Luftig im Loft

Der Loft, der Wohntraum der neunziger Jahre, feiert sein Comeback. Doch heute sind nicht mehr 300-Quadratmeter-Hallen ohne Wände gefragt. Die wachsende Zahl der Singles und kinderlosen Paare sucht grosszügige, offene Wohnräume mit integrierter Küche.

Entspannt lehnt Herbert Zirbs an seiner Küchentheke und erzählt, wie eines zum anderen gekommen ist: der blau bezogene Billardtisch am linken Ende des Raumes, den er sich „eben eingebildet“ hat, als er vor fast drei Jahren die Wohnung bezog; die gigantische rote Samtcouch gegenüber – „mein absoluter Lieblingsplatz, wenn ich abends einmal entspannen möchte“ –, so groß, dass ihr fast etwas Verwegenes anhaftet; und das apfelgrüne Bad mit der in ein Holzpodest versenkten Rundbadewanne vermittelt auch nicht gerade den Eindruck, dass hier Babys ihr Schaumbad genießen. „Eine Gestaltung der Architektin Annemarie Weilhartner von the/sopht/loft, die hier das gesamte Wohnkonzept entwickelte“, beeilt sich Zirbs rasch um eine Erklärung. Das frische Grün und das rötliche warme Holz finden sich gut 20 Meter weiter, am anderen Ende des „Zimmers“, übrigens noch einmal zitiert – beim Arbeitsblock der offenen Küche, an dem der Kommunikationsfachmann gerade so lässig lehnt.

„Als ich auf Wohnungssuche war“, erzählt der Vierzigjährige, „stand für mich fest, dass es ein Loft sein musste. Ich hasse nichts so sehr wie viele Zimmer auf mehreren Ebenen.“ Damals war er Single und allein von der Zielgruppe her wie geschaffen für das Open-wide-Space-Konzept. Mittlerweile ist er mit einer Frau liiert, die zwei Kinder hat, was ein Leben im Loft ad absurdum führt. Denn trotz der insgesamt 230 Quadratmeter Fläche stehen in dieser Lebenslage nicht ausreichend Räume zur Verfügung. Seit wenigen Wochen bietet Zirbs daher das Traumobjekt zum Verkauf an.

Hallenflair für Singles. Die Wohnungsgeschichte des Agenturbesitzers erscheint geradezu exemplarisch für die Verschiebungen, die sich derzeit auf dem Immobilienmarkt ereignen: In dem relativ kurzen Zeitbogen von nur drei Jahren führt diese vor, wann ein Loft punktet und wann das Wohnen ohne Trennwände verliert. Doch auch wenn der Loft am Familiären scheitert – „Pure Lofts sind für Kinder ungeeignet, weil diese Räume brauchen, in die sie sich zurückziehen können“, bringt Alexander Vyborny vom Projektentwickler Green Factory die Problematik auf den Punkt –, ist eines nicht zu übersehen: In Singlekreisen genießt das Hallenflair beträchtliche Sympathien. Und es sind genau diese Einzelhaushalte, die zahlenmäßig fröhlich zulegen.

Laut Statistik Austria verweigerten 2004 etwa 1.168.000 Menschen das Leben in der Zweisamkeit. Gegenüber 2001, als die Zahl noch bei 1.119.910 lag, bedeutet das eine Steigerung von knapp fünf Prozent. Auch die Zahl der Kinderlosen nimmt auffallend zu – der derzeitige Geburtenrückgang liegt (gegenüber 2002) bei 1,9 Prozent.

Durch diese beiden wachsenden Gruppen gibt es naturgemäß mehr Menschen, die nach räumlicher Großzügigkeit streben. Daher ist der Trend weg von der Mehrräumigkeit hin zum großen Offenen mehr als eine modische Schimäre.

„Die Bereitschaft von Investoren, ihr Geld in Loftprojekte zu stecken, ist in den vergangenen Jahren gewaltig gestiegen“, beobachtet Thomas Tröstl von Timehouse Project Development, einem Unternehmen, das sich auf den Ausbau von Lofts spezialisiert. Erstens notiert der Entwickler eine Renaissance der „Immobilie as such – und da ist das Produkt Loft in seiner Funktionalität einzigartig“. Zum anderen führt Tröstl die Entwicklung „auf das steigende Bedürfnis nach Individualität“ zurück – „keiner will die Wohnung von der Stange“. Der Timehouse-Projektmanager erklärt allerdings auch, „dass vor fünf Jahren praktisch noch keine Zielgruppe auf diesem Gebiet existierte“ – außer jene bekannte der Freiberufler und Künstler, die seit Andy Warhol beinahe traditionsbedingt eine Affinität fürs Industriedenkmal empfindet.

Preise wie für Neubauwohnungen. Die vermehrte Nachfrage einer Zielgruppe, die in dieser Form zuvor noch nicht existierte, bestätigt auch Peter Havlik, Geschäftsführer bei Dr. Jelitzka & Partner. Der Immobilienvermittler mutmaßt sogar, die Bauträger hätten sich die neue Klientel geschickterweise selbst herangezüchtet. „Die interessanten Baugrundstücke werden im urbanen Raum immer rarer. Dadurch müssen die Bauträger innovativer werden; da geben ehemalige Gewerbebauten sehr viel her“, erläutert Havlik ganz profan die Hintergründe des aktuellen Booms. Wobei auch in diesem Immobiliensegment die Lage entscheidend sei. So liegen die Preise eines Lofts in der Kaiserstraße in Wien-Neubau bei 2600 Euro pro Quadratmeter. Eine Parallelstraße weiter stadteinwärts, in der Schottenfeldgasse, werden Lofts zwischen 2000 und 2500 Euro offeriert.

Je mehr man sich allerdings der Innenstadt nähert, desto gewaltiger ziehen die Preise an. Der Loftbau MQ-West im Museumsquartier erzielte etwa 8000 Euro pro Quadratmeter. Erstaunlicherweise gingen die Einheiten (zwischen 150 und 256 Quadratmetern) trotz des stolzen Preises und der allgemein angespannten Wirtschaftslage weg wie die warmen Semmeln. Nur mehr ein einziges Objekt ist zu kaufen – obwohl das Gebäude erst vor wenigen Monaten fertig gestellt wurde.

Naturgemäß günstiger wird es, wenn man sich zu den städtischen Randlagen hinbewegt: So kommt ein Loft im 21. Bezirk auf etwa 1580 Euro pro Quadratmeter. Der Mietpreis im Kabelwerk in WienMeidling, das derzeit renoviert wird und Ende 2007 bezugsfertig sein soll, wird voraussichtlich bei sechs Euro pro Quadratmeter liegen. „Grundsätzlich lassen sich die Loftpreise gut mit jenen von Neubauwohnungen vergleichen“, fasst Havlik zusammen. Bei durchschnittlich guter Lage bedeute dies, dass man mit „2000 Euro im ebenerdigen Bereich bis 3500 Euro pro Quadratmeter im Dachbereich rechnen muss“.

In den Bundesländern ist die Situation etwas schwieriger, was schlichtweg am mangelnden Angebot liegt. „Salzburg war nie wirklich eine Industriestadt“, erläutert der Salzburger Experte Alexander Kurz, „das Angebot ist daher geschichtlich bedingt so gut wie nicht vorhanden.“ Ähnlich verhält sich die Situation in Graz. „Alte Industriegebäude in der Stadt kenne ich nicht“, konstatiert Patricia Reisinger, steirische Landesstellenleiterin des Österreichischen Verbandes der Immobilientreuhänder, „außerdem gehe ich davon aus, dass Lofts in guten Lagen liegen sollten. Bei uns aber befinden sich die Industriebauten alle in schlechten Lagen.“ Auch in Linz, wo das Angebot aufgrund der Infrastruktur eigentlich vorhanden sein müsste, scheint wenig Interessantes auf dem Gebiet zu existieren. „Die Nachfrage ist zwar vorhanden, aber sie bleibt offenbar zu gering, als dass dieser Markt in Schwung kommt“, vermutet Christa Kaliauer von der Verwaltungsgesellschaft IMC-Hörsching.

Erfolg für „weiche“ Lofts. Weil sich die Anfragen in den kommenden Jahren vermutlich weiter verdichten werden, entwickeln immer mehr Immobilienunternehmen eigene Loft-Konzepte. Diese in Fachkreisen oft als „weiche“ Lofts bezeichneten Objekte haben dann zwar mit einem ursprünglichen Industriebau nicht mehr viel zu tun, verfügen aber über dessen wichtigste Eigenschaften: große Fenster, außerordentlich hohe Räume und ei-ne gewisse architektonische Großzügigkeit. „Diese loftartigen Wohnungen, bei denen sich meistens Küche und Wohnraum in einem offenen Zimmer befinden, aber alle restlichen Räume wie bei einer klassischen Wohnung aufgeteilt sind, kommen sehr gut an“, beobachtet Makler Havlik. Vorteil der Vermarktungsidee: Sie lässt sich schon ab 70 Quadratmetern realisieren.

Auch Green-Factory-Chef Vyborny, der sowohl klassische Lofts („Basic Loft“) als auch abgewandelte Formen („My Loft“) im Repertoire führt, spricht von einer eindeutigen Präferenz zugunsten der soften Varianten: „80 Prozent unserer Kunden entscheiden sich für ,My Loft‘, wo sie die Raumaufteilung nach eigenen Bedürfnissen gestalten können.“

Noch einen Schritt weiter wagt sich der Developer Timehouse, indem er Lofts hinkünftig wie ein persönliches Kleidungsstück als Marke etablieren will. „Bereits jetzt feiern in London Lofts und Appartements, die von Designern wie Philippe Starck oder Jade Jagger gestaltet wurden, riesige Erfolge“, weiß Geschäftsführer Tröstl. „Derzeit tüfteln wir in Kooperation mit Yoo, einem weltweit erfolgreichen Designer- und Lifestyle-Immobilienentwickler, an der Realisierung eines solchen Projekts im ersten Bezirk. Da den Menschen Details zunehmend wichtig werden, kommt diese Strategie, bei der es darum geht, die besten Seiten einer Location hervorzuheben, bestimmt auch in Wien gut an.“

Von Michaela Ernst; Mitarbeit: Jasmin Schakfeh

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