Weg mit den Trucks

Der Trend zum Outsourcing hat auch die Logistikbranche erfasst. Immer mehr Unternehmen lagern ihre Fuhrparks aus. Externe Dienstleister übernehmen das Management und senken die Kosten.

Vier von zehn Lkws, die auf Österreichs Straßen unterwegs sind, haben keine Fracht geladen. 3,4 Milliarden Kilometer werden jährlich leer gefahren. Würde nur ein Viertel davon eingespart, hätte das ungeahnte Auswirkungen: Die Unternehmen könnten sich 320 Millionen Liter Diesel, tausende Fahrstunden und eine Menge Unfälle sparen.
„Mit einem effizienten Fuhrparkmanagement lassen sich viele Leerfahrten vermeiden“, ist Johann Kaiserreiner, Geschäftsführer von Raiffeisen-Leasing, überzeugt. Kaiserreiner ist einer jener professionellen Fuhrparkmanager, die Unternehmen zur Seite stehen, wenn es darum geht, ihre Kfz-Flotten besser zu organisieren. „In diesem Bereich gibt es ein erhebliches Einsparungspotenzial. Durch Outsourcing könnten die Kosten um zehn bis dreißig Prozent reduziert werden“, fügt der Raiffeisen-Mann hinzu.

„Outsourcing gibt den Unternehmern die Gelegenheit, sich mehr und besser auf ihre eigentlichen Aufgaben zu konzentrieren“, meint Norbert Embacher, der bei der Porsche Bank das Geschäftsfeld Fuhrparkmanagement leitet, und zieht einen Vergleich: „Es würde auch niemandem einfallen, eine Kantine selbst zu betreiben oder gar selbst darin zu kochen.“
Domäne der Finanzbranche. Seit Mitte der neunziger Jahre hat sich die Idee, Fuhrparks aus Unternehmen auszulagern und das aufwändige Management Drittanbietern zu überlassen, auch in Österreich herumgesprochen. Es sind vor allem Banken und Versicherungen, die den Betrieben dabei als Outsourcing-Partner zur Seite stehen und ihre Dienste von der Anschaffung über den Betrieb bis hin zur Verwertung der Fahrzeuge anbieten.

„Nicht umsonst kommt die Idee des Fuhrparkmanagements ursprünglich aus der Finanzwelt“, sagt Andreas Krems, Österreich-Geschäftsführer von LeasePlan, „beim Fuhrparkmanagement geht es schließlich auch um Werte, die finanziert werden müssen. Bei durchschnittlichen Kosten von 20.000 Euro pro Fahrzeug und 200 bis 400 Autos ist schon viel Geld im Spiel.“ Aus diesem Grund hätten sich heute neben der LeasePlan auch vor allem Banken und Versicherungen im Outsourcing-Geschäft etabliert. „Um ein effizientes Fuhrparkmanagement anbieten zu können, benötigt man auch eine Menge Know-how“, sagt Porsche-Bank-Mann Embacher, „und wir sind seit gut 35 Jahren in diesem Geschäft.“

Heute kann man die Kosten ganz genau kalkulieren, Einsparungspotenziale festlegen und den Unternehmen eine klare Auflistung mit den anfallenden Kosten präsentieren. Dank neuartiger Tank-, Reifen- und Servicekarten können sich Unternehmen das mühsame Verbuchen einzelner Belege ersparen. „Alleine dadurch ergibt sich ein Kostensenkungspotenzial von 30 bis 50 Euro pro Monat und Fahrzeug“, sagt Heinz Scheibenpflug, Geschäftsfüh-rer der BA-CA Fuhrparkmanagement, „davon profitieren auch schon Klein- und Mittelbetriebe, die einen Fuhrpark von nur fünf Autos haben. Die Unternehmen müssen sich um nichts kümmern, haben immer aktuelle und gut gewartete Fahrzeuge und sparen dabei auch noch Geld.“

Trennungsängste. Doch obwohl die Outsourcing-Partner den Unternehmen eine deutliche Kostenersparnis und mehr Flexibilität in Aussicht stellen, ist das Fuhrpark-Outsourcing in Österreich noch lange nicht so weit verbreitet wie im übrigen Europa. Vielfach sind die Unternehmer skeptisch, wenn es darum geht, sich von der eigenen Fahrzeugflotte zu trennen oder deren Verwaltung jemandem anderen zu überlassen. „Das Auto ist eben eine heilige Kuh“, sagt Embacher, „Lieferwägen und Klein-Lkws betrifft das vielleicht weniger, aber sobald es um Dienstwägen für das mittlere oder das obere Management geht, spielen vielfach psychologische Elemente bei den Entscheidungen mit.“

Rund 44.000 Fahrzeuge, das sind etwa 20 Prozent aller Firmen-Pkws und Klein-Lkws, werden hierzulande von externen Dienstleistern gemanagt, die Zahl der Schwer-Lkws ist verschwindend klein. „Große Lkws für den internationalen Gütertransport auszulagern ist auch schwierig“, meint Andreas Krems vom Fuhrparkmanagement-Spezialisten LeasePlan. Es seien viel zu viele Parameter zu beachten. Das Geschäft mit den dicken Brummern überlasse er, wie auch die übrigen Anbieter, lieber den Lkw-Herstellern selbst. Krems: „Es gibt dazu Modelle, etwa von MAN oder von DAF, aber für kommerzielle Anbieter wäre das Geschäft zu aufwändig.“

Dass in Österreich noch viel Marktpotenzial vorhanden ist, zeigt der internationale Vergleich. Das Eldorado der professionellen Fuhrparkmanager ist England. Dort sind bereits 80 Prozent aller Fuhrparks unter der Obhut externer Manager. „Bei rund 200.000 der etwa 300.000 Firmenfahrzeuge, die es in Österreich gibt, könnte ein externes Management Kosten senken“, prognostiziert BA-CA-Mann Scheibenpflug. Porsche-Bank-Mann Embacher ist etwas zurückhaltender: „Dazu fehlt meiner Meinung noch die Bereitschaft. Ich schätze das Marktpotenzial eher auf gut 100.000 Fahrzeuge.“

Wachstumsbranche. Doch egal wie groß das Potenzial letztendlich ist – die professionellen Fuhrparkmanager können sich schon seit Mitte der neunziger Jahre über zweistellige Wachstumszahlen freuen, sowohl was Umsätze als auch Stückzahlen der ausgelagerten Fahrzeuge betrifft. Für das Jahr 2003 erwartet Raiffeisen-Leasing-Chef Kaiserreiner ein ähnlich dickes Plus wie im vergangenen Jahr: „Wir rechnen mit 15.000 bis 16.000 neuen Fahrzeugen, das wäre wieder ein Zuwachs von knapp 20 Prozent.“

Und auch bei den Schwer-Lkws könnte das Outsourcing-Geschäft in den nächsten Monaten abheben. „Mit der Einführung der Lkw-Maut wird sich die Frage nach dem Sinn eines eigenen Fuhrparks erneut stellen“, ist sich Friedrich Macher, Generaldirektor der Spedition Kühne & Nagel, sicher, „bei vielen Lkws, die heute gerade noch kostendeckend unterwegs sind, wird man dann eine neue Kostenrechnung anstellen müssen.“ Auch aus ökologischen Gründen mache ein Outsourcing von Lkws durchaus Sinn: „Durch die effizientere Nutzung der Fahrzeuge würde der Treibstoffverbrauch und dadurch auch die Umweltbelastung drastisch abnehmen.“

Mit einem Marktanteil von 40 beziehungsweise 30 Prozent sind Porsche Bank und LeasePlan unangefochten Marktführer unter den Outsourcing-Anbietern. Den übrigen Markt teilen sich BA-CA Leasing, EBV-Leasing (die Leasing-Tochter der Erste Bank), Bawag-P.S.K.-Leasing und Raiffeisen-Leasing zu relativ gleichen Teilen auf. Kleinere Outsourcing-Anbieter sind in letzter Zeit mehr und mehr verschwunden. „Der Markt wird sich zweifellos noch weiter konsolidieren“, glaubt Andreas Krems von LeasePlan.

Großes Risiko. Was es bedeutet, wenn ein Outsourcing-Partner von einem Tag auf den anderen verschwindet, musste das Arbeitsmarktservice (AMS) vor drei Jahren erfahren. 1999 trennte sich dieses von seiner Fuhrparkflotte und stellte auf extern gemanagte Leasingfahrzeuge um. Das Motto „Outsourcing statt Neuanschaffungen“ und eine Reduktion der Fahrzeuge von 100 auf 50 verhalfen dem AMS dazu, im ersten Jahr rund 100.000 Euro Kosten zu sparen. „Auch die Nutzung der Fahrzeuge konnte durch höhere Auslastung und bessere Qualität erhöht werden“, berichtete Herbert Böhm, zuständiger Vorstand für das Beschaffungswesen des AMS, im März 2000 und stellte ein großes Sparpotenzial für die Zukunft in Aussicht: „In den nächsten fünf Jahren werden weitere Einsparungen von rund 20 Millionen Schilling erwartet.“ So weit kam es jedoch nie, denn nur ein halbes Jahr später, im Oktober 2000, musste der Outsourcing-Partner des AMS, das Mietwagen- und Autoverleihunternehmen Buchbinder, Konkurs anmelden, und das AMS hatte von einem Tag auf den anderen ein großes Problem.

Das AMS ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Mit dem Masseverwalter wurde vereinbart, dass die Fahrzeuge so lange weiter verwendet werden dürfen, bis ein neuer Partner gefunden ist – was immerhin drei Monate dauerte. Allerdings, so Rigam, beim AMS für das Fuhrparkmanagement zuständig: „Die Kosten für den Fuhrpark sind mittlerweile so hoch wie zuvor, aber vor allem deshalb, weil die Versicherungen teurer geworden sind.“ Heute seien es vor allem der geringere Ver-waltungsaufwand und die Flexibilität, die man beim AMS schätzt: „Früher gab es in jedem Bundesland einen eigenen Fuhrparkmanager, jetzt genügt dafür eine Person. Und es ist auch kein Problem, den Fuhrpark je nach Bedarf für ein paar Monate um fünf oder zehn Fahrzeuge aufzustocken.“

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