USA auf der Rating-Kippe – "Ihr verdient ein 'AAA' eigentlich nicht"

USA auf der Rating-Kippe – "Ihr verdient ein 'AAA' eigentlich nicht"

Zwar hat S&P den Ausblick für das US-Rating in der vergangenen Woche von “negativ” auf “neutral” heraufgesetzt, Moody’s und Fitch prüfen jedoch beide eine Bonitäts-Herabstufung der weltgrößten Volkswirtschaft.

Moody’s will vor einer Entscheidung die Haushaltsentscheidungen der Abgeordneten in diesem Jahr abwarten. Fitch hat einen “negativen” Ausblick für die US-Note und erklärte im Februar, dass die Schuldenentwicklung des Landes eigentlich nicht mit einem “AAA”-Rating vereinbar ist.

Für die USA steht nicht wenig auf dem Spiel: Einige Investmentfonds und andere Anlageprodukte dürfen nichts anderes als erstklassige “AAA“-Wertpapiere besitzen. Zudem können Ratingveränderungen die Volatilität erhöhen. Die Herabstufung durch S&P vor zwei Jahren trug zu einer weltweiten Talfahrt an den Aktienmärkten bei: Im Zeitraum von 26. Juni 2011 bis zum 12. August 2011 wurden dabei etwa 6 Billionen Dollar an Marktwert ausgelöscht.

Moody’s hat den Ausblick für die Bonitätsnote der Vereinigten Staaten im August 2011 auf “negativ” gesetzt. Die Ratingagentur will die Haushaltsverhandlungen abwarten, bevor sie eine Entscheidung fällt, erklärte Steven Hess, Senior Vice-President und führender Analyst für das Länderrating der USA.

Eine Herabstufung “ist keine ausgemachte Sache”, sagte er im Telefoninterview mit Bloomberg News. “Wir sehen eine beachtliche Verbesserung bei Wirtschaft und Arbeitslosigkeit. Es gibt zwar keinen Boom, aber alles bewegt sich in eine positive Richtung. Wir würden uns mit einer Beibehaltung des “Aaa“- Ratings allerdings wohler fühlen, wenn wir auch eine mittelfristige Verbesserung beim Verhältnis von Schulden zu Bruttoinlandsprodukt (BIP) sehen würden.”

Anstieg der Verschuldung

Das Congressional Budget Office (CBO), das für Haushaltsschätzungen und -prüfungen zuständig ist, rechnet für 2014 mit einem Anstieg der Verschuldung um einen Prozentpunkt auf 76 Prozent des BIP. Der Anstieg erfolgt, obwohl das Haushaltsdefizit in diesem Fiskaljahr auf 642 Mrd. Dollar schrumpfen dürfte - verglichen mit dem Rekord von 1,4 Bill. Dollar im Jahr 2009. Die jüngsten Erwartungen seien positiv für die Einschätzung der Kreditwürdigkeit, erklärte Moody’s in einem Bericht vom 20. Mai.

“Vielleicht haben sich die Dinge leicht in eine positive Richtung geneigt, basierend auf der wirtschaftlichen Entwicklung und dem fiskalischen Ausblick”, sagt Hess. “Die Defizite sinken, aber das Verhältnis von Schulden zu BIP steigt nach wie vor.”

Fitch sieht den US-Ausblick seit November 2011 “negativ” und will bis Anfang Juli eine Entscheidung über die Bonitätsnote gefällt haben, wie Dan Noonan sagt, ein Sprecher der Firma. In einem Bericht vom Februar hatte die Ratingagentur erklärt, dass sie den Ausblick nur dann auf “neutral” setzen würde, wenn sie zu der Überzeugung käme, dass “die Staatsschulden in der späteren Hälfte des Jahrzehnts einen Abwärtspfad einschlagen” würden.

Die eigenen Erwartungen der Ratingagentur “könnten auf eine leichte Reduzierung beim Verhältnis von Schulden zu BIP hindeuten”, erklärte David Riley, der führende Fitch-Analyst für Länder-Ratings, in einer Stellungnahme per E-Mail am 12. Juni.

Herabstufung ist Basis-Szenario

Eine Herabstufung der USA durch Moody’s und Fitch ist das “Basis-Szenario” bei Bank of America Merrill Lynch, sagt Priya Misra, Leiterin US-Zinsstrategie in New York. Die Bank ist einer der 21 Primärhändler bei US-Staatspapieren.

“Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Reduzierung des Defizits durch die Politik ist verschwindend gering”, sagte Misra in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. Sollte es jedoch tatsächlich dazu kommen, dürfte es nur eine minimale Marktreaktion nach sich ziehen, “da S&P uns bereits auf diesem Niveau hat und alle davon überzeugt sind, dass sich das Wachstum verbessert”, fügte sie hinzu.

Sollte es der Regierung 2013 - im ersten Jahr der zweiten Amtszeit von Präsident Barack Obama - nicht gelingen, zu einer Einigung mit Blick auf Sozialausgaben und langfristige Ausgaben zu kommen, wäre das eine “verpasste Gelegenheit”, sagt Peter Hooper, Chef-Volkswirt bei Deutsche Bank, einem weiteren Primärhändler von US-Bonds.

“Es stellt eine Art Weckruf dar, wenn gesagt wird ’ihr verdient ein “Aaa“-Rating eigentlich nicht, denn ihr verfügt über kein effektiv arbeitendes System und ihr seid selbstgefällig, wenn es um eure Verschuldung geht’”, erklärte Hooper im Telefoninterview mit Blick auf eine mögliche Herabstufung durch Moody’s.

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