Sich borgen bringt Sorgen

Während der vergangenen Wochen wurden die in Österreich besonders beliebten FRANKEN-KREDITE gleich zweimal TEURER. Schnappt jetzt die FREMDWÄHRUNGSFALLE zu?

Österreich ist Weltspitze. In keinem anderen Industriestaat finanzieren Wohnungskäufer oder Häuslbauer ihre Kredite öfter mit Fremdwährungen. Fremdwährungskredite mit einem Gegenwert von rund 47 Milliarden Euro führt die Oesterreichische Nationalbank in ihrer Statistik, vor fünf Jahren waren es erst 27 Milliarden. Weitaus gefragteste Währung bei den Schuldnern ist der Schweizer Franken.

Noch zu Jahresbeginn lag der Basiszinssatz (Libor), auf den sich die Franken-Kredite beziehen, bei einem Viertelprozent. Inzwischen hat sich dieser Satz nach zwei Zinserhöhungen durch die Schweizerische Zentralbank freilich auf 0,75 verdreifacht.

Damit liegen die Franken-Zinsen zwar immer noch deutlich unter den Euro-Zinsen – diese betragen derzeit zwei Prozent –, doch „wir rechnen bis Mitte 2005 noch mit zwei weiteren Zinserhöhungen im Schweizer Franken“, hat Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Zentralbank (RZB), für Franken-Kreditnehmer keine wirklich guten Nachrichten parat. „Meine Prognose lautet auf 1,25 Prozent für den Franken-Zinssatz im kommenden Jahr.“ Eine Meinung, der sich auch Veronika Lammer, Zins- und Währungsanalystin der Erste Bank, anschließt. „Im März sehe ich die Franken-Zinsen bei einem Prozent, im Juni dann bei 1,25 Prozent.“

Rasche Anpassung. Für Kreditnehmer schlägt sich dieser Trend automatisch in der Zinsenbelastung nieder. „Bei Fremdwährungskrediten sind quartalsweise Zinsanpassungen die Regel, und zwar oft bis auf die dritte Kommastelle“, erklärt Thomas Hübschmann, Kreditexperte der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA). Die Formel dabei ist relativ einfach: Der jeweilige Basiszinssatz ist eine wesentliche Bestimmungsgröße für jene Zinsen, die Banken im Geschäft untereinander verrechnen, den so genannten Libor (London interbank offered rate). Dieser Libor plus ein bonitäts- und betragsabhängiger Aufschlag – im Regelfall 1,5 Prozent – ergeben dann auch schon die Kreditverzinsung. Derzeit liegt dieser Libor bei rund 0,65 Prozent. Für Schweizer-Franken-Kredite sind also rund 2,15 Prozent Zinsen fällig, kommendes Jahr werden es voraussichtlich 2,65 Prozent sein – auf Franken-Kreditnehmer kommt eine deutliche Mehrbelastung zu. So weit die schlechte Nachricht.

Nun die gute Nachricht: Trotz der Zinserhöhungen sind Franken-Kredite immer noch erheblich billiger als Euro-Ausleihungen. Zwei Prozent beträgt der Basiszinssatz derzeit im Euro. Die Euro interbank offered rate – das Euro-Pendant zum Libor und analog die Berechnungsbasis für Euro-Kredite – liegt bei rund 2,1 Prozent. Plus die gleiche Marge wie für den Franken-Kredit, also 1,5 Prozent, macht eine Kreditverzinsung von 3,6 Prozent und somit deutlich mehr als im Fall des Franken-Kredites.

Die noch bessere Nachricht: Währungsanalysten rechnen auch für den Euro mit Zinserhöhungen – und zwar sogar mit noch kräftigeren als im Franken. RZB-Währungsguru Brezinschek: „Der Zinsabstand zwischen Euro und Franken wird 2005 wahrscheinlich größer.“ Womit Franken-Kreditnehmer die aktuellen Zinserhöhungen in „ihrer“ Währung einigermaßen gelassen verfolgen dürfen: 2005 wird wohl wieder „ihr“ Jahr.

Noch gravierender macht sich dies bei Yen-Krediten bemerkbar. Hier liegt der Ausgangszinssatz bei 0,125 Prozent, womit Yen-Kredite sogar noch die billige Franken-Finanzierung schlagen. Und im Gegensatz zu Euro und Franken wird die Bank of Japan die Zinsen im kommenden Jahr voraussichtlich unverändert auf dem niedrigen Niveau halten; die Zinsdifferenz zum Euro wird wohl weiter wachsen.

Ungeliebter Yen. Dennoch liegt der Yen als Kreditwährung derzeit in der Gunst der Schuldner weit hinter dem Franken. Der Grund: Zwar hat sich an den Wechselkursen in den vergangenen Monaten nicht viel geändert, doch erfahrungsgemäß zählt der Yen zu den Währungen mit den größten Schwankungen. Und Währungsverluste können die Vorteile der niedrigen Franken- oder Yen-Zinsen rasch wieder zunichte machen.

Abgesehen davon schlitterte der Yen vor einem Jahr in eine Schwächephase. Diese nutzten dann zahlreiche Kreditnehmer. Sie verabschiedeten sich vor rund einem Dreivierteljahr aus der bis dahin beliebten japanischen Währung. „Der Yen ist von der Nachfrage her momentan vernachlässigbar“, berichtet Hannes Meltsch, Produktmanager für Kredite bei der Erste Bank. Auch immer häufigere Berichte über eine Erholung der japanischen Wirtschaft führten zu wachsender Unsicherheit: Eine stärkere Wirtschaft zieht nämlich üblicherweise eine Erstarkung der Währung mit sich. Schließlich machen US-Wirtschaftspolitiker Druck auf die japanische Nationalbank, ihre Währung nicht weiter künstlich niedrig zu halten.

Wird der Yen aber gegenüber dem Euro teurer, dann wächst die Kreditschuld automatisch im gleichen Ausmaß mit. Im schlimmsten Fall kann dies zu einer Überschuldung führen. „Wir weisen unsere Kunden ausdrücklich auf diese Möglichkeit hin. Kreditverträge, die von uns betreut werden, beinhalten einen Passus, wonach die Bank erst bei Erreichen einer bestimmten Aufwertung berechtigt ist, an den Kunden heranzutreten und zusätzliche Sicherheiten zu fordern“, so Günther Hindinger, Geschäftsführer der Investis Vermögensberatung, die zahlreiche Fremdwährungskredite vermittelt hat.

Blindflug. Doch trotz Betreuung durch Experten – in gewisser Weise ähnelt ein Fremdwährungskredit oft einem Blindflug. In den meisten Fällen lässt sich erst im Nachhinein feststellen, ob die Sache ein Geschäft war. Sehr oft werden Fremdwährungskredite nämlich mit einem so genannten Tilgungsträger gekoppelt: Kreditnehmer bezahlen in diesem Fall quartalsweise die Zinsen und sparen die für die Tilgung vorgesehene Rate an – beispielsweise mit einer fondsgebundenen Lebensversicherung. Bei einer negativen Performance dieses Tilgungsträgers bleibt eine Finanzierungslücke.

Wann genau die günstigeren Zinsen eines Fremdwährungskredites von möglichen Währungsverlusten aufgefressen werden, ist ebenfalls kaum zu eruieren, und die Banken bleiben Informationen über dieses nicht ganz unerhebliche Detail schuldig. „Bei der Zinsdifferenz zwischen Euro und Franken verdient ein Kreditnehmer allein schon daran – das Wesen eines Fremdwährungskredites liegt ja darin, dass er wegen der laufenden Zinsen günstiger ist“, beschwichtigt Thomas Hübschmann von der BA-CA. Keine exakte Antwort kann auch Hannes Meltsch von der Erste Bank geben: „Man darf ja nicht vergessen, dass die Währungen während der üblicherweise langen Laufzeit eines solchen Kredites schwanken. Da sind exakte Angaben fast unmöglich.“

Dies dürfte auch ein Grund für eher vorsichtige Kommentare sein. „Im Gegensatz zu manchen Mitbewerbern haben wir auf die Risiken, die mit einem Fremdwährungskredit verbunden sind, immer sehr bewusst hingewiesen“, gibt sich Julian Robor vom Wohnconsulting der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien betont zurückhaltend. „Natürlich offerieren wir auf Wunsch auch Fremdwährungskredite, aber die aktuell sehr günstigen Euro-Zinsen sind ja auch nicht zu verachten – und da gibt es kein Währungsrisiko.“

Auf lange Sicht ist für RZB-Währungsspezialist Peter Brezinschek nämlich eines sicher: „Wenn man sich die langfristigen Charts anschaut, sieht man ganz klar: Sowohl Franken als auch Yen sind gegenüber dem Euro Aufwertungswährungen. Ein lang laufender Kredit ist hier also immer eine Spekulation gegen den Trend.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente