"Die Bank of Japan bringt die Märkte massiv aus dem Gleichgewicht"

"Die Bank of Japan bringt die Märkte massiv aus dem Gleichgewicht"

Es ist ein Erdbeben an den Finanzmärkten, das die japanische Notenbank mit ihrer noch nie dagewesenen Geldschwemme ausgelöst hat - und zugleich ein radikaler Strategiewechsel. Die Entscheidung des neuen Notenbankchefs Haruhiko Kuroda, aus allen Rohren gleichzeitig zu feuern, ist ein klares Signal, dass er keine Politik der Trippelschritte verfolgen wird. Im Gegenteil: Kuroda setzt alles auf eine Karte, einen Plan B hat er Experten zufolge nicht.

"Es ist eine andere Welt im Vergleich zu den Zeiten, als die Notenbank Schritt für Schritt vorgegangen ist", sagt ein Insider aus dem Umfeld der Bank von Japan. Doch ob das ausreicht, die hartnäckige Wirtschaftskrise zu überwinden, darf bezweifelt werden.

Die Bank von Japan schleust riesige Summen in das Finanzsystem in der Hoffnung, dass die Institute mehr Kredite an die Wirtschaft ausreichen, so die Investitionen ankurbeln und schließlich Löhne und Preise steigen. Ob das gelingt, ist bei Experten aber umstritten. Denn letztlich kann die Notenbank Banken und Unternehmen nicht vorschreiben, was sie mit ihrem Geld zu tun haben - zumal dann, wenn die Wirtschaft des Landes seit Jahren darnieder liegt und Preise und Löhne auf breiter Front sinken.

1,4 Billionen Dollar für den Aufschwung

Die Währungshüter wollen in den kommenden knapp zwei Jahren rund 1,4 Billionen Dollar in die Wirtschaft pumpen - vor allem über den Ankauf von Staatsanleihen mit Laufzeiten bis zu 40 Jahren. Jeden Monat sollen Bonds im Wert von 78 Milliarden Dollar erworben werden, das entspricht ungefähr 70 Prozent aller Papiere, die überhaupt auf den Markt kommen. "Die Bank von Japan drängt im Grundsatz Investoren aus dem Anleihemarkt und zwingt sie dazu, ihr Geld anderweitig anzulegen", urteilt Izuru Kato, Chefvolkswirt beim Analysehaus Totan.

Tatsächlich könnte ein Gutteil des Geldes in spekulative Anlagen gehen - sowohl in Japan als auch auf ausländischen Märkten, die höhere Renditen versprechen. So berichtete der polnische Staatssekretär Wojciech Kowalczyk bereits von einem verstärkten Interesse asiatischer Anleger nach polnischen Staatsanleihen. Auch in Japan selbst löste die Bank von Japan Verwerfungen aus: Der Nikkei-Index schoss am Freitag zeitweise auf den höchsten Stand seit 2008. Der Yen gab nach, die Renditen der japanischen Staatsanleihen fielen auf Rekordtiefs.

Notenbankchef Kuroda spielt dennoch die Gefahr herunter, er löse mit der Geldflut neue Blasen an den Märkten aus. Experten sehen das aber anders: "Die Notenbank bringt schon jetzt die Märkte massiv aus dem Gleichgewicht, und das ist der Preis, den sie zu zahlen bereit ist", so Analyst Kato. "Was kommt aber als nächstes? Es gibt eigentlich keine Optionen mehr für die Bank von Japan."

Alles oder nichts

Kuroda geht nach Einschätzung der Insider davon aus, dass eine Notenbank alle ihre Ressourcen einsetzen muss, um einen maximalen Einfluss auf den Markt zu nehmen. Das Direktorium der Zentralbank stellte sich am Donnerstag einstimmig hinter Kurodas Ansatz, auch wenn es sich der Risiken bewusst ist. Aber die Zentralbanker hätten wohl noch keine klare Vorstellung darüber, sagte der Insider, wie sie auf einen rasanten Anstieg des Yen oder eine weltweite Konjunkturabkühlung reagieren würden. In solchen Szenarien würde Japans exportabhängige Wirtschaft in die Rezession zurückfallen und das Inflationsziel von zwei Prozent unerreichbar werden.

Manche Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Bank von Japan im Oktober erneut unter Druck gerät, noch mehr Geld in die Wirtschaft zu pressen, wenn die vierteljährliche Konjunkturprognose vorliegt und immer noch keine Anzeichen für steigende Preise erkennbar sind. Ob das die Wirtschaft zurück in die Spur bringt oder den Abgrund noch ein Stückchen näher, wird sich zeigen.

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Soros und Gross warnen vor Yen-Lawine

Auch die Investment-Legenden George Soros und Bill Gross sehen die Pläne der japanischen Notenbank zur Beendigung der Deflation skeptisch. Diese würden den Yen schwächen. Gross verwaltet bei der Allianz-Tochter Pimco den weltgrößten Anleihefonds. Soros erlangte 1992 Berühmtheit mit einer 10 Mrd. Dollar schweren Wette, dass die Bank of England gezwungen sein werde, das Pfund abzuwerten. Der Deal brachte ihm später rund eine Milliarde Dollar ein.

“Wenn der Yen zu fallen beginnt, was er getan hat, und die Leute in Japan realisieren, dass dies anhalten wird, werden sie ihr Geld ins Ausland bringen wollen. Dann könnte die Abwärtsbewegung zu einer Lawine werden”, sagte Soros am Freitag in einem Interview mit CNBC. Die Währung muss “noch sehr viel stärker” sinken, wenn der japanische Notenbankchef Kuroda sein Inflationsziel von zwei Prozent erreichen will, sagte Gross bereits am Donnerstag.

Die japanische Währung ist in den vergangenen sechs Monaten um 18 Prozent gesunken wegen Spekulationen, dass die Währungshüter mehr Geld in die Wirtschaft pumpen werden. Der Yen ist am Freitag gegenüber dem Dollar bis auf 97,19 Yen gefallen, einem seit August 2009 nicht erreichtem Niveau. Zuletzt notierte der Yen bei 96,11 Yen 0,2 Prozent höher als am Vortag, als die Devise um 3,6 Prozent eingebrochen war.

"Wenn Japan etwas in Gang setzt, können sie es vielleicht nicht stoppen"

“Wenn das, was sie tun, etwas in Gang setzt, sind sie möglicherweise nicht in der Lage, es zu stoppen”, sagte Soros. Soros Fund Management LLC, das Family Office des Milliardärs, hat seit November fast eine Milliarde Dollar mit Wetten auf einen fallenden Yen gemacht, sagte eine der Gesellschaft nahe stehende Person Mitte Februar gegenüber Bloomberg News.

Kuroda dürfte Schwierigkeiten haben, sein Inflationsziel zu erreichen, sagte Gross. Die G7-Staaten dürften Druck auf Japan ausüben, das Tempo des Yen-Rückgangs zu kontrollieren, um die Gewinne in ihren eigenen Währungen zu mäßigen, erklärte er. Eine stärkere Währung macht die Güter eines Landes im Ausland teurer.

“Es scheint nicht unerreichbar, aber es ist sicherlich ein ehrgeiziges Ziel”, sagte Gross am Donnerstag gegenüber Bloomberg Television. “Unserer Meinung nach muss der Yen noch sehr viel stärker abwerten, um nur in die Nähe des Inflationsziels von zwei Prozent zu kommen, sagte er. “Ich bin nicht sicher, ob die anderen G7-Länder das zulassen werden”, erklärte Gross. “Sie müssen es in gewissem Maße kontrollieren.”

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