Luft-Geschäft: Versuchungs-Piloten

Das Luxus-Bedarfsflugunternehmen Jet Alliance befindet sich im steilen Steigflug: 28 neue Flugzeuge sind bestellt. Die Landung an der Börse ist noch heuer möglich.

Wer einmal abheben möchte, bitte sehr: Der billigste Flug bei Jet Alliance kostet, wohlfeil, um die 6000 Euro. Recht weit kommt man damit nicht, vielleicht nach Hannover und wieder zurück, aber dafür können der Geschäftsfreund und auch die Privatsekretärin gratis mitreisen. Eine himmlische Versuchung sozusagen.

Es geht aber auch ein bisschen exklusiver. Der beste Deal, der bei dem exklusiven Luftfahrtunternehmen je gemacht wurde, war rund eine Million Dollar schwer: Die hauseigene Boeing 737 konnte für eine mehrwöchige Weltumrundung verliehen werden. Ein feiner Spaß für die zahlenden Kunden, man leistet sich ja sonst nichts und arbeitet den Rest des Jahres ziemlich schwer.

Jet Alliance ist also kein Unternehmen, das den klassischen SkyEurope- oder AUA-Passagier interessiert. Zielgruppe sind die Mächtigen und Wichtigen, die Tüchtigen und Erfolgreichen, die Reichen und Schönen. Allerdings hat es das Unternehmen gar nicht auf die Reichen, sondern nur auf die besonders Reichen abgesehen: In Österreich, so schätzt Lukas Lichtner-Hoyer, Kapitän des Jetset-Unterfangens, zählen nicht viel mehr als dreihundert Leute zum potenziellen Kundenkreis, weltweit sind es rund 8,5 Millionen. Mit genau diesen aber ist es logischerweise recht spannend, ins luftige Geschäft zu kommen.

„Seit dem ersten Tag“, sagt Co-Aktionär und Mitbegründer Norbert Winkler, „machen wir Gewinne.“ Das Unternehmen erzielte laut eigenen Angaben 2005 einen Umsatz von 71 Millionen Euro und, so Winkler, rund drei Millionen EBIT. 2007 soll bereits die 100-Millionen-Umsatz-Marke übersprungen werden, zehn Prozent davon, also zehn Millionen, sind das angesteuerte EBIT.

Ein ehrgeiziges Ziel, zweifelsfrei. Der Markt ist hart umkämpft und nicht leicht zu beackern. Etliche Bedarfsflugunternehmen sind in den vergangenen Jahren gekommen und ebenso schnell wieder gegangen. Das Geschäft ist kein konstantes; die Branche stürzte nach dem 11. September 2001 in eine tiefe, lange Krise. Hannes Schwarz vom Business-Reisen-Anbieter Carlson Wagonlit etwa glaubt, dass das Segment der Fliegerei mit kleinen Taxi-Jets „niemals boomen“ wird, denn „wir sehen bei unseren Kunden, dass sie so günstig wie möglich fliegen möchten“. Im Zweifelsfall ist für viele Betuchte ein einzelner Business- oder First-Class-Sitz einer Airline ausreichend und vor allem eine Zehnerstelle billiger als ein kompletter Flieger.

Der österreichische Markt allein, so Schwarz, sei jedenfalls deutlich zu klein – „Die Erste kauft schließlich nicht jede Woche eine Bank in Rumänien.“ Er wünscht dem aufstrebenden Unternehmen „alles Gute“, die Möglichkeit der harten Landung schließt er aber zumindest nicht aus.

Auf den ersten Blick klingen die Pläne des Unternehmens ja wirklich aberwitzig: Während große Airlines zittern, kaufen die tollkühnen Männer von Jet Alliance auf einen Streich 28 neue „fliegende Kisten“ – und die müssen nicht nur bezahlt, sondern auch permanent betrieben und mit Passagieren gefüllt werden. Sind hier Nachfahren von Ikarus am Werk, der ja bekanntlich mit seinen Flügeln aus Wachs der Sonne zu nahe kam – und deshalb abstürzte?

Leichter leben – mit Flugzeugen. Eines ist sicher: Das Geschäftsmodell von Jet Alliance geht weit über das eines reinen „Bedarfsluftfahrtunternehmens“ hinaus. Lichtner-Hoyer, Sohn eines ehemals bekannten österreichischen Springreiters, kann sich einigermaßen sicher fühlen, denn er ist ein „Paketanbieter“ für alles, was mit Business-Jets zu tun hat. Über Subunternehmen der Jet Alliance Holding AG (Firmenkonstrukt siehe Grafik rechts) berät er potenzielle Business-Jet-Käufer. Er vermittelt und verkauft dem Kunden, der unbedingt eine süße Citation X, einen flinken Learjet oder eine schlanke Gulfstream 200 besitzen möchte, neue wie gebrauchte Modelle. „Da man sich einen Flieger ja kauft, um sich das Leben leichter und nicht komplizierter zu machen“ (Lichtner-Hoyer), nimmt er den Besitzern dieser schon einmal 25 Millionen teuren Düsenflugzeuge die Last der Wartung, der Hangarierung, der Pflege – und der Bedienung – ab; das fliegende Personal wird jedenfalls von Jet Alliance beigestellt. Falls es mit dem nötigen Kleingeld hapern sollte, kein Problem: Man hilft mit diversen Finanzierungsmodellen nach.

Vor allem aber: Da selbst der eifrigste Geschäftsmann nicht alle Tage in die Luft geht, verchartert das Unternehmen die flinken Flieger an Kunden ohne eigenen Jet weiter.

Nicht zuletzt kümmert man sich bei Jet Alliance auch noch rührend um diejenige Klientel, die mit Hinten-drin-Mifliegen allein nicht glücklich wird. Innerhalb von achtzehn bis zwanzig Monaten kann man, unterwiesen von einem persönlichen Fluglehrer, lernen, selbst einen Düsenjet zu starten und zu landen. Für runde 75.000 Euro ist der Einsteigerkurs wohlfeil zu haben, und demnächst schafft sich Jet Alliance sogar einen Flugsimulator an. Der Rennfahrer Karl Wendlinger ist zum Beispiel gerade im Landeanflug zum Berufspilotenschein, ebenso wie Magna-Manager Siegfried Wolf. Der kann es offenbar überhaupt nicht mehr erwarten, seinen Jet höchstpersönlich von Wien zur Firmenzentrale nach Toronto zu pilotieren.

Die Pläne der Luftfahrer erschöpfen sich aber nicht im Ausbau ihrer Fugschule. Ein normalerweise für weit über hundert Passagiere ausgelegter, funkelnagelneuer Airbus 319 wird noch heuer geliefert – ein Gerät, mit dem normalerweise richtige Airlines ihre Geschäfte machen. In der Jet-Alliance-Version werden die WCs riesig, die Wände holzvertäfelt und die Zahl der Sitze auf zwei Dutzend reduziert sein. Wer soll sich diesen Extrem-Langstreckenflieger leisten können? Menschen, so die Antwort, denen es einfach lästig ist, sich in Los Angeles in der Warteschlange der Normalflugpassagiere einzureihen. Man denkt bei Jet Alliance nicht in astronomischen, wohl aber in stratosphärischen Dimensionen. Winkler und Lichtner-Hoyer träumen bereits von einem Nobelpendeldienst von VIP-Center zu VIP-Center, von einem transkontinentalen, hochexklusiven Business-Shuttleservice, von Wien nach Los Angeles, ohne umsteigen und, vor allem, ohne bei der Sicherheitskontrolle die Schuhe ausziehen zu müssen.

Niki Lauda muss da wohl vor Neid erblassen: Bald will Jet Alliance siebzig Flugzeuge besitzen. Schon jetzt sind über die diversen Subfirmen rund dreihundert Personen beschäftigt; laufend werden es mehr. Rekorde werden in der Luft und am Boden aufgestellt: Im Unternehmen fliegt die jüngste jemals gesichtete Co-Pilotin, gerade einmal zarte zwanzig Jahre jung. Unlängst hat ein Jet-Alliance-Pilot die strecke Bali–Moskau in bisher nie erreichten 13 Stunden abgeflogen. Die neue, eigene VIP-Lounge am General-Aviation-Center in Wien-Schwechat ist riesig, elegant und wurde vor wenigen Tagen fertig gestellt. Ein neuer Hangar, extra für die Jet-Alliance-Flieger, wird noch heuer gebaut, der erste Hangar in Schwechat für einen „Privaten“.

Börsegang im Herbst? Die Wartung, bislang im Ausland erledigt, wird ins Haus geholt, gleichzeitig wird die Zahl der Firmenniederlassungen rund um den Globus zügig erweitert. Zu Moskau, Kiew, Bukarest, Almaty, London und Cannes kamen unlängst Dubai und nun Tel Aviv dazu. Die Fantasien sind ohne Grenzen. Vor allem China, Shanghai, der Ferne Osten lockt – und wird sicher demnächst erobert werden. „Dort ist im Gegensatz zu den USA die Marktsättigung genau null“, sagt Lichtner-Hoyer, schlank, mit leuchtenden Augen und lässigem Rollkragenpulli der Idealtypus des Piloten schlechthin. Dem Hobbyautorennfahrer kann der Höhenflug nicht schnell und hoch genug gehen. Sein Kompagnon Norbert Winkler, Inhaber von Leitz Austria und Samsung-Austria, fährt dagegen vorsichtig die Bremsklappen aus.

Zwar sind die beiden „ein eingespieltes Team“ (Winkler), doch über die nähere Zukunft besteht in der Crew leichte Uneinigkeit. Winkler, der auch selbst noch liebend gerne Businesskunden quer durch den Kontinent transportiert (und dabei reichen Russinnen auch schon mal den Koffer trägt), sträubt sich dagegen, neues Geld vom Kapitalmarkt zu holen: „Es ist nicht notwendig. So wie es ist, ist es einfacher, der Cash Flow allein ermöglicht uns zu expandieren.“

Lichtner-Hoyer hingegen ist ganz anderer Ansicht. Er hat keine Angst vor Kontrollverlust, er verspürt dagegen im Moment „einen gewissen Druck, was das Eigenkapital betrifft“. Seine Perspektive ist glasklar umrissen: „Wir sind interessant, wir haben eine tolle Vision. Wir machen Profite. Die Chance auf einen Börsegang, und zwar heuer noch, besteht.“

von Othmar Pruckner

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente