"Argentinien versagt bei der Bekämpfung der Inflation – also lügen sie"

"Argentinien versagt bei der Bekämpfung der Inflation – also lügen sie"

Die Anfang Februar vom Internationalen Währungsfonds (IWF) ausgesprochene Rüge Argentiniens beeindruckt die Regierung von Cristina Fernandez de Kirchner offenbar nicht. Der Fonds tadelte das Land, weil es seine Inflationsrate zu niedrig angegeben habe.

Die Lücke zwischen der offiziellen Inflation und den Schätzungen privater Ökonomen weitete sich im Januar auf 15,2 Prozentpunkte aus. Das ist die größte Diskrepanz seit März 2011. Die Regierung besteht darauf, dass ihre Berechnungsmethode korrekt ist.

Argentinische Staatsanleihen, die an den offiziellen Inflationsindex gekoppelt sind, haben im Februar 1,6 Prozent verloren. Das war laut Daten von Barclays Plc die schlechteste Entwicklung unter den Schwellenländermärkten. Zum Vergleich: mexikanische Inflationsbonds haben 0,8 Prozent zugelegt.

Drei Wochen nachdem der IWF Argentinien aufforderte, “Abhilfe” zu schaffen und die Genauigkeit der Daten zu verbessern, berichtet das nationale Statistikamt, dass die Verbraucherpreise im Januar um 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen seien. Die Schätzungen von Ökonomen lagen dagegen im Durchschnitt bei einem Preisanstieg von 26,3 Prozent. Bevor die Zahlen veröffentlicht wurden, ordnete Präsidentin Fernandez bei Lohnsteigerungen von über 20 Prozent an, die Preise in den Supermärkten für 60 Tage bis zum 1. April einzufrieren.

“Sie werden im offiziellen Index weiterhin lügen und die Kurse der inflationsindexierten Anleihen werden so lange fallen, bis die Renditen für die reale Inflation entschädigen”, sagt Aldo Pignanelli, ein früherer Zentralbankpräsident, der nun das Beratungsunternehmen Saber SA in Buenos Aires leitet, in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. “Die Preiskontrollen zeigen, dass die Regierung die Inflation als Problem erkennt. Aber sie werden natürlich völlig dabei versagen, die Inflation dieses Jahr unter 30 Prozent zu drücken”, fügte er an.

Wirtschaftsminister Hernan Lorenzino erklärte, die Rüge des IWF entbehre jeder Grundlage. Argentinien werde im vierten Quartal damit beginnen, einen neuen Verbraucherpreisindex zu verwenden, nachdem eine Umfrage zum Konsum, die im März 2012 begonnen habe, abgeschlossen sei.

Fernandez hatte in einer Rede an der Georgetown University in Washington am 26. September gesagt, die privaten Ökonomen verfügten nicht über genügend Ressourcen, um die Inflation akkurat zu messen. “Wenn die Inflation 25 Prozent betragen würde, wäre das Land in der Luft explodiert”, sagte sie weiter.

Nach Angaben von Barclays liegt die Rendite der argentinischen Inflationsbonds mit Fälligkeit 2033 bei 13,24 Prozent, im Vergleich zu durchschnittlich 3,75 Prozent bei Anleihen, die an lateinamerikanische Verbraucherpreise gebunden sind. Die in Peso denominierten Papiere haben seit 2010, als der IWF damit begann, die Genauigkeit der offiziellen Preisdaten zu bezweifeln, rund 35 Prozent an Wert verloren. Dazu beigetragen haben auch die Kursverluste des Peso von 12,5 Prozent im vergangenen Jahr.

Daten der Analysegesellschaft ACM Consultores in Buenos Aires zeigen, dass die Regierung von 2007 bis 2012 rund 7 Mrd. Dollar bei der Bedienung der Inflationsanleihen gespart hat, indem sie die Preissteigerung zu niedrig angegeben hat.

Ökonomen stellen den offiziellen Inflationsindex bereits seit 2007 in Frage. Damals hatte der verstorbene frühere Präsident und Ehemann von Fernandez, Nestor Kirchner, die leitenden Mitarbeiter des Statistikamtes Indec ausgetauscht. 2010 begann die Regierung damit, Strafen von bis zu 500.000 Peso (74.392 Euro) zu verhängen, wenn Ökonomen Verbraucherpreisprognosen veröffentlichten, die von den offiziellen Zahlen abwichen.

“Sie lügen über die Inflation und zahlen nicht das, was sie zahlen sollten”, sagt Jorge Piedrahita, Chef von Torino Capital LLC in New York. “In meinem Wörterbuch heißt das Zahlungsausfall”, fügt er an.

Argentinien ist das erste Land, das vom IWF getadelt wurde. Der Tadel wurde am 1. Februar ausgesprochen. Bis zum 29. September läuft nun eine Frist, in der Argentinien die Genauigkeit seiner Daten verbessern muss. Andernfalls drohen dem Land Sanktionen. Im härtesten Fall kann das Land den Zugang zu Nothilfen des IWF im Umfang von 3,2 Mrd. Dollar verlieren und aus der Weltbank ausgeschlossen werden. Derzeit schuldet das Land der Weltbank 5,5 Mrd. Dollar in Krediten. Die geschäftsführende Direktorin des IWF, Christine Lagarde, muss bis zum 13. November über die Fortschritte Argentiniens Bericht erstatten.

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