Mit Sicherheit geschützt

Die Urlaubszeit kommt – und damit auch die Zunahme von Diebstählen in Häusern und Wohnungen. trend verrät Ihnen, wie Sie Einbrecher aussperren.

Die Wohnungstür aufgebrochen, Bücher und Kleidung aus den Schränken gerissen, die Laden durchwühlt und Dekorationsgegenstände zerbrochen. Ein Bild der Verwüstung bot sich Anna Seeberger (Name geändert), als sie nach dem Arbeitstag in ihre Wohnung zurückkehrte. Ihr Schmuck fehlte ebenso wie Digitalkamera und Notebook, und auch die kleine Summe Bargeld, die sie zu Hause gehabt hatte, war weg. Ein gehöriger Schock, Angstzustände und das schale Gefühl, in der eigenen Wohnung nicht mehr sicher zu sein, brachten die Wienerin die nächsten Wochen um den Schlaf.

Jeder zehnte Österreicher hat diesen enormen Einschnitt in die Intimsphäre schon erlebt, und kaum jemand lebt danach weiter wie bisher. Nach einem Einbruch steigt das Sicherheitsbedürfnis enorm. Spätestens dann sollte man umfassende Maßnahmen ergreifen, um sich selbst und sein Eigentum zu schützen, denn viele Einbrecher schlagen ein weiteres Mal am gleichen Tatort zu. Die Räumlichkeiten sind bekannt, das Diebesgut meist wieder ersetzt. Doch wie geht man vor beim Schutz von Eigentum? Was hilft gegen den unerwünschten Besuch, und wie viel kostet die Wiederherstellung des eigenen Sicherheitsgefühls? Woher weiß man, ob der Alarmanlagenerrichter tatsächlich seriös arbeitet und das Sicherheitsglas hält, was es verspricht?

Dass der Bedarf nach Sicherheit gegeben ist, zeigt die Statistik. Im vergangenen Jahr wurde in ganz Österreich 21.227-mal eingebrochen, davon 13.962-mal in Wohnungen und in 5791-mal in Einfamilienhäuser, den Rest machten Einbrüche in Zweitwohnsitze und abgelegene Objekte aus. Wien war davon am stärksten betroffen. Zwar stagnieren die Zahlen, doch das tröstet Einbruchsopfer nicht über den Verlust der Lebensqualität hinweg. Einbrechern wird es hierzulande auch sehr leicht gemacht. So sind etwa nur 6,7 Prozent der Einfamilienhäuser mit Alarmanlagen ausgerüstet. Während sich in Wien 15 Prozent und in Niederösterreich 11,4 Prozent gegen unerwünschte Eindringlinge schützen, sind es in Tirol gerade einmal zwei Prozent.

Wirkungsvolle Sicherheitstür. Das Geschäft mit der Sicherheit boomt, und der Anbieter-Dschungel wird immer unübersichtlicher. Erste Anlaufstelle, um sich umfassend und unabhängig über Schutzmaßnahmen zu informieren, ist der Kriminalpolizeiliche Beratungsdienst (KBD). Dessen Chef, Peter Jedelsky, verwundert es immer wieder, dass es seine Kunden erst dann zur Beratung in die Räumlichkeiten des KBD in der Wiener Andreasgasse zieht, wenn es eigentlich zu spät ist und Bargeld, Schmuck und andere Wertgegenstände längst den Besitzer gewechselt haben. Zwei Drittel der Ratsuchenden wurden bereits Opfer von Einbrüchen, nur ein Drittel informiert sich vorsorglich.

Gilt es ein Einfamilienhaus zu sichern, kommen die Spezialisten der Polizei auch zu Hause vorbei, um die Schwachstellen unter die Lupe zu nehmen. Um Einbrechern keine Chance zu geben, geht man am besten in drei Schritten vor: mechanische und elektronische Sicherung und ein Tresor für Wertsachen (siehe Kasten Seite 175). Den Kosten ist nach oben hin keine Grenze gesetzt. Eine Wohnung ist einfacher zu schützen als ein Einfamilienhaus. Neuralgischer Punkt ist die Wohnungstür. Denn die Hauseingangstür nützt als Barriere meist nicht viel, wie eine Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit ergab. Bei 62 Prozent der 4939 getesteten Mehrfamilienhäuser war es ohne Probleme möglich, ins Haus zu gelangen. Gleich bei 33 Prozent der Objekte stand die Eingangstür sperrangelweit offen. Auch mit fadenscheinigen Ausreden wie „Paket für den Nachbarn“ oder „Blumengrüße“ konnten sich die Tester ins Haus mogeln. Hat ein potenzieller Einbrecher diese „Hürde“ geschafft, kann er in aller Ruhe das Wohnobjekt seiner Begierde auswählen. Wohnungstüren der Klasse 1 und 2 halten oft nicht einmal minimalen Einbruchsversuchen mithilfe eines Schraubenziehers stand, von Brecheisen & Co ganz zu schweigen. Ein Profi knackt sie innerhalb von fünfzehn Sekunden. Zwar erschweren ein gutes Schloss, ein Türbeschlag, der keine Angriffsfläche bietet, und Balkenriegelschlösser den Zugang zur Wohnung, wirklich wirksam ist allerdings erst eine Sicherheitstür der Widerstandsklasse 3, die nach der Ö-Norm B5338 geprüft und mit der Prüfplakette versehen ist. Sie hält dem Werken mit Einbruchswerkzeugen 20 Minuten lang stand. Viel zu lange für die meisten Einbrecher, die bereits nach zwei Minuten aufgeben. Doch Sicherheit hat ihren Preis. Sicherheitstüren bekommt man erst ab 2000 Euro. Man sollte es aber nicht versäumen, sich nach Fördermitteln zu erkundigen. So ist der Stadt Wien die Sicherheit der Bewohner einen Zuschuss von bis zu 20 Prozent, maximal aber 400 Euro wert.

Abschreckende Alarmanlagen. Deutlich schwieriger ist die Sicherung eines Einfamilienhauses, da auf die äußeren Gegebenheiten mehr Rücksicht genommen werden muss. Uneinsehbare Gärten und Nischen mögen zwar anheimelnd wirken, allerdings fühlen sich in so einer Umgebung nicht nur die Hausbesitzer wohl, sondern auch Einbrecher willkommen. Birgit Zetinigg, Leiterin des Bereichs Eigentum und Feuer des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, rät, Hecken kurz zu halten und den Garten leichter einsehbar zu machen. „Das Wichtigste ist aber die soziale Kontrolle. In einer aufmerksamen Nachbarschaft fallen verdächtige Personen auf.“

In Einfamilienhäuser dringen Täter aber nicht nur durch die Eingangstür ein, sondern oft über uneinsehbare Fenster, Garagen und Ähnliches. Eine ungesicherte Glasscheibe lässt sich leicht mit einem Hammer einschlagen. Wirksamstes Mittel gegen Einbrecher ist der Einbau einer Alarmanlage. Studien zeigen, dass sich dadurch sechzig Prozent der Täter abschrecken lassen. Christian Fischer, Geschäftsführer von Securityland, rät, nicht zum billigsten Produkt zu greifen: „Natürlich bekommt man auch schon um wenig Geld eine Alarmanlage. Zufriedenstellende Lösungen gibt es aber erst ab 1000 Euro aufwärts.“

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Funk- und verdrahteten Alarmanlagen, wobei Peter Jedelsky vom KBD Letztere für sicherer hält: „Funkanlagen sind eine zusätzliche Fehlerquelle, da etwa Batterien rechtzeitig ausgetauscht werden müssen. Obwohl sie auf mehreren Frequenzen funken, lassen sie sich mithilfe eines Störsenders relativ leicht beeinflussen.“ Beim Verband der Sicherheitsunternehmer Österreichs (VSÖ) rät man, beim Bau eines Hauses an die Anschlüsse für eine Alarmanlage zu denken. Günter Saltuari von der Fachgruppe Elektronik: „Leerverrohrungen kosten kaum Geld, wenn sie von vornherein mitgeplant werden. Nachträglich müsste gestemmt werden, daher greifen die meisten Kunden dann zur einfacher zu installierenden Funkalarmanlage.“ Den Einbau sollte man aber gänzlich einem Profi überlassen, da er nach gründlicher Analyse die Schwachstellen eines Hauses kennt. Eine Alarmanlage ist aber nur dann sinnvoll, wenn sie zusätzlich zum schrillen Heulen einen stillen Alarm bei der Polizei oder einem Sicherheitswachdienst auslöst, denn was tun, wenn man das Pech hat, gerade zu Hause zu sein, wenn ein Einbrecher sich am Haus zu schaffen macht? Geht der Notruf an eine Alarmzentrale, wird nach Ausschließen eines Fehlalarms nach dem Rechten gesehen. Der KBD rät zu VSÖ-geprüften Alarmanlagen mit Installationsattest. Nur so ist der volle Versicherungsschutz gewährleistet.

Auch die Telekom Austria (TA) versucht sich neuerdings als Anbieter von elektronischen Sicherheitsanlagen. Das Basispaket in der einfachsten Ausführung schlägt mit 299 Euro zu Buche. Sie erfüllt zwar die EU-Normen, nicht allerdings die strengen Auflagen des VSÖ. „Da soll nur ein Mehrwert der Telefonleitungen geschaffen werden“, ist Harald Neumann, Vorstand des Sicherheitsunternehmens Group 4 Securior, überzeugt. Er hält das Angebot der TA für einen Gag.

Sicherheitsexperte Fischer kann über die Telekom Austria als Mitbewerberin am Sicherheitssektor nur schmunzeln. Er meint: „Beim Thema Sicherheit gilt tatsächlich: Was billig ist, ist nichts wert.“ Bei einer Alarmanlage benötigt man nicht nur das Basisgerät, sondern auch Bewegungs- und Glasbruchmelder, die als Einheit eine Außenhautsicherung des Objekts bieten und an allen Hausöffnungen einen Einbruchsversuch anzeigen. Dazu kommt noch der Anschluss an eine Notrufzentrale. Da summieren sich mehrere tausend Euro. Billiger kommt hingegen ein Hund. Er schreckt Einbrecher in den allermeisten Fällen ab.

Risikofaktor Mensch. Mechanische und elektronische Sicherung bringen aber nur etwas, wenn sie auch tatsächlich eingeschaltet werden. Selbst dann, wenn man nur für eine halbe Stunde das Haus Richtung Supermarkt verlässt, muss man damit rechnen, beobachtet zu werden. Dann schlagen die Einbrecher zu. Kaum ein Dieb hält sich länger als 15 Minuten im Haus auf. Dennoch Zeit genug, um es auch in der kurzen Abwesenheit leer zu räumen. Anlagen von sehr hoher Qualität verfügen mitunter über Schlüsselschalter oder Blockschlösser. Sie reduzieren versehentlich ausgelöste Fehlalarme beim Heimkommen, gleichzeitig schalten sie sich bei Verlassen des Hauses mit der Schlüsselumdrehung automatisch ein – allerdings nur, wenn alle Fenster tatsächlich geschlossen sind. Die meisten Anlagen müssen von den Benutzern selbst scharf geschaltet werden, was einem zusätzlichen Risikofaktor gleichkommt, denn vor Vergessen ist niemand gefeit.

Hat man mit seiner Haushaltsversicherung spezielle Sicherungsmaßnahmen im Vertrag vereinbart, darf man zwar mit Prämiennachlässen bis zu 20 Prozent rechnen. Allerdings nur, wenn auch alle Maßnahmen angewandt wurden. Das heißt: alles verriegeln, den Schlüssel zweimal im Türschloss umdrehen, damit die Türbolzen auch richtig in den Türstock greifen, Fenster auf keinen Fall gekippt lassen und – falls vorhanden – die Alarmanlage einschalten. „Stellt der Gutachter fest, dass die Anlage nicht in Betrieb oder ein Fenster offen war, gilt das als ‚einfacher Einbruch‘. Die Schadenersatzsummen sind nur minimal“, so Prokurist Heinrich Herbst von der Wiener Städtischen Versicherung. Josef Hlinka von der Generali Gruppe ergänzt: „Das heißt auch, dass einbruchshemmende Türen der Ö-Norm entsprechen und die Alarmanlagen ein VSÖ-Zertifikat haben müssen. Anlagen aus dem Baumarkt erfüllen diese Kriterien nicht. Den Schadenersatz kann man vergessen.“

Alternativer Schutz. Wer in der Urlaubszeit auf Nummer sicher gehen will, kann sein Haus aber auch von speziellen „Haussittern“ bewohnen lassen. Guido Kollaritsch, ehemaliger stellvertretender Sicherheitsdirektor der Steiermark, vermittelt um 50 Euro pro Tag Senioren, die, auf Herz, Niere und Leumund geprüft, während der Abwesenheit der Hausbesitzer eine Immobilie bewohnen und gleichzeitig die Haustierpflege übernehmen. Die rüstigen Herrschaften dürfen das Haus täglich nur drei Stunden verlassen und sollen Einbrecher abschrecken.

Wer sich immer noch unsicher fühlt, wird sich über ein neues Wohnprojekt der GEWOG freuen. Im 15. Wiener Gemeindebezirk entsteht das Pilotprojekt „Sicher wohnen“. Die 38 Wohneinheiten werden in einem Niedrigenergiehaus vereint, in dem bauliche und technische Rahmenbedingungen für ein sicheres Wohngefühl geschaffen werden sollen. Dazu gehören das Vermeiden uneinsichtiger Nischen, aber auch helle Stiegenhäuser und Frauenstellplätze in der Garage. Die Fenster der Gemeinschaftsräume im Erdgeschoß werden mit Sicherheitsfolie einbruchssicher gemacht, der Sicherheitsstandard der Wohnungstüren auf Mieterwunsch erhöht und Leerverrohrungen für den nachträglichen Einbau von Alarmanlagen gelegt. Nur Fort Knox ist schwieriger zu knacken.

Von Ulrike Moser

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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