WG ade

Nach dem Uniabschluss kommt der Wunsch nach mehr als einem Zimmer. trend hat sich umgesehen, was jungen Akademikern am Wohnungsmarkt geboten wird.

Sie gehören zur liebsten Klientel von Wolfgang Quidenus: gut ausgebildet, entschlussfreudig und vor allem liquide – die Universitätsabsolventen. Nach dem Auszug aus dem „Hotel Mama“, der WG oder der Minigarçonniere möchten sie sich mit dem ersten richtigen Einkommen auch schöneres Wohnen leisten und pilgern etwa in Linz zu Quidenus’ Selecta Real, wo sie mit offenen Armen empfangen werden: „Wir legen Wert auf die Qualität der Mieter – und Jungakademiker sind meist sehr angenehme Kunden.“ Nicht zuletzt, weil sie bereit sind, mehr zu bezahlen, und meist schon etwas Besonderes zum Mieten suchen.

Doch fährt man als frisch gebackene Magistra oder Diplomingenieur mit einer Mietwohnung tatsächlich besser als mit einer auf Kredit oder mit elterlicher Unterstützung angeschafften Eigentumswohnung? Die Meinungen der Finanzberater und der Makler gehen dabei auseinander.

Junges Wohnen. Immobilientreuhänder sehen einen ganz klaren Trend: Jungakademiker ziehen Miet- den Eigentumswohnungen mit überwältigender Mehrheit vor. In Zeiten immer größerer Mobilität und Flexibilität wagt sich in so jungen Jahren kaum jemand an den Kauf einer Eigentumswohnung. Diejenigen, die trotzdem Eigentum bewohnen, haben das zumeist ihren Eltern, die in eine Vorsorgewohnung investieren, zu verdanken. Doch was gibt der Markt für Jungakademiker her, die branchenabhängig im Schnitt zwischen 1700 und 2500 Euro brutto verdienen?

Eine ganze Menge, sind Makler und Wohnbaufirmen überzeugt. Doch wird gerne überschätzt, dass die Jungakademiker zumindest am Anfang ihrer Karrieren nicht genau wissen, wie viel Wohnen monatlich für ihr Geld drin ist. Michaela Slavik von Slavik Immobilien weiß, dass sich viele „anfangs noch keine 400 Euro monatliche Fixkosten fürs Wohnen leisten möchten“.

Von Wien bis Innsbruck werden den Uniabsolventen recht ähnliche Wohnungsangebote gemacht, die sich im Schnitt zwischen 60 und 85 Quadratmeten mit zwei bis drei Zimmern bewegen – in urbaner Lage, versteht sich. Das bedeutet in erster Linie gute Infrastruktur, perfekte Verkehrsanbindung und in

Wien innerhalb des Gürtels. „Was bei den Jungakademikern gar nicht geht, sind Wohnungen, die zwischen 1950 und 1980 gebaut wurden. Entweder soll es eine kleine neue Dachgeschoßwohnung sein oder ganz traditionell ein gut sanierter Altbau“, weiß Andreas Wollein, Vorstandsmitglied des Österreichischen Verbandes der Immobilientreuhänder und Geschäftsführer der Wiener Immobilienkanzlei Realpartners.

Spezielle Projekte. Nach diesen Grundsätzen richten sich Makler in ganz Österreich. Manche übertreiben es aber auch: Trendforscher Andreas Reiter war am Entwurf der „Compact City“ in Wien-Floridsdorf beteiligt. Die Anlage wurde nach den vermeintlichen Bedürfnissen junger, urbaner Menschen geplant, Freiberufler und Menschen, die gerne von zu Hause aus arbeiten und dort eventuell auch ein Büro anmieten wollen. „So lobenswert der Ansatz war, funktioniert hat es nicht“, bedauert Reiter. „Diese Gruppe bevorzugt gewachsene Strukturen und trotz aller Annehmlichkeiten nicht eigens für sie geplante Satellitenstädte.“

Mehr Erfolg scheint dem Projekt „Wohn-Base“ im siebenten Wiener Bezirk beschieden zu sein. Der Immobilienentwickler Raiffeisen Evolution entwickelte in der Bandgasse ein Konzept intelligenter Eigentumswohnungen, das sich vor allem an eine junge, finanzkräftige Klientel richtet. Fünf der 50 Wohnungen in Wiens lebendigster und kreativster Ecke unweit der Mariahilfer Straße sind noch zu haben. Das Wohnhaus ist ein Paradebeispiel für vernetztes Wohnen. Breitbandinternet ist Standard, das Download-Volumen ist nach oben hin offen. Das Intranet ermöglicht Raumreservierungen, etwa für die Office-Base, ein vollausgestattetes Büro, das man stundenweise mieten kann, um auch von zu Hause aus flexibel arbeiten zu können, aber auch Meinungsaustausch mit den Nachbarn, Infos aus der unmittelbaren Wohnumgebung und Wetterbericht.

Die Wellness-Base verspricht den Hausbewohnern mit Sauna, Solarium und Fitnessgeräten Entspannung pur. Eigene Kühldepots für jede Wohnung im Erdgeschoß des Hauses machen auch Supermarktlieferungen möglich, ohne dass man die Lebensmittel persönlich entgegennehmen muss. Die Preise liegen allerdings in Bereichen, die sich frisch gebackene Akademiker wohl noch nicht von alleine leisten können. Sie bewegen sich für Zweizimmerwohnungen mit knapp 68 Quadratmetern und 7,5 Quadratmeter Loggia im Bereich von 180.000 Euro, drei Zimmer mit 83,4 Quadratmetern und einer 7-Quadratmeter-Loggia schlagen mit 224.300 Euro zu Buche (siehe Kasten auf Seite 220).

Bundesländer. Relativ schwach ausgeprägte Wohnpräferenzen zeigen offensichtlich die Linzer Jungakademiker. Wolfgang Quidenus von Selecta Real: „Zwar gibt es auch Uniabsolventen, die weiterhin wie Studenten wohnen, die meisten möchten sich aber ‚verbessern‘. Dafür ist in Linz die Lage allerdings nicht so entscheidend wie in Wien. Urfahr, Leonding und die Innenstadt sind in dieser Gruppe allerdings immer beliebt.“

Schönes Wohnen ist für frisch gebackene Akademiker aber von großer Bedeutung, ist Quidenus überzeugt: „Die Eltern von Akademikern haben sich das Studium ihrer Kinder leisten können und daher auch das schöne Wohnen. Ihre Kinder übernehmen das, sobald sie es sich selbst leisten können, was mit einem Gehalt von 1800 bis 2500 Euro monatlich schon möglich ist.“ Die Linzer Wohnbaugesellschaft WAG trägt diesem Bedürfnis Rechnung und errichtet momentan im Makarthof im Herzen der Stadt 24 Dachgeschoßmietwohnungen mit hofseitigen Balkonen und bis zu drei Meter Raumhöhe. Exklusive Betriebskosten wird die Miete rund 5,80 Euro pro Quadratmeter betragen.

Auch in Salzburg ist der Trend zur Miete vorherrschend. Heinz Schelligo, Leiter der Immobilienabteilung von Im-mobilien Christian Schnellinger in Salzburg: „Ich kann mich nicht erinnern, wann wir das letzte Mal eine Wohnung an junge Uniabsolventen verkauft haben.“ Schnellinger Immobilien vermittelt in erster Linie Wohnungen um die 500 Euro in Josefiau, im Andräviertel, der Altstadt oder in Maxglan.

Anders liegt der Fall in Graz. Patricia Reisinger von Immobilien am Geidorfplatz, einem Spezialisten für Studenten- und Absolventenwohnungen: „In Graz hingegen zieht es die Jungakademiker viel eher aus der Stadt. Gefragt sind die Bezirke am linken Murufer: St. Leonhard, Geidorf, Mariatrost, Andritz und St. Peter.“ Wohnungen in der günstigeren Innenstadt sind für Jungakademiker kaum interessant. Die Altbauten verfügen selten über Lifte, und aufgrund der rigorosen Bauordnung sind die sehr gefragten Dachgeschoßausbauten nur selten möglich.

Eigenheimfreude. Anders als in Wien greifen die Jungakademiker in Graz öfter gleich zu Eigentumswohnungen wie dem im Oktober fertig gestellten Projekt der GWS „Wohnen am Fuße des Rosenbergs“ in Graz-Geidorf, wo 25 Wohnungen in sonniger Südwestlage entstanden. Die Infrastruktur ist optimal: Märkte, Ärzte, Schulen, Schwimmbad und Radwege prägen die Umgebung. Die Autobuslinie 31 bringt die Bewohner direkt ins Zentrum. Alle Wohnungen haben einen Garagenplatz dabei. Umweltbewusste wird dafür wieder freuen, dass das Warmwasser mittels Solaranlage geheizt wird. Zweizimmerwohnungen sind bereits vergeben, für drei Zimmer auf mehr als 88 Quadratmetern mit sechs Quadratmeter Balkon muss man mit zirka 200.000 Euro rechnen.

Reisinger erklärt sich den steirischen Trend zum Eigentum damit, dass die Mieten in Graz im Verhältnis zur Wohnung höher liegen als in Wien: „Außerdem unterstützt das Land Steiermark großzügig mit Wohnbauschecks, sodass es oft günstiger ist, einen Bankkredit über 600 Euro im Monat zurückzuzahlen, als die gleiche Wohnung teurer zu mieten.“

Günstige Kredite. Überhaupt erweist sich die Steiermark als außerordentlich jungakademikerfreundlich. So bietet etwa das Uni-Center der Raiffeisenlandesbank Steiermark eigene Wohnbaukredite für Absolventen mit einer Laufzeit von 20 Jahren an. Für ein Jahr muss man 3,125 Prozent Zinsen berappen, für die restliche Zeit 3,45 Prozent. Die Bearbeitungsgebühr beträgt für Uniabsolventen nur ein statt zwei Prozent.

Bei anderen Kreditinstituten wie der Erste Bank oder der Bank Austria Creditanstalt hilft der akademische Grad hingegen nicht weiter. Für Thomas Hübschmann von der BA-CA zählt ausschließlich die Bonität des Kunden, aber: „Auch Jungakademiker können sich sicherlich schon aufgrund der besseren Einstiegsgehälter einen höheren Kredit leisten und ihn schneller zurückzahlen.“

Ganz gegen den Trend zur Miete empfehlen die Banken Jungakademikern dennoch eher den Kauf einer Immobilie. Ludwig Kremser von der Raiffeisenlandesbank für Niederösterreich-Wien rät auch jungen Uniabsolventen: „Sobald zwischen 20 und 30 Prozent der Eigenmittel vorhanden sind, sollte man eine Eigentumswohnung in Betracht ziehen. Das rechnet sich vor allem bei jungen Leuten, denn die Mieten sind oft höher als die Rückzahlungen für einen Kredit.“ Kremser sieht einen klaren Unterschied in den Finanzierungsmethoden zwischen Uniabsolventen und Gleichaltrigen aus anderen Ausbildungsgruppen: „Jungakademiker kennen sich in Finanzfragen besser aus und greifen signifikant öfter als andere Gruppen zu Fremdwährungskrediten.“ Trotzdem leben nur rund 20 Prozent der Uniabsolventen in einer Eigentumswohnung. Diese ist aber in den wenigsten Fällen selbst finanziert. „Üblicherweise kaufen Eltern diese Wohnungen als Vorsorgewohnung und stellen sie dann ihren Kindern schon während des Studiums, meist aber nach Studiumsende zur Verfügung“, weiß Thomas Malloth von der Wiener Kanzlei Dr. Stingl. Jungakademiker investieren meist erst dann in Eigentumswohnungen, wenn sie wissen, was und wohin sie beruflich wollen, der Job fix ist und die Familiengründung ansteht.

Von Ulrike Moser

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