Vorsorge: Pension mit Power

Die neuen Pensionsfonds locken mit KURSGEWINNEN über 20 PROZENT. Und ab dem 1. Mai beschert die EU-Ostöffnung NOCH GRÖSSERE Anlagechancen.

Welche Gruppe von Anlageprodukten schaffte in weniger als einem Jahr eine Performance von durchschnittlich über 20 Prozent – und das noch dazu mit Kapitalgarantie? Die Antwort fällt überraschend aus. Keine komplizierten strukturierten Zertifikate, natürlich keine Fonds (da fehlt die Kapitalgarantie), ja nicht einmal halsbrecherische Junk-Bonds erklommen diese Traumrenditen. Ausgerechnet das biederste Produkt am Markt überzeugte mit einem fulminanten Start: Die neuen Pensionsinvestmentfonds für die von der Regierung im vergangenen Jahr ins Leben gerufene „Zukunftsvorsorge neu“ erwiesen sich als Rendite-Renner. Der Raiffeisen-Pensionsfonds glänzte in den ersten elf Monaten sogar mit einem Gewinn von über 28 Prozent.

„Man kann den Start wirklich als geglückt bezeichnen“, freut sich Matthias Bauer, Vorsitzender der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG). „Er fiel in eine besonders günstige Börsenphase, das hat uns sehr geholfen.“ Im vergangenen Jahr schlossen die Österreicher rund 235.000 Verträge für die Zukunftsvorsorge neu ab. Zwar hatten einige Optimisten in der Branche mit bis zu 500.000 Verträgen gerechnet, aber „die Zahlen, die man da in der ersten Euphorie genannt hat, waren viel zu hoch gegriffen. Bei realistischer Betrachtung muss man sagen, dass die Ergebnisse des vergangenen Jahres auf eine wirklich gelungene Einführung hinweisen“, gibt sich Manfred Zurek, Fondsmanager der Erste Sparinvest, zufrieden.

Ein Wermutstropfen für die Fondsmanager bleibt freilich die derzeitige Aufteilung des Geschäftes zwischen Banken und Versicherungen. Grundsätzlich dürfen nämlich sowohl die Kapitalanlagegesellschaften der Banken als auch die Versicherungen solche Produkte anbieten. Für die Versicherungen ist die Zukunftsvorsorge eine Art Lebensversicherung auf Basis einer Fondspolizze, während die Banken ganz normale Fonds anbieten.

In der Startphase schafften sich die Assekuranzen einen riesigen Vorsprung: Nur rund jeder siebente Vertrag wurde in Form der klassischen Fondsvariante abgeschlossen. Insgesamt 200.000-mal punkteten die Versicherungen, nur 35.000-mal die Banken. Vorteil der Versicherungslösung: Meist reicht eine Unterschrift, und Versicherungskunden wird bisweilen eine fixe Rendite garantiert. Im aktuellen Umfeld ist das freilich kein Vorteil – und vor allem wissen die Versicherungskunden in der Regel kaum, wie es um ihr Investment steht. Laufende Performanceveröffentlichungen sind hier nämlich die Ausnahme.

Kontrolle erwünscht. Im Gegensatz dazu können Anleger, die sich für die reine Fondslösung entschieden haben, täglich die Leistungen „ihres“ Fondsmanagers kontrollieren – die aktuellen Fondswerte werden auf Tagesbasis errechnet. „Vielleicht war gerade diese Transparenz im Verkauf zu Beginn kein Vorteil“, sinniert VÖIG-Sprecher Bauer. „Ich weiß von Banken, in denen am Schalter vor allem Versicherungspolizzen für die Zukunftsvorsorge verkauft wurden, weil sich die Mitarbeiter Kritik ersparen wollten, wenn die Performance einmal nicht so toll aussieht.“

Inzwischen hat sich die Lage aber gründlich geändert. „Nach meinen Einschätzungen beträgt das Verhältnis zwischen Versicherung und Fonds in unserer Bankengruppe inzwischen etwa zwei zu eins. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir in absehbarer Zeit annähernd gleich viele Fonds- wie Versicherungslösungen verkaufen“, berichtet Andreas Zakostelsky, Vorstand der Raiffeisen Capital Management (RCM), von der Front. Die hervorragenden Performancezahlen aller fünf von Banken aufgelegten neuen Pensionsinvestmentfonds (siehe Kasten „Lauter Sieger“, Seite 138) sind ein recht zugkräftiges Verkaufsargument.

Dabei gab es noch vor der Lancierung der ZVE, so das interne Kürzel für Zukunftsvorsorge, im Frühjahr 2003 herbe Kritik an den Rahmenbedingungen. Bekrittelt wurde vor allem zweierlei: erstens die vom Gesetzgeber verlangte Kapitalgarantie und zweitens die Anlagevorschriften, die darauf hinauslaufen, dass mindestens 40 Prozent des Geldes in österreichische Aktien investiert werden müssen. Theoretisch hätten Fondsmanager zwar auch griechische und portugiesische Werte kaufen können, doch daran dachte wohl niemand ernsthaft. Tatsächlich findet sich in den fünf „klassischen“ Pensionsfonds der Banken keine einzige Aktie, die in Athen oder Lissabon notiert.

Ostkonkurrenz. Doch schon in wenigen Wochen wird sich in diesem Punkt einiges ändern – österreichische Aktien erhalten Konkurrenz: Die gesetzlichen Fondsrichtlinien eröffnen zumindest theoretisch die Möglichkeit, auch in den neuen EU-Staaten, die am 1. Mai beitreten, zu investieren. So gut wie alle Anbieter überlegen, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen. „Wir werden die Ostöffnung sicher nutzen, um Aktien für diese Fonds zu kaufen. Immerhin verfügen wir in der Region über ein hervorragendes Know-how“, kündigt RCM-Manager Zakostelsky an. Es werde sich allerdings eher um Beimischungen handeln, um die ohnedies schon beachtliche Performance weiter aufzupeppen.

Auch Mikail Bäckström, Fondsmanager des VorsorgePlus der BA-CA-Tochter Capital Invest, ist am Überlegen: „Für den heuer aufgelegten Fonds werden wir das sicher machen, und auch für die Variante aus dem Startjahr 2003 denken wir darüber nach.“ Hier müssten allerdings die internen Anlagerichtlinien geändert werden, da dieses Papier als reiner Österreichfonds verkauft wurde.

Für Manfred Zurek, Manager des Vorsorge Classic der Erste Sparinvest, ist die Sache indes fast schon entschieden: „Wir zählen Osteuropa zur Kernkompetenz der Erste Bank, da ist ein Engagement nahe liegend.“ Die Gründe für die Internationalisierung liegen für ihn auf der Hand: „Osteuropa gehört in vielen anderen unserer Fonds schon zum Investmentfokus, außerdem erreichen wir dadurch eine breitere Streuung und daher bessere Ertragschancen bei geringerem Risiko.“

Nicht nur Ostfans. Lediglich Walter Wagner, Vorstand der Volksbanken Kapitalanlagegesellschaft, gibt sich skeptisch: „Diese Märkte verfügen entweder über eine zu geringe Liquidität, oder es fehlen die Absicherungsmöglichkeiten. Daher kommt ein Ostengagement für uns derzeit nicht infrage.“

Trotz des fulminanten Starts haben die Fondsgesellschaften ihre zu Beginn des Verkaufs formulierten Wünsche an den Gesetzgeber allerdings nicht vergessen. „Wir halten die Möglichkeit eines Einmalerlages, wie er ja auch bei Lebensversicherungen existiert, vor allem für Einsteiger ab dem 50. Lebensjahr für wichtig“, formuliert Wolfgang Dorten, Generalsekretär der VÖIG, ein Anliegen der Branche. „Da kann dann ein recht ansehnlicher Betrag zusammenkommen, der für die Pensionsvorsorge zur Verfügung steht. Mit der monatlichen Einzahlung werden die Späteinsteiger keine große Freude haben.“

Auch die Kapitalgarantie sollte seiner Meinung nach gelockert werden. „Für einen Anlagehorizont von zehn Jahren ist das vielleicht noch einzusehen. Aber wer heute relativ jung in das System einsteigt und einen Horizont von 30 Jahren hat, der braucht keine Garantie. Über einen so langen Zeitraum liefern Aktien so gut wie immer eine positive Performance.“ Jene ein bis zwei Prozent, die so eine Garantie kostet, seien in diesem Fall „hinausgeworfenes Geld. Das ist so, wie wenn man gleichzeitig Hosenträger und einen Gürtel trägt.“ Durch den Zinseszinseffekt sei die Auswirkung auf die längerfristige Performance bei länger laufenden Verträgen besonders gravierend, und hier könnte bei einem Verzicht zusätzliche Performance erzielt werden. Denn eines ist den Fondsmanagern klar: Ein so tolles Jahr wie das zurückliegende wird so schnell nicht mehr kommen – daran ändert auch die Chance, bald im Osten zu investieren, nicht viel.

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