Pension aus dem Osten

Österreichs neue Vosorgefonds legten heuer eine Spitzenperformance aufs Parkett. Ostaktien sollen auch künftig für hohe Gewinne sorgen.

Manchmal stimmt Erfolg nicht übermütig, sondern nachdenklich. „Irgendwie hoffe ich schon, dass das kommende Jahr eine Rückkehr zur Normalität bringen wird. Dann setzen sich vielleicht wieder realistische Erwartungen bei den Anlegern durch.“ Horst Simbürger, Fondsmanager der Volksbanken-Kapitalanlagegesellschaft und Verantwortlicher für den Zukunftsvorsorge-Fonds Austro-Garant, wird bei einem Blick auf die Performance des Fonds etwas seltsam zumute. Ein sattes Plus von 16,2 Prozent hat „sein“ Fonds zwischen Jahresbeginn und Oktober erzielt, und damit befand er sich gerade im Mittelfeld der Branche. Zwischen knapp zwölf und 20 Prozent legten die „Pensionsfonds neu“ – Grundlage für die im vergangenen Jahr mit riesigem Werbeaufwand und Politwirbel vom Stapel gelassene staatlich geförderte Zukunftsvorsorge – in den ersten zehn Monaten des Jahres aufs Parkett.

Förderungs-Endspurt. Noch nie startete ein öffentlich gefördertes Vorsorge- oder Anlageprodukt mit einem ähnlich fulminanten Erfolg. Schon nach nur drei Quartalen verzeichnete die reine Fondslösung heuer ein Verkaufsplus um 50 Prozent, und für die kommenden Wochen rechnen die Anbieter mit einem weiteren Zuwachs: Wer die Förderung für heuer kassieren will, muss schnell bis 31. Dezember einzahlen.

„Das Produkt hat zufällig einen idealen Startzeitpunkt erwischt. Alle, die so etwas abgeschlossen haben, können wirklich schöne Zuwächse verbuchen“, freut sich Manfred Zourek, Manager der Espa-Vorsorge-Classic-Fondsfamilie der Erste-Sparinvest KAG. Restlos glücklich ist die Branche darüber freilich nicht. „Aus Anlegersicht muss man schon die Frage stellen, ob es wirklich so toll war, dass gerade die ersten eindreiviertel Jahre eine Spitzenperformance brachten. Das weckt gewisse Hoffnungen“, fürchtet Gerhard Aigner, Vorstand der Raiffeisen KAG. Hoffnungen, die unter auch nur halbwegs normalen Umständen nie mehr zu erfüllen sind.

Denn die Spielregeln für das 2003 gestartete Vorsorgeprodukt, das Österreicherinnen und Österreichern helfen sollte, eine mögliche Pensionslücke durch private Eigenvorsorge aufzufüllen, sind streng und nicht unumstritten. Bei den neuen Pensionsfonds, die von Banken sozusagen „pur“ und von Assekuranzen in Kombination mit Versicherungsprodukten angeboten werden, handelt es sich im Prinzip um gemischte Fonds, die mindestens 40 bis höchstens 70 Prozent in Aktien investieren müssen.

Da die Regierung mit den Fonds aber nicht nur den Vorsorgegedanken, sondern gleichzeitig auch die Wiener Börse stützen wollte, schränkte sie das Anlageuniversum drastisch ein: Die Fonds dürfen nur Aktien von Börsen kaufen, die sich einerseits innerhalb der EU befinden, deren Marktkapitalisierung aber andererseits unter 30 Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts liegt. Zum Startzeitpunkt erfüllte diese Bedingung nur Österreich – ein aus der Sicht professioneller Investoren unvertretbares Risiko, handelt es sich bei der Börse Wien doch um einen extrem engen Markt.

Kapitalgarantie. Überdies mussten die Fondsgesellschaften eine Kapitalgarantie abgeben: Sowohl das eingezahlte Kapital als auch die staatliche Prämie müssen garantiert werden, die Fonds dürfen also nie ins Minus rutschen – bei einer Veranlagung, die sich auf einen einzigen Aktienmarkt beschränkt und den Fondsmanager sogar verpflichtet, dort investiert zu sein, eine ziemliche Herausforderung. 2003 belief sich diese Prämie auf 9,5 Prozent, heuer beträgt die Prämie neun Prozent für 1901 Euro. Sie wird nach einer komplizierten Formel jeweils an die Anleiherendite (Sekundärmarktrendite) angepasst.

Sieger im Wettlauf um den Pokal der schnellsten Fondsgesellschaft blieb die Raiffeisen KAG mit ihrem Raiffeisen-Pensionsfonds-Österreich bzw. dessen Klon, dem Raiffeisen Pensionsfonds Salzburg, die beide am 1. April 2003 aufgelegt wurden. Was freilich schon beim Start des Produkts vor rund eineinhalb Jahren klar war: Mit der damals noch irgendwie unwirklichen Osterweiterung der EU würde das Anlageuniversum plötzlich drastisch wachsen. Zahlreiche Börsen der Beitrittsländer fallen unter die Bestimmungen für österreichische Pensionsfonds.

Zwar zeigten sich die meisten Fondsmanager damals eher skeptisch, was die Anlagemöglichkeiten in Ungarn, Polen oder Tschechien betrifft, doch inzwischen beschäftigen sich alle Fondsanbieter mit Gedanken über ein Engagement in diesen Märkten. Zu den Skeptikern zählt Volksbanken-KAG-Fondsmanager Horst Simbürger: „Die Pensionsfonds sind ein Vorsorgeprodukt mit staatlicher Förderung, einem bestimmten, vorgegebenen Aktienanteil und einer Kapitalgarantie – und das war’s auch schon. Jetzt versucht man, die Renditen durch Ostaktien aufzupeppen – ob das ideal ist, wage ich zu bezweifeln.“ Seiner Meinung nach sollten Anleger ohnedies im Rahmen ihres Veranlagungsplans Ostaktien oder entsprechende Fonds halten.

Ostfantasie. Bis jetzt hat er für seinen Austro-Garant-Fonds jedenfalls noch keine Ostaktien gekauft. Dagegen spreche vor allem das höhere Risiko: „Es gibt da zwei Risken: die Währung und das Kursrisiko, da ich ja eine Kapitalgarantie abgeben muss“, so Simbürger. Die Absicherung – das so genannte Hedging – von Währungen sei teuer und koste Performance, und das Gleiche treffe auf die Aktien zu. „Nur wenn man alle Risken vernünftig absichern kann, ist aus meiner Sicht ein Engagement an den Ostmärkten möglich“, meint Simbürger, der allerdings zugeben muss, dass auch er darüber intensiv nachdenkt: „Die Prager Börse ist aber teurer als Wien, infrage kommen aus meiner Sicht nur die Börse Budapest und die Börse Warschau. Dort gibt es jeweils rund ein halbes Dutzend liquide Aktien, bei denen die Absicherung auch schon recht gut funktioniert.“

Mikael Bäckström von der Capital Invest hat bereits gute Erfahrungen mit den Ostmärkten gemacht. Er ist der erste Manager eines österreichischen Pensionsfonds, der die gesetzliche Möglichkeit genutzt hat, dort zu investieren – und der Erfolg gibt ihm bisher Recht. Sein Capital Invest VorsorgePlusFonds 2014 ist derzeit zu 43 Prozent in Aktien veranlagt, und die Hälfte dieses Aktienanteils besteht aus tschechischen, ungarischen und polnischen Werten. Prominente Ostaktien wie die ungarische Pharmafirma Gedeon Richter, der polnische Öltitel PKN Orlen oder die Cesky Telecom so wie OTB, Mol und Telekomunikacja Polska haben sich als echte Rendite-Turbos erwiesen. Sein Fonds schaffte in den ersten zehn Monaten des Jahres als einziger mehr als 20 Prozent.

Kein Wunder, dass sich Bäckström mit dem Ergebnis zufrieden zeigt: „Wir werden das auch in den nächsten Fonds so halten und an Ostbörsen investieren“, kündigt er bereits jetzt an. Vorbereitungen hat die Erste-Sparinvest bereits getroffen: „Wir haben mit unserem Garantiegeber Erste Bank vereinbart, dass wir Ostaktien kaufen dürfen“, berichtet Manfred Zourek. Den Schritt nach Osten überlegt auch die Raiffeisen KAG. Doris Stadler, für die Aktienseite der Pensionsfonds verantwortlich: „Wir überlegen das natürlich auch. Allerdings muss man sagen, dass es an diesen Märkten größere Kursschwankungen gibt und man sich daher Gedanken über die Absicherung dieses Risikos machen muss.“ Man werde jedenfalls mit dem Garantiegeber für die Fonds, der Raiffeisen Zentralbank, darüber sprechen. Diese steht in letzter Konsequenz dafür gerade, dass die Anleger keine Verluste tragen müssen. Kostenlos ist das freilich nicht – mit Spesen zwischen einem halben und zwei Prozent pro Jahr lassen sich die Garantiegeber diese „Versicherungsprämie“ abgelten.

Gerade diese Kapitalgarantie zählt aber von Beginn an zu den umstrittensten Regelungen des Gesetzes. „Bei einem Produkt, das auf längere Laufzeiten ausgelegt ist, muss man sich schon die Frage stellen, ob eine Kapitalgarantie überhaupt sinnvoll ist“, kritisiert Raiffeisen-KAG-Vorstand Gerhard Aigner. „Vor allem in den ersten Jahren liegen ja erst relativ geringe Beträge in den Fonds, da gibt es aus meiner Sicht keine Veranlassung, schon in dieser frühen Phase risikosteuernd in die Veranlagung einzugreifen.“ Noch dazu, wo das ja an der Performance knabbert.

Im heurigen Jahr stellte dies angesichts der Topperformance der Wiener Börse kein ernstes Problem dar. Freilich gab es in Wien auch schon jahrelange Phasen einer eher langweiligen Seitwärtsbewegung. Da wird den Fonds dann nicht viel übrig bleiben, als ihr Heil in riskanteren Ostengagements zu suchen. Wie sich das dann auf Absicherungskosten und Performance auswirkt, wagt derzeit jedenfalls niemand zu prognostizieren.

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