Netzwerker im Netz

Herumstehen auf Empfängen, Treffen bei Vereinen oder der Besuch von Vorträgen sind nicht jedermanns Sache. Eigene Plattformen im Internet wollen den informellen Kontaktaustausch für Manager jetzt leichter machen – doch kann der Chat den Small talk wirklich ersetzen?

Damit konnte Josip Sagaj wohl kaum rechnen. Aber manchmal kann das Geschäftsleben eben wunderbar simpel sein: Nur ganze 24 Stunden nach der Registrierung im Open Business Club klingelte es im Postfach. Ein Unternehmer auf der Suche nach Lösungen im Druckerbereich war zufällig auf ihn gestoßen. Einige Mails später wandelte sich jene virtuelle Begegnung zum realen Geschäft. „So etwas ist schon ein Hit“, zeigt der Projektleiter für IT-Konsolidierung bei Hewlett-Packard Begeisterung. Es sind solche Momente, die Strategen der neuen Plattformen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Schon träumt die New Economy vom großen Comeback, ausgelöst durch ein spezielles Service: Online-Networking für das erfolgreiche Berufsleben.

Kontaktbörsen. „Wir verkürzen die Suche nach potenziellen Geschäftspartnern, bieten täglich neue Möglichkeiten und beschleunigen den Erfolg unserer Nutzer“, formuliert Open-Business-Club-Boss Lars Hinrichs vollmundig. Für derart beglückte Konsumenten soll sich ein wahres Schlaraffenland auftun. Die Philosophie klingt verlockend: Warum beschwerlich in der realen Welt Kontakte aufbauen, wenn es auch locker hinter dem Rechner geht. Interessenten stellen ihr Profil mit jeder Menge Details zu Person wie Job online – schon kann es losgehen mit dem Basteln von Seilschaften. „Wertvolle Informationen für den Job findet man nur selten in Suchmaschinen. Sie sind in den Köpfen von Consultern, Bankern und anderen Experten, die Märkte wie ihre Westentasche kennen“, meint Konstantin Guericke, Co-Gründer der Plattform LinkedIn. „An diese Fachleute komme ich durch LinkedIn.“

Es muss also doch nicht immer nur Mundpropaganda sein. Corinna Piller, Chefin der Österreich-Filiale des Senders Sat.1 und seit November 2003 beim Open Business Club, kennt die Vorzüge. „Man kann gezielt nach Kontakten für spezielle Themen suchen. Nebenbei habe ich alte Bekannte wiedergetroffen, von denen ich jahrelang nichts gehört hatte.“

Auch bei der Stellensuche können die virtuellen Netzwerke behilflich sein. Guericke: „In der Recruiting-Industrie sind nicht alle happy. Nach einem Inserat quillt die Mailbox über; bei uns läuft es über ausgesuchte Kontakte, denen man vertrauen kann.“

Die Zahl der einschlägigen Portale vermehrt sich in Amerika und Europa rasant. Sie tragen Namen wie Visible Path oder ZeroDegrees und positionieren sich als Turbo für den Berufsalltag. Das Wachstum kommt nicht von ungefähr. „Viele Start-ups sind auf den Zug aufgesprungen, Geldgeber haben rund 50 Millionen Dollar investiert“, weiß Adrian Scott, Gründer von Ryze. Solche Insider fördern das Vertrauen von Venture Capitalists: Scott war in die Gründung des berühmt-berüchtigten Musikdienstes Napster involviert.

200.000 User weltweit surfen im Open Business Club, 1,5 Millionen meldet LinkedIn. Rund 5000 stammen dabei wie Franz Jachim von ucp morgen aus Österreich. „Ich kann Verbindungen zu Leuten pflegen, die ich von internationalen Projekten oder Events kenne“, erklärt der Vorstand des Spezialisten für mobile Anwendungen. Der Aufwand dürfte sich lohnen. Auf der Suche nach dem Manager eines osteuropäischen Netzbetreibers wurde er bei LinkedIn fündig.

Trotz zufriedener Anwender verzichten die neuen Dotcoms auf einstige Allmachtsposen. „Wir sehen uns als Ergänzung zu den bestehenden Business Clubs sowie einer gewachsenen Networking-Kultur“, beweist Hinrichs Realitätssinn. Es ist schließlich schwer vorstellbar, dass jemand nur seinen Rechner starten muss, und schon verfügt er über die lukrativsten Kontakte. Deshalb haben sich die cleveren Anbieter auf eine klare Sprachregelung geeinigt: Mittels Internet lassen sich bestehende Netzwerke optimieren.

Inter-Networking . „Jede Art, sich unaufdringlich, aber doch bekannt zu machen, ist begrüßenswert“, kommentiert Georg Unger, Senior Partner beim Personalberater Korn/Ferry International. „Allerdings darf man das nicht überbewerten. Mails ohne dazugehöriges Gesicht bleiben selten länger im Gedächtnis. Das Netz kann also nur für Erstkontakte genützt werden.“ Piller bestätigt diese Einschätzung: „Ohne Sympathie, Respekt und Vertrauen ist Networking ja überhaupt nicht möglich. Diese Basis entsteht aber nur durch den persönlichen Kontakt.“

Damit besagter erster Schritt funktioniert, sind die Macher um Seriosität bemüht. Im Fall des Open Business Clubs werden Daten von Mitgliedern kontinuierlich geprüft, um Spaßvögel auszusortieren, die mit falschem Namen oder Fotos vom Onkel ihre dubiosen Spielchen treiben. LinkedIn setzt wie viele andere auf ein geschlossenes System: Hier kommt der Business-Mensch nur mittels Empfehlung eines Mitglieds durch die Tür.

Hundertprozentig wirkt die Kontrolle auch nicht. „Es ist bereits viel Spam im Umlauf, wo Produkte oder Dienstleistungen beworben werden“, bedauert Sagaj. Eine weitere Schwachstelle ortet Jachim: „Manche halten ihr Netzwerk gerne unter Verschluss. Diese Idee funktioniert aber nur über Nehmen und Geben.“

Die Transparenz beinhaltet gleichzeitig Risken: „Jeder sieht genau, wer mit wem in der Branche verbandelt ist.“ Für solche Einblicke könnte es bald noch mehr Gelegenheiten geben, wenn der Gründerboom hinter der so genannten „Social Software“ weiter anhält.

Die Frage nach Top oder Flop wird wie schon einmal in der New Economy durch den Kontostand entschieden.

„Ob es tatsächlich zur neuen Killerapplikation reicht, ist eher fraglich“, zweifelt Andreas Bitterer, Analyst der Meta Group. „Die meisten Teilnehmer bezahlen nicht für den Dienst. Niemand kann sagen, ob sich dieses Geschäftsmodell rechnet.“

In den Vordergrund rückt daher verstärkt das Verdienen mit dem Kerngeschäft. Favorisiert wird ein guter Mix so wie bei CAPup!: Das eingeschränkte Basic-Modell gibt es zum Nulltarif, wer jedoch Premium mit mehr Features unterwegs sein möchte, muss in die Tasche greifen. Die Preise bleiben trotzdem moderat, um niemanden zu verschrecken: 5,95 Euro monatlich etwa kostet eine Besserstellung beim Open Business Club.

Auch in Österreich gibt es Signale in Richtung virtuelle Vernetzung. Der Wiener Wirtschaftsbund hat mit b2bnetwork.at einen Ort der Begegnung gestartet: Firmen können sich und ihre Produkte präsentieren, Angebote begutachten, Informationen austauschen oder neue Geschäftsfreunde finden.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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