Rechnen Sie mit Ihrem Gehalt ab

Verdienen Sie genug, oder sollten Sie Ihren Chef doch einmal auf einen Treichl-Bonus ansprechen? Wie sich in Österreich das Gehaltsniveau vom Facharbeiter bis zum Generaldirektor entwickelt hat, zeigen zwei Aktuelle Gehaltsstudien – zum Vergleich mit dem eigenen Lohnzettel.

Und was möchten Sie bei uns verdienen?“, lautet die freundliche Abschlussfrage des Personalchefs nach einem einstündigen Bewerbungsgespräch, bei dem sich eine sehr gedeihliche künftige Zusammenarbeit abgezeichnet hat. „Ach, also … ich schlage vor … ich würde sagen … na vielleicht … einfach … branchenüblich??“ Ende des Gesprächs – und der gedeihlichen Zusammenarbeit.

Die Frage nach der Gehaltsvorstellung wirft Bewerber regelmäßig aus der Bahn. „Gut die Hälfte derer, die einen neuen Job suchen“, berichtet der deutsche Karriereberater Jürgen Hesse, „hat keine realistische Vorstellung davon, wie viel sie verlangen kann.“ Dabei ist die Frage bei einem Einstellungsgespräch von ziemlicher Brisanz: Wer zu wenig fordert, signalisiert mangelndes Selbstbewusstsein; andererseits wird nach Expertenschätzung regelmäßig etwa ein Drittel aller Bewerber wegen zu hoher Gehaltsvorstellungen abgewiesen. Die genaue Kenntnis des aktuellen Gehaltsniveaus gehört deshalb zur Karriereplanung dazu.

Marktwert kennen. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind wie Käufer und Verkäufer. Mit dem Geschäftsabschluss, sprich: der Unterzeichnung des Dienstvertrags, verpflichtet sich der Käufer zur Zahlung eines bestimmten Preises an den Verkäufer, der dafür die Erfüllung einer bestimmten Aufgabe garantiert. Es zählen also nicht nur Qualifikation und Fähigkeiten eines Bewerbers, sondern auch, welchen Gegenwert, welchen Preis er dafür aushandelt. Denn für die Zufriedenheit im Beruf ist immer noch das Gefühl wichtig, ein angemessenes Gehalt zu beziehen. Liefert es doch den Beweis dafür, dass man einen guten Preis für seine Arbeitskraft erzielt hat. Doch momentan sind gerade ziemlich viele Verkäufer am Markt unterwegs, deshalb heißt es möglichst gut über den derzeitigen persönlichen Listenpreis informiert zu sein.

Zwei aktuelle Gehaltsstudien zeigen, wie viel man derzeit verdienen sollte. Die Kienbaum Management Consultants haben eine Vergütungsstudie ausschließlich im Bereich der Führungskräfte erstellt und dabei die ersten drei Führungsebenen untersucht. Im internationalen Vergleich steht dabei Österreich zurzeit recht gut da, meint Katharina Wild, Consultant bei Kienbaum: „Österreich beweist sich derzeit als attraktiver Arbeitgebermarkt. Hand in Hand damit gehen entsprechende Gehaltsforderungen seitens der Arbeitnehmer, welche insgesamt zu einem stärker erfolgsabhängigen und damit bei erfolgreichen Unternehmen letztendlich zu einem erhöhten Gesamtvergütungsniveau führen.“ Den besten Beweis für das Untersuchungsergebnis lieferte zuletzt Erste-Bank-Generaldirektor Andreas Treichl, der mit seinem zwei Millionen Euro dicken Treuebonus sein Jahresgehalt heuer auf 4,5 Millionen Euro schraubte. Der Banker hatte sein Institut in den vergangenen Jahren zu einer der erfolgreichsten Banken Mitteleuropas gemacht. Der Aktienkurs stiegt unaufhaltsam. Das weckte die Begehrlichkeit anderer deutscher Kreditinstitute nach dem Top-Banker. Und dafür, dass Treichl zwei höchst lukrative Jobangebote aus der deutschen Bankenwelt nicht angenommen hatte, wollte er vom Aufsichtsrat seiner Bank eben zwei Millionen Euro als einmalige Sonderzahlung – und erhielt sie auch.

Wilds Ansicht nach ist nicht so sehr die Branche, in der man tätig ist, sondern vielmehr die Unternehmensgröße entscheidend für das Gehaltsniveau: „Die Unternehmensgröße ist die wichtigste Einflussgröße auf die Gehälter. Die höheren Gehälter in Großunternehmen sind durch die stärkere Komplexität der Aufgabengebiete, höhere Anforderungen bezüglich der Fähigkeiten des Einzelnen und eine höhere Personalverantwortung zu erklären“, so Wild.

Nicht nur die Führungsebene, sondern alle Unternehmensebenen hat Gehaltsexperte Bruno Gangel von C2X, Consultant to Executives untersucht. Er ortet relativ starke Gehaltszuwächse in den vergangenen Monaten, offenbar nur genährt durch die Hoffnung auf einen baldigen wirtschaftlichen Aufschwung.

Illusion Wachstum. „Die markantesten Effekte merkt man durch die Verschiebung der steigenden Gehälter zu den marktrelevanten Bereichen, wie dem Vertrieb“, analysiert Gangel, „das geschieht normalerweise kurz vor einem Aufschwung, nur ist dieser eben nicht gekommen.“ Auch die Top-Führungskräfte haben gehaltvoll zugelegt. „Offenbar hat man eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage erwartet“, meint Gangel und vermutet einen baldigen neuerlichen Abfall des Gehaltsniveaus, denn „die unbegründet gelebte Euphorie wird den Firmen heuer nicht mehr schmecken. Da war der Schatten schneller als der Läufer.“

So sind die jüngsten Gehaltssteigerungen als Vorgriff auf einen nicht existenten Wirtschaftsaufschwung der tatsächlichen wirtschaftlichen Entwicklung enteilt. „Viel Rauch und weit und breit kein Feuer“, resümiert Gangel.

Die obersten Unternehmensebenen legten jedenfalls am stärksten zu. Aber nicht aufgrund von Steigerungen des Fixgehalts, sondern aus den variablen Bestandteilen. Auch hier hatten österreichische Unternehmen die Nase vorn. Kienbaum-Consultant Wild: „Deutsche Geschäftsführer konnten im Vorjahr nur eine moderate Gehaltssteigerung von 2,9 Prozent erzielen. Ihre Kollegen in Österreich erzielten einen Gehaltszuwachs von 3,3 Prozent.“

von Martina Forsthuber

Die Vergütungsstudie für Führungskräfte 2005 ist bei Kienbaum Management Consultants, Tel.: 0043/1/533 51 88-22, oder unter www.kienbaum.at erhältlich.
Das Gehaltshandbuch „Die Gehälter Österreichs 2005“ von Bruno Gangel ist über gehaltstudie@teamforce.at oder www.teamforce.at zu beziehen.

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