Ski-Ostalgie

Wintersportregionen in Polen, Slowenien und der Slowakei sind von Österreich aus in kurzer Zeit erreichbar. Und Appartements kosten so viel wie bei uns vor 20 Jahren.

Nicht jeder Mensch hat das Bedürfnis, beim Gondelfahren an Franz Beckenbauers Schulter gedrückt zu werden oder gar neben Uschi Glas beim 5-Uhr-Tee zu sitzen. Nicht jeder benötigt DJ Ötzi im Ohr, um in Skiurlaubs-Euphorie zu verfallen. Manche berauschen sich beim Wintersport, so banal das klingt, an den einfachen Freuden der Natur. Oder sie sehnen sich – im Zuge der allgemeinen Retro-Welle nicht besonders verwunderlich – nach einem Ort, an dem sich in alten Zeiten schwelgen lässt. Vor allem, was die Preisgestaltung und die Pistenverhältnisse betrifft.

Der Osten macht’s möglich. „Es müssen nicht immer die Alpen sein. Gute Wintersportorte gibt es in Polen, Tschechien oder der Slowakei. Dort liegt reichlich Schnee, auf den Pisten ist Platz, und die Preise sind so niedrig wie in den Alpen
vor 20 Jahren“, lobte kürzlich die deutsche „Abendzeitung“. Die „Vorarlberger Nachrichten“ verfielen angesichts der Tatra-Reviere in Schwärmereien am Rande des Kitsches: „... vorsichtig wittert der Braunbär am Waldrand. In der Ferne heult ein Wolf, und ein Stück den Abhang hinauf springt ein Luchs geschmeidig ein paar Felsen empor.“

Doch nicht nur Medien, vor allem Urlauber aus dem Westen Europas entdecken Polen, Tschechien, die Slowakei und Slowenien zunehmend als attraktive Skiregionen, die tatsächlich oft von unbändiger Schönheit sind. Zumindest in diesem Punkt haben schon frühere Regimes Weitsicht bewiesen und die infrage kommenden Gegenden zu Nationalparks erklärt.

Erstaunlich zurückhaltend blieben daher auch die architektonischen Sünden. Denn die Appartementanlagen in diesen Gegenden schmerzen in ihrer Anmutung nicht stärker als jene in österreichischen Skiorten. Die typische Bauweise der Tatra-Region etwa, mit den tief heruntergezogenen Satteldächern, findet sich selbst bei Siebziger- und Achtziger-Jahre-Häusern zitiert. Ein weiteres charmantes Merkmal der Tatra ist die Vielzahl der Jahrhundertwende-Grand-Hotels, die in den letzten Jahren renoviert und teilweise in Appartementhäuser umgewidmet wurden.

Preise wie vor 20 Jahren. „Es herrscht bei uns tatsächlich eine verstärkte Nachfrage seitens österreichischer Interessenten“, zeigt sich die Immobilienmaklerin Agnes Szymlak von Palider Immobilien erfreut. „In den vergangenen Jahren haben viele Österreicher mit polnischen Wurzeln in Zakopane Eigentum erworben. Wenn sie dann in Wien erzählen, wie schön es bei uns ist, macht das andere neugierig. Diese Mundpropaganda bringt uns weitere Kunden.“ Das Unternehmen ist auf den Raum Zakopane spezialisiert und vermittelt bestehende Objekte, plant und konstruiert aber auch neue Anlagen.

Den Preis für neue Appartements beziffert Szymlak mit 755 bis 863 Euro pro Quadratmeter. Stammt die Anlage allerdings aus den siebziger oder achtziger Jahren, sinkt dieser auf 500 bis 700 Euro pro Quadratmeter herab. Zieht man vergleichbare österreichische Skigebiete heran, so kosten in Bad Kleinkirchheim die Wohnungen im Schnitt zwischen 2000 und 2200 Euro pro Quadratmeter, in Bad Gastein zwischen 1000 und 1400 Euro pro Quadratmeter. Ein weiterer massiver Unterschied liegt in den Kosten für Sport und Leben: Für die Skipass-Wochenkarte werden sowohl in der polnischen als auch in der slowakischen Tatra rund 73 Euro verlangt. In Österreich muss man für die Wochenskipässe zwischen 140 und 170 Euro hinblättern.

Ein wenig bekannter Vorteil dieser Gegend liegt außerdem in ihrer leichten Erreichbarkeit. Von Wien aus benötigt man für die Autofahrt in die Tatra nicht länger als in Salzburger oder Tiroler Skiorte: Der slowakische Teil ist in nur vier Stunden erreichbar, der polnische in fünf. All diese Komponenten machen die Investition in Eigentum interessant. Zumal sich mit dem EU-Beitritt dieser Länder ab 1. Mai 2004 auch die Regelungen für den Immobilienerwerb lockern. Man wird dann, wie derzeit noch der Fall, keine Gesellschaft mehr gründen müssen, um in Polen, Tschechien, der Slowakei oder Slowenien zu eigenen vier Wänden zu kommen.

Diese gesetzliche Entspannung sowie die enormen Anstrengungen der regionalen Institutionen, ihre Gemeinden auf West-Standard zu pushen – Zakopane bemüht sich um die nordische Ski-Weltmeisterschaft 2007 und um die Olympischen Spiele, und in der slowakischen Tatra schmücken bereits lila Kühe die verschneiten Almen –, könnten in Bälde zu einem Preisanstieg führen. „Optimisten rechnen mit einem ersten Sprung nach oben nach dem 1. Mai“, äußert sich Wieslaw Ogorek, Botschaftsrat der polnischen Botschaft in Wien, betont vorsichtig.

Attraktives Slowenien. Wo sich der Preissprung nach oben bereits deutlich vollzogen hat, ist Slowenien. Dort herrschen zwar im Augenblick noch dieselben gesetzlichen Restriktionen wie in Polen, Tschechien oder der Slowakei, allerdings steht das Land wirtschaftlich und imagemäßig besser da als die anderen EU-Beitrittsländer. Engländer, Italiener, Belgier und Niederländer reißen sich schon vor der Öffnung um Appartements in den Skiregionen. „Derzeit gibt es zirka 100 Ferienwohnungen in Kranjska Gora, 30 davon sind in nächster Zeit zu kaufen“, gibt sich Urban Jagodic von der Immobilienfirma Asgard zuversichtlich.

Weil die Prognosen gut sind, errichtet die Baufirma Asgard in Podkoren, wenige Kilometer von Kranjska Gora entfernt, eine kleine Appartement-Siedlung: „300 Meter von der Hauptstraße entfernt, absolut im Ruhigen, ein Traum!“ Der Preis für das winterliche Refugium, das nur einen Hupfer (allerdings einen hohen, nämlich über die Karawanken) von der österreichischen Grenze entfernt liegt, soll bei 1700 Euro pro Quadratmeter liegen.

In Kranjska Gora selbst lässt sich auch für weniger Geld Interessantes finden: Objekte in durchschnittlichem Zustand, bei denen Küche oder Bad leicht überholt werden müssen, sind in der Regel mit 1200 Euro pro Quadratmeter zu haben. „Derzeit wird ein 60-Quadratmeter-Appartement , 400 Meter vom Casino in Kranjska Gora entfernt, um 100.000 Euro offeriert. Das ist eine durchwegs repräsentative Größenordnung“, berichtet Jagodic.

Was Slowenien betrifft, hält sich das österreichische Interesse in Grenzen, was, so mutmaßt Jagodic, „in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass es vom Preis her kaum mehr Unterschiede gibt“. Der finanzielle Vorteil macht sich erst auf den zweiten Blick bemerkbar. Denn auch in Slowenien liegen die Kosten, die sonst rund um den Wintersport entstehen, deutlich unter den heimischen. So kostet der Wochenskipass etwa 110 Euro.

Nerven wie Gondelseile. Über eines sollte man sich trotz aller ökonomischen Vorteile, die der Erwerb einer Ferienimmobilie im Osten in Aussicht stellt, im Klaren sein: Bis der Kauf eines Winterappartements in Slowenien oder der Slowakei abgewickelt ist, benötigt man Geduld und starke Nerven. Fremdsprachen werden schwach bis selten gesprochen. Bemüht man sich um Informationen vorab, wird oft viel angekündigt und wenig gehalten: Hausansichten können zwar theoretisch via Mail übermittelt werden, ob dies dann auch geschieht, ist eine andere Sache.

Lediglich in Polen scheint man ganz gut organisiert: Im Raum Zakopane wird nicht selten Deutsch gesprochen, Auskünfte kommen schnell und zuverlässlich; die Immobilienbranche zeigt sich an Dienstleistung effektiv interessiert.
Um Irritationen schon von Anfang an so gering wie möglich zu halten, ist es sinnvoll, bereits im Vorfeld einen Notar einzusetzen. Namenslisten liegen in der Botschaft auf, und die Honorare bewegen sich deutlich unter den österreichischen.
In Slowenien und der Slowakei dürfen bis 1. Mai 2004 nur „juridische Personen“ Immobilien erwerben. „Das ist im Prinzip sehr einfach“, erklärt Martin Sikulaj, Leiter der Handelsabteilung in der Botschaft der Slowakischen Republik, „unsere Gesellschaftsformen sind aus historischen Gründen sehr stark an die Regeln in Deutschland angelehnt: Auch bei uns gibt es GesmbHs, OHGs, Kommandit- oder Aktiengesellschaften. Am besten, man kooperiert mit einem Anwalt. Eine Unternehmensgründung kostet nicht mehr als 240 Euro.“

Natürliche Personen sind zum Erwerb einer Immobilie nur dann berechtigt, wenn sie ein Objekt erben, sich in diplomatischer Vertretung eines fremden Staates im Land aufhalten oder ein Grundstück besitzen, das bebaut werden darf.

In beiden Fällen muss ein Antrag beim zuständigen Katasteramt gestellt werden, der das Original des Kaufvertrags enthält sowie die Urkunde, dass der Antragsteller über die Liegenschaft disponieren darf, und einen Nachweis, dass alle Verwaltungsgebühren entrichtet wurden.

Etwas lockerer präsentieren sich die Bestimmungen in Polen: Hier reicht es, polnischer Herkunft, in leitender Funktion in einem Unternehmen mit ausländischem Kapital tätig oder fünf Jahre lang in Besitz einer polnischen Aufenthaltsgenehmigung zu sein. Natürlich kann man, um sein Ziel zu erreichen, auch einen Staatsangehörigen der Republik Polen ehelichen.
„Aus heutiger Sicht ist es am besten, wenn man mit dem Erwerb von Immobilien bis 1. Mai 2004 wartet“, meinen die Botschaftsangehörigen Martin Sikulaj und Wieslaw Ogorek unisono. Selbst wenn der mögliche Preisanstieg eintritt, ist der Einkehrschwung in den EU-Beitrittsländern auch dann immer noch günstiger als bei uns.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente