strukturiert habe. Informationen dazu, welche Informationen falsch seien oder welche spezifischen Deals nicht stattgefunden haben, wollte sie nicht machen. “Wir kommentieren keine Kunden-Transaktionen”, sagte Hanes.

Frisierte Kennzahlen

Jede Milliarde Euro, die die Deutsche Bank aus ihrer Bilanz fernhielt, trieb die Kennzahlen für die finanzielle Solidität der Bank in die Höhe, die die Bank ansonsten möglicherweise gezwungen hätten, sich mehr Geld von Investoren zu beschaffen, erklärt Thomas Selling, emeritierter Professor für Rechnungswesen an der Thunderbird School of Global Management in Glendale, Arizona.

“Investoren verlassen sich auf die Abschlüsse in den Bilanzen, um sich ein neutrales Bild vom Risiko der Bank zu machen, und dieses Bild ist verzerrt worden”, erläutert Selling, einer von drei Bilanzexperten, die auf Anfrage von Bloomberg News die Unterlagen zu den Transaktionen geprüft haben. “Das lässt die Bilanz weniger riskant aussehen, als sie wirklich ist.”

Zumindest nach einem Risiko-Maßstab nimmt die Deutsche Bank unter den größten weltweit aufgestellten Kreditinstituten den letzten Platz ein - nach der Leverage Ratio, einer Verschuldungs-Kennzahl, die den Anteil des verfügbaren Kapitals an den Gesamt-Aktiva beschreibt. Das geht aus Daten bis zum 31. Dezember hervor, die von Thomas Hoenig, dem stellvertretenden Vorsitzenden der US-Einlagensicherung Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC), zusammengetragen wurden.

Kian Abouhossein, ein Analyst bei JPMorgan Chase & Co. in London, schätzte in einem Bericht an Kunden am 4. Juli, dass die Deutsche Bank vor einem Kapital-Engpass in Höhe von 12,3 Mrd. Euro stehen könnte - sollten Vorschläge des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht angewandt werden, wonach Aktiva, die in den Büchern der Banken nicht auftauchen, zu den Verschuldungs- Berechnungen hinzugezogen werden.

Hanes erklärte, dass die Deutsche Bank innerhalb ihrer Peergroup zu den am besten kapitalisierten der Welt zählen würde. Sie verwies auf Verbesserungen bei der Kapitalquote und die Platzierungen von Aktien und nachrangigen Anleihen in diesem Jahr. Finanzvorstand Stefan Krause sagte im Interview mit der Börsen-Zeitung am 6. Juli, dass die Bank ihre Bilanzsumme im Zuge neuer Vorgaben der internationalen Aufseher reduzieren werde.

Seit mindestens 2002 ist die Deutsche Bank unter den Top 3 Konsortialbanken internationaler Bonds zu finden, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Nicht berücksichtigt sind dabei selbst geleitete Deals. In diesem Jahr nimmt die Bank die Spitzenposition ein. Auch in der Region Europa, Naher Osten und Afrika ging es für die Bank beim Arrangieren von Krediten voran: Von Rang acht in 2008 auf mittlerweile Platz drei.

Die Deutsche Bank hielt Kredite mit einer “no balance-sheet usage”- Strategie (“ohne Bilanzierung”) aus den Büchern heraus, wie die Unterlagen zu den Transaktionen mit Monte Paschi und Banco do Brasil zeigen.

Bei normalen besicherten Krediten verleiht eine Bank Geld, das sie bereits hat, und verbucht dies als Forderung unter den Aktiva in der Bilanz. Dafür erhält sie Sicherheiten, die sie hält, bis der Kredit zurückgezahlt ist.

Bei den Transaktionen der Deutschen Bank erhielt die Bank zunächst die Sicherheit, verkaufte diese und nutzte den Erlös für die Kreditvergabe. Durch den Verkauf der Sicherheiten - in den von Bloomberg News geprüften Transaktionen Staatsanleihen - entstand eine Verpflichtung der Bank, die Sicherheiten zurückzugeben, so dass die Bank ihre Forderungen und Verpflichtungen gegeneinander vollständig aufrechnen konnte, geht aus den Unterlagen hervor.

Short bis unters Dach

Die Bank hat effektiv eine Leerverkaufs-Position bei den Bonds aufgebaut, wie aus Deal-Memos und internen E-Mails zu den Transaktionen hervorgeht. Bei einem Leerverkauf verkaufen Händler geliehene Wertpapiere und rechnen damit, sie später zu einem niedrigeren Preis einzukaufen und dann dem Besitzer auszuhändigen.

Verkaufen konnte die Deutsche Bank die Sicherheiten deshalb, weil sie aufgrund der Vereinbarung nicht die Original- Wertpapiere zurückgeben musste. Stattdessen willigte der Kreditnehmer den Unterlagen zufolge ein, dass die Bank bei einem Zahlungsausfall die billigst zu liefernden (“cheapest-to- deliver”) Alternativ-Papiere zurückgeben kann.

Die Bank verkaufte eine Absicherung gegen mögliche Zahlungsausfälle von mit den Sicherheiten verbundenen Wertpapieren und verschob damit das Risiko einer Nichtrückzahlung der Kredite in ihr Handelsbuch und entzog die Positionen damit dem öffentlich zugänglichen Zahlenwerk, erläutern die Bilanzexperten, die die Unterlagen für Bloomberg News geprüft haben.

"Gegen den Geist jeder Regulierung"

Die Deutsche Bank ist gegen eine Verschlechterung der Kreditwürdigkeit eines Staates abgesichert, da der Kunde zusätzliche Sicherheiten hinterlegen müsste, sagen sie. “Es geht gegen den Geist jeder Regulierung”, sagt Arturo Bris, Finanz-Professor an der IMD Business School in Lausanne, der die Deutsche-Bank-Papiere eingesehen hat. “Risiken werden, ebenso wie Energie, umgewandelt, sie verschwinden jedoch nicht.”

Die Deals haben Wertpapier-Pensionsgeschäften - oder Repo- Geschäften - geähnelt, bei denen ein Kreditnehmer Wertpapiere an einen Kreditgeber verkauft und gleichzeitig verspricht, sie zu einem späteren Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis zurückzukaufen. Im Gegensatz zu den typischen Repo-Geschäften, die als Kredite bilanziert werden und teilweise bereits nach einigen Stunden ablaufen, liefen die Deutsche-Bank-Deals fünf Jahre oder länger und wurden nicht als Aktiva festgehalten, wie aus Dokumenten hervorgeht.

Bei der Nicht-Bilanzierung der Kredite berief sich die Deutsche Bank laut den Unterlagen auf die Regel IAS32 der International Financial Reporting Standards (IFRS). Diese sieht vor, dass bestimmte Finanzinstrumente gegeneinander aufgerechnet werden, wenn sie gleichzeitig abgerechnet werden oder sich über die Laufzeit der Transaktion ausgleichen. Auf Nettobasis zu berichten sei eine Verpflichtung, erklärte Hanes von der Deutschen Bank. Es bestehe kein Wahlrecht bei der Bilanzierung dieser Positionen.

Indem sie sich dazu verpflichteten, im Falle eines Ausfalls die billigst zu liefernden Papiere zu akzeptieren, haben Monte Paschi und Banco do Brasil die Bonds, die sie der Deutschen Bank als Sicherheit gegeben haben, effektiv versichert. Sie zahlten Zinsen für das geliehene Geld und erhielten die Zinskupons der Bonds, die sie als weiterhin in ihrem Besitz bilanzierten - da sie diese ja zurückerhalten sollten, wie aus den Dokumenten hervorgeht.

Die Deutsche Bank wiederum profitierte davon, dass sie als Broker der Ausfall-Versicherung auftrat, indem sie Investoren Kredit-Ausfall-Absicherungen verkaufte, wodurch die Bank von Anfang an einen Gewinn verzeichnen konnte. Auf diese Weise wurden beim Monte-Paschi-Deal bei Geschäftsabschluss etwa 60 Mio. Euro an Gewinn erzielt.

Der Deal wurde in internen Memos der Deutschen Bank als “Structured Term“-Repo-Geschäft bezeichnet. Monte Paschi bezeichnet die Finanzierung sowohl als langfristiges Repo-Geschäft als auch als “Total Return Swaps”, wobei die italienische Bank Cash für Bonds erhält.

Blinde Deals

Investoren dürften kaum geahnt haben, dass die aufgerechneten Deals überhaupt existiert haben, sagen zwei der Wirtschaftsprüfer, die die Unterlagen für Bloomberg News geprüft haben. Denn die Deutsche Bank beschreibt in Mitteilungen an die Aufsicht Bilanzierungspraktiken, die darauf hindeuten, dass wahrscheinlich die kompletten Kredit-Volumina gezeigt werden, sagen sie.

Seit 2010 sind in den Jahresbilanzen der Deutschen Bank Repo-Geschäfte unter den Transaktions-Arten zu finden, die der Bank zufolge gewöhnlich in Brutto- und nicht Nettobeträgen verzeichnet werden.

“Für Wertpapiere, die mit einer Rücknahmeverpflichtung verkauft oder mit einer Verpflichtung zur Rückübertragung erworben wurden, erfolgt ebenfalls ein Bruttoausweis, da sie im Rahmen der normalen Geschäftstätigkeit auch nicht auf Nettobasis abgewickelt werden”, heißt es in der Bilanz des Instituts.

Allerdings bediente sich die Bank für die Bilanzierung neuer langfristiger Repo-Geschäfte bis mindestens 2011 des Aufrechnens, wie zwei mit dem Vorgehen vertraute Personen gegenüber Bloomberg erklärten. Die Kreditvergabe verlangsamte sich, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihren eigenen Krisen-Krediten eingriff, sagte eine der Personen.

Rechtslage bis ins Detail ausgenutzt

“Sie haben eine schlaue Möglichkeit gefunden, um sich die Rechtslage zunutze zu machen und haben die Regeln buchstabengetreu befolgt”, sagt Barry Epstein, Principal für Forensic Accounting und Litigation Consulting bei Cendrowski Corporate Advisors in Chicago, der die Dokumente untersucht hat.

Gestaltet wurden die Transaktionen von der Investmentbank unter ihrem damaligen Co-Chef Anshu Jain. Jain, der mitgewirkt hat, die Deutsche Bank zu einer der weltgrößten Investmentbanken zu machen, ist seit vergangenem Jahr Co-Vorstandschef der Bank.

Der Monte-Paschi-Kredit über 2 Mrd. Euro aus dem Jahr 2008, den Bloomberg News im Januar aufdeckte, wird von der Staatsanwaltschaft in Siena untersucht, da die italienische Bank die Transaktion dazu benutzt hat, Verluste zu verschleiern.

Der Deutschen Bank wird dabei kein Fehlverhalten vorgeworfen. Die Transaktion habe einen rigorosen internen Prüfungsprozess durchlaufen und habe auch von dem Kunden die erforderliche Zustimmung erhalten, erklärte die Deutsche Bank. Jain wollte zu den Krediten an Banken nicht Stellung beziehen.

Die Unterlagen, in denen Ansatz und Bilanzierung der Kredite an Monte Paschi und Banco do Brasil beschrieben werden, lassen die Einsatzmöglichkeiten dieser Transaktionen auch über Italien hinaus erahnen.

Als die Kreditmärkte 2008 zufroren, arbeiteten Manager der Global Rates Group - die zu der Zeit von Michele Faissola geleitet wurde - der Deutschen Bank in London zusammen mit Bankern anderer Sparten, an langfristigen Repo-Deals, um Finanzkonzernen dabei zu helfen, ihren Hunger nach Barmitteln zu stillen. Faissola, der mittlerweile das Asset and Wealth Management der Bank weltweit verantwortet, wollte keinen Kommentar abgeben.

Heißer Tanz mit maroden Kunden

Die in den Dokumenten erörterten und von den informierten Personen beschriebenen Deals hatten Bezug zu einigen der angeschlagensten Banken und Volkswirtschaften zu einem gefährlichen Zeitpunkt. Dazu zählte ein Kredit über 200 Mio. Euro an Banco Popolare, die ebenso wie Monte Paschi Staatshilfe von Italien annehmen musste.

Manager der Deutschen Bank genehmigten eine vergleichbare Transaktion mit Dexia, der französisch-belgischen Bank, die später gerettet werden musste, geht aus den Dokumenten hervor. Ein vierseitiges Memo schließt mit den Worten, dass der Deal am 8. August 2008 genehmigt wurde. Die Barauslage wurde darin von dem Accounting Technical Forum als Kredit bezeichnet. Die Deutsche Bank führe effektiv eine Finanztransaktion durch und verbuche einen Kredit, um dies widerzuspiegeln, erklärte die Buchhaltungsabteilung.

In einem einseitigen Anhang wird erklärt, dass die Deutsche Bank den Kredit mit ihrer Verpflichtung, den Wert der Bonds an Dexia zurückzuleiten, aufrechnen würde.

Eine solche Transaktion zwischen der Deutschen Bank und Dexia habe es nicht gegeben, erklärte dazu Sprecherin Hanes.

Zumindest konnte die geplante Finanzierung jedoch als Blaupause für künftige Deals dienen, wie aus den Unterlagen hervorgeht. Wie aus einem Memo der Buchhaltungsabteilung vom Februar 2009 hervorgeht, wurde die Genehmigung eines erweiterten Repo-Geschäfts mit Banco do Brasil unter Vorbehalt erteilt, da eine “Obergrenze von 5 Mrd. Euro beim Repo-Aufrechnen in der ursprünglichen Genehmigung des Dexia-Deals von 2008 ermittelt” worden sei.

Die staatliche Banco do Brasil ging 2009 einen fünfjährigen Deal mit der Deutschen Bank ein und lieh dabei etwa 500 Mio. Dollar aus, erklärten zwei mit der Finanzierung vertraute Personen, die nicht namentlich genannt werden wollten, weil Transaktion privat war.

Al Khaliji lieh sich 2009 rund 42 Mio. Dollar von der Deutschen Bank aus im Rahmen eines langfristigen Repo-Geschäfts, das mit Staatsanleihen Katars unterlegt war, bestätigte ein Manager der Bank mit Sitz in Doha, der im Rahmen der Firmenpolitik nicht namentlich genannt werden wollte.

In Griechenland, wo die europäische Staatsschuldenkrise 2009 ihren Anfang nahm, lieh sich Hellenic Postbank mindestens 100 Mio. Euro von der Deutschen Bank, erklärten zwei mit dem Deal vertraute Personen. National Bank of Greece, der Marktführer des Landes, erhielt 220 Mio. Euro, erklärte eine der Personen. “Wir können keine Informationen über den Deal offenlegen, da es sich dabei um eine bilaterale Transaktion zwischen Banken handelt”, erklärte Petros Christodoulou, der stellvertretende CEO der National Bank of Greece.

Harris Siganos, der CEO der staatlich kontrollierten Hellenic Postbank, wollte keinen Kommentar abgeben, ebenso wie Sprecher von Banco Popolare, Banco do Brasil und Dexia.

Aufseher waren blind

Aus den von Bloomberg eingesehenen Dokumenten geht nicht hervor, ob die Aufsichtsbehörden in Deutschland oder anderswo etwas von den Transaktionen wussten. Sven Gebauer, ein Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin aus Bonn, erklärte, dass aus Gründen der Vertraulichkeit kein Kommentar zu bestimmten Unternehmen oder Transaktionen abgegeben werden könne.

Ute Bremers, eine Sprecherin der Bundesbank in Frankfurt, wollte zu den Deals nicht Stellung nahmen, ebenso wie John Nester von der US-Finanzaufsicht SEC in Washington. Ein Sprecher des International Accounting Standards Board in London, das Bilanzierungsregeln festsetzt, erklärte, dass kein Kommentar dazu abgegeben werde, wie Bilanzierungsrichtlinien umgesetzt würden.

“Die Zahlen sollten offengelegt werden”, sagt Edgar Löw, Honorarprofessor an der WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar bei Koblenz. Er hat die Deutsche-Bank-Dokumente für Bloomberg durchgesehen. Diese Art der Buchführung sei von den Regeln nicht beabsichtigt gewesen.

Löw, der zuvor bei KPMG und der Deutschen Bank tätig war, erklärte, dass er nicht in die Veröffentlichungen der Bank involviert gewesen sei und solche Deals adressiert hätte.

Ende 2009 lief die europäische Staatsschuldenkrise bereits und drückte auf Bonds, die einigen der Transaktionen zugrundelagen und belastete das Kapital von Banken wie beispielsweise Monte Paschi. Die Bank hatte ein Cash-für-Bonds- Repo-Geschäft mit der Deutschen Bank dafür eingesetzt, um Verluste im Volumen von etwa 429 Mio. Euro zu verstecken.

Die Staatsanwaltschaft in Siena untersucht den Deal, der Projekt “Santorini” genannt wird, als Teil von Untersuchungen wegen vermeintlichem Betrug, falscher Rechnungslegung und Behinderung der Arbeit der Aufsichtsbehörden bei der ältesten Bank der Welt, geht aus Gerichtsunterlagen hervor. Die italienische Bank korrigierte einige Zahlen und musste bis zum 31. März Sicherheitsleistungen im Volumen von 939,1 Mio. Euro hinterlegen - dabei handelt es sich um Garantien für die Deutsche-Bank-Transaktion, die auch einen Zins-Swap beinhaltet, erklärte Monte Paschi am 24. April.

Doch auch die nicht in der Bilanz aufgeführte Kreditvergabe der Deutschen Bank hat nicht verhindern können, dass das Institut in diesem Jahr sein Kapital erhöhen musste. Im April wurden neue Aktien für rund 3 Mrd. Euro ausgegeben, hinzu kamen später nachrangige Papiere über 1,5 Mrd. Dollar.

Die Aktionäre können sich der Gesundheit eines Kreditinstituts nur sicher sein, wenn sie die Aktivitäten verstehen, die eine Bank unternimmt, sagt Christopher Wheeler, ein Analyst bei Mediobanca SpA in London.

“Es gab viel Trubel um Werkzeuge, derer sich die Bank bedient hat, um seit der Krise ihr Kapital zu erhöhen und die Verschuldung zu senken”, sagt Wheeler. “Wenn sich herausstellt, dass dieser bestimmte Mechanismus eingesetzt wurde, würde dies zu ernsthaften Bedenken führen, ob die gegenwärtigen Kapital- und Verschuldungsquoten die Finanzposition der Bank richtig widerspiegeln.”

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