Kreativität und Kinder

Kritik zur aktuellen Diskussion über Schulsysteme.

„Jeder kommt als Künstler zur Welt und wird dann mit viel Mühe zerstört.“ Joseph Beuys

Die Reaktion auf PISA 2004, eine Untersuchung der Qualität der Schulsysteme der europäischen Länder, war enttäuschend. Gottlob kriegen die Kinder als hauptsächlich Betroffene davon wenig mit.

Ich erinnere mich an keine Politiker, die das Gefühl weckten, sie dächten auch nur eine Sekunde an jene, um die es geht. Oder sie hätten jemals über den Kern der Sache philosophiert.

Hätten sie es getan, müsste am Anfang jeder Reaktion auf PISA eine vernünftige Erklärung stehen, etwa folgenden Inhalts: „Gemessen an den Anforderungen, die eine moderne Zivilisation an die Schulen stellt, werden diese immer eine Baustelle des Geistes sein. Wie die Gesellschaft selbst, sind sie in ständigem Umbau begriffen. Sie werden auch ein Versuch bleiben, widersprüchliche Wünsche in einem Optimierungsprozess zu erfüllen.“

Unglücklicherweise denkt man hierzulande (wie in fast allen Ländern Europas) beim Thema Schule sofort zu hoch. Man denkt an Gymnasien, HAKs, HTLs und andere berufsvorbereitende Schulen. In besonders albernen Fällen denkt man gleich an Hochschulen, Universitäten und Akademien, obwohl dort fertige, erwachsene Studenten auf fertige, erwachsene Professoren treffen. Auch das bringt Probleme (siehe Titelgeschichte), nur haben sie nichts mit der grundsätzlichen Substanz der Schulung zu tun. Diese wird im Elternhaus, im Kindergarten und in Volksschulen gebildet. Wenn es dort nicht stimmt, werden an den Universitäten Idioten zu Doktoren.

Um beim Fundament des Fundaments anzufangen: Jedes Mal, wenn es Schulkritik wie die PISA-Untersuchung gibt, wird eine begleitende Lehrqualität der Eltern eingefordert, die es früher nicht gab und heute noch weniger gibt, da nicht nur die Väter ausfallen (sie fielen immer aus), sondern zunehmend auch die Mütter.

Alles, was es darüber zu sagen gibt, ist banal und reiner Zeitraub. Appelle ändern nichts daran. Man sollte jene tollen Eltern, die ihre Kinder begeistert, witzig, liebevoll und fruchtbar im Schulungsprozess begleiten, leise heilig sprechen, sicherheitshalber aber davon ausgehen, dass alle diesbezüglichen Anstrengungen den Lehrern bleiben.

Zweitens sollte man endlich lernen, die Kindergärtner und Volksschullehrer nicht wie eine mindere Rasse zu behandeln, die den höheren Lehrern unterlegen ist. Sie sind sogar wichtiger, da sie mit dem weichen Lehm von Kleinkindern arbeiten, nicht mit dem fertig gebrannten Material der Hauptschüler, Gymnasiasten oder gar Hochschüler.

Ausschließlich in den allerersten Jahren entscheidet sich die fundamentale Begeisterung für Wissen und Denken.

Natürlich braucht man Lehrpläne, um sicher zu stellen, dass Volksschüler aus Neusiedl, Bludenz und Wien 1 ungefähr das Gleiche wissen. Wichtiger aber ist, die Lehrer richtig zu lehren und zunächst ihre Begeisterung zu wecken.
An den Lehrer-Ausbildungsstätten müssten Ausbildner werken, die ungefähr die Qualitäten jener von Managementschulen haben; die alles über Motivation und Coaching wissen.

Später kann man nur von Lehrern Hohes verlangen, die man wie hoch Veranlagte behandelt: die man gut bezahlt; die man gesellschaftlich achtet; die man als etwas Wertvolles behandelt. In Österreich zeigt man ihnen, dass uns selbst tausende arbeitslose Lehrer egal sind. So, als könnte man als Politiker nicht die Fantasie aufbringen, sie auszulasten.

Meine Kritik gilt auch den Unternehmern. Erstens sollten sie auf regionaler Basis als gemeinsamer Zukunftsmotor (future-tank) den Schulen ihrer Umgebung helfen. Vor allem auch den Volksschulen, obwohl diese noch keine gebrauchsfertigen Mitarbeiter liefern.

Zweitens sollten sie endlich aufhören, grundsätzlich für Spezialisten einzutreten. Die Kinder sollten zunächst so lang wie möglich die ganze Wunderwelt kennen lernen. Spezialistentum ist frühestens ab HAK, HTL und den Fachhochschulen akzeptabel und sinnvoll, hat sich auch gut bewährt.

Dennoch: Auch dort ist man suboptimal unterwegs. Es fehlt das Pflichtfach „Schöpferische Eigenleistung“. Die strukturellen Probleme einer gesättigten Wohlstandsgesellschaft schreien nach permanenter Innovation, um das Werk in Gang zu halten.

Ich habe einen Verdacht, warum man bisher das Lehrfach „Kreativität“ nicht in die Schulprogramme aufnahm. Viele dafür geschulte LehrerInnen würden, so wie wir derzeit die Lehrer behandeln, ihr Amt niederlegen. Sie würden in die Wirtschaft gehen und schneller vom Fahrrad des Volksschullehrers ins Cockpit eines BMW kommen.
Alleweil, wir wären schon so weit. Dann hätten wir keine arbeitslosen Lehrer mehr. Und wir hätten Kinder, die besser für das Höchste gerüstet wären.

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