World Wide Wine

Online-Weinversand gewinnt zunehmend an Bedeutung. Doch anstatt direkt in Konkurrenz zu treten und damit dem Kunden Preisvergleiche zu ermöglichen, pflegen die meisten Anbieter lieber Stammkunden und eigene Fachbereiche.

Die Verbindung hätte nicht glücklicher sein können. Als der Vinotheken-Besitzer Sepp Sailer und sein Freund, der Hobby-Webdesigner Norbert Jagschitz, vor acht Jahren gemeinsam an einem Internetauftritt für Sailer’S-Weinhandel brüteten, hatte der eine keine Ahnung von dem Ding des anderen. Freilich ist das etwas überspitzt ausgedrückt. Schließlich kannten die beiden einander schon lange durch ihre gemeinsame Lehrtätigkeit an der Höheren Lehranstalt für Wirtschaft und Tourismus, der „Pannoneum“, in Neusiedl am See. „Aber es war wirklich so, dass der Norbert nie ein Glas Wein getrunken hatte“, beschreibt Sailer seinen mittlerweile verstorbenen Freund. Lieber lief dieser, wie sich der Vinothekar erinnert, „immer mit dem Laptop unterm Arm herum, was wiederum für mich völliges Fremdland war“.

Ein Internet-User, der keinen Deut vom Wein hatte, ein Weinliebhaber, der null Vorstellung vom Netz-Werken hatte: Genau dieser doppelte Dilettantismus aber machte Sailer’S zu einer beispielhaften Online-Vinothek.

Der Weinkauf übers Internet gewinnt zunehmend an Bedeutung – speziell wenn es um die Beschaffung von Weinen für den Alltagskonsum geht. Trotzdem sind nur wenige Händler in ihrem Online-Auftritt mit jenem von Sailer vergleichbar. Ebenfalls als extrem übersichtlich erweisen sich etwa die Online-Vinothek des Lienzer Weinboutique-Betreibers Andrä Vergeiner oder die Internet-Wein-„Filiale“ der Supermarktkette Interspar, weinwelt.at, über die mittlerweile gleich viel Umsatz erzielt wird, „wie“, so Spar-Sprecherin Nicole Bergmann kryptisch, „die Weinabteilungen von fünf Filialen zusammen erwirtschaften“.

Einziges Manko, das „Sailer’S“ gegenüber Größeren wie weinwelt hat: Sein Angebot beinhaltet ausschließlich (gewiss hervorragende) Burgenlandweine. Über Links sind die Regionen (Neusiedler See, Neusiedler See-Hügelland, Mittelburgenland u. a.) klar aufgelistet. Klickt man diese an, scheinen die jeweils bedeutendsten Winzer auf – alphabetisch gereiht, mit ihren wichtigsten Produkten. Die ältesten Flaschen gehen bis 1999 zurück, die jüngsten datieren – logischerweise – von der letzten Ernte (2004). Die Beschreibungen reduzieren sich aufs Wesentliche, etwa „Trocken“ oder „Süߓ – der Preis ebenfalls. „Wir bieten ausschließlich Ab-Hof-Preise an“, garantiert Sailer, „und das schätzen die Kunden.“ Das Geschäft sei daher von Anfang an ein Renner gewesen.

Vergnügen braucht Flair. Nicht jeder Internetanbieter blickt auf diesen Spontanerfolg zurück. Der bekannte Salzburger Weinhandel Stangl etwa hält diese Geschäftsform für entbehrlich. „Wir bieten zwar auch Weine übers Internet an“, berichtet Marketing-Chef Karl-Heinz Kreuzsaler, „aber forciert wird diese Schiene nicht unbedingt. Denn 80 Prozent unserer Lieferungen gehen nach wie vor an die Gastronomie.“

Auch Winzer wie Engelbert Prieler oder Anton Kollwentz kommen gut ohne Webshop aus. „Wir nehmen zwar auch Bestellungen übers Netz auf, aber die meisten unserer Klienten kommen uns lieber persönlich besuchen“, erzählt Junior-Chef Georg Prieler. Ähnliche Beobachtungen machte auch Heidi Kollwentz, die den Verkauf der Kollwentz-Weine betreut: „Der Kunde schätzt den Direktkontakt zum Winzer. Er will kosten, sich mit meinem Mann unterhalten und auch das Flair, das so ein Weingut umgibt, genießen.“

Der Internethandel ab Hof funktioniert vor allem dann gut, wenn eine intensive Verknüpfung mit dem Ausland gegeben ist. Ariane Umathum, die Frau des Winzers Josef Umathum, etwa gibt sich durchaus angetan, wenn die Rede aufs World Wide Web fällt: „Wir verkaufen mittlerweile an die 120 Flaschen pro Woche über den Internethandel. Sehr viel davon geht nach Deutschland, in die Schweiz, nach Holland und England.“ Die Abwicklung des Versands gehöre mittlerweile zum täglichen Geschäft. „Dabei“, so schmunzelt Umathum, „ist das Ganze überhaupt nur ins Laufen gekommen, weil uns ein Freund angeboten hat, eine Homepage zu gestalten.“

Flott wie das Web. Nicht Zufall, sondern strenges Kalkül bestimmt die Internetauftritte der großen österreichischen Versandhäuser: So überarbeiten der Vinorama-Weinversand von Morandell oder Sankt Urban von Gottardi – beide Häuser sind für ihre breite Bordeaux-Auswahl bekannt sowie das Aufstöbern frischer Talente aus der Neuen Welt – regelmäßig ihre Seiten. Zudem werden bei Morandell alle 14 Tage Newsletters, 14 Mailings im Jahr und ein Katalog ausgeschickt – Alexander Gottardi berichtet gar von drei bis vier Mailings pro Woche, um die Kunden am Laufenden zu halten.

Denn eines spielt es sicher nicht: einfach dasitzen und warten, bis sich der Kunde einloggt und Weine in den Warenkorb klickt. „Wenn wir mit klassischen Medien nachhelfen, steigt die Internetfrequenz enorm“, erzählt Gottardi. Eine Zusatzübung, die Franz Gutmann vom Vinorama-Weinversand nur allzu bekannt vorkommt: „Wenn man auf sich aufmerksam machen möchte, kommt man ohne die altmodische schriftliche Form nicht aus.“

Das Geschäft ist also nicht weniger aufwändig durchs Internet geworden, nur die Bestellungsabläufe haben sich beschleunigt. „Manche schicken uns Anfragen, weil sie für die Hochzeit der Tochter einen passenden Wein suchen oder für eine Firmenfeier. Diese Leute werden dann genauso beraten, wie wenn sie zu uns ins Geschäft kommen würden“, erzählt Gutmann. Auch bei Gottardi verlegt sich die Kommunikation zunehmend auf e-Mail-Korrespondenzen. „Man kann sagen, es kommt zu einer Verlagerung von Fax und Telefon hin zum Internet. Der zusätzliche Geschäftsgewinn, der ausschließlich übers Internet erfolgt, ist verschwindend gering.“

Wenig Konkurrenz. Was sich die Internetanbieter gleich zu Beginn ihrer Netz-Karrieren abgewöhnt haben, ist der Gleichklang im Angebot. „Anfänglich gab es viele Überschneidungen“, erinnert sich Willi Balanjuk, einer der ersten Weinexperten des Landes und Leiter der Dachmarketing-Gesellschaft Wein Burgenland. Etwas routiniertere Surfer hätten sich demnach gleich bei der Schnäppchen-Suchmaschine www.winesearcher.com eingeloggt, in der Hoffnung, damit den Günstigsten auszuloten. „In Wirklichkeit sind viele dieser Superschlauen dem Internet auf den Leim gegangen“, schildert Balanjuk nicht frei von Spott, „denn was sie bei ihrer Rechnung nicht berücksichtigten, war das Kleingedruckte. Also die unterschiedlichen Liefer- und Rabattbedingungen.“

Aus diesem Grund sei bis heute ein direkter Preisvergleich schwer möglich. „Im Grunde verlangen alle gleich viel“, behauptet Balanjuk, „die Preisunterschiede sind zu vernachlässigen.“

Ein leichtes Opfer des schnellen Blicks ist ausgerechnet einer der größten Händler des Landes: Wein & Co. Dem Unternehmen wird nachgesagt, zu den teuersten Anbietern im Netz zu zählen. „Mögen wir auf den ersten Blick auch manchmal um einen Euro teurer sein als andere, holt uns die Konkurrenz wieder bei den Versandkosten ein“, kontert Oliver Sartena, Neue-Medien-Chef bei Wein & Co, gelassen.

Der Blick aufs Kleingedruckte gibt ihm Recht: Fürs Verschicken verlangen die Händler zwischen 6,90 und 15 Euro – Gratiszustellungen gibt es im Allgemeinen erst bei Einkäufen um 200 bis 250 Euro. Wein & Co drückt bezüglich der Kosten für die Botenfahrt schon ab 99 Euro die Augen zu. Eine Summe, die beim Internetshopping schnell erreicht ist. Außerdem bekommt der Käufer ab der dreizehnten Flasche Wein zehn Prozent Rabatt, „und dann noch einmal weitere vier dazu“, so Sartena, „wenn man Stammkunde ist“. Zu einem solchen wird man, wie mittlerweile bei fast allen größeren Handelsketten, erfreulicherweise ab dem ersten Einkauf. Um diese Vorzüge besser darzustellen, soll der zuweilen etwas komplex anmutende Internetauftritt noch dieses Jahr aufgepeppt werden. „Schließlich“, verrät Sartena, „bedienen wir mittlerweile 35.000 von unseren rund 200.000 Kunden auch übers Internet.“

von Michaela Ernst

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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