Inspirationsquellen: Wo lassen denken?

Aus. Nichts geht mehr. Das Gehirn ist plötzlich wie vernagelt. Wie löst man die Blockade und kommt zu neuen Ideen? Prominente Manager von Siemens-Chefin Brigitte Ederer über IBM-Boss Ernst Nonhoff bis zum Werbe-Guru Luigi Schober verraten, wie sie zu neuen Denkanstößen und kreativen Ideen kommen.

Im Prinzip lasse ich mich von allem inspirieren und glaube, dass ich überall mit offenen Ohren zuhöre und mir Denkanstöße hole“, ist Ernst Nonhoff überzeugt. Aber am kreativsten ist der IBM-Österreich-Chef eindeutig am sehr frühen Morgen: „Die besten Ideen kommen mir zwischen drei und vier Uhr Früh, da wache ich auf und habe die Lösung eines Problems, das mich gerade beschäftigt, klar vor mir.“ Den seinen gibt’s der Herr im Schlaf. Manchen kurz danach. Volksbanken-Generaldirektor Franz Pinkl etwa hat „eindeutig die besten Einfälle bei der morgendlichen Dusche“.

Andere holen sich Anregungen und Inspiration in höchst wachem Zustand. Fest steht, dass auch Manager nicht ohne Anstoß von außen zu neuen Ideen, fruchtbaren Lösungsansätzen und schließlich zu richtigen Entscheidungen kommen. Sie zapfen lustvoll Kraftquellen an und suchen Rat und Tipps von Freunden, Mitarbeitern, in der Natur und in Büchern.

Erlesener wandern. „In erster Linie durch Gespräche mit interessanten Menschen, die positive Gedanken und Energie ausstrahlen“, fühlt sich „Heute“-Herausgeberin Eva Dichand inspiriert. Besonders anregend findet die Schwiegertochter des „Krone“-Grandseigneurs Hans Dichand die Lektüre von Piers Morgans „The Insider“. Eine Biografie in Tagebuchform über Englands jüngsten und erfolgreichsten Chefredakteur, in der fünfzehn Jahre „ups and downs“ des Zeitungsmachens beschrieben werden.

„Mindestens vier Stunden lesen pro Tag“ muss Young-&-Rubicam-Geschäftsführer Alois Schober, „niemals nur Lyrik oder nur Prosa und schon gar nicht ausschließlich Fachliteratur“. Er beschäftigt sich derzeit mit Friedrich Hegel, Thomas Mann und auch „wieder“ mit Hermann Hesse. Helmut Draxler schwört auf den Management-Vordenker Peter F. Drucker, dessen Theorien den RHI-Konzern-Chef wesentlich beeinflusst haben. „Ich lese, so viel ich kann“, meint Siemens-Vorstandsvorsitzende Brigitte Ederer, „und ich versuche dabei immer, den Belletristik-Anteil nicht zu schmal werden zu lassen.“ Gegen Gurus und Hohepriester immer neuer Managementtheorien ist sie hingegen „absolut immun und unempfänglich“.

Das Lebenswerk Viktor Frankls hält Hubert Rhomberg, Gesellschafter des Bauunternehmens Rhomberg, für besonders befruchtend, und die größte Wirkung erzielt seines Erachtens nach „ein Schweizer Berater namens Terje Skriver, wegen des enormen Anspruchs, den er auf die Wirkung des eigenen Tuns stellt, und weil man durch ihn die Fähigkeit entwickelt, in komplexen Systemen zu denken und zu handeln“. Auf die Erkenntnisse des Drucker-Schülers Fredmund Malik hört Dieter Radner. Inspiriert fühlt sich der Geschäftsführer von Sappi Österreich aber auch durch Betriebsbesichtigungen, Benchmarking, die Diskussion mit Mitarbeitern und den Erfahrungsaustausch mit Kollegen: „Mein kreatives Potenzial kann ich auf Skitouren und beim Bergwandern anzapfen.“ Und da weiß sich der Gratkorner Zellstoff-Hersteller in bester Gesellschaft.

„Für Manager sind Freiräume ganz wichtig. Sie helfen, den Kopf auszulüften“, meint Hewlett-Packard-Geschäftsführer Wolfgang Gruber. „Ich setze auf frische Luft und Bewegung beim Wandern und Skifahren.“ Voraussetzung für gute Ideen ist ein gewisser Grad der Entspannung, meint Volksbanken-Chef Pinkl, die stellt sich bei ihm auf längeren Wanderungen ein, aber auch bei seinem bevorzugten Hobby, dem Fotografieren.

In den Bergen könnten Radner, Gruber und Pinkl auch Ederer treffen. „Beim Bergwandern und beim Sport komme ich zu den klarsten Gedanken“, meint die Siemens-Chefin, „aber auch Theater- und Opernabende führen mitunter zu überraschenden Impulsen.“ Dichand fühlt sich unter starkem emotionalem Druck „in stressigen Alltagssituationen“ manchmal besonders kreativ, genauso wie beim Hören von Musik oder beim Sport, „wo gute Ideen leicht und klar auftauchen, in diesen beiden Polen entsteht die meiste Energie“. Offen für Denkanstöße aus der Kunst ist auch HP-Chef Gruber: „Gerade bei komplexen Herausforderungen schätze ich die Anregungen, die von guter Musik oder einem interessanten Bild ausgehen.“

Genussvoll hören. Für Schober ist alles eine Frage des Prinzips, und sein erstes Prinzip lautet: „Ist deine Beinmuskulatur nicht in Ordnung, ist es auch dein Hirn nicht.“ Also trainiert er morgens eine Stunde: „Körperliche Betätigung führt zu einem erfüllten Leben, wobei der Glaube beim Tun kommt.“ Doch schon Prinzip Nummer zwei der Schober’schen Lebensphilosophie lautet: einmal am Tag gut essen und ein gutes Glas trinken und mindestens zwei Stunden Musik hören: Klassik – eine Quelle der Kreativität. „Die besten Ideen kommen mir – leider hat das Donna Leon von mir gestohlen – in der Oper.“

Offenbar hat nicht nur die in Venedig ansässige Krimiautorin Anleihen beim Werbechef genommen, sondern auch der Volksbanken-General. „Eine besondere Belohnung bedeutet für mich ein Besuch im Theater, im Konzert oder in der Oper. Von diesen kulturellen Genüssen kann ich gar nicht genug bekommen“, schwärmt Pinkl, „und daraus schöpfe ich Kraft und Energie.“

So richtig Spaß macht IBM-Chef Nonhoff sein Job erst, wenn schwierige Entscheidungssituationen anstehen: „Dann mobilisiere ich meist auch alle kreative Energie.“ Die schöpft er aus seiner Familie, Erfolg am Markt, aber auch aus einer schönen Golfrunde, einem guten Essen oder einem Glas Wein, „vereinfacht könnte man sagen: aus der Freude am Leben“. Offenbar ein Branchenspezifikum, denn HP-Boss Gruber schwört ebenfalls auf den guten Rückhalt in der Familie, ein anregendes Gesprächsklima im Unternehmen und die Möglichkeit, sich mit Mitarbeitern und Kollegen auszutauschen, „das gibt mir Kraft“. Wobei er sich nicht nur in der eigenen Welt bewegen will, sondern einen regen Austausch mit allem Branchenfremden sucht, „so bleibt man offen für neue Zugänge und Ideen“.

Volksbanken-Chef Pinkl versucht aus demselben Grund, sich „bloß nicht nur mit Jasagern“ zu umgeben, und Bauunternehmer Rhomberg hört auf alle Menschen mit positiver Lebenseinstellung, „ausgenommen Betrunkene oder Menschen mit unlauteren Absichten“.

Ratschläge und Tipps lässt sich Siemens-Chefin Ederer von allen kompetenten Menschen geben, entscheiden und gewichten jedoch, „das mache ich alleine“. Denn irgendwann ist – bei aller Offenheit – Schluss mit Ratholen. „Ich nehme dankbar jede Information meiner gesamten Umgebung, ob von Mitarbeitern oder Freunden, auf“, gibt Nonhoff zu, „allein schon, um meine Gedanken ständig einer externen Überprüfung zu unterziehen.“ Aber wenn er einmal einen Schluss gezogen und sich seine Meinung gebildet hat, duldet er keine Diskussion mehr. Nachsatz: „Zumindest bis zu dem Beweis, dass ich nicht sehr klug gehandelt habe …“

von Martina Forsthuber

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