Vorwärts, Willi Kranzky!

Österreichs Sozialdemokraten sollten sich möglichst schnell an diesen Namen gewöhnen: So heißt ihr neuer Chef.

Im Frühsommer dieses Jahres fuhren bekanntlich Spitzenfunktionäre der SPÖ in die USA, um dortselbst „den Wahlkampf der Demokraten zu beobachten“. Was sie beim Making-of-Kerry-for-President herausgefunden haben, ist noch nicht ersichtlich – es sei denn, man wertet als Niederschlag ihres
Lokalaugenscheins den halbmundigen Rülpser der Roten, sich besinnungslos sofort wieder zur alten Rechtschreibung zu bekennen.
Es waren jedoch noch andere Späher im Auftrag besorgter einflussreicher Genossen in den Vereinigten Staaten unterwegs, die herausfinden sollten, wie ein dynamischer Herausforderer beschaffen sein müsste, um einen zwar augenblicklich schmähstaden, mehrmals des Vermeidens allzu unkommoder Wahrheiten überführten, jedoch finanziell eindeutig überlegenen Statthalter zu besiegen. Die ersten Ergebnisse ihrer Eindrücke erreichten naturgemäß nicht gleich herzige Donaupolitiker, sondern Mitglieder einer Organisation der internationalen Finanzwelt: die Bilderberger. Zwei von ihnen heißen Hannes Androsch und Franz Vranitzky.

Vor diesem Hintergrund muss das vorgebliche Sommertheater der beiden elder statesmen interpretiert werden; was jeder der beiden aus diesen Analysen herauslas, waren indes weniger vage Hoffnungen denn berechtigte Befürchtungen. Weil in den USA undenkbar wäre, dass sich John Kerry dabei ertappen ließe, mit einem Führer des Ku-Klux-Klan ein barbecue abzuhalten, und er, Vranitzky, bei allen selbstverständlichen österreichischen Abstrichen, ein diesbezügliches Mahl für ebenso abwegig hielte, dass es die meisten Sozialdemokraten nicht schlucken würden, reagierte er angstvoll: jeder, nur nicht Alfred Gusenbauer! Weil Hannes Androsch filterte, aus diesen und ähnlichen Gründen würden viele Rote seinem Wiedereintritt in die Politik zujubeln, reagierte er angstvoll: jeder, nur nicht ich!
Hinter beiden Befürchtungen, die viel zu kurz greifen, steht ein, weiß ein Victor Adler, umfangreiches Anforderungsprofil. Der Mann, der gebraucht wird, sollte durchaus als Genosse verkauft werden können, eventuell sogar als Doktor Genosse, in jedem Fall aber als Bundes-Genosse. Das schließt nach allen derzeitigen Sympathiewerten apodiktisch jeden aus, der aus Kärnten kommt oder mit Kärntnern paktiert.

Der Mann der Stunde ist klarerweise irgendwie in der Partei verankert, aber noch viel wichtiger ist, dass er im Volk verwurzelt ist. Er ist wer. Er ist ganz selbstverständlich ein bescheidener Kerl und zugleich ein unleugbarer Kapazunder auf seinem Gebiet. Er kann mit allen Leuten reden, denn einerseits ist er schlagfertig, witzig, geistreich und eloquent, zweitens hat er im Blut einen Schmäh, und drittens hat er was gelernt, ist also vor allem auch sprachlich gebildet genug, um mit allen Schichten kommunizieren zu können.
Wenn einer mit all diesen reden kann, dann kann er – klarerweise – frei reden, denn er braucht keine Unterlagen, er hat die Überlegenheit seiner Ausstrahlungskraft. Er hat Charisma.

Wenn er das hat, dann hat er auch leadership, kann er neues, weißes Geld auftreiben, weil er Menschen überzeugen kann, und das muss er können, denn er muss ein Team aufstellen, das nicht aus Pfründnern besteht, sondern aus phantastischen Realisten.
Er ist nicht jünger als 35, hat eine gescheite, sozial engagierte (arbeitende) Frau, mag ein wenig sportlich sein, zählt zu seinen Freunden aber eher Künstler, Ökonomen, Wissenschaftler denn Skifahrer. Es gibt keinen in der Partei, der ihn geistig nicht vollkommen respektiert, Basis und Parteijugend verehren ihn sowieso. Er kann immer wieder zugeben, nicht alles zu können (Karate), nicht alles zu mögen (Vorurteile) und sich vor manchem zu fürchten (Krieg, Arbeitslosigkeit, Taranteln).
Wie dieser gesuchte Mann im Augenblick heißt, ist egal; denn von nun an sollte er sich Willi Kranzky nennen. Der Vorname ist bodenständig, burschikos, politisch unverbraucht, soll freilich sofort an Willy Brandt erinnern. Hierfalls allerdings bleibt es beim Willi, denn das y wird noch für den Nachnamen gebraucht. Dieser setzt sich aus den Buchstaben erfolgreicher sozialdemokratischer Politiker zusammen: Kreisky, Androsch, Zilk, Vranitzky (oder wieder Kreisky). Die kurz gefasste Kombination all dieser Namen bedeutet wohl eine Ingredienz all ihrer Repräsentanten, zugleich aber auch eine semantisch dynamischere, aggressiver klingende Zukunftsformel; nach seinem kantigen Anfang folgt eine Silbe, die an grand oder grandezza, Großartiges also, gemahnt, dem das angriffslustige ky als bergauf weisender, heller Trompetenruf folgt. Es wird ersichtlich sein, dass die Silbenabfolge Gusenbauer vergleichsweise etwas Gräbernes in sich birgt.
Kranzky ist voll und saftig, raumfüllend, ist, langsam gesprochen, der Eleganz durchaus nicht abhold, ist sogleich aber schnell, keck, aktiv, alles sofort beherrschend. Und auf der Hand liegt: Wo ein Willi ist, ist auch ein Werk.
Für erste sozialdemokratische Slogans sei empfohlen: Unser Willi geschehe!

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