Sparzinsen: Frühling für Sparer

Die Inflation sinkt, die Zinsen steigen – endlich werden Sparbücher wieder attraktiver

Jean-Claude Trichet hat ein Herz für Sparer. Mit der im März erfolgten Anhebung der Euro-Leitzinsen hat der 63-jährige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) endgültig die Niedrigzinsphase beendet. Seit der Einführung des Euro im Jahr 2002 ging es mit den Zinsen stetig bergab, und zuletzt mussten sich Sparer mit Renditen begnügen, die nicht einmal mehr die Inflation wettmachten. Doch mit der nunmehr zweiten Zinserhöhung (die erste erfolgte im Dezember 2005) signalisierten die Euro-Währungshüter: Die Zeiten magerer Sparbucherträge sind vorbei.

Prompt reagierten diesmal die Banken. Hatte es nach der Dezember-Zinserhöhung noch eher zögerliche Verbesserungen der Konditionen gegeben, so zogen die Geldinstitute diesmal recht flott nach. „Wir haben die Zinserhöhung prompt an unsere Kunden weitergegeben“, so Manfred Aschauer, Vertriebschef der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien). Praktisch alle Institute legten bei den Sparbuchzinsen einiges drauf.

EZB überholt. Noch schneller war freilich Heinz Stiastny, Vorstandsvorsitzender der ING-DiBa Austria: Die zur niederländischen ING-Finanzgruppe gehörende Direktbank drehte bereits rund eine Woche vor der EZB an der Zinsschraube und hob die Zinsen für Direktsparen (das Institut verfügt über keine Filialen, Kunden können nur direkt entweder über Internet beziehungsweise Telefon oder per Post in Kontakt treten) von 2,5 auf 2,75 Prozent an. „Das allgemeine Zinsniveau hat den Schritt der EZB bereits vorweggenommen, und darauf haben wir reagiert“, so Stiastny.

Mit den 2,75 Prozent liegt die Österreich-Filiale sogar noch vor dem deutschen Schwesterinstitut, das nur 2,5 Prozent zahlt – ein deutliches Signal für die scharfe Konkurrenz in Österreich. „Unsere Konditionen sind die Antwort auf die hiesige Wettbewerbssituation“, kommentiert der ING-DiBa-Vorstand. Um die engen und oft über Generationen bestehenden Kundenbindungen zu knacken, müssen Newcomer eben einigermaßen aggressiv auftreten.

Sparern kann das nur recht sein. Im vergangenen Jahr lag die Inflationsrate bei 2,3 Prozent. Da Sparzinsen der 25-prozentigen Kapitalertragsteuer unterliegen, hätte eine Geldanlage zumindest 3,07 Prozent bringen müssen, damit Anleger gerade einmal nichts verlieren. Von einem Gewinn redet da ohnedies noch niemand. Heuer wird sich die Situation allerdings deutlich bessern. Vor dem Hintergrund einer langsamen Wirtschaftserholung im Euro-Raum ortet die EZB ausreichend Spielraum für Zinserhöhungen; andererseits dürfte die Inflation heuer leicht zurückgehen. Der vorläufige Wert für den Februar lautet auf 1,2 Prozent, womit Österreich deutlich unter dem Schnitt der Euro-Zone liegt.

Höhere Zinsen. Das Lockangebot der ING-DiBa mit 2,75 Prozent für täglich fälliges Geld bedeutet daher, dass Sparer damit gegen die Geldentwertung abgesichert sind und sogar noch ein kleines Plus bleibt. Die ING-Bank hat unter den alteingesessenen österreichischen Instituten zwar für einige Unruhe (und wahrscheinlich das eine oder andere Zehntelprozent mehr Zinsen) gesorgt, doch von Panik ist keine Rede. „Kein normaler Mensch braucht mehr als 10.000 bis höchstens 20.000 Euro auf dem Sparbuch“, relativiert Wolfgang Layr, Vorstand der Volksbank Wien, den Wettbewerb um die besten Konditionen bei täglich fälligem Geld. Eine Meinung, die auch Andreas Stoschka, verantwortlich für das Einlagengeschäft bei der Bank Austria Creditanstalt, unterstreicht. „Tägliche Verfügbarkeit kann kein Selbstzweck sein. Wir setzen auf individuelle Beratung und eine auf die Kunden zugeschnittene Veranlagungsstrategie. Wer gezielt anlegt und den täglich verfügbaren Teil seines Vermögens in vernünftigen Dimensionen hält, kann die 2,75 Prozent locker schlagen.“

Höhere Zinsen – bis in die Region von drei Prozent – sind auch im aktuellen Umfeld durchaus drinnen, allerdings um den Preis längerer Bindungsfristen, wie sie bei Kapitalsparbüchern üblich sind. So offeriert beispielsweise die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien ein Stufenzinssparbuch mit drei Jahre lang ansteigenden Zinsen, wobei die letzte Zinsstufe immerhin bei 4,5 Prozent landet. Die Durchschnittsverzinsung beträgt ansehnliche 3,08 Prozent. Damit schlägt dieses Sparbuch auch so manches ähnlich lang laufende Wertpapier.

Sogar etwas mehr bietet die Erste Bank. „Unser so genanntes Plus-Sparen reicht bis 3,25 Prozent“, so Günter Rausch, Produktmanager der Erste Bank. Die Top-Konditionen für sechsmonatige Bindungsfrist gelten allerdings nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen und sind keineswegs jedem Kunden zugänglich. Nur wer in sechs Sparten – Sparen, Bausparen, Versicherungen, Zahlungsverkehr, Wertpapiere und Finanzierung – Geschäftsbeziehungen mit der Erste Bank unterhält, darf sich über die 3,25 Prozent freuen.

Doch was jetzt noch Spitze ist, kann schon sehr bald eher alt aussehen – nämlich dann, wenn die Europäische Zentralbank die Zinsen noch einmal anhebt. „An sich rechnen wir damit, und auch die Aussagen des EZB-Chefs Trichet weisen auf eine weitere Zinserhöhung hin“, meint Veronika Lammer, Zins- und Währungsanalystin der Erste Bank. „Bis Jahresende sind wir bei drei Prozent, Mitte 2007 dann bei 3,25 Prozent“, glaubt auch Gerhard Winzer, der als Analyst für die BA-CA die Währungs- und Zinsmärkte beobachtet.

Wären dann nicht alle, die sich jetzt für höher verzinste Sparformen mit Bindungsfristen entscheiden, die Verlierer?

„Das muss nicht unbedingt sein“, meint RLB-Vertriebschef Aschauer. „Man darf nicht vergessen, wie lang die Medien schon über Zinserhöhungen berichten. Wer gewartet hat, dem sind die höheren Zinsen bei längeren Bindungsfristen entgangen. Man muss eben abwägen: Lege ich das Geld jetzt zu höheren Zinsen an und versäume damit vielleicht die nächste Zinserhöhung, oder warte ich – aber eben mit niedrigeren Zinsen und einem dementsprechenden Renditeentgang.“

VON FRANZ C. BAUER

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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