Pacht-Reviere: Jagd auf die Jagd

Für Pirschgänger und Petrijünger läuft die Hochsaison fürs Pachten an. Weil das Vergnügen nicht immer günstig ist, werden zunehmend Gruppenlösungen angeboten.

Langsam neigt sich das Jahr dem Ende zu. Ein paar Tage noch, dann knallen zwar nicht die Korken, und Walzer wird auch keiner getanzt, aber zumindest wird über gute Vorsätze gesprochen. Etwa über neue Reviereinrichtungen, die gebaut werden müssen. Oder über die Verbesserung der Abstimmung zwischen Grundeigentümer und Jäger, wenn es um die Vermeidung von Wildschäden geht. „Aus Sicht der Jäger ist jetzt eine ruhige Zeit. Es wird Rückschau gehalten und die Planung für das nächste Jagdjahr gemacht“, erläutert Friedrich Völk, zuständig für das Geschäftsfeld „Jagd“ in der Unternehmensleitung der Österreichischen Bundesforste (ÖBf AG). „Folgt man den Gesetzen der Natur“, so Völk, „endet das Jagdjahr mit 31. März und beginnt am 1. April.“

Wer bis jetzt noch kein eigenes Revier beziehungsweise keinen Abschuss- oder Pirschvertrag für ein bestimmtes Revier hat, „steht in diesen Wochen vor der letzten Chance, zu einem sinnvollen Vertragsabschluss zu kommen“, mahnt der Jäger und Pachtexperte.

Hochsaison fürs Pachten. Aktuelle Angebote sind auf der Homepage der Österreichischen Bundesforste (www.bundesforste.at) oder in Fachzeitschriften wie „Weidwerk“ (www.weidwerk.at) zu finden. Aber auch Makler wie Spiegelfeld-Immobilien (www.spiegelfeld.at) oder Dörfler-Immobilien (Tel.: 0664/511 11 69) offerieren regelmäßig Forst- oder Landwirtschaftsgüter mit Flächen über 120 Hektar. Denn um ein Jagdrevier als solches deklarieren zu können, sind mindestens 115 Hektar Grund vonnöten. Die vorgegebenen Größen für neu entstandenes Jagdgebiet variieren allerdings mit den Bestimmungen der einzelnen Bundesländer. In Tirol muss eine neue Jagd zum Beispiel 300 Hektar groß sein.

In ganz Österreich existieren derzeit 12.102 Jagdgebiete, von denen 8479 (meist für die Dauer von neun Jahren) verpachtet sind, die restlichen werden von den Besitzern selbst bewirtschaftet. Die Gemeinde Wien etwa, die bis vor wenigen Jahren das Jagdrecht in ihren Revieren in Form von Pachtverträgen vergab, ist, so Senatsrat Siegfried Redl, „mittlerweile auf die Vergabe in Form von Abschussnehmerverträgen beziehungsweise Einzelabschüssen übergegangen“. Auf dieser Basis bleiben dem Grundeigentümer die vollen Kompetenzen hinsichtlich der Abschussplanung. Damit können Waldschäden, die meist durch zu hohe Wildstände entstehen, reduziert werden.

„Ein Gebiet jagdlich zu betreuen heißt nicht nur schießen“, merkt Hans-Friedemann Zedka, Pressereferent der Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände und Chefredakteur von Österreichs größter Jagdzeitschrift „Weidwerk“, an, „sondern ist in erster Linie mit der Pflege der Natur verbunden.“

Dies erklärt die zum Teil recht hoch erscheinenden Preise. Denn zuzüglich zu den durchschnittlichen 25 Euro je Hektar Pachtzins kommen Kosten für Fütterung, Kulturschutz, Jagdaufsicht oder Dienstfahrzeug. Auf diese Art kann sich der Hektarpreis bis auf das Doppelte verteuern. „Nicht wenige Pächter müssen aus zeitlicher Überforderung einen Profijäger engagieren, dem die Betreuung des Reviers obliegt“, warnt Friedrich Völk.

Gruppendynamik wächst. Vor allem Konzerne seien in den vergangenen Jahren an den Pachten interessiert gewesen, berichtet der Forstexperte. Bei Jahrespachthöhen von 31.200, 50.000 oder 73.100 Euro (siehe Kasten „Ewige Jagdgründe, Seite 202) verwundert dies kaum. In der idyllischen Abgeschiedenheit der Natur lassen sich gut Allianzen und Pläne schmieden. Weil hier kein Telefon läutet, kein Nachbartisch mitlauscht und kein Anschlusstermin auf die Aufmerksamkeit drückt.

Privatpersonen pachten selten im Alleingang ein Großrevier; Kostenteilungen sind daher im Zunehmen. „Verpachtet wird an eine Gesellschaft oder an mehrere gleichwertige Pächter oder an einen Hauptpächter mit mehreren stillen Teilhabern“, berichtet Völk. Meist bestehen diese Gruppen aus zwei bis fünf Personen. Wobei Landesjagdverbände-Sprecher Zedka darauf hinweist, dass auch hier gesetzliche Beschränkungen existieren: „Bei diesen Gruppenformationen ist die Maximalzahl an Hektar gebunden und nach Bundesland festgelegt. Es ist zum Beispiel undenkbar, dass 200 Hektar von 20 Jägern bewirtschaftet werden, die dann womöglich auch noch ihre Freunde mitnehmen.“

Trotz der aus Naturschutzgründen notwendigen, restriktiven Regelungen bleibt die Nachfrage nach Jagdpachten ungebrochen. Bei den wiennahen, burgenländischen Esterházy-Betrieben ist diese so stark, dass mittlerweile eine Warteliste geführt wird. Beim obersteirischen Benediktinerstift Admont kann man sich ebenfalls nur vormerken lassen.

„Um in die Liste aufgenommen zu werden, muss man ein Gespräch mit den Esterházy-Betrieben führen“, erzählt Oberforstmeister Hans-Peter Weiss, der die Forstflächen der Esterházy-Stiftung verwaltet. „Und es werden Jagdvorleben sowie persönliche Bonität des Bewerbers geprüft.“ Bei der nächsten Neuvergabe im Jahr 2007 (!) lädt Esterházy die Interessenten ein und vergibt danach die Gebiete. Zuverlässige Vorpächter genießen Priorität, „wobei bis 2007 unsere Kapazität für Neuzugänge sicher bei 30 Prozent liegt“, räumt Weiss ein.

Im Hektarpreis von 15 bis 35 Euro ist oft eine Jagdhütte inkludiert. Weiss: „Nimmt der Pächter Investitionen vor, wird dies im Pachtpreis berücksichtigt. Plant der Pächter die Errichtung einer neuen Hütte, wird vorab geregelt, was mit der Hütte nach Vertragsabschluss geschieht.“

Mit durchschnittlich sechs Jahren setzen die Forstbetriebe Mayr-Melnhof ihre Pachtfristen etwas kürzer als die meisten anderen Betriebe an, wobei in fast allen Fällen eine Option auf Verlängerung besteht. 3200 Hektar hat der steirische Großgrundbesitzer derzeit noch frei. „Bei mittlerer bis guter Bonität beträgt der Preis 25 Euro pro Hektar“, informiert Oberforstmeister Alfred Fürst, „hinzu kommen aber unter anderem Abgaben und Kosten für die Winterfütterung, sodass man mindestens mit dem Doppelten rechnen muss.“

Große und kleine Fische. Auch bei der Fischereipacht entsteht das Gros der Kosten bei den Zusatzspesen. Karl Gravogel vom NÖ-Landesfischereiverband rechnet „mit einer Erhöhung des reinen Pachtzinses um 70 bis 80 Prozent, wenn man alle Nebenkosten dazurechnet. Es sollte für die Erhaltung und Verbesserung der Strecke – etwa durch den Bau von Fischtreppen – gesorgt werden.“ Auch bei der Fischerei ist die Österreichische Bundesforste AG der größte Anbieter des Landes. „Derzeit haben wir knapp 80 Prozent vergeben, und die Nachfrage nach hochwertigen Revieren steigt kontinuierlich“, freut sich Matthias Pointinger, zuständig für das Geschäftsfeld „Fischerei“ in der ÖBf-Unternehmensleitung. Die durchschnittliche Dauer der Verträge legt die ÖBf mit fünf bis neun Jahren fest. In Spitzengegenden wie der Salza und den Traunflüssen bewegen sich die Sätze bei 6000 Euro pro Flusskilometer. Es gibt aber auch Reviere, für die nur 1000 Euro pro Kilometer bezahlt werden müssen.

Drei maßgebliche Faktoren bestimmen, so Pointinger, diese Unterschiede: „In erster Linie entscheidet die Nachfrage, die vom jeweiligen Einzugsgebiet abhängt. Ein weiterer Punkt sind Wassergüte und Fischbestand. Der dritte wichtige Faktor: der international gute Ruf, der etwa dann gegeben ist, wenn man fliegenfischen kann.“ Letzteres ist bei der Salza und den Traunflüssen der Fall. Daher liegen die Wartezeiten dort bei mehreren Jahren. Allerdings besteht die Möglichkeit, sich auf eine Warteliste setzen zu lassen. Pointinger: „Sobald etwas frei wird, verständigen wir die Interessenten.“

Preissenkung wegen Vogelattacken. Durchaus erschwinglich sieht derzeit die Lage im Burgenland aus: „50 Prozent der von uns verpachteten Gewässer gehen mit Ende des Jahres an uns zurück“, informiert Hans-Peter Weiss von den Esterházy-Betrieben. Das interessanteste Revier liegt rund um die Rabnitz und kostet 350 bis 500 Euro je Flusskilometer. „Wir setzen unsere Kalkulation deshalb etwas moderater als andere an, weil unsere Flussläufe kleiner und nicht vergleichbar mit den alpinen Gewässern sind“, erläutert Oberforstmeister Weiss.

Auch das Stift Admont bietet derzeit auf billigerem Niveau als früher an – obgleich es sich bei den Admont-Revieren um alpine Flüsse handelt: An der Enns werden 1450 bis 2200 Euro je Flusskilometer verlangt, an der Salza 3000 Euro je Flusskilometer. „Der Freizeitsport und der Kormoran, der in letzter Zeit verstärkt auftaucht, haben sich auf die Preise negativ ausgewirkt“, klagt Helmuth Neuner, Wirtschaftsdirektor im Stift Admont. Auch die Flussläufe der Mayr-Melnhof-Forstbetriebe leiden unter Vogelattacken: Wegen der wachsenden (Fische fressenden) Graureiher-Population ist der Zins bei Mur und Liesing um rund 500 Euro gesunken und liegt derzeit bei etwa 1900 Euro je Flusskilometer.

Gerhard Renner vom Österreichischen Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz betrachtet dennoch die allgemeine Entwicklung positiv: „Die Nachfrage nach Fischereigründen hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt.“ Den Verpächtern rät der Fachmann trotz des anhaltenden Ansturms kühlen Kopf zu bewahren: „Bei der Vergabe der Reviere sollte darauf geachtet werden, ob der Pächter auch in der Lage ist, für eine ordentliche Bewirtschaftung zu sorgen. Man sollte nicht der Versuchung erliegen, einfach demjenigen den Vertrag zu geben, der am meisten bezahlt.“

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