Kunstanlage: Österreichs reichste Sammler und warum sie auf welche Künstler setzen

Da schuf ein Gelegenheitsdieb mit dem Raub der Saliera eine Realsatire über den sorglosen Umgang mit unbezahlbaren Meisterwerken. Dann zeigt die Restitution der Klimt-Bilder, dass hinter jedem noch so wertvollen Kunstwerk noch höhere Werte stehen. Aber wer sind die Menschen, die Kunst um der Kunst willen lieben und dafür bereit sind, Unsummen zu bezahlen?

Wenn man die Saliera einschmilzt, ist sie wahrscheinlich nicht viel mehr als 5000 Euro wert. Jenes einzigartige, fast 500 Jahre alte Prunkstück aus der begnadeten Hand des italienischen Bildhauers Benvenuto Cellini würde sich binnen weniger Minuten in einen Goldklumpen verwandeln – übrig blieben außerdem Wachs, Porzellan und Holz. Und das „Rohmaterial“ für „Adele“, das Frauenbildnis, das Gustav Klimt im Jahr 1907, am Höhepunkt seiner Genialität, schuf, kostete nicht mehr als den Gegenwert eines guten Abendessens in einem Mittelklasserestaurant.

In keinem anderen Lebensbereich können Menschen mit geringem Einsatz von mehr oder weniger schlichten Materialien so unglaubliche Werte schaffen wie in der Kunst. Einen kühlen Goldklumpen verwandelt das Genie eines Cellini in ein faszinierendes Kunstwerk, und aus Leinwand und ein paar Farbtiegeln lässt Klimt ein Bild entstehen, das hunderte Millionen Menschen fasziniert. Selbst dem Maler Salvador Dalí, der doch mitten im internationalen Kunstbetrieb stand, fiel dieses Phänomen auf. „Ich bewundere Picasso. Keiner hat sein Öl so teuer verkauft wie er“, formulierte der surreale Exzentriker scharfsinnig. Ein spektakulärer Kunstraub, der Streit um die Rückerstattung von prominenten Bildern sind allemal für ganze Serien von Schlagzeilen gut. Aber haben Sie eigentlich schon darüber nachgedacht, warum die Saliera oder „Adele“ -zig Millionen „wert“ sein sollen – und sind sie es überhaupt? Rund 20 Milliarden Euro setzt die Kunstbranche jährlich um – tatsächlich ein Big Business.

Warum schätzen Experten – zugegebenermaßen dekorative – Gegenstände ohne zwingenden Nutzwert auf Millionenbeträge? Wie kommen völlig abgehobene Preise weit jenseits des Vorstellungsvermögens „normaler Bürger“ zustande?

Die Antwort darauf ist verhältnismäßig einfach: weil es eben keine „normalen“ Bürger sind, die diese Preise machen. Gäbe es die seltsame Spezies der Sammler nicht, dann gäbe es auch die astronomischen Kunstpreise nicht. Überall leben Menschen, die eine gemeinsame Obsession verbindet: der geheimnisvolle Zwang, Kunstgegenstände – Bilder, Skulpturen, Glas oder was auch immer Künstler oder Kritiker als Kunst bezeichnen – zu sammeln, und zwar teils buchstäblich nach dem Motto „Koste es, was es wolle“.

Dazu einige Zahlen: Im ersten Halbjahr 2005 wuchs der Kunstmarkt in London um 19 Prozent auf 845 Millionen Dollar, damit überholte London erstmals New York, wo die Umsätze nur um 2,9 Prozent auf 833 Millionen zulegten. In den 20 Milliarden Euro, die immer wieder für den weltweiten Kunstumsatz genannt werden (das klingt zwar nach viel, aber allein mit Videospielen wurden vergangenes Jahr 30 Milliarden umgesetzt), nimmt der rasch wachsende chinesische Markt einen immer größeren Anteil ein. Hoffnungsgebiete sind Zentral- und Osteuropa, wo es praktisch noch keine Infrastruktur nach westlichem Vorbild gibt.

Dass ein Einstieg ins Sammeln aber keineswegs mit einem dicken Finanzpolster abgesichert sein muss, meint Jenö Eisenberger, einer der prominentesten Sammler des Landes: „Wer jährlich ein paar tausend Euro ausgibt, kann eine schöne und interessante Sammlung aufbauen.“ Die Analysen des Marktforschungsinstitutes artprice.com geben ihm Recht. Demnach wurden 2004 (jüngere Zahlen liegen noch nicht vor) rund 88 Prozent aller künstlerischen Arbeiten zu Preisen unter 10.000 Dollar verkauft.

Andererseits schrauben sich die Preise in immer höhere Dimensionen. 2005 war das Jahr der Zuschlagsrekorde: In den internationalen Auktionshäusern wechselte Kunst für mehr als vier Milliarden Dollar den Besitzer. Für nicht weniger als 477 Kunstwerke fiel der Hammer erst jenseits der 1-Million-Dollar-Grenze. Was veranlasst auf den ersten Blick vernünftige Menschen, für etwas so Irrationales wie Kunst derart tief in die Tasche zu greifen?

Der Unternehmensberater und Kunstsammler Helmut Zambo versucht eine Erklärung: „Zwischen Sehen und Besitzen eines Bildes liegen Welten. Stellen Sie sich vor, Sie haben den Partner Ihrer Träume gefunden und können ihn nur aus der Ferne anschauen. Die Nähe des Bildes zu wissen ist eine Wohltat. Selbst wenn aus Platzmangel einmal ein Stück in das Lager wandert.“ Zambo ist Überzeugungstäter. Mit vielen Sammlern fühlt er sich seelenverwandt, „besonders mit jenen, die 1500 Euro im Monat verdienen und sich ihre Liebe zur Kunst vom Mund absparen“. Wenn es um Kunst geht, verlässt Unternehmensberater Zambo bisweilen auch den festen Boden der Vernunft: „Ein echter Sammler hört nicht auf zu kaufen, wenn sein Geschäft schlechter geht.“

Wobei so manche Jugendsünde in verschwiegenen Magazinen landet – denn jeder Sammler hat einmal bei null begonnen und musste seine Erfahrungen machen. Denn beraten lassen sich Neo-Sammler meist nicht gern. „Natürlich könnte ich jetzt eine Anleitung zum Sammeln geben: Bücher lesen, Kataloge vergleichen, auf Auktionen gehen, gezielt und systematisch beginnen“, so Ernst Ploil, selbst einer der großen Sammler des Landes und Gründer des Auktionshauses Im Kinsky. Aber „genau das wollen junge Sammler nicht hören. Man will seine Fehler selbst machen – und das ist auch gut so.“ Denn so ernst Sammler ihre Tätigkeit auch nehmen, so hoch die Umsätze der Branche und die Zuschläge der Auktionshäuser auch klettern mögen – es ist wohl nicht zuletzt der spielerische Aspekt, der selbst scharf kalkulierende Unternehmer bisweilen den Rechenstift vergessen lässt.

von Franz C. Bauer und Martina Forsthuber

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