Kassieren beim Studieren

Mit Superkonditionen und Geschenken wollen Banken und Sparkassen möglichst viele Studenten in ihre Filialen locken. Doch bei Studentenkonten lauern auch Fallstricke.

Irgendwie kommt mir das Ganze vor wie ein Wettlauf, bei dem am Ende
der Sieger dann noch die Feier bezahlen und die Zuschauer zum Abendessen einladen muss.“ Der sarkastische Kommentar eines Bankenvorstandes zum Thema Studentenkonto lässt es erahnen – ungeteilte Freude ist es nicht, was die Geldinstitute dabei empfinden, wenn sie Studenten mit Superkonditionen überhäufen. „Also betriebswirtschaftlich ist das eigentlich nicht wirklich vernünftig, aber der Wettbewerb erzwingt es – vor allem in den Universitätsstädten Wien, Graz und Innsbruck“, brummt auch Jakob Knapp, Sprecher der Tiroler Sparkasse.
Alle Jahre wieder beschert der Sommer den Marketingabteilungen der Banken und Sparkassen einige heiße Stunden. Gesucht sind neue Argumente und Aktionen für die Jagd auf die neuen Unijahrgänge. Dabei sorgt
die harsche Konkurrenz für geradezu halsbrecherische Konditionen. Jüngster Coup der Bank Austria Creditanstalt, der Marktleaderin bei den Studentenkonten: Wer ein neues Konto eröffnet, bekommt zehn Euro geschenkt.
Doch nicht alle Banken gehen lautstark in die Offensive. „Ich sage ganz ehrlich,
für die Volksbanken Wien ist es keine absolute Zielgruppe“, gibt sich Livius Tramontana, Wiener Volksbanken-Vorstand, zurückhaltend. „Das ist aus der Tradition der Volksbanken heraus und auch aus wirtschaftlichen Überlegungen begründet.“ Bis ein Student zum Verdienen kommt und eine für beide Seiten wirtschaftlich sinnvolle Geschäftsbeziehung entsteht, vergehe oft eine lange Zeit. „Als Zielgruppe sehen wir eher jene Personen, die ins Arbeitsleben eintreten“, so Tramontana.
Dass er damit den Zug verpasst, glaubt der Volksbanken-Manager nicht: „Die Bankenentscheidung findet ja an mehreren Stationen statt: manchmal schon in der Schule, dann wieder auf der Uni und schließlich mit dem Eintritt ins Berufsleben. Und natürlich ist sie oft vom Elternhaus geprägt.“ Dies sei auch der Grund dafür, dass die Volksbanken schließlich doch für ein Angebot von Gratiskonten entschieden: „Der Student ist zwar keine strategische Zielgruppe, aber die Konkurrenz ist da eben sehr großzügig, und für die Kinder unserer Kunden müssen wir adäquate Angebote vorweisen können. Extra beworben wird das aber nicht.“ Ginge es rein nach wirtschaftlichen Überlegungen, wäre es wohl sinnvoller, neuen Kunden 2000 Euro zu schenken, als jahrelang Gratiskonten zu führen.

Kleine Geschenke. Doch mehrheitlich sind die Banken einig: Großzügige Geschenke an Studenten lohnen sich. „Man braucht nur einmal die Bevölkerungsstatistik unter die Lupe zu nehmen und erkennen, dass sich Investitionen in diese Zielgruppe bezahlt machen. Das sind einfach die Kunden von morgen“, begründet Peter Bosek, Leiter des Filialbetriebes der Erste Bank, die großzügigen Angebote seines Hauses.
Ein Rundgang um das Viertel bei der Universität Wien veranschaulicht eindrucksvoll, was den Banken diese Klientel wert ist: Rund ein halbes Dutzend Filialen – zwei davon, nämlich jene der BA-CA und der Raiffeisenlandesbank, sind sogar ausdrücklich als „Studentenfilialen“ gekennzeichnet – sollen Nähe zum Kunden demonstrieren. Nur die Kaffeehausdichte ist im Univiertel noch größer als die Bankendichte. Der Kampf um die Pole Position ist unübersehbar, denn „da die Österreicher, was Banken betrifft, nicht sehr wechselfreudig sind, entscheidet sich vieles in dieser Zielgruppe“, meint Bosek. Sogar mit dem Wertpapiergeschäft könne man schon in dieser Kundengruppe beginnen. „Die Studenten sind die am stärksten an Aktien interessierte Gruppe, und wir bieten da spezielle Ansparpläne schon ab 30 Euro monatlich an.“
Marktführer ist die BA-CA. „Jeder vierte Student ist unser Kunde“, so Zielgruppenverantwortliche Ulrike Puganigg. Bei 350.000 Studierenden österreichweit kommt da schon einiges zusammen. Allein die BA-CA betreibt 35 spezielle „Unifilialen“. Zwei von drei Studenten bleiben auch nach dem Abschluss als Kunden erhalten – wer in ein Bundesland zurückgeht, wechselt meist zu einem regionalen Institut.
Immer wieder versuchen die Banken, selbst Studenten an den Gedanken zu gewöhnen, dass Bankdienstleistungen etwas kosten. So sind für das neue „XL“-Studentenkonto der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien pro Quartal 15 Euro zu berappen – da gibt es dann aber auch die Kreditkarte sowie den Überziehungsrahmen automatisch inkludiert (siehe Kasten „Gute Konditionen“). Parallel dazu offeriert das Institut freilich eine kostenlose Standardversion, und Manfred Meraner aus der Abteilung Zahlungsverkehr macht sich gar keine Illusionen, welches Produkt sich dann letztlich durchsetzen wird: „Das neue XL-Konto wird sicher schwerer zu vermarkten sein, denn 15 Euro pro Quartal wird wohl nicht jeder Student flüssig machen wollen. Studenten haben sich daran gewöhnt, dass es das Konto gratis gibt, daher wird sich das Standardkonto sicher leichter vermarkten lassen. Die Bankomatkarte ist da ja auch schon dabei – und was braucht ein Student mehr?“
Sollte sich ein Kontoinhaber dennoch zu einer Auslandsreise entschließen und dabei auf die Kreditkarte nicht verzichten wollen, dann gibt es durchaus preisgünstige Lösungen: Die Kartenorganisationen offerieren bisweilen Karten, die im ersten Jahr – oder zumindest bis zum nächsten Jahreswechsel – gratis sind und dann rund 25 Euro jährlich kosten.

Teure Kredite. Doch auch bei Studentenkonten langen die Banken ausgiebig zu – und zwar dann, wenn die Kontoinhaber ins Minus rutschen. „Die Banken kassieren da ganz schön kräftig. Die Überziehungszinsen sind mehr als doppelt so hoch wie bei einem normalen Kredit“, warnt Karin Littich vom Verein für Konsumenteninformation. Immer wieder sei sie mit Fällen konfrontiert, wo Studenten ihre Konten hoffnungslos überzogen hätten. „Dabei ist die Bankomatkarte natürlich eine besondere Gefahr“, so die Konsumentenschützerin.
Die Ursache für die Probleme seien aber die Geldinstitute selbst: „Die Banken gewähren oft sehr großzügige Überziehungsrahmen, was ich für völlig verfehlt halte, weil man da bereits verschuldete Menschen ins Arbeitsleben entlässt.“ Angenehmer Nebeneffekt für die Banken, neben den üppigen Zinsen: Wer sein Konto überzogen hat, kann kaum noch das Institut wechseln.
Besonders gefährlich wird es aber dann, wenn ein Kontoinhaber den vereinbarten Rahmen überzieht. Hier stellen die Banken oft eine zusätzliche Überziehungsprovision in Rechnung, die rasch fünf Prozent ausmachen kann. Dann klettern die Sollzinsen in geradezu astronomische Dimensionen von weit über zwölf Prozent.

Auch vor Unterschriften der Eltern warnt Littich. „Ich bin grundsätzlich dagegen, denn dann haften die Eltern für das Minus ihrer Kinder.“ Wobei ein spezieller Fall sicher zu Diskussionen führt: wenn nämlich die Eltern auf einem Jugendkonto unterschrieben haben – dieses gibt es ab 14 Jahre – und dieses Jugendkonto dann in ein Studentenkonto überführt wird. „Hier müssten Eltern an sich informiert werden, aber ich rate in so einem Fall, die Unterschrift vorsichtshalber zurückzuziehen.“ Denn recht rasch könne sich ein Gratis-Studentenkonto zur Schuldenfalle entwickeln. Littich: „Aus reiner Menschenliebe geben die Banken ja nicht solche Konditionen.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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