"Ich befürchte, dass die Währungsunion auseinanderfliegt"

"Ich befürchte, dass die Währungsunion auseinanderfliegt"

"Ich glaube nicht, dass wir das Problem annähernd gelöst haben", sagte Konjunkturchef Joachim Scheide vom Institut für Weltwirtschaft am Montag zu Reuters. "Weil die Politik die Lösung weiter verschiebt, wird das vielleicht in einem großen Knall enden", ergänzte er.

"Ich bin eigentlich skeptisch und befürchte, dass die Euro-Krise eher dazu führt, dass die Währungsunion auseinanderfliegt." Früher oder später müsse es einen Schuldenschnitt für Griechenland geben. Derzeit versuche man, diesen Forderungsverzicht der öffentlichen Gläubiger auf die Zeit nach der Bundestagswahl im September 2013 zu verschieden. "Ob die Finanzmärkte noch einmal zehn Monate still halten, das wage ich zu bezweifeln."

Die Euro-Länder hatten sich jüngst darauf geeinigt, Griechenland für das Erreichen der vereinbarten Konsolidierungsziele zwei Jahre mehr Zeit zu geben. Um die dadurch entstehende Finanzlücke zu schließen, sollen Zinsen gesenkt und Kredite verlängert werden. Zentral ist ein Schuldenrückkauf durch das Land, für den Griechenland am Montag Details vorstellte. Einen Schuldenschnitt lehnen die Euro-Partner bisher ab, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat dies für später jedoch nicht ausgeschlossen.

"Schuldenschnitt – je schneller, desto besser"

IfW-Experte Scheide fordert nun klare Verhältnisse. "Man muss einen kräftigen Schuldenschnitt machen, damit Griechenland nicht immer hinterherhinkt mit den Maßnahmen und sich in einer permanenten Rezession befindet." Zudem sei keine Zeit zu verlieren. "Je schneller, desto besser", mahnte Scheide. Er plädierte für einen Forderungsverzicht von rund 50 Prozent, damit der Schuldenstand im Verhältnis zur Wirtschaftskraft in etwa auf 80 Prozent halbiert werden könnte.

Ob Griechenland nach 2014 finanziell auf eigenen Füßen stehe, sei schwer zu prognostizieren. Andere Länder hätten das zwar geschafft, sagte Scheide. Dann müsste mit fortgesetzten, "knallharten Reformen" das Vertrauen der Investoren gewonnen werden. Es bliebe das Problem, dass Griechenland viel Geld aufbringen müsste, um seine hohen Verbindlichkeiten zu begleichen, sagte Scheide. "Aber es ist völlig unrealistisch, das ohne Schuldenschnitt hinzukriegen."

Arbeitslosigkeit steigt weiter – womöglich über 26 Prozent

Am Nachmittag kam dann die nächste Hiobsbotschaft von der griechischen Zentralbank: Angesichts der anhaltenden Rezession in Griechenland erwarten die Notenbanker eine weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit in den kommenden Jahren. Die Arbeitslosenrate werde in den beiden kommenden Jahren 26 Prozent erreichen und übersteigen, schreibt die Bank in ihrem am Montag veröffentlichten Halbjahresbericht. Die Arbeitslosigkeit habe einen "explosiven Anstieg" verzeichnet und sei von 7,6 Prozent im Jahr 2008 auf 17,7 Prozent 2011 und schließlich 23,5 Prozent in diesem Jahr gestiegen.

Hauptgrund für diesen starken Anstieg ist aus Sicht der Notenbank die starke Rezession, die der griechischen Wirtschaft von 2008 bis 2013 einen Einbruch um 24 Prozent bescheren könnte. "Diese Rezession, die auf den Rückgang der Kaufkraft zurückgeht, die bis 2008 der wichtigste Wachstumsmotor war, ist historisch beispiellos für die griechische Wirtschaft in Friedenszeiten", hieß es in dem Bericht. Die Folgen seien nicht nur für die Einkommen, sondern auch für den sozialen Zusammenhalt gravierend.

Die Arbeitslosenprognosen der Zentralbank sind schlechter als die Zahlen im kürzlich vom Parlament verabschiedeten Mehrjahreshaushalt. Darin wird für 2012 mit einer Arbeitslosigkeit von 22,4 Prozent gerechnet, während für 2013 ein leichter Anstieg auf 22,8 Prozent und für 2014 ein Rückgang auf 21,4 Prozent vorausgesagt wird.

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