Vom Wetten und Wählen

Dem heimischen Fußball geht es wie der SPÖ. Er kann von der Regierung eines lernen: Auch wenn die Ergebnisse schlecht sind, kann man gewinnen.

Österreichs Fußball steckt in der Krise. Egal, ob Diskussionen über Wettaffären oder der letzte Platz unseres Nationalteams im Vierländerturnier (dritter Platz: Lettland!) – die Leistungen und das Ansehen von Österreichs Kickern sind auf dem Tiefstpunkt. Einer anderen ehemaligen Breitenbewegung, der SPÖ, geht es ganz ähnlich. Was beiden wirklich fehlt, ist einfach die Fähigkeit, aus schlechten Ergebnissen fulminante Siege zu machen. Und wer, wenn nicht er, wäre dafür das beste Vorbild?
Denn Wolfgang Schüssel ist nicht nur ein Kicker, der vor gegnerischen Wadeln kein Pardon kennt, auch seine Erfolge in der Bundesregierungsliga sind wahrhaft beeindruckend. Er schafft es, von Sieg zu Sieg zu eilen – trotz der Leistungen seiner Mitspieler:

Die größte Steuerreform aller Zeiten versprach sein Libero, der stets in feschen Hilfiger-Dressen (Aufdruck KHG statt 0) auf das Feld läuft, zu liefern. Eine tolle Ersparnis für jeden, die sogar für einen Urlaub in Italien reicht, wird dem immer noch kräftig steuerzahlenden Publikum in flotten Werbespots verklickert. Doch die Reise nach Rom geht sich bei einer durchschnittlichen Ersparnis von elf Euro für alle Österreicher nicht einmal mit einem Billigticket einer Diskont-Airline aus.

In Österreich herrscht Arbeitslosigkeit in einem Ausmaß wie noch selten erlebt. Natürlich beruft der Kanzler-Spielertrainer einen Gipfel ein. Natürlich diskutieren dort die Spitzen des Landes mit Schüssels Wirtschafts- und Arbeitscoach Martin Bartenstein. Und natürlich kommt dort nichts heraus. Weil auch nichts herauskommen kann. Weil es einfach nach Schüssels Spieleraufstellung zunehmend nur mehr zwei Leistungsgruppen gibt: jene, die stöhnen, dass sie rund um die Uhr arbeiten, und jene, die stöhnen, dass sie nichts zu arbeiten haben. Und weil zur gleichen Zeit ein Unternehmen wie die VA Tech an Siemens verkauft wird und dadurch weitere 3000 Arbeitsplätze in Zukunft gefährdet sind.

Trotz Arbeitslosigkeit und Budgetdefizit werden um knapp zwei Milliarden Euro Abfangjäger gekauft. Gut. Solange Österreich neutral ist, brauchen wir auch eine starke Verteidigung. Nur: Der Eurofighter bringt das nicht. Der flotte Fighter kann nämlich Freund von Feind nicht unterscheiden; weil auf das 31 Millionen Euro teure Erkennungssystem von feindlichen Jets verzichtet wird. Das heißt: Er kann im Strafraum patrouillieren und wenn ein Flieger hereinstürmt, egal, ob gut, ob böse, nur freundlich mit den Flügeln wippen.

Auf ausgesuchten Straßen Österreichs darf laut Trainerassistenten Hubert Gorbach bald mit 160 km/h gebrettert werden. Wohl nicht, weil er damit die Arbeitslosenzahlen senken will. „Speed kills“ lautet zwar ein Motto der Regierung, aber Arbeitslose haben selten schnelle Autos. Die Geschwindigkeitserhöhung ist nichts anderes als ein geschicktes Täuschungsmanöver. Da die Westautobahn als einzige streckenweise für Tempo 160 geeignet scheint, drängt sich als Erklärung auf: Wenn schon statt sinnvoller Infrastrukturmaßnahmen sinnlos Milliarden in den Brennerbasis- und den Semmeringtunnel für die Bahn gestopft werden, müssen die Autofahrer zum Ausgleich auch ein Spielzeug bekommen. Und dann halt eines, das schnell ist und nichts kostet.

Aber geben wir noch einmal zurück zu Schüssels Ronaldo. Der zwar nicht, wie das Original, eine 400.000 Euro teure Hochzeit feierte, statt wie Beckham und Co zum gleichen Zeitpunkt für die Tsunamiopfer bei einem Benefizspiel mitzukicken; der aber dafür die Katastrophe mit seiner Verlobten lange auf den Malediven glücklich überstand. Der Pass geht wie immer ins Leere.

Üblicherweise sollte es bei diesen Patzern – die Liste ließe sich noch deutlich verlängern – für den Gegner ein Leichtes sein, den Sieg am politischen Spielfeld davonzutragen. Nur SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer schafft das nicht. Zwei Erklärungen sind dafür möglich: Gusenbauer ist ein miserabler Kicker und ein noch schlechterer Trainer. Das nächste Ergebnis ist vorhersehbar. Denn bei Nationalratswahlen verhält es sich wie bei Fußballwetten:

Wer das Publikum am besten hinters Licht führt, streift den Gewinn ein. Die Worte von LASK-Präsident Peter Reichl sollten ihm zu denken geben. Der Abstiegskandidat LASK ist wegen seines völlig überraschenden 2:0-Erfolgs gegen den Spitzenreiter Kapfenberg im vergangenen Jahr in den Sog des deutschen Fußball-Wettskandals geraten. Reichls Erklärung dazu: „Im Sport gibt es genauso viele oder genauso wenige Absprachen wie in der Politik.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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