Vorsorge: Balanceakt

Die neue Prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge verkauft sich ausgezeichnet, aber nur wenige Anleger wissen, worauf sie sich da einlassen. Und dem Management wird sehr viel Geschick abverlangt.

Lockt der Staat mit einer Prämie, stellt sich der Österreicher sofort brav in der Schlange an: Das funktioniert – wie beim Dauerbrenner Bausparen – auch bei der prämienbegünstigten Zukunftsvorsorge, dem neuen geförderten Produkt für die Privatpension. Rund 160.000 Verträge wurden von Versicherungen und Fondsgesellschaften heuer bis Ende September 2003 bereits abgeschlossen, die Schallmauer von 200.000 dürfte, so der Kapitalmarktbeauftragte der Regierung, Richard Schenz, locker bis Jahresende durchbrochen werden.

„Dieses typisch österreichische Produkt“ ist für AWD-Geschäftsführer Prasser dank der staatlichen Prämie ein „Selbstläufer“. Die Prämie setzt sich aus einem fixen Sockel in Höhe von 5,5 Prozent und einem variablen Teil zusammen, welcher der Bausparprämie folgt und zwischen drei und acht Prozent liegen kann. In Summe variiert die Förderquote also jährlich zwischen 8,5 und 13,5 Prozent. Heuer wird – entsprechend der Höchstbemessungsgrundlage für die Sozialversicherung – ein Betrag von maximal 1851 Euro gefördert.

Neben der Prämie locken aber auch beachtliche Steuervorteile: Die Veranlagungserträge1) sind von der Kapitalertragsteuer wie auch von der Einkommensteuer befreit, die Versicherungssteuer entfällt, und die Renten aus dem prämienbegünstigt aufgebauten Kapital sind ebenfalls steuerfrei – was erheblich mehr Nettoertrag als vergleichbare Produkte verspricht.

Als wesentliche Verbesserung zu den verpatzten Vorgängerprodukten PIF und PZV2) lobt die Branche unisono die freie Verfügbarkeit des Kapitals nach zehn Jahren. Dass im Fall einer nicht widmungsgemäßen Verwendung, sprich: einer Auszahlung des Kapitals statt einer lebens-langen Rente, die Hälfte der Prämie zurückgezahlt werden muss und auf die Kapitalerträge 25 Prozent KESt zu entrichten ist, sei da nur fair – und käme immerhin einer Steuerstundung gleich.

Ein weiterer Vorteil, die Kapitalgarantie, die der Produktanbieter dem Anleger auf seine eingezahlten Beiträge inklusive der staatlichen Prämien geben muss, wird da schon differenzierter gesehen. „Nach über drei Jahren Verlusten an den Börsen passt das zum Zeitgeist“, meint Veyder-Malberg, Vorstand der Capital Bank. Andererseits: „Ob dieser vermeintliche Vorteil für die Kunden nicht zum Nachteil mutiert, wird sich erst zeigen.“

Die Veranlagungsrichtlinien legen genau fest: Mindestens 40 Prozent sind in Aktien kapitalmarktschwacher europäischer Märkte wie der Wiener Börse zu investieren, der Rest in festverzinsliche Wertpapiere. Um das Kapital zu garantieren, sind dem Einfallsreichtum der Anbieter keine Grenzen gesetzt (siehe Tabellen): Die Varianten reichen da im Aktienbereich von aktivem Fondsmanagement, das gegebenenfalls mittels CPPI-Strategie abgesichert wird, bis hin zu einer permanenten, statischen Absicherung über Derivativinstrumente. Bei den Versicherungsprodukten greifen die Vermögensverwalter teils zur Gänze auf Fonds meist verwandter Institute zurück, teils nur im Aktienbereich – und lagern die Anleihen in ihren Deckungsstock ein. Aber diese Garantie kostet – laut Insidern zwischen ein und drei Prozent, also nicht zu wenig, wenn man sie in Relation zur aktuellen staatlichen Prämie setzt, die – mit dem aktuellen Satz von 9,5 Prozent hochgerechnet auf zehn Jahre – eine magere Rendite von 1,6 Prozent p. a. liefert.

Erfahrungswerte gibt es naturgemäß noch nicht. Allerdings taucht bereits jetzt Kritik auf. So widerspricht die Einengung auf wenige kleinkapitalisierte Börsen dem Anlagegrundsatz der breiten Diversifika-tion. Auch die hohe Aktienquote hat so ihre Tücken – speziell vor Pensionsantritt: VÖIG-Generalsekretär Dorten pocht daher auf die Möglichkeit, rechtzeitig in risikolosere Anlageinstrumente umzuschichten.
Dass rund 80 Prozent des Volumens bis dato über Versicherungen abgesetzt werden, hat mit deren starkem Vertriebsapparat zu tun, dessen Kosten zum Teil noch ein wohlgehütetes Geheimnis bleiben. À la longue hofft die Fondsbranche durch höhere Kostentransparenz und -effizienz zu punkten. Wer jedoch den Spagat zwischen Kosten, Garantie und Ertragschancen am besten meistern wird, wird sich zeigen, wenn das Produkt erwachsen geworden ist.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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