Logistik: Viele Zusteller, wenig Pakete

Die Kurier-, Express- und Paketdienstleistungsbetriebe liefern einander in Österreich einen harten Verdrängungswettbewerb, in den sich jetzt auch noch Weltmarktführer FedEx eingeschaltet hat.

Sie radeln, fahren, fliegen. Rund um die Uhr und binnen 24 Stunden rund um den Erdball. Dabei transportieren sie alles, was eilig ist, an fast jeden Ort der Welt: Briefe, Pakete, dringende Arzneien, Organspenden, Geburtstagsgeschenke, Warenmuster, Ersatzteile – die Boten der Kurier- und Expressdienstleistungsbetriebe sind aus der international vernetzten Wirtschaft kaum mehr wegzudenken.

Österreich galt für die Branche bis vor kurzem noch als Land mit besonders großem Potenzial, als unterentwickelter Markt, in dem zweistellige Zuwachsraten möglich waren – eine Aussicht, die alle großen internationalen Expressdienstleister hierher gelockt hat (siehe Kasten „Gebremstes Wachstum“, Seite 202). Doch seit dem Jahr 2000 ist es vorbei mit dem großen Wachstum. Die Anzahl der rasch zugestellten Pakete stagniert, und die Umsätze haben sich nur noch unwesentlich erhöht.

Einzig TNT Express Austria scheint es im Vorjahr gelungen zu sein, diesen Trend zu durchbrechen und ein Rekordjahr hinzulegen. Das Unternehmen transportierte rund 1,3 Millionen Sendungen und konnte damit seinen Umsatz um satte 21 Prozent auf 50,9 Millionen Euro steigern. „Davon abgesehen, hat die KEP-Industrie der Kurier-, Express- und Paketdiensteleister in Österreich aber ein Problem“, warnt Andreas Kreutzer vom Wiener Beratungsunternehmen Kreutzer Fischer & Partner, das die Branche seit Jahren beobachtet. Die Zuwächse bei den Paketmengen seien stark zurückgegangen und hätten sich den allgemeinen Wachstumsraten der Wirtschaft angepasst. Kreutzer: „Die Industrie befindet sich in einer Sättigungsphase und steht in einem harten Verdrängungswettbewerb, der vor allem über den Preis läuft.“

Knoten Wien. FedEx, mit 643 Flugzeugen das weltweit bei weitem größte Express-Luftfrachtunternehmen mit Sitz in Memphis, Tennessee (USA), will es jetzt dennoch wissen. Im Mai hat das Unternehmen am Cargocenter Nord des Wiener Flughafens eine eigene Zentrale eröffnet, um in Österreich und den neuen EU-Ländern Polen, Tschechien und Ungarn stärker auftreten zu können. Schon jetzt laufen die Sendungen für Armenien, Slowenien, Bulgarien, Albanien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, die Slowakei, Kroatien und Mazedonien über Wien, und in Zukunft soll Österreichs Hauptstadt zu einer zentralen Schaltstelle im FedEx-Netz werden. „Der Standort Wien soll kontinuierlich ausgebaut werden“, sagt Bernhard Schloemer, Geschäftsführer von FedEx Österreich, „Osteuropa ist ein Zukunftsmarkt und Wien unsere Drehscheibe in diese Richtung.“

Auch in die entgegengesetzte Richtung ist Wien eine wichtige Schnittstelle. Von Wien aus fliegt FedEx daher täglich den europäischen Hub am Pariser Flughafen Charles de Gaulle an, der gleichzeitig zentrale Schnittstelle für Flüge in die USA und Verteilerzentrum für Europa ist. Alain Chaillé, Vizepräsident des Unternehmens und Chef für die Region Südosteuropa, zu der auch Österreich gehört, führt Besucher gerne durch den Pariser Umschlagplatz, den täglich 750 Tonnen Güter durchlaufen.

Umladen in 20 Minuten. Fünf Kilometer lang sind die Laufbänder, die quer durch die Hallen führen und von mehr als 200 Kameras überwacht werden. Nur zwanzig Minuten dauert es, bis ein Paket die ganze Sortier- und Verteilerstraße durchlaufen hat und wieder bereit für den Weitertransport ist. Menschliche Arbeitskraft ist dabei nur in einem geringen Maß nötig. Die Anlage läuft zum Großteil vollautomatisch. „Es sieht sehr kompliziert aus, aber eigentlich ist es sehr einfach“, meint Chaillé, „das System ist idiotensicher, und es ist nahezu unmöglich, dass Fehler passieren.“

Platz- und kapazitätsmäßig hat FedEx im Pariser Hub noch jede Menge Spielraum. Etwa ein Drittel der Gebäudefläche steht noch leer – für Chaillé eine wertvolle Reserve, denn: „Heute werden erst zwanzig Prozent aller Güter über Landesgrenzen hinaus transportiert. In zwanzig Jahren werden es achtzig Prozent sein.“ Und Geschwindigkeit sei dabei immer wichtiger. Chaillé: „Für uns gibt es noch ein großes Wachstumspotenzial.“ Auch von Österreich erwartet sich der FedEx-Vize noch einiges, über Marktanteile will er jedoch nicht sprechen: „Wir schielen nicht auf Marktanteile. Wir wollen nicht Marktführer, sondern die Besten sein“, meint er. Wien sei jedenfalls ein idealer Punkt, um die Länder im Osten anzufliegen – Länder, in denen der Luftfrachtspezialist bisher noch keine eigene Basis unterhält.

Gelassene Konkurrenz. „Aus unserer Sicht ist FedEx natürlich ein ernst zu nehmender Mitbewerber“, sagt Rainer Schwarz, der beim Expressanbieter DHL Österreich das Luftfrachtgeschäft leitet, „ich glaube aber nicht, dass sich die Marktanteile jetzt deutlich verschieben werden.“ Schließlich sei das Unternehmen schon länger in Österreich aktiv. Dass FedEx jetzt eine eigene Niederlassung hierzulande eröffnet hat, sei für die übrigen Anbieter auf dem Markt keine unmittelbare Bedrohung. „Ich habe noch keine Intensivierung im Wettbewerb festgestellt“, spielt Schwarz die Sache herunter. „FedEx wird sich wohl auch in Zukunft auf das Expressgeschäft zwischen den USA und Österreich konzentrieren.“

Dennoch: Wenn der US-Gigant, der gemeinsam mit UPS den rund 50 Milliarden Dollar schweren amerikanischen Markt dominiert, seine Österreich-Aktivitäten intensiviert, dann sorgt das in der Branche für Aufsehen – selbst wenn FedEx in Österreich mit 40 Mitarbeitern heute noch zu klein ist, um den etablierten Unternehmen im Kurier- und Expressgeschäft wirklich Konkurrenz zu machen, und das Unternehmen bis dato nur im Großraum Wien mit eigenen Mitarbeitern unterwegs ist und darüber hinaus auf Partnerunternehmen setzen muss, um Expresssendungen einsammeln und zustellen zu können.

Zum Vergleich: Die Post, mit einem Marktanteil von 28 Prozent immer noch KEP-Marktführer, beschäftigt rund 2300 Mitarbeiter im Expressbereich und ist eben dabei, ihr zehntes Paket-Verteilerzentrum in Österreich zu bauen. Der größte private Anbieter, DPD, befördert mit 1200 Mitarbeitern täglich rund 100.000 Pakete in Österreich und hat dafür neben einem zentralen Hauptumschlagplatz zwölf moderne Depots eingerichtet. Und die Deutsche-Post-Tochter DHL beschäftigt in Österreich immerhin 400 Mitarbeiter, um ein bundesweites Service anbieten zu können.

Schwieriger Markt. Ein grundsätzliches Problem dabei sieht Branchenbeobachter Kreutzer jedoch in der kleingewerblichen Struktur der österreichischen Wirtschaft. Hier gebe es kein Silicon Valley und kein Ruhrgebiet, in dem internationale Konzerne mit einem hohen Aufkommen an Expresssendungen dicht nebeneinander angesiedelt sind. Entsprechend schwer sei es für die KEP-Industrie daher auch, ein großes Volumen an Sendungen zu generieren. „FedEx muss wie UPS und TNT weiter Kunden gewinnen, um fixe Touren fahren zu können“, erklärt Branchenbeobachter Kreutzer, „denn nur dann sind Gewinne möglich. Bei Fahrten auf Abruf ist die Logistik zu aufwändig und zu teuer.“

Immer noch effizienter, schneller und günstiger zu werden ist jedenfalls eine Herausforderung, der sich in der KEP-Industrie auch die etablierten Anbieter stellen müssen, um bei den Preisansagen ihrer Mitbewerber mithalten zu können. Keine leichte Aufgabe in Zeiten, wo die Erlöse durch die Lkw-Maut und hohe Treibstoffpreise weiter gedrückt werden. Am besten gelingt das den Unternehmen mit dem Bau nahezu vollautomatischer Verteilerzentren. Die Post hat in Wien-Inzersdorf mit dem Neubau eines solchen begonnen, und DHL hat in Linz einen neuen, zentralen Hub mit einer Hallenfläche von 5600 Quadratmetern in Betrieb genommen. „Wir sind dabei, ein Gesamtanbieter zu werden, der alles aus einer Hand anbieten kann“, sagt DHL-Mann Schwarz, „dafür ist aber noch genug Arbeit nötig, vor allem, was die Zusammenführung der EDV-Systeme in den einzelnen Bereichen der DHL betrifft. Wenn wir das geschafft haben, werden wir auch weiter Marktanteile gewinnen können.“

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