Scharfmacher

Wie viele Millionen Bildpunkte braucht der Hobbyfotograf? trend hat sich durch alle Pixelklassen durchgeknipst und verrät Ihnen, wie viele Megapixel Ihre Kamera haben sollte.

Machen Sie doch einmal einen Test: Besuchen Sie verschiedene Geschäfte mit den modernsten Fotoapparaten in der Auslage, und fragen Sie unschuldig: „Welche Auflösung sollte eine digitale Kamera haben, wenn ich damit Abzüge bis zu einer Größe von 20 mal 30 Zentimetern machen will?“

Eine an sich simple, für die Auswahl der richtigen Kamera nicht unbedeutende Frage, die – so sollte man meinen – ebenso simpel zu beantworten sein sollte. trend hat es für Sie ausprobiert und bekam gleich eine ganze Reihe verschiedener Antworten zu hören. „Fünf Millionen Pixel“, lautete etwa die Diagnose in der Niedermeyer-Filiale in der Wiener Rotenturmstraße. Im Geschäft der gleichen Handelskette am Wiener Graben ist man allerdings ganz anderer Meinung: Schon Digicams mit einer 2-Millionen-Pixel-Auflösung würden diese Aufgabe meistern können. Der Verkäufer der Hartlauer-Filiale in der Praterstraße wiederum versichert: „Mit drei Megapixeln kann das Bild auch schon was werden, mit vier ist es garantiert einwandfrei.“ Oder darf’s doch ein bisserl mehr sein?

PS sind nicht alles. Der Theorie nach liegen freilich alle vier Verkäufer völlig daneben. Denn geht man von einer für die Laborausarbeitung optimalen Auflösung des Bildes von 300 Bildpunkten pro Inch (dpi) aus, so kommt man rein rechnerisch*) auf knapp 8,4 Millionen Pixel, die eine Fotodatei aufweisen sollte, damit man sie auf 20 mal 30 Zentimeter ohne Qualitätsverlust ausdrucken kann.

Doch selbst das ist weder Voraussetzung noch Garantie dafür, am Ende ein einwandfreies Foto in Händen zu halten. Christian Maricic, renommierter Mode- und Werbefotograf: „Die Anzahl der Pixel ist für die Qualität der Fotos nicht allein entscheidend. Es hängt vielmehr vom Chip, von der Auflösung, von der Optik des Gerätes und von der Software ab. Und vor allem auch davon, wie gut diese Komponenten aufeinander abgestimmt sind.“ Und sein Berufskollege Stefan Csàki ergänzt: „Mit den Megapixeln verhält es sich so wie mit der PS-Anzahl eines Motors. Dort hängt die tatsächliche Leistung letztendlich davon ab, in welcher Karosserie das Triebwerk eingebaut ist.“

Doch wonach soll sich nun der Konsument richten, wenn er auf der Suche nach einer Digicam ist, die seinen Bedürfnissen entsprechen soll? Um dies herauszufinden, hat trend sechs Vertreter der derzeit im Handel üblichen Digicam-Klassen im Praxistest gegeneinander antreten und die Fotos in verschiedenen Größen (fast) bis zum Format A3 ausarbeiten lassen (siehe Kasten „Abgedrückt“).

Der Test. Die Abzüge wurden nach zwei Kriterien bewertet: Bis zu welchem Format kann man die Bilddateien mit einer Bildauflösung von 300 dpi ausarbeiten lassen, ohne dass die Auflösung der Kamera an ihre Grenzen stößt und die Software mittels mehr oder weniger raffinierter Rechenvorgänge Bildpunkte einfügt? Und für den Hobbyfotografen weit wichtiger: Wie gut sind die Fotos, die die Digicams liefern, letztendlich wirklich?

Von zwei Geräten war Profifotograf Thomas Schauer, der für trend den Test durchführte, jedenfalls mehr als enttäuscht: Das Fotohandy von Sony war bei keiner Aufnahmesituation imstande, auch nur eine Farbe realistisch darzustellen. Die Bilddateien, die das 1,3-Megapixel-Gerät lieferte, konnte man gerade einmal auf eine Größe von vier mal fünf Zentimetern ausarbeiten lassen.

Und auch die 5-Megapixel-Kamera von Kodak lieferte nicht die erwarteten Ergebnisse. Schauer: „Von einer Kodak sollte man sich mehr erwarten dürfen.“ Besonders bei der Innenaufnahme ohne Blitz zeigte die Kamera ihre Schwächen. Statt das satte Gelb der Innenwände wiederzugeben, war auf allen Vergrößerungen eine Farbe zu sehen, die schon mehr ins Ocker ging. Rein von der Auflösung her schafft die Kodak eine Bildgröße von 22 mal 16 Zentimetern.

Wie die Testergebnisse (siehe Seite 224) zeigen, schnitt die 5-Megapixel-Digicam aus dem Hause Kodak hinsichtlich der Bildqualität meist schlechter ab als die Olympus C-770, die mit einer um ein Fünftel geringeren Auflösung auskommen muss. Schauer: „Die Olympus liefert in etwa jene Ergebnisse, die man von analogen Kompaktkameras gewohnt ist.“ Mit dem Gerät sind auch Vergrößerungen bis zu einer maximalen Größe von 15 mal 20 Zentimetern möglich.

Vom Vertreter der 3,2-Megapixel-Klasse, der Minolta X31, ist Schauer wieder weniger begeistert: „Das ist ein nettes Spielzeug, mehr nicht.“ Anspruchslosen Fotografen würde diese Kamera lediglich in der Größe von 10 mal 15 Zentimetern zufriedenstellende Ergebnisse liefern, und das, obwohl die Auflösung rechnerisch eine maximale Größe von 13 mal 17 Zentimetern erlauben würde.

Schwarze Sonne. Uneinheitlich schnitt die 7,2-Megapixel-Cam von Sony ab. Zwar liefert das Gerät bis zum Format 20 mal 26 durchwegs brauchbares Bildmaterial. Betrachtet man die endgültige Fotoqualität, hat die Sony aber eine Reihe von Schwächen, die mit der Anzahl der Pixel nichts zu tun haben: Bei Langzeitbelichtungen wirken manche Flächen etwas grobkörnig, und bei den Lichtquellen treten im Test Solarisationseffekte auf. Zur Erklärung: Wenn das Licht zu viel wird, kippt das Bild, und ursprünglich helle, weiße Flächen wie etwa die Sonne werden färbig oder schwarz wiedergegeben.

Nahezu ungeteiltes Lob erntete die Canon 20D. Was nicht anders zu erwarten war, schließlich spielt das Gerät nicht mehr in der Hobby-, sondern schon in der Semiprofi-Liga mit. Die Bilddateien, die die Spiegelreflexkamera liefert, lassen sich problemlos bis zu einem Format von 20 mal 30 Zentimetern vergrößern. Und auch die Fotos jenseits dieser Größe machen – bis auf die Innenaufnahme ohne Blitz – einen durchwegs guten Eindruck.

Fazit: Ob eine digitale Kamera die gehegten Erwartungen erfüllt und auch gute Bilder liefert, lässt sich nicht anhand des technischen Datenblattes entscheiden. Die rein rechnerisch ermittelte maximale Fotogröße einer bestimmten Megapixel-Klasse stellt nur einen ungefähren Anhaltspunkt dar. Andere Faktoren, wie Optik, Chipqualität, Software, aber auch Bildmotiv und Belichtungssituation, beeinflussen das Ergebnis stärker als die Anzahl der Megapixel einer Kamera.

Schauers Resümee: „Ich rate jedem, der den Kauf einer Digitalkamera ins Auge fasst, sich mehrere Geräte vom Geschäft für einige Zeit auszuborgen, Bilder zu machen, diese selbst zu bearbeiten und danach vergrößern zu lassen.“ Erst dann ist die Zufriedenheit mit dem, was entweder das Labor liefert oder der eigene Tintenstrahldrucker ausspuckt, garantiert.

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