Österreichs beste Geschäftsberichte

Mit der Prämierung der österreichischen Geschäftsberichte hat das Wirtschaftsmagazin trend Maßstäbe gesetzt: Hochkarätige Juroren beurteilen die Reports im Rahmen des Austrian Annual Report Award (AAA). Das Ergebnis: Auch international erringen die Geschäftsberichte höchste Auszeichnungen.

Bisweilen ist das Leben eines Jurymitglieds ganz schön langweilig. Etwa wenn Olympiasieger Jevgeni Plushenko bei einem Eislaufbewerb antritt. Dann wäre alles andere als ein Sieg eine Überraschung – und eine solche gab es schon lang nicht mehr. Ähnlich dürfte es den Juroren des trend-Geschäftsberichtsbewerbes ergehen, wenn sie den Wienerberger-Report in die Hand bekommen: Alles andere als ein Spitzenplatz wäre eine Überraschung, und diese gab es auch heuer wieder nicht: Der Vorjahres-Gesamtsieger Wienerberger erklomm in der Kategorie „börsenotierte Unternehmen“ abermals den Spitzenplatz.

Keine Abwechslung gibt es auch bei den nicht notierten Unternehmen und Organisationen. Das Bewerberfeld war heuer so dicht wie noch nie, die Qualität deutlich besser als im Vorjahr. Doch auch hier kam es zu keiner Überraschung. Mit der Raiffeisen Zentralbank gewann in dem sehr heterogenen Feld auch hier der Vorjahressieger.

Dichte Spitzengruppe
Neue Bilanzierungsregeln machen die Geschäftsberichte von Wienerberger, TA und Verbund noch aufschlussreicher.

Die Veröffentlichung eines Geschäftsberichtes ist für börsenotierte Unternehmen verpflichtend. Wer sich zu einem Börsegang entschließt, muss damit auch die Vorschrift erfüllen, den Aktionärinnen und Aktionären die Bilanz samt Erläuterungen vorzulegen. So weit die Pflicht, bei der es freilich kaum ein notiertes Unternehmen bewenden lässt.

Interessant für Anleger wird es nämlich erst bei der „Kür“ – also bei jenen Elementen eines Geschäftsberichtes, die nicht verpflichtend vorgeschrieben sind. Darunter fallen Interviews mit dem Vorstand oder ausführliche Berichte der Unternehmensführung, aber auch alle Nachrichten über die Corporate Governance. Vergangenes Jahr einigten sich die notierten Unternehmen nämlich auf „Spielregeln“, die Fairness im Umgang mit den Investoren garantieren sollten. Verbindlich sind diese Regeln freilich nicht, und so zählt die Erwähnung, wie weit man diese erfüllt, zu den Fleißaufgaben, die Zusatzpunkte brachten.

Nach „Abonnementsieger“ Wienerberger schafften es die auch im Vorjahr Top-gereihte Telekom Austria und die Österreichische Elektrizitätswirtschafts AG (Verbund) am besten, die Juroren zu überzeugen. „Es gibt eine kleine Gruppe von Berichten, die auch im internationalen Vergleich absolute Spitzenreiter sind“, analysiert Otto Janschek von der Wirtschaftsuniversität Wien, „und dahinter folgt eine im Vergleich zum Vorjahr deutlich gewachsene Gruppe von Unternehmen, die ebenfalls noch eine sehr gute Reportingpraxis aufweisen.“ Ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Stockerlplätze und dahinter ein dichtes, solides Mittelfeld – Anleger dürfen mit dem Gebotenen zufrieden sein.

Dass hier Großunternehmen wie Telekom Austria und Verbund dominieren, überrascht kaum: Aufwändige Grafiken, interessante Fotos und ein gut geschriebener Text sind nicht billig. Freilich gibt es abgesehen vom jährlichen Wettbewerb heuer einen weiteren Grund dafür, dass die Qualität der Berichte insgesamt besser und die Unterschiede geringer geworden sind: Erstmals gelten für das Berichtsjahr 2005 die internationalen Rechnungslegungsregeln (International Accounting Standards, IAS) verpflichtend. Für Anleger bedeutet das noch mehr Transparenz als bisher: Unter anderem müssen alle Unternehmen ihre Positionen mit Zins- oder Währungsderivaten sowie Swapgeschäfte offenlegen. Eine Causa Bawag sollte damit zumindest für börsenotierte Unternehmen künftig ausgeschlossen sein.

Hochglanz-Imagepflege
Warum RZB, Kommunalkredit oder RLB NÖ-Wien viel Geld für Jahresberichte ausgeben, auch ohne dazu verpflichtet zu sein.

Was könnte ein Unternehmen oder eine Organisation, die gesetzlich dazu gar nicht verpflichtet ist, einen umfassenden Geschäftsbericht zu veröffentlichen, dazu bringen, zehntausende Euro für eine solche Publikation auszugeben? Für den Sieger, die Raiffeisen Zentralbank als Spitzeninstitut des Raiffeisen-Sektors, geht es wohl um Imagepflege innerhalb der Gruppe. Vertrauen und Sicherheit bei Kunden und Mitarbeitern zählen zu den wichtigsten Motiven für die Nichtnotierten.

Mit Raiffeisen Zentralbank, Kommunalkredit Austria und Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien besetzen gleich drei Geldinstitute die Spitzenplätze. Weit vorn zu finden sind aber auch die Börsekandidaten, die zwar bewertet wurden, wegen des bevorstehenden Going Public allerdings nicht in die Reihung aufgenommen wurden. Zumtobel als theoretischer Zweiter, die Post AG auf dem fiktiven dritten Platz und Polytec (13) haben mit ihren Reports erfolgreiche Generalproben für die späteren Börsegänge absolviert. Im kommenden Jahr werden diese Reports dann offiziell bei den notierten Unternehmen antreten.

Da diese Geschäftsberichte aber bereits im Hinblick auf den späteren Börsegang entstanden, ist der direkte Vergleich mit nicht notierten Unternehmen nur schwer möglich. Vor einem Börsegang dürfen Unternehmen üblicherweise nur sehr eingeschränkt kommunizieren (Blackout Period), daher kommt dem letzten Jahresbericht vor dem Going Public eine besondere Bedeutung zu. Er ist nicht nur Imageträger, sondern in der heißen Phase vor dem Börsegang auch ein wichtiges Medium.

Bunt gemischt fällt in dieser Gruppe das Teilnehmerfeld aus: Vom halbstaatlichen Flughafenbetreiber bis zu den Bundesforsten reicht die breite Palette. Nicht ganz unproblematisch ist daher bisweilen die Bewertung. Eine Hilfs- und Pflegeeinrichtung für Behinderte lässt sich nur bedingt nach den gleichen Maßstäben, wie sie bei einer Bank angelegt werden, bewerten.

Doch auch in dieser Gruppe, die sich relativ frei und ohne strenges gesetzliches Korsett bewegen kann, überwiegt Professionalität. Einen besonders originellen Akzent liefert dabei die Kommunalkredit, die mit ihrem zweisprachigen Geschäftsbericht einen neuen Standard setzt. Bleibt nur abzuwarten, ob Zumtobel auch im kommenden Jahr, wenn dann das engere Korsett der Börsenotierung wirksam wird, ein ähnlich kreatives Highlight liefert.

Zeitlose Schönheit und originelle Ideen
Zumtobel, Versicherungsverband und wieder Wienerberger: die originellsten Berichte.

Ein eleganter, grauer Schuber mit drei Broschüren. Ein Buchbinder müsste seine helle Freude an der Arbeit haben: die Kassette sauber verarbeitet, die Bücher sorgfältig gebunden, die Typografie eine reine Augenweide. Außen auf der Kassette das Vorwort des Vorstandsvorsitzenden – einmal deutsch, auf der Rückseite englisch. Es ist nicht die einzige originelle Lösung, mit der dieser Geschäftsbericht aufwarten kann: Der diesjährige Exzellenzpreis für die beste Inszenierung geht an Zumtobel. Auf den Plätzen zwei und drei folgen der Versicherungsverband Österreich – mit der netten Idee, die Lektüre jedes Abschnittes mit Gimmicks wie etwa einem Reisenähzeug zu begleiten – und Wienerberger.

„Im Vergleich zu den Vorjahren ist das Qualitätsniveau wohl besser geworden, aber es ist eine gewisse Stagnation eingetreten“, gibt sich Stefan Fuhrer (fuhrer visuelle gestaltung) dennoch kritisch. Den Zumtobel-Report sieht er als ideale Synthese zwischen Design und Inhalt.

Gebessert habe sich die Bildsprache der Vorstandsfotos. „Das sind ja keine professionellen Models, da darf man sich nicht zu viel erwarten, aber saubere, handwerklich gute Bilder, professionell fotografiert, genügen vollauf.“ Auch damit können die Top-Gereihten aufwarten – bis auf Zumtobel. Die Gestalter dieses Geschäftsberichts nehmen sich die Freiheit, die Vorstände nicht zu zeigen. Das wird im kommenden Jahr kaum noch möglich sein – dann notiert der exklusive Vorarlberger Leuchtenhersteller nämlich bereits ein Jahr an der Börse, und Aktionäre wissen ganz gern, wie jene Menschen aussehen, die für ihr Investment verantwortlich sind.

von Franz C. Bauer

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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