Manche mögen’s flach

Fernseher, die sich an die Zimmerwand schmiegen, sind begehrt wie nie zuvor. Schließlich sind die neuen FlachBildschirme gar nicht mehr so extrem teuer. Bleibt nur noch die Frage: Plasma oder LCD? trend hat die wichtigsten Modelle für Sie getestet.

Wir kommen gar nicht mit der Lieferung nach“, freut und ärgert sich Sony-Austria-Geschäftsführer Helmut Kolba, „so groß ist die Nachfrage nach Flach-Fernsehern. Derzeit liefern wir vor allem vorbestellte Geräte an die Händler aus.“

Dort bietet sich das gleiche Bild. Viele Modelle sind vergriffen, andere werden laufend nachgeliefert. „Der Boom, den wir bei Plasma- und LCD-Fernsehern erleben, ist enorm“, sagt Manfred Warmuth, Geschäftsführer der Elektronik-Supermarktkette Cosmos. „Wir verkaufen jetzt dreimal so viele Fernseher wie im Vorjahr – und das, obwohl das eigentliche Weihnachtsgeschäft gerade erst beginnt.“

Eine Studie des Marktforschungsinstituts Marketagent bestätigt: Fast zwei Drittel der befragten Erwachsenen (61,2 Prozent) wünschen sich einen Flachbildschirm unterm Christbaum. Es ist dies im Bereich der Unterhaltungselektronik heuer der absolute Weihnachtshit und wird gerne anderen Haushaltsinvestitionen vorgezogen, selbst wenn dafür ein Kredit aufgenommen werden muss.

Und noch eine zweite Statistik belegt den ungeheuren Ansturm auf die neuen Bildschirmtechnologien. Den Zahlen verschiedener Markterhebungen zufolge haben die Konsumenten in den vergangenen Monaten völlig umgedacht: Waren zu Beginn des Jahres 2004 noch 73 Prozent aller verkauften Fernseher Röhrengeräte, sank deren Marktanteil bis zum heurigen Sommer markant auf 36 Prozent; 42 Prozent der Käufer haben sich einen LCD-Fernseher zugelegt – die meisten davon mit einer Diagonale von 80 Zentimetern (32 Zoll), beliebteste Marke ist Philips – und bereits 20 Prozent einen Plasma-Schirm (siehe Grafik auf Seite 216).

Besser & billiger. Die Entwicklung kommt nicht überraschend. Einerseits halten nun die Flachmänner qualitativ erstmals, was seit Jahren versprochen wird:

* ein klares, prägnantes Bild nahezu ohne Nachzieheffekte bei Bewegungen;

* LCD-Schirme, deren Bild auch von der Seite sichtbar ist – bislang ein Manko;

* Plasmas mit ausreichender Lebensdauer, geringerer Stromaufnahme und weniger Wärmeentwicklung.

Andererseits ist bei den modernen Fernsehern ein markanter Preisverfall zu beobachten. „Das Preisniveau liegt jetzt in Summe um ein Drittel unter jenem des Vorjahrs“, rechnet Cosmos-Chef Warmuth vor. Die wichtigsten Gründe dafür:

* Dank großer Stückzahlen sind die Produktionskosten deutlich gesunken;

* der harte Wettbewerb durch viele neue Player, die in den boomenden Markt einsteigen, drückt auf die Verkaufspreise;

* und viele Modelle, die noch vor einem halben Jahr topaktuell waren, sind bei der sich extrem schnell entwickelnden Branche schon wieder überholt und müssen zu Spottpreisen abverkauft werden.

So ist es heute problemlos möglich, einen LCD-Schirm des taiwanesischen Billigproduzenten Tatung mit 76 Zentimeter Diagonale um 799 Euro zu erwerben oder einen Plasma des Markenherstellers Philips mit 106 Zentimetern um sensationelle 1599 Euro (gesehen bei Saturn).

Doch genau damit steht der Konsument vor dem klassischen Dilemma: Soll er die Gunst der Stunde nutzen und jetzt ein günstiges Flachteil kaufen oder sich doch ein teures, dem Stand der Technik entsprechendes Modell zulegen? Muss er jetzt schon für die kommende High-Definition-Ära gerüstet sein? Und nach welchen Kriterien wählt man die Geräte überhaupt aus? (Siehe Kasten unten.)

Die Verunsicherung ist groß. Und wer kann schon die Bildqualität in einem hell erleuchteten Elektronikmarkt mit hunderten Flimmerkisten nebeneinander beurteilen. So sind nicht selten Kunden mit Maßbändern in der Hand zu beobachten, die das elektronische Möbelstück nach den Außenmaßen beurteilen – und natürlich nach dem Design. „Die Menschen sind in derartigen Supermärkten maßlos überfordert“, weiß etwa Heribert Pany, Geschäftsführer des auf Heimkino und Hi-Fi spezialisierten Wiener Händlers Sondeks, „dabei sollte man meinen, dass die Bildqualität und vor allem auch die richtige Einstellung des Geräts nach dem Kauf Priorität haben sollten, wenn man schon mehrere tausend Euro für einen neuen Fernseher ausgeben will.“ Doch alleine schon die Entscheidung, ob Plasma, LCD oder Rückprojektionsfernseher, falle den meisten schwer (siehe Kasten „Flache Sache“ auf Seite 217).

Die Reifeprüfung. Möglicherweise kann der folgende Test dabei helfen, die richtige Wahl beim Weihnachtseinkauf zu treffen. 32 Kandidaten ließ trend zum großen Flachbildschirm-Test antreten. Mit dabei zum Vergleich – allerdings außer Konkurrenz – ein spezielles Röhrengerät mit nur 40 Zentimeter Tiefe (ein Slim-Fit-Produkt von Samsung) und drei nicht ganz so flache Rückprojektionsmodelle.

Beurteilt wurde ausschließlich die Bildqualität der Schirme, denn hier herrscht die größte Unsicherheit. Die meisten anderen Parameter wie Design oder Form der Fernbedienung sind in der Regel Geschmackssache.

Das Ergebnis gleich vorweg: Testsieger sind unangefochten die beiden Plasmas von Pioneer mit der brillantesten Darstellung nahezu ohne Bildfehler (siehe Kasten „Schwarz und verführerisch“ auf Seite 212). Als zweitbester Hersteller von Plasma-Geräten darf sich den Testergebnissen zufolge derzeit Panasonic nennen.

Generell sind im Spitzenfeld nur Plasma-Schirme zu finden; die besten LCD- Modelle – von Toshiba, Philips und Sony – belegen die Plätze sieben bis neun. Womit eine der wichtigsten Fragen auch schon beantwortet wäre: Nach wie vor haben die Plasmas, was die Bildqualität betrifft, die Nase vorn; doch im Test zeigt sich auch, dass die LCD-Schirme enorm aufgeholt haben und inzwischen bereits manch schlechtere Plasmas schlagen.

Überraschend gut auch das Abschneiden der Rückprojektionsfernseher: Zwar wurden in der ersten Jahreshälfte (bis August) vergleichsweise wenige Produkte verkauft, genau gesagt 3800 Stück (LCD: 59.000, Plasma: 14.000), doch die neuen Modelle sind eigentlich eine preisgünstige Alternative. Selbst in Sachen Auflösung und Helligkeitswert schlagen sich die getesteten Rückpros recht ordentlich, nur der Betrachtungswinkel ist – zwar schon größer – nach wie vor zu gering.

Der Test hat aber vor allem drei Dinge gezeigt, die Sie bei einem etwaigen Kauf unbedingt berücksichtigen sollten:

* Verlassen Sie sich nicht auf toll klingende Technikbegriffe wie DynaPix, Advanced-Super-View und wie die Bildverbesserungstechnologien alle heißen. Das Gerät mit den meisten dieser Bezeichnungen ist noch lange nicht das beste.

* Genauso ist nicht unbedingt immer das Gerät der neuesten Generation oder mit der besten Ausstattung einer Modellserie jenes mit der besten Bildqualität. Bei Toshiba oder Philips etwa sind die Flaggschiffe im Test schlechter gereiht als andere Modelle des gleichen Herstellers.

* Wenn Sie es erwarten können, gedulden Sie sich noch ein paar Monate. Die Qualität der jüngsten Generation ist in der Regel wirklich gut, doch noch zu teuer.

Wenn Sie aber dennoch vorhaben, sich noch vor Weihnachten etwa den Testsieger zuzulegen, dann sollten Sie sich beeilen, meint auch Pioneer-Marketingchef Erwin Hobecker: „Wir sind derzeit fast ausverkauft, obwohl wir gut vorbestellt haben. Mit einem derartigen Boom haben wir nicht gerechnet.“

von Oliver Judex

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