Schießen Sie nicht auf den Kolumnisten!

Üblicherweise werden die Überbringer schlechter Nachrichten umgebracht – aber vielleicht gibt’s, hm, einmal eine Ausnahme?

Es ist nämlich so. In dem Heft, das Sie mit gutem Grund in Ihren Händen halten und das messerscharf zu durchforschen Ihre vor steigender Überraschung zunehmend geweiteten Augen sich schon seit ihrem morgendlichen Aufschlag sehnen, gibt es eine immens intelligente Geschichte über die besten & tollsten Anlagen jenseits der Gartenanlagen von Versailles.

Es dreht sich um Ihre Marie, und Sie erfahren, wie Sie diese am effektivsten vermehren können. Die Hundertschaften bedeutender Rechercheure aller Weltteile und Redakteure ohne jegliche Konkurrenz beraten alle gewinnorientiert denkenden, annährend gestopften Geschöpfe über die Maßen aufs Trefflichste.

Aber, was soll ich Ihnen schreiben, selbst diese Verwegenen sind auch nur Menschen. So haben sie allzu sehr an das Gute in ihrer Spezies geglaubt und das um sich greifende und um Sie schleichende Verbrechen außer Acht gelassen.
Selbst wenn die Anzahl der täglich gemeldeten Straftaten – wie die Polizei jüngst fröhlich bekannt gab – auf nur noch durchschnittlich 1688 zurückging (was doch erfreulicherweise bedeutet, dass pro Jahr nicht mehr als eine halbe Million Österreicher kriminell werden), so nimmt insgeheim eine sehr sinistre Spezialität zu.
Die Wirtschaftskriminalität lauert auf Schritt und Fehltritt. ANLAGEBETRUG gehört bei den immer mehr ungeschoren davongekommenen Unerhörten zum täglichen Brotwerk. Auch Korruption ist im schmutzigen Spiel, Geldwäsche, Menschenhandel, Waffengeschäfte, Drogenhandel, Terrorismus – was immer Sie mit Ihrem unschuldigen Geld tun, es kann zum Schrecklichsten verwendet werden.
Schon deshalb, weil Sie ebenso ahnungslos wie vertrauensvoll sind. Sie wissen nicht, dass Ihr Ihnen seit Jahren bekannter persönlicher Bankberater hinter seiner freundlichen Maske die entsetzliche Larve eines eiskalten, internationalen, härtestgesottenen Schiebers besitzt.

Wie sollten Sie dahinterkommen, dass mit Ihrem doch wohl großteils fast ehrlich verdienten Geld, mit dem Sie eine Staatsanleihe zeichnen oder eine börsenotierte Firma unterstützen wollen, über dunkle, weltweit fließende Kanäle ans andere Ende der Welt bedrohliche Dinge wie Pistolen oder Pepsi-Cola geliefert werden?
In einer führenden Tageszeitung Österreichs wurde enthüllt, dass sich unsere Wirtschaftskriminalbeamten vor nichts mehr fürchten als vor der „Bedrohung durch unsichtbare Kriminalität“.

Dieser Umstand allein sollte Sie bereits alarmieren, denn wir haben uns an sichtbare Kriminalität gewöhnt; sogar an Darstellungen des organisierten Verbrechens, meistens in jenen TV-Sendungen, die zum unorganisierten Verbrechen zählen. Aber wenn die Abstierer in Aufsichtsräten sitzen, die Fladerer unseres Flinses in Firmenvorständen – wo kommen wir dann hin als ins Bettellager unter der nächsten Brücke?

Ich bin ja nicht unbedingt ein Feind von eventuell gefährlichen Netzwerken, ich fahre sogar mit der U-Bahn, aber ist es möglich, dass die einen unsichtbar in eine finanzielle Situation bringen können, in der man gezwungen ist, über die 100 steilsten Unterhosen Österreichs rankieren zu müssen?

Es ist gurgelzuschnürend zu erfahren, dass es nun auch noch eine Globalisierung der Ganoven gibt. Wir haben kaum noch verkraftet, auf gesetzlich gestützte Weise Gefahr zu laufen, ärmer werden zu können, und jetzt gesellen sich zu den dafür verantwortlichen Honoratioren vielleicht so geschniegelte Halunken, dass die einen von den andern nicht mehr …?

An Ihrer Stelle wäre ich in finanziellen Gebarungen nun überaus vorsichtig, denn sonst tanzen Sie einen Kriminaltango auf dem Vulkan. Was wir alle bisher über die düsteren Existenzen und deren Erscheinungsformen gewusst haben, ist in dieser neuen Dimension obsolet.

Wenn ich nachts daheim das knisternde Knirschen der Tür höre, so habe ich meinen Hirschfänger schon in der Hand. Wenn in dunklen Gassen leise tappende Schritte hinter mir her sind, ist mein Sechsschüsser mittels einer blitzartigen Manipulation von mir bereits entsichert. Und sollte mir nächtens ein blutunterlaufener Buckliger nach der Sperrstunde meines Stammlokals im Weg stehen, so ist der Abzug der Handgranate im Nu herausgerissen.

Wie aber sollen wir uns gegen das geheime Umschreiben unserer armen geheimen Konten sichern? Was tun dagegen, dass unter unserem guten Namen übers Internet ganze Restposten albanischer Lockenwickler gekauft und nach Moldawien verschoben werden?

Möglicherweise bleibt uns allen nur der Rückzug unseres Geldes unter die Matratze. Aber das kann für eine positiv denkende, vorwärts gerichtete Wirtschaft keine befriedigende Lösung sein.

Es gibt unter solch verheerenden Zuständen, in Zeiten einer Unsicherheit, wie sie selbst die grönländischen Fischer nicht kannten, als sie noch mit Muscheln zahlten, vermutlich keine andere Möglichkeit, zu bekommen, was einem zusteht, und nichts zu verlieren, als das Geld abzuschaffen.

Ich glaube, damit wäre das Problem einer pekuniären Pandemie gelöst.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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