Jauchz, jubel, schmatz!

Die Ski-WM wird gewiss ein eindrucksvolles Beispiel der Völkerversöhnung.

Schnee, in deinem Lager ist Österreich! Wir werden uns alle ohne Ausnahme bei den Weltmeisterschaften des alpinen Skisports vor deiner unschuldig weißen Pracht verneigen. Wir werden die geschmeidigen, wagemutigen, wo nicht gar tollkühnen Athletinnen und Athleten umkosen und mit allen uns zu Gebote stehenden Phonstärken bejauchzen. Wir werden zu allen aufschauen, die zu uns herunterfahren – einerlei, ob sie nun kokett wedeln, wirbelsäulenfreundlich carven, hüftstolz schwingen oder gar verwegen den Po gen Himmel steißen in tief konzentrierter Hocke.

Wir werden sie alle zu Halbgöttern in Schweiß erklären, ihre Spitznamen, Vorlieben, Aberglauben, Vor- und Vorvorjahressiege werden durch unsere schönsten Träume purzeln. Wir werden ein einzig Volk von Prüden sein und keine Seele verdammen, die nicht unser unerreicht schönes Österreich zur Heimat hat.

Wir werden auch unsere Fernsehkommentatoren lieben. Wir werden nicht insgeheim bei uns denken, Prüller sei ein statistisches Banalamt, Hinterseer heiße ganz mit Recht so, und Seeger betreibe orthografiefreie Frontberichterstattung. Denn auch die einstigen Auslöser unseres organisierten Erbrechens werden sich dem edlen Wettstreit entsprechend gerieren; mag sein, dass sich gesunder Patriotismus auf das eine oder andere Stimmband legt, dass es mitunter heißt, jetzt ganz besonders fest die Daumen zu drücken, dass wir jetzt alle gebannt hinaufblicken zu jener Ausnahmeerscheinung, die sich für heute besonders viel vorgenommen hat – doch kein chauvinistisches Sterbenswörtchen wird aus den heiseren Kehlen quellen; alle, die da teilnehmen, werden neidlos bewundert werden: ob es nun die Südtiroler sind oder jene mit österreichischen Trainern oder Betreuern oder Vorfahren oder Bekanntschaften oder Drittwohnsitzen oder Skiern, Schuhen und Bindungen, ob es nun jene sind, die Wahlösterreicher zu ihren Freunden zählen, oder jene, deren Ahnen 1945 nicht irgendein Land befreit haben, sondern bewusst Österreich – sie sind uns auf den Pisten willkommen, und wir freuen uns, wenn es mit ihnen nicht so jäh bergab geht.

Denn alle Idole, die vor unseren Augen flimmern werden, vereint ja die sportliche Idee, die aufopfernde, selbstlose Hingabe an die Hundertstelsekunde. Nicht eine Ikone würde ihr Leben auf jahrelangem Skikurs um schnöden Mammon riskieren. Das horribile dictu darf nicht ausgesprochen werden, davor hat jeder Skiss.

Wo kämen die gläubigen Fans, die ein halbes Jahr lang keuchend murmeln: Hände, wollt ihr ewig beben?, denn hin, würde Geld ausgerechnet im Snow-Biz eine Rolle spielen? Wahrscheinlich ins Fegefeuer des Zweifels. Die Formel-Geldschein-Piloten mögen ja solch schmutzige Geschäfte machen, Geld für Leben, eventuell setzen sogar die kreuzbraven Fußballer auf dem scheckdurchtränkten Rasen ihre unwohlfeilen Knochen aufs schäbige Spiel (es kann kein Zufall sein, dass vor jeder Begegnung eine Münze kultisch hochgeworfen wird!) – aber Hermann Maier non olet!
Die Olympier nicken, wenn von ihnen ehrfürchtig gesagt wird, dass ihnen jegliche persönliche Bereicherung fremd ist – die Punkte im Weltcup sind ausschließlich zum Zählen des Publikums erfunden worden. Die Platzierungen bei Rennen eines hochkarätigen Veranstalters dienen bloß der Ehre der jeweiligen Vaterländer, die ihrerseits strikt im unentgeltlichen Dienste der weltweiten Leibesertüchtigung stehen. Und das Abschneiden bei Weltmeisterschaften entscheidet keine direkten und zusätzlichen Einkünfte, sondern ist Ausdruck individuell ausgeprägten Ehrgeizes.

Die Sportfiguren machen nur Werbung für den Sport, leben von Vitaminen und sind in unserem Iglo zu Haus. Ihr Freund ist der gönnerhafte Verband, ihr Feind der aggressive Schnee. Ihre Vergangenheit war hartes Training, ihre Gegenwart ist unsere Verehrung, ihre Zukunft liegt in den Sternen (die sie gerissen haben; nach wenigen ergreifen sie einen neuen Beruf, nach vielen werden sie Co-Kommentator).
Sie sind nicht nur alle durch die Bank garantiert edel, hilfreich und herzensgut, sie sind globale Parsifale, die nicht ahnen, dass sie auf den Brettern stehen, die das Geld bedeuten. Ihr Blick kennt nur das nächste Tor, ihr Sinn strebt nur stockerlweise nach Höherem, ihr Ziel ist unsere Freudenträne.

Wer wollte da eine Elfe oder einen Irrwisch hervorheben? Wer sollte da nicht gerührt werden, wenn selbst die wortgewaltigen Überträger der Bestzeit-Bazillen angesichts der ausgepumpten Heroinen und der mitunter versehentlich aufgepumpten Heroen grenzüberschreitend toleranzig werden?

Wir gönnen allen, was sie verdient haben. Wir ehren jene, die geschickt eingefädelt haben. Wir respektieren die Könner, die rechtzeitig die Kurve gekratzt haben. Wir verneigen uns vor den Meistern im Super-G(ewinn). Wir erschauern vor den Ingenien der richtigen Gewichtsverlagerung.

Es ist das unbestreitbar Schöne am Sport, dass er all diese positiven Gedanken vereint. Möge auch die Ski-WM aus einem weißen Traum einen diesbezüglich weisen machen.

Schmäh – in deinem Lager ist Österreich!

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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