Steuersparen: Die geheimen Prüfmethoden der Finanzbeamten. Wie Sie Geld zurückholen

Noch nie waren die Kontrollore des Fiskus so aggressiv – 2006 wird mit über zwei Milliarden Euro Mehrergebnis aus Steuerprüfungen ein absolutes Rekordjahr. Wie Sie der Finanz dennoch ein Schnippchen schlagen können, ob Ihr Steuerberater Ihnen dabei behilflich sein kann und was Sie dieses Jahr noch unbedingt beachten sollten.

Eleganter Anzug, offener Hemdkragen, geschmeidige Stimme, das Foto von Frau und Kindern auf dem Schreibtisch. Eduard Müller passt auf den ersten Blick perfekt zur Wohlfühlwelt des glamourösen Finanzministers der Regierung Schüssel, Karl-Heinz Grasser. Dabei ist der smarte Beamte ein echter Steuervampir. Als Gruppenleiter IV/D in der Himmelpfortgasse 4 ist er der oberste Steuerprüfer der Republik.

Müllers 2025 Prüfer spüren Schlampereien in den Buchhaltungen der heimischen Betriebe ebenso auf wie Großbetrügereien. Und sie tun das dieses Jahr mit besonderer Fortüne. „Wir werden 2006 das beste Mehrergebnis aller Zeiten einfahren und sind deutlich über Plan“, reibt sich der Burgenländer, der in Oberwart einst selbst Firmen prüfte, die Hände. Auf Basis der letzten Schätzungen werden die Zasterfahnder theoretisch 2,2 Milliarden Euro1) zusätzlich in den ohnehin prall gefüllten Steuertopf holen. Das wäre ein beachtliches Plus von 28 Prozent gegenüber 2005.

Natürlich stand Müllers Truppe dabei auch das „Glück des Tüchtigen“ (Müller) zur Seite – so haben eine Hand voll Großfälle rund 300 Millionen Euro Nachzahlungen eingespielt. Aber es sind insbesondere auch aggressive finanzielle Zielvorgaben und ein prall gefülltes Arsenal an neuen Waffen, mit denen die Finanz den Steuerzahlern, die neuerdings als Kunden gesehen werden, das Leben zusehends schwerer macht: Die Prüfer verwenden unter anderem Spezialsoftware zum Auswerten verräterischer Endziffern in der Buchhaltung, um Steuersünden aufzustöbern.

Und 2007 kommt es noch härter: Wo besonders hohes Risiko vermutet wird, werden die Finanzbeamten künftig überhaupt Dauergast sein („present observation“). Mit dem neuen Betrugsbekämpfungsgesetz müssen auch kleinste Details in der Buchhaltung dokumentiert werden, sodass insbesondere die Bargeldbranchen wie Gastronomie, Taxiunternehmer oder Wettlokalbetreiber immer geringere Chancen haben, Geld vor dem Fiskus zu verstecken.

Vom Angestellten bis hin zum Großunternehmen gilt nach profunder Einschätzung von Klaus Hübner deshalb: „Das Entdeckungsrisiko ist höher geworden.“

Kopf an Kopf. Hübner, der am 14. November den bisherigen Präsidenten Alfred Brogyanyi als Chef der Kammer für Wirtschaftstreuhänder (KWT) abgelöst hat, vertritt jene Branche, die sich als Schutzschild gegen Müller & Co versteht: die Steuerberater. Ihre Zahl ist in den letzten fünf Jahren von 4030 auf 5370 angewachsen, und dennoch müssen sie sich mehr denn je anstrengen, um sich gegenüber einem deutlich abgespeckten Finanzapparat behaupten zu können. Im ewigen Katz-und-Maus-Spiel herrscht Waffengleichstand, und alle Beteiligten richten sich auf härtere Zeiten ein. „Es wird heute schärfer, kompetenter, zielorientierter geprüft“, stöhnt Hübner.

Das gilt nicht nur für die Behörden im Inland. Stefan Bendlinger von der Linzer Icon Wirtschaftstreuhand, der gezielt Unternehmen mit Betriebsstätten im Ausland berät, meint lakonisch: „Das Netz der Finanzverwaltung ist in den letzten Jahren sicher dichter geknüpft worden.“ Steueroasen zu genießen oder das Steuergefälle zwischen Staaten auszunützen sei auch dank strengerer Gesetze und stärker vernetzten Vorgehens der internationalen Steuerbehörden schwieriger geworden. Per Knopfdruck können die erforderlichen Daten heute in Sekundenschnelle rund um den Globus gejagt werden.

Seitdem das Internet die Übermittlungswege von Akten und Bescheiden dramatisch verkürzt hat, hat sich das Verhältnis zwischen Finanz und Steuerzahlern beziehungsweise deren Beratern überhaupt abgekühlt. Drei Viertel aller Firmen und ein Fünftel der Arbeitnehmer reichen ihre Steuererklärungen inzwischen elektronisch ein, die erste Auswertung erfolgt ebenfalls schon per Computer.

Gerhard Gaedke, renommierter Steuerberater in Graz, beurteilt diese zunehmende Automatisierung der Abläufe zwiespältig: „Früher gab es mehr persönlichen Kontakt, und man hatte Gelegenheit, mit dem Referenten zu quatschen, wenn man die Steuererklärungen vorbeibrachte. Heute gibt es keine Referenten mehr, nur mehr Teams. Und alles läuft anonymisiert ab.“

Dass das Ende des Amikalen schlicht auch mit neuen Köpfen auf der Gegenseite zu tun hat, glaubt Iris Kraft-Kinz von der auf Ärzte und Apotheker spezialisierten Steuerberatungskanzlei Medplan: „Die junge Generation der Betriebsprüfer ist gut ausgebildet und sehr ehrgeizig. Da wird nicht mehr geplaudert wie früher – die wollen zeigen, was sie können. Es gibt kein Drumherumreden.“

Vertrauensverlust. Deutlich kritischer bewertet das einer, der selbst 1995 kurzzeitig SPÖ-Finanzminister war. Andreas Staribacher ist heute mit seiner Kanzlei PKF Österreicher-Staribacher wieder auf der Seite der Gejagten und hält etwa die von Grasser eingeführten, jährlich nach oben geschraubten monetären Zielvorgaben für „hellen Wahnsinn“. Wer als Prüfer in der Finanzverwaltung Karriere machen will, so seine Interpretation des Systems, trachtet danach, besonders viele Steuernachforderungen hinzukriegen. Der Steuerberater versteckt also geschickt immer mehr Sollbruchstellen, damit der Finanzer fündig wird und „sein“ Mehrergebnis nach Hause tragen kann – am Ende feiert man immer höhere außertourliche Ergebnisse, die zulasten des normalen Steueraufkommens gehen. „Das ist nicht nur schlecht fürs Finanzergebnis, sondern unterläuft auch das Vertrauen in die Finanzverwaltung“, meint Staribacher. „Ich bin überzeugt, dass der nächste Finanzminister das wieder abschafft. Egal, wie er heißt.“

In letzter Konsequenz werde das derzeit gewählte Modell rechtsstaatlich bedenklich, meint auch Österreichs Steuerberater für besonders delikate Fälle, Roman Leitner: Der Finanzstrafrechtler befürchtet eine stärkere Kriminalisierung von Steuervergehen in der Zukunft.

Der Chef der stark wachsenden Linzer Kanzlei Leitner + Leitner kennt sich mit besonders kniffligen Fällen aus: Im spektakulären Verfahren um den gräflichen Tierpark Herberstein dürfte er durch eine gerade noch rechtzeitig erfolgte Selbstanzeige Gräfin Andrea Herberstein vor einer strafrechtlichen Verfolgung bewahrt haben. Hannes Kartnig, bis vor Kurzem Präsident des Fußballvereins SK Sturm und nun in Steuernöten, wandte sich ebenso an Leitner wie internationale Autokonzerne mit Schmiergeldproblemen und Standeskollegen, die wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung vor Gericht stehen. Seine zehnköpfige Eliteeinheit der insgesamt 500 Mitarbeiter starken Kanzlei soll die Kastanien dann aus dem Feuer holen, „wenn sie schon angebrannt sind“, wie es der Chef sagt.

Tax & Crime. Vom Hörensagen will der Profi sogar wissen, „dass in Zukunft nach den Vorstellungen der Finanz eine bestimmte Quote der geprüften Fälle in ein Strafverfahren münden soll“ – aus Abschreckungsgründen. Statt angemeldeter Prüfungen und Nachzahlungen in gutem Einvernehmen hieße das: brutale Hausdurchsuchungen, Prozesse, am Ende womöglich mehrjährige Freiheitsstrafen. „Da wird der Unternehmer zum Verbrecher“, malt Leitner ein düsteres Szenario. „Das wäre nur die logische Konsequenz, wenn das System mit den Zielvereinbarungen immer noch weiter ausgereizt wird“, ergänzt Kollege Staribacher.

Natürlich verneint Oberprüfer Müller solche Absichten – aber so richtig traut den Finanzern derzeit niemand mehr.

Schlupflöcher. Von diesem Schlachtengetöse sollten Sie sich aber nicht irritieren lassen oder gar mutlos werden. Es gibt gute Möglichkeiten, wie Sie auf die neuen Prüfmethoden der Finanz reagieren und sich Ihr Steuerleben fast so angenehm gestalten können wie der noch amtierende Finanzminister einen Malediven-Urlaub oder ein Wochenende auf Capri.

Lesen Sie im neuen trend, was die Finanzämter an den Steuererklärungen besonders häufig beanstanden, wie Sie sich gegen den Besuch der gefürchteten Prüfer wappnen können, ob Sie überhaupt einen Steuerberater brauchen und, wenn ja, wie Sie mit ihm ums Honorar feilschen. Die trend-Autoren Karl Bruckner und Margit Widinski von der renommierten BDO Auxilia beschreiben, was Sie dieses Jahr noch tun können, um dem Finanzminister noch ein Schnippchen zu schlagen.

VON FRANZ C. BAUER UND BERNHARD ECKER

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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