Österreichs bullenstärkste Bilanz

Sagenhafte Gewinne und null Bankschulden: Hundertschaften von Unternehmern werden angesichts der Red-Bull-Zahlen, die trend erstmals veröffentlicht, erblassen. Dietrich Mateschitz persönlich verdiente 2002 dreißig Millionen Euro.

Sagenhafte Gewinne und null Bankschulden: Hundertschaften von Unternehmern werden angesichts der Red-Bull-Zahlen, die trend erstmals veröffentlicht, erblassen. Dietrich Mateschitz persönlich verdiente 2002 dreißig Millionen Euro.

Banken traut der einzige Österreicher, dem es gelang, eine wirklich globale Marke aufzubauen, nicht über den Weg. Sein Motto: Bloß keine Bankschulden. Und so ist die bislang unveröffentlichte Bilanz der Red Bull GmbH eine, die man selten findet: Die Eigenkapitalquote beträgt 66,3 Prozent (österreichischer Durchschnitt: 26 Prozent), die Bankverbindlichkeiten hingegen beliefen sich im Geschäftsjahr 2002 auf genau null Euro.

Umso üppiger fielen dafür die Gewinne aus: Die Red-Bull-Umsatzrendite vor Steuern erreichte einsame 19,9 Prozent, nach Steuern blieben davon immer noch sensationelle 13,9 Prozent Rendite übrig. In absoluten Zahlen heißt das: Die Red Bull GmbH in Fuschl erzielte 2002 bei einem Umsatz von 626 Millionen Euro einen Gewinn nach Steuern von 87 Millionen Euro. Möglich war das dank der wundersamen Profite, die man eben mit einem hochpreisigen Energy Drink machen kann, wenn man ihn genial vermarktet: Die Gewinnspanne pro Dose liegt, so lässt sich aus der Bilanz herauslesen, nach Abzug von Materialkosten und sonstigen Leistungen bei satten siebzig Prozent.

Erstaunlich allerdings, dass laut Bilanz die 24 Tochtergesellschaften kaum Gewinne machen – die inzwischen profitable US-Tochter setzte sogar zehn Millionen Euro in den Sand. Obwohl neunzig Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt werden, schlägt das beim EGT nur mit zehn Prozent zu Buche. Der Grund dafür ist, dass die Produktion und Markenrechte in Österreich liegen und außerdem der Fiskus nach den OECD-Verrechnungsklauseln kaum mehr als zehn Prozent Gewinnzuteilung an reine Vertriebstöchter erlaubt. Sonst wäre es zu einfach, alle Profite in Steuerparadiese zu verschieben. In Sachen Auslandstöchter lässt sich Red Bull freilich nur ungern in die Karten schauen. Obwohl das Unternehmen nach Paragraf 246 Handelsgesetzbuch einen Konzernabschluss hinterlegen müsste (ab einer kumulierten Bilanzsumme von 15 Millionen Euro und einem Gesamtumsatz von 30 Millionen Euro), ist dies nicht geschehen.

Weil das Glück dem Tüchtigen offenbar hold ist, erzielte Red-Bull-Finanzchef Walter Bachinger 2002 zusätzliche Zinserträge von beachtlichen 18 Millionen Euro. Offenbar verleiht Red Bull auch beim Geldanlegen Flügel. Die Salzburger sind übrigens brave Steuerzahler: Die Red Bull GmbH berappte 2002 immerhin 37,6 Millionen an den Salzburger Fiskus. Gleichzeitig kassiert der Energy-Drink-Erzeuger auch die höchste agrarische Exportförderung, weil in Red Bull Zucker veredelt wird. Andere „Landwirte“, die ebenfalls Agrarförderungen kassieren, sind zum Beispiel Coca-Cola, Spitz und der Red-Bull-Abfüller Rauch.

Dass die größte Energy-Drink-Firma der Welt, die inzwischen 480 Sportler weltweit sponsert, bei Werbung und Marketing klotzt und nicht kleckert, schlägt sich ebenfalls in der Bilanz nieder. Unter der Rubrik „Sonstige betriebliche Aufwendungen“ in Höhe von 315 Millionen Euro – mehr als die Hälfte des Jahresumsatzes (üblicher Wert: 10 bis 15 Prozent) – versteckt sich ein stattliches Marketing-Budget. Nicht kleinlich ist man auch bei den Personalaufwendungen: Die belaufen sich für 167 Mitarbeiter auf 34,3 Millionen Euro, also etwa 200.000 Euro pro Kopf. Zwar haben bei Red Bull angeblich auch Sekretärinnen Dienstautos, aber hier dürften sich wohl auch großzügige Geschäftsführergehälter verbergen.

Dietrich Mateschitz hat im Jahr 2002 inklusive entnommener Gewinne 30 Millionen Euro verdient. Das Geld fließt bislang weder in eine Stiftung noch auf ein Bankkonto, sondern in die Distribution & Marketing GmbH, die dem Red-Bull-Firmenchef zu einhundert Prozent gehört.

Wie viel ist das Red-Bull-Imperium heute wert? Karl Bruckner (BDO Auxilia) setzt auf Basis der Bilanzdaten die unterste Grenze bei 700 Millionen Euro an. Nicht inkludiert ist dabei der enorme Wert der Marke Red Bull, den sich potenzielle Käufer wie Coca-Cola ein stattliches Sümmchen kosten lassen müssten.

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