Wie gut ist Ihre Versicherung? Wo es die günstigsten Prämien gibt, wer verlässlich zahlt

Versichern beruhigt – zumindest die Aktionäre der Versicherungen. Sie freuten sich in den vergangenen Jahren über fette Dividenden und Kursgewinne. Doch können auch die Kunden der Assekuranzen lachen? Verluste bei fondsgebundenen Lebensversicherungen und magere Schadensleistungen nach dem Hochwasser rufen immer mehr Kritiker auf den Plan. Ist das Geld, das Sie bei Ihrer Lebensversicherung einzahlen, wirklich sicher? Und wie wasserdicht sind eigentlich Ihre persönlichen Versicherungsverträge?

Walter Berger, 52-jähriger Angestellter aus Wien, ist sauer. Seit siebeneinhalb Jahren überweist er regelmäßig jeden Monat 50
Euro an seine Lebensversicherung. Nach ausführlichen Beratungsgesprächen vor dem Abschluss entschied sich der zweifache Familienvater 1999 für eine Fondspolizze. Sein Geld, so hieß es damals, werde nicht in langweilige und schlecht verzinste Anleihen investiert, sondern zum Großteil in lukrative Aktienfonds.

Doch aus den erhofften Top-Renditen wurde nichts. Den periodisch ins Haus flatternden Depotauszügen war zu entnehmen, dass der Wert der Polizze jahrelang unter den einbezahlten Prämien lag und erst in jüngster Zeit etwas aufholte. „Das Problem betrifft sehr viele Verträge, die in den letzten zehn Jahren abgeschlossen wurden“, erklärt Karin Littich vom Verein für Konsumenteninformation, „da hat es viele Versicherungsnehmer erwischt. Hier treffen oft zwei Probleme aufeinander: die hohen Spesen und eine schlechte Performance.“

Bergers Schicksal teilen zehntausende andere Versicherungsnehmer, die ebenfalls den falschen Zeitpunkt für den Abschluss einer fondsgebundenen Lebensversicherung erwischten. „Das Wort Versicherung kommt einem ziemlich lächerlich vor, wenn nicht einmal das einbezahlte Geld sicher ist“, ärgert sich Berger. „Ein Sparbuch hätte mehr gebracht.“

Schutzlos. Nicht nur das – es wäre auch sicherer. Während nämlich für Spareinlagen bis 20.000 Euro eine Einlagensicherung gilt, stehen Versicherungsnehmer, die in das „Ansparprodukt“ Lebensversicherung einbezahlt haben, im Fall einer Pleite ihres Vertragspartners ziemlich schutzlos da: Eine Einlagensicherung wie bei den Banken gibt es bei den Assekuranzen nicht. Inhaber von Lebensversicherungen müssen sich im Rahmen einer Insolvenz lediglich mit dem unsicheren Status eines bevorzugten Gläubigers begnügen.
Gunther Riedlsperger, Bundesobmann im Fachverband der Versicherungsmakler, sieht darin freilich keine Gefahr. Im Gegensatz zu Banken, wo es immer wieder Pleiten gibt, seien solche Fälle bei Versicherungen überaus rar. „Während der Weltwirtschaftskrise geriet einmal in Österreich eine kapitalschwache Versicherung ins Wanken, es war der so genannte Phönix-Skandal. Doch das Unternehmen wurde damals aufgefangen, man kann also nicht von einer echten Insolvenz sprechen.“ Der Konzentrationsprozess im Versicherungsbereich führe fast automatisch dazu, dass schwächere Unternehmen vom Markt verschwinden und von den Giganten geschluckt werden.

Abgesehen davon versuchen die Versicherungsunternehmen im höchst eigenen Interesse, ihre Risken ständig zu kontrollieren. „Die Allianz betreibt seit 2003 ein Asset-Liability-Management, in dessen Rahmen laufend das Gesamtrisiko des Unternehmens bewertet wird. Hier geht es um Veranlagungsrisiken, Marktrisiken, Umweltrisiken, das Risiko aus der Datenverarbeitung“, erklärt Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender der Allianz in Österreich. „Diese Art von Crashtest zeigt uns, wie wir die abgegebenen Versprechen den Kunden gegenüber am besten erfüllen können. Für einen Lebensversicherer ist das wichtig, weil wir sehr langfristige Versprechungen eingehen“, so Littich.

Abgesehen davon gelten für Versicherungen besonders strenge Regeln. Nicht nur was die Veranlagung betrifft, schaut die Versicherungsaufsicht der Branche genau auf die Finger. Auch bei den Renditeversprechungen ist man besonders pingelig. Bei „klassischen“ Lebensversicherungen dürfen die Assekuranzen nur mit einem – staatlich auf Basis des jeweils aktuellen Zinsniveaus festgesetzten – so genannten „Rechenzins“ als Renditeversprechen werben. Dieser beträgt derzeit magere 2,25 Prozent, also weniger, als ein Sparbuch bringt. Allerdings stellen die Unternehmen eine höhere Rendite in Aussicht, die sie mit der Gewinnbeteiligung aus dem von ihnen veranlagten Kapital erzielen. Sicher ist das freilich nicht.

Wegen des niedrigen Rechenzinses der klassischen Lebensversicherung und der schlechten Erfahrungen mit Fondspolizzen kommt eine dritte Variante in Mode: „Im Trend liegen Garantieprodukte“, berichtet Generali-Vorstand Burkhart Gantenbein. „Die Nachfrage nach Ga-rantiepolizzen ist groß, und wir beobachten ein weiteres Ansteigen des Interesses. Die Anleger wollen an der Performance der internationalen Kapitalmärkte profitieren, aber gleichzeitig ein hohes Maß an Sicherheit genießen“, bestätigt Rudolf Kraft, Generaldirektor der Zürich Versicherung.

Rund die Hälfte aller Neuabschlüsse entfällt auf die Produktgruppe „Lebensversicherung mit Kapitalgarantie“. Vorbild für diese Spielart der Lebensversicherung sind die zahlreichen Veranlagungsprodukte mit Kapitalgarantie. Hier soll eine ausgeklügelte Veranlagungsstrategie dafür sorgen, dass negative Überraschungen, wie sie bei Fondspolizzen häufig vorkamen, ausbleiben. Anlegern muss allerdings klar sein, dass Garantieversprechen keineswegs kostenlos sind, sondern die Rendite schmälern. Schlimmstenfalls droht bei Garantiepolizzen am Ende der Laufzeit eine Rendite von null Prozent. Ein schwacher Trost für diesen Fall: Unter Wasser geraten diese Polizzen nicht. Bei der klassischen Lebensversicherung ist hingegen zusätzlich zum Kapital wenigstens noch der Rechenzins garantiert. Allerdings liegen die Renditeprognosen unter jenen der Garantiepolizzen.

Sicherheit wird aber noch in einem ganz anderen Zusammenhang mit Versicherungen zum Problem: nämlich wenn es darum geht, ganz alltägliche Risiken abzudecken. Oft lassen sich durchaus „normale“ Ereignisse nicht oder nur sehr schlecht versichern – etwa wenn es um Streitigkeiten um Grundstücksgrenzen, Diebstahl oder Hochwasserschäden geht.

Bisweilen stimmt auch das Verhältnis zwischen Risiko und Schaden nachdenklich. „Die meisten Menschen machen sich keine realistischen Vorstellungen von den Kosten, die mit anwaltlichen Leistungen verbunden sind“, warnt Johannes Hajek, verantwortlich für den Bereich Sachversicherung bei Uniqa. „Bei Streitwerten unter 10.000 Euro überschreiten die Prozesskosten meist den Wert der Streitsache.“

Frustrierte Kunden. Zu oft aber übersteigen auch die Erwartungen der Versicherungskunden den Inhalt der Verträge. „Viele Konsumenten kommen zu uns, weil der tatsächliche Deckungsumfang mit den mündlichen Versprechungen des Versicherungsvertreters nicht übereinstimmt“, berichtet Gabriele Riener vom Verein für Konsumenteninformation aus ihrer Beratungspraxis. Pauschale Deckungssummen oder zu niedrige Höchstgrenzen – Stichwort: Hochwasserschutz – sorgen immer wieder für Enttäuschungen.

Doch auch scheinbar harmlose Vorgänge wie die Verlängerung einer Lebensversicherungspolizze können für Frust sorgen. „Da kommt es oft vor, dass der Risikoschutz für den Fall des Ablebens wegen des höheren Alters plötzlich unverhältnismäßig teuer wird. Das drückt natürlich empfindlich auf die Rendite“, warnt Riener. Ältere Menschen könnten aber auf den Risikoschutz verzichten, da die Kinder ohnedies schon versorgt sind und ein reines Ansparen daher völlig genügt.

Bei allem Ärger mit den Assekuranzen – ganz ohne geht’s nicht. „In Zukunft rechnen wir mit höheren Schäden aufgrund der in immer kürzeren Abständen auftretenden Wetterereignisse“, malt Uniqa-Vorstand Hajek ein düsteres Bild. Auch die Pensionslücke klafft weiter auf. „Die Österreicher unterschätzen eine Reihe von Gefahren“, warnt daher Hans Raumauf, Generaldirektor der Donauversicherung, und illustriert das an einem Beispiel: „400.000 Österreicher sind von Berufsunfähigkeit betroffen, aber nur ein Prozent der Bevölkerung hat sich vor diesem Risiko geschützt.“

trend sagt Ihnen im Folgenden daher, auf welche Produkte Sie getrost verzichten können und was Sie unbedingt beachten müssen, um in der Krise nicht ohne Sicherheitsnetz dazustehen.

VON FRANZ C. BAUER UND ALEXIS JOHANN

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