Leise kriselt der Schnee: Österreichs
Ski-Tourismus muss sich neu erfinden

Skifahren trägt mehr als elf Milliarden Euro zu Österreichs Wirtschaftsleistung bei. Doch das Interesse der Urlauber am Pistenflitzen lässt nach. Österreichs Alpenkaiser müssen den Wintertourismus neu erfinden. Denn eine schwere Krise der beteiligten Branchen wäre eine Katastrophe für das Land.

Von Markus Groll und Peter Sempelmann

Der Saisonstart ist ganz und gar nicht nach Wunsch verlaufen. Dem Abbruch des Auftaktrennens in Sölden folgte das technische K. o. der ÖSV-Herrenmannschaft¬ beim Slalom im finnischen Levi. Ein einziger Österreicher, Manfred Pranger, konnte sich unter den ersten zwanzig platzieren. Nach der jahrelangen klaren Dominanz des Teams sind die Erosionserscheinungen, die schon in den letzten beiden Jahren eingesetzt haben, unübersehbar – und sie sind auch eine gewisse Parallele zur Situation des Freizeit-Skifahrens in Österreich. Der Wintertourismus bröckelt an vielen Ecken und Enden: keine schwere Krise, aber es kriselt. Und es besteht – wie im Rennsport – vor allem die Gefahr, dass Entwicklungen verschlafen werden, weil man sich auf den Lorbeeren der letzten Jahre ausruht. Abgesehen davon, dass Seriensieger wie Hermann Maier und Stephan Eberharter, die derzeit fehlen, auch dem Fremdenverkehr guttäten.

Im Tiroler Stubaital ist der Schnee zwar heuer früh gekommen. Aber wenn Christian Pfurtscheller, Chef des Hotels Bergcristall, auf den Kalender sieht, schwant ihm nichts Gutes. Alle Feiertage um Weihnachten und Silvester liegen an Wochenenden, und Ostern ist erst am 24. April, wenn Urlaubswillige schon eher an eine Strand- denn an eine Schneebar denken. „Die Saison wird so lange, dass dazwischen Lücken in der Auslastung entstehen könnten“, sagt Pfurtscheller. „Einige werden heuer sicher zu Ostern zusperren müssen“, fürchtet auch Arnold Pucher, der Li¬ftkaiser vom Kärntner Nassfeld, und hofft, dass ihm dieses Schicksal erspart bleibt. „Wenn man einmal zu Ostern zusperrt, dann kann man gleich immer zusperren.“

Gegen die Widrigkeiten des Kalenders können Hoteliers und Liftbetreiber wenig ausrichten, aber sie zeigen, auf welch labiler Unterlage das Geschäft gründet. Ein Geschäft, das nirgendwo auf der Welt wichtiger ist als in Österreich. Mit einer direkten und indirekten Wertschöpfung von über elf Milliarden Euro trägt der Wintertourismus rund vier Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei – das ist einzigartig. 276.000 Arbeitsplätze hängen hierzulande von dem Wirtschaftszweig ab. Ohne das Skifahren wäre Österreich spürbar weniger wohlhabend. Umso bedrohlicher ist jedes Problem, das sich auf die Gästezahlen auswirkt.

Und davon gibt es gleich mehrere: Hohe Preise schrecken Urlauber ab, und diejenigen, die sich einen Winterurlaub leisten, werden immer anspruchsvoller. Sie wollen mehr Pistenkilometer, bequemere Lifte und garantiert g’führige Unterlagen auf allen Abfahrten. Bis ins Tal, versteht sich. Angesichts des drohenden Klimawandels und der rigiden Umweltauflagen ein kaum mehr erfüllbarer Wunsch: Unten schmilzt der Schnee weg, und oben am Berg kann man die Pistenflächen kaum mehr erweitern. Beschneiungsanlagen und Verbesserungen im Liftangebot kosten obendrein sehr viel Geld. 562 Millionen Euro haben die österreichischen Seilbahnbetriebe im letzten Jahr investiert. Dazu kommt die relativ hohe Unfallgefahr und vor allem ein Nachwuchsproblem. Die Bretter bedeuten für immer weniger Kinder die Welt.

Anspruchsvolle Gäste. Nicht nur am Berg muss investiert werden. Die Zahl derer, die von neun Uhr morgens bis zum Pistenschluss auf ihren Ski unterwegs sind, nimmt ständig ab. Die Pistengaudi wird immer mehr zum optionalen Tagesangebot neben einer Rund-umdie- Uhr-Animation zwischen Wellness, Funsport und Hüttenzauber. „Die Zeit der Kilometerfresser ist vorbei“, meint Petra Stolba, Chefin der Österreich Werbung, die Österreich jetzt mehr als Winter- Erlebnisland positionieren will: „Der Trend geht hin zu Ferien in der Winterlandschaft. Man fährt vielleicht einen Tag Ski, macht aber am nächsten eine Schneeschuhwanderung, geht dann in eine Therme und anschließend vielleicht auch noch einen Tag lang auf Sightseeing-Tour.“ Dieser Entwicklung wurde noch zu wenig Rechnung getragen.

Der Trend ist nicht nur ein gefühlter, sondern manifestiert sich in Zahlen. Trotz ausreichend weißer Pracht und der Rekordzahl von 15,4 Millionen Ankünften in der Saison 2009/2010 gingen die Kartenverkäufe der Seilbahnbetriebe von 56,8 auf 53,5 Millionen so genannte Skier-Days zurück. Ebenso sank die Zahl der Übernachtungen leicht (siehe Grafik Seite 79). Und: Der Anteil der Kinder auf den Pisten reduzierte sich zuletzt von 28 auf 20 Prozent. Auch die Skihersteller leiden darunter. Die durchschnittlichen Ausgaben der Österreicher für Ski haben sich laut Statistik Austria halbiert. Immer weniger Menschen besitzen eigene Latten. Der Verleih hat Hochkonjunktur. Absolut gesehen sind die Skiverkäufe in Österreich seit dem Beginn des Carving-Booms im Jahr 2001 von weit über einer halben Million Paar auf 370.000 gesunken.

Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung und Autor der Studie zur ökonomischen Bedeutung des Wintertourismus (SportsEconAustria), warnt vor „zielgruppenspezifischen Imagedefiziten des Wintersports“, „erhöhtem Finanzbedarf “ und „prekären Bilanzrelationen“ – vor allem in der Hotellerie. Österreich muss den Wintertourismus nun neu erfinden.

Neue Konzepte. „Noch haben wir die Klientel. Doch wir laufen Gefahr, das Skifahren als Träger des Wintersports zu verlieren, denn der Verzicht auf Wintersport bedeutet heute keine Einbuße in der Lebensqualität“, warnt auch Tourismus- und Freizeitforscher Peter Zellmann. Obwohl niemand gerne drüber redet, dass im Wintertourismus die Glöckchen längst nicht mehr so süß klingen, wie sie sollten, ist sich die Branche der Probleme natürlich bewusst. Mit neuen Ideen versucht man, die werte Klientel wieder zum Skifahren zu bringen oder ihr Zusatzangebote zu schaffen, die sie weiterhin in die Winterlandschaft der Berge ziehen.

Preisfrage. Mit konzertierten Kampagnen soll zunächst einmal das Image vom Skifahren als teures Vergnügen geändert werden. Ein schweres Unterfangen nach den oft kaum mehr nachvollziehbaren Preissteigerungen der vergangenen Jahre, die weit über der Inflationsrate liegen. Für die große Kernzielgruppe, die Familien mit Kindern, ist es schwer geworden, sich den weißen Spaß überhaupt leisten zu können.

So kosteten etwa die Tageskarten für zwei Erwachsene und ein Kind im Skigebiet Hochkönig in der Wintersaison 2005/2006 schon stolze 65,50 Euro. Mittlerweile muss man gar 103,50 Euro berappen – eine Preissteigerung von satten 58 Prozent. Das ist kein Einzelfall, wie der aktuelle Vergleich des Vereins für Konsumenteninformation (siehe Kasten Seite 80) zeigt. Österreichweit sind die Preise der Wochenkarten für Erwachsene seit der Saison 2006/2007 bei einer Inflation von 7,5 Prozent um durchschnittlich 42,2 Prozent gestiegen. VKI-Tester Peter Blazek: „In Einzelfällen mag das in außergewöhnlichen Investitionen begründet sein – aber bei dieser Häufung können wir das nicht glauben.“

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hat das Problem erkannt. In seinen acht Skigebieten, zu denen der Patscherkofel, der Hochficht und der Ötscher gehören, fahren Kinder bis zum elften Geburtstag in Begleitung der Eltern gratis. Für Schröcksnadel eine lohnende Investition in die Zukunft. „Wir bringen die Kinder damit wieder zum Skifahren“, meint er.

Auch der Handel macht mit bei der Offensive um den Nachwuchs. In den Intersport-Filialen werden „mitwachsende Ski“ angeboten, die gegen längere umgetauscht werden können, wenn die Kinder in der nächsten Saison aus den oft kaum benutzten Sportgeräten wieder herausgewachsen sind. Ebenso beginnt die Debatte um die Schulskikurse wieder. Dort gab es einen dramatischen Teilnehmerschwund. Seit den siebziger Jahren ist die Zahl der Schüler in Skikursen von 250.000 auf 150.000 gesunken. Nicht nur die österreichischen Kinder, auch die jungen Gäste aus Deutschland oder Holland werden immer weniger und – besonders schlimm für die Branche – lernen das Skifahren oft gar nicht mehr.

„In der Region Kufstein hat man daher begonnen, die Lehrer zu subventionieren“, weiß Stefan Schwarz, Geschäftsführer von Amer Sports Austria, mit den Marken Atomic und Salomon der weltweit führende Skiproduzent. Die Lehrer, für die ein Skikurs zusätzliche Arbeit und Ausgaben bringt, werden sowohl finanziell als auch mit Material unterstützt. Schwarz: „Die Tourismus- und Seilbahnwirtschaft und das gesamte politische Umfeld sind gefordert, sich hier noch mehr zu überlegen.“ Die Belastungen für die Familien sind nämlich weiterhin überdurchschnittlich hoch. Die Kosten der Skikurse stiegen von 2000 bis 2009 im Schnitt ebenfalls um 42 Prozent.

Heinz Schultz aus dem Zillertal, einer der größten privaten Skigebietsbetreiber, gibt daher auch etwas verlegen zu: „Ein bisschen was ist an dem Preisvorwurf schon dran – wir müssen den Schülern die Ängste vor den Kosten wieder nehmen.“ Und Machertyp, der er ist, geht Schultz auch gleich in die Offensive. Er hat mit dem Wiener Busreiseunternehmer Blaguss die „Österreichische Schulskikursgesellschaft“ gegründet, die den Schulen nun mit einem tatsächlich günstigen Angebot um 299 Euro je Teilnehmer – alles inklusive – die Fahrten zum Schnee wieder schmackhaft machen soll. Auch Schultz fügt sich ins Unvermeidliche: „Das ist teilweise unter meinem Einstandspreis.“

Ringen um Sicherheit. Der in den Medien heiß diskutierte Unfall des deutschen Politikers Dieter Althaus im steirischen Skigebiet Riesneralm, bei dem eine tschechische Touristin ums Leben gekommen ist, hat auch die Debatte um die Sicherheit im Wintersport neu entflammt. Dass Skifahren und Snowboarden riskante Sportarten sind, lässt sich nicht leugnen, und die relative Gefährlichkeit ist in den Gästebefragungen auch einer der am häufigsten genannten Verweigerungsgründe fürs Skifahren. Der Unfallstatistik des Kuratoriums für Verkehrssicherheit zufolge zählen Skifahren und Snowboarden mit insgesamt 59.000 Unfällen zu den riskantesten Sportarten. Rechnet man die Unfälle auf ausgeübte Sportstunden hoch, dann schaut es für die Pistenfreaks noch schlechter aus. Da kommen auf 100.000 Sportstunden rund 30 Unfälle. Beim ebenfalls populären Radfahren sind es lediglich vier.

Gemeinsam wird jetzt an Gegenstrategien gearbeitet. Die seit dem Vorjahr geltende Helmpflicht für Kinder ist nur ein Punkt unter vielen. In den Skigebieten werden schnelle Passagen entschärft oder mit großen Hinweisschildern gekennzeichnet. Unübersichtliche Stellen und Kreuzungsbereiche von Pisten werden mit Sicherheitsnetzen und Warnschildern versehen. Und der Handel bewirbt nicht nur aus reiner Profitgier die immer beliebteren Protektoren. „Unter Snowboardern gelten Protektoren mittlerweile auch als cool“, berichtet Alexander Zezula, Geschäftsführer des Trendsport-Spezialisten Blue Tomato, vom Imagewandel der Schutzkleidung.

Eine weitere Initiative ist die von der Alpgarant Versicherung erfundene SAFE-R Versicherung, die seit dem Vorjahr als Pilotversuch im Skigebiet Riesneralm angeboten wird. Die Gäste erwerben dort gemeinsam mit der Liftkarte eine Unfallversicherung, die im Fall des Falles sämtliche Kosten einer Bergung und auch die eines allfälligen Helikopter-Transports übernimmt. „Diese Kosten können für die Gäste mitunter recht hoch sein“, weiß Alpgarant-Chef Alexander Bauer, „im Durchschnitt kostet ein Rettungseinsatz per Helikopter rund 2800 Euro, wenn sich die Bergung etwas schwieriger gestaltet, dann sogar bis zu 4000 Euro.“ Auch die Seilbahnbetreiber zeigen Initiative. Sie versuchen zu trommeln, wie wenig, hochgerechnet auf die Zahl der beförderten Gäste, bei ihren Anlagen passiert. Ekkehard Assmann, Sprecher des österreichischen Seilbahnanlagenbauers Doppelmayr, wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass Seilbahnen trotz ihres Images nach Aufzügen das sicherste aller Transportmittel überhaupt sind – noch weit sicherer als die Bundesbahnen etwa.

Neue Attraktionen. Dass die Gäste weniger werden, liegt auch an der sinkenden Attraktion des Skisports. Selbst der sonst so lässige Slalomstar Marcel Hirscher meinte im Vorfeld des Weltcup-Auftakts in Sölden, dass Skirennen fader geworden sind und dem Sport die echten Typen abgehen. Das wirkt sich auf Fernsehübertragungen aus, das Interesse an den ORF-Sendungen ist seit dem Olympiawinter 2006 um 22 Prozent gesunken. Aber auch in den Skigebieten suchen die Gäste zunehmend neue Erlebnisse abseits der Pisten.

„Das reine Pistenskifahren reicht als Wochenbeschäftigung schon lange nicht mehr aus“, weiß Robert Pichler, Eigentümer und Leiter der Skischule Fun&Pro in Flachau, Salzburg. Er ist selbst ein passionierter Fahrer der alten Schule, der an seinem einzigen Urlaubstag vor der Saison auf den Gletscher fährt, stellt jedoch jedes Jahr neue Attraktionen ins Programm.

Vor zwei Jahren war es etwa „Zorbing“, eine meterhohe, aufblasbare Plastikkugel, in der es sich, weich abgefedert, über die Piste kugeln lässt. Jetzt, so sagt Pichler, werden alle Arten von „Freeski“- Material nachgefragt: kurze, breite, hinten und vorne aufgebogene Gleiter, mit denen man hauptsächlich über Kicks (Schanzen) oder Barks (künstliche Hindernisse) rutscht und springt. Demnächst könnte es der „Snowbull“ sein, ein rodelähnliches Gefährt auf Gelenkski, das durch Gewichtsverlagerung gesteuert wird. Pichler musste – leidvoll – erkennen: „Anders bekommen wir die Jugend nicht auf die Piste.“

Auf die Wintergäste warten heute in vielen Regionen auch schon Snowbikes, Skifoxes, Airboards, Snowtubes, Snowscooter oder Skidoo-Fahrten (siehe auch Kasten Seite 94). Am Kärntner Nassfeld werden Jugendlichen spezielle „Blue Days“ angeboten. Sie können während eines einwöchigen Winterurlaubs an jedem Tag eine andere Sportart ausprobieren. Für Erwachsene stehen Action-Abenteuer wie Schlittenhundefahrten, Iglu-Bauen oder Schneeschuhwandern am Programm – etwa im Winter Wilderness Camp im Tiroler Leutasch. Und dann gehört zu jeder Winterdestination natürlich auch noch ein entsprechender Wellness-Tempel – der Aqua Dome in Längenfeld im Ötztal etwa oder die Anfang November neu eröffnete Tauerntherme in Kaprun. Von der Piste direkt ins Spa – das wird immer wichtiger. „Teilweise sind unsere Gäste schon länger im Wellnessbereich als auf der Piste“, sagt Armin Traferner, Sales-Manager des Relax-Resort-Hotels am Kreischberg.

Mehr Piste. Ein Dilemma vieler Skigebiete ist, dass viele Gäste nach der Zahl der zur Verfügung stehenden Pistenkilometer auswählen. Im internationalen Vergleich haben da Österreichs Wintersportorte trotz einer insgesamt zur Verfügung stehenden Wedelfläche von bereits 25.400 Hektar nicht immer die Nase vorn. „Wir stehen im internationalen Wettbewerb. Da brauchen wir einfach größere Flächen, sonst verlieren wir den Anschluss“, zuckt Stubai-Hotelier Pfurtscheller etwas resignierend mit den Schultern. Wie viele Kollegen vor Ort wartet er etwa ungeduldig auf die Zusammenlegung der Muttereralm mit der Region Schlick-Axamer Lizum, die eine imposante Skischaukel ergeben würde. „Uns würde vollkommen das Verständnis fehlen, wenn man Ischgl den Ausbau genehmigt, aber uns nicht“, meint er. Dabei hat die Branche ihr nachhaltig verträgliches Flächenpotenzial schon ziemlich ausgereizt, finden Naturschützer. Und jeder mittlere Zubringerlift zur Koppelung zweier bisher getrennter Skiberge führt zu Interessenkonflikten in den engen Alpentälern, nicht nur im Stubaital. Peter Haßlacher, Leiter der Fachabteilung Raumplanung und Naturschutz des Österreichischen Alpenvereins: „Das Problem ist virulent wie seit Langem nicht. Weil die verfügbaren Flächen weniger werden, soll immer mehr in Schutzgebieten gebaut werden. Da hört sich der Spaß auf.“ Auseinandersetzungen herrschen etwa bei der schon lange geplanten Erschließung Vesiltal/Piz Val Gronda in Ischgl oder bei der neuen Verbindung zwischen Axamer Lizum und Schlick 2000, die über ein Ruhegebiet führt, das eigentlich unter strengstem Naturschutz steht. Ein Knackpunkt – auch überregional – wird die Neuformulierung des auslaufenden Tiroler Skigebietsgesetzes, die bis zum Jahresende 2010 politisch ausverhandelt wird. Den Trend zur Zusammenlegung von Skigebieten wird aber wohl niemand stoppen.

Mehr Kunst im Schnee. Dort, wo es Pisten gibt, soll auch Schnee liegen. Und wenn keiner fällt, dann produzieren ihn die Skigebiete eben selbst. Zu beträchtlichen Kosten. Rund 100.000 Euro kosten die Beschneiungsanlagen für einen Hektar Pistenfläche – inklusive der dafür notwendigen Teiche, Wasser- und Stromleitungen. Und der als Damoklesschwert über dem Wintertourismus schwebende Klimawandel lässt den Investitionsbedarf auch in schneesicheren Lagen explodieren. Modellrechnungen zeigen, dass schon zwei Grad Erderwärmung den Anteil der schneesicheren Skigebiete in Österreich von derzeit 87 Prozent auf etwa 50 Prozent senken würde. Dagegen werfen die Alpenkaiser einen immer höheren Hightech-Einsatz an Material in die Schlacht. 66 Prozent der österreichischen Pisten können bereits mit Kunstschnee bedeckt werden.

„Der Beschneiungsaufwand steigt aber nicht nur wegen des Klimawandels“, erklärt Thomas Jürs, Chef des größten österreichischen Schneekanonenherstellers Wintertechnik. „Wegen des höheren Verkehrs auf den Pisten und der Carving-Technik müssen heute Flächen beschneit werden, wo das früher nicht notwendig war. Die Gäste erwarten sich täglich perfekte Pisten, und die bekommen sie auch.“ Skeptikern, die Beschneiungsanlagen als Eingriffe mit negativen Folgen für die Natur sehen, hält er entgegen, dass alle Kritikpunkte längst mit Studien widerlegt wären und eine feste, geschlossene Schneedecke bis zum Saisonschluss ganz im Gegenteil die Böden vor Erosion schützt. Für die Skigebietsbetreiber bleibt dennoch das Problem, dass ihre Kosten laufend weiter steigen, die Zahl der Gäste hingegen bestenfalls stagniert oder sogar abnimmt – und die Preise nicht noch weiter in die Höhe getrieben werden können.

Um den Aufwand einzudämmen, versucht man nun, Skigebiete umzuplanen. Das Motto dabei ist, mehr Pisten mit weniger Liftanlagen zu erschließen. Wie auf der steirischen Riesneralm. Dort kommt man mit nur drei Liften auf dreißig Pistenkilometer. „Ohne dass wir deswegen lange Wartezeiten an den Liften hätten“, erklärt Betreiber Erwin Petz. Andere Orte müssten ebenfalls reagieren, um die Betriebskosten zu reduzieren. Petz: „Das passiert überall auf der Welt. In den USA ist der Schlüssel Pistenkilometer pro Lift wesentlich besser als in Österreich.“

Imagefrage. Viel Gehirnschmalz müssen die Tourismusplaner auch in die Positionierung der Skigebiete investieren. Urlauber, die Action und Party suchen, gehören nach Ischgl oder Sölden und nicht auf die Tauplitz. Genauso muss es für Familien klar positionierte Regionen geben. Einzelne Kinderhotels sind dafür nicht genug. Einen Startvorteil wie Damüls in Vorarlberg, das als „schneereichstes Dorf der Welt“ beworben wird, hat nicht jeder Ort. Riesneralm-Chef Petz freut sich, als „international bestes Kinderskigebiet“ ausgezeichnet worden zu sein: „Das ist eine eindeutige Positionierung, die bei den Gästen ankommt.“ Gedanken müssen sich die Verantwortlichen auch über die Marke Österreich generell machen: Warum wird außerhalb Europas die Schweiz mit Skifahren assoziiert, obwohl die Infrastruktur bei uns weit besser ist?

Karl Schranz blickt trotz aller Probleme optimistisch in die Zukunft. „Ums Skifahren habe ich in 200 Jahren noch keine Angst“, sagt die Skilegende, die sich auch als Österreichs „Botschafter des Schneesports“ an prominenter Stelle – beim russischen Präsidenten Wladimir Putin – für Österreich starkmacht. Um dann zu sagen: „Wir brauchen aber vielleicht eine Pause bei der Teuerung, und wir müssen auch nicht jede Bergspitze mit einem Liftseil verankern.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente