Informationstechnologie: Echte Gratis-Telefonie

Immer mehr Unternehmen nutzen die Internet-Technologie für interne Telefonate. Damit senken sie die Telefonkosten um bis zu 30 Prozent, reduzieren den Wartungsaufwand und erhöhen den Komfort.

Es ist Österreichs größtes Museum seiner Art – das Kunsthistorische Museum in Wien. Hunderttausende Besucher kommen jedes Jahr aus aller Welt in das Gebäude an der Ringstraße, um die weltbekannten Sammlungen flämischer Meistergemälde und venezianischer Renaissancemalerei zu besichtigen.

Was dabei die wenigsten von ihnen bemerken, ist die akute Raumnot, unter der das herrschaftliche Haus leidet. Der Großteil der Verwaltung ist aus diesem Grund schon vor Jahren in ein benachbartes Gebäude gezogen, wo auch die Repro-Abteilung und das Profit-Center untergebracht sind. Um den Datenverkehr zwischen dem Museum und dem Bürogebäude abwickeln zu können, wurden zwischen den beiden Häusern zuerst über Richtfunk, dann mit Glasfaserkabeln Verbindungen hergestellt. „Wir haben dann erkannt, dass diese Datenverbindungen auch verwendet werden können, um die Telefongespräche zwischen den Häusern abzuwickeln“, sagt Karin Raffl-Wesenjak, EDV-Leiterin des Kunsthistorischen Museums.

Ein Schritt, der sich als effizient und kostensparend erwiesen hat. Inzwischen telefonieren die Mitarbeiter bereits seit vier Jahren untereinander über die Datenleitung, und in der Folge wurden auch zum Österreichischen Theatermuseum, zum Völkerkundemuseum und zum Schloss Ambras in Tirol, wo das Kunsthistorische Museum Teile seiner Sammlung untergebracht hat, Datenverbindungen aufgebaut, die ebenfalls zum Telefonieren genutzt werden. Raffl-Wesenjak: „Wir haben damit nur gute Erfahrungen gemacht und konnten gewaltige Einsparungen erzielen.“ Ein nicht zu verachtender Vorteil sei aber auch, dass heute eine einzige Leitung genüge, um sowohl den Telefon- als auch den Datenverkehr abzuwickeln: „In unseren denkmalgeschützten Gebäuden ist es nämlich nicht so einfach möglich, neue Leitungen zu verlegen.“

Seit das Kunsthistorische Museum als einer der Pioniere in Österreich damit begonnen hat, interne Telefonate über das vorhandene Datennetz abzuwickeln, hat die Bedeutung dieser Art der Telefonie rasant zugenommen. Heute ist die so genannte IP-Telefonie, bei der Gespräche mithilfe des Internet-Protokolls (IP) in Daten umgewandelt und über Datenleitungen übertragen werden, im Business-Bereich drauf und dran, der klassischen Telefonie den Rang abzulaufen. Edmund Haberbusch, Leiter Produktmanagement der Telekom Austria: „Es gibt derzeit kein zweites Thema, das ähnlich heiß ist. IP-Telefonie wird ganz klar vom Markt verlangt. In allen Ausschreibungen werden IP-Lösungen gefordert, zumindest parallel zu konventionellen Lösungen.“

In den kommenden Monaten, ist sich Haberbusch sicher, wird die Technologie einen wahren Boom erleben. Und Margarete Schramböck, Geschäftsführerin des IT-Lösungsanbieters NextiraOne, meint: „In den letzten Jahren waren viele Telefonanlagen ohnehin bereits Hybride von normalen Telefonanlagen und IP-Anlagen. Jetzt wird in großem Stil auf IP umgestellt.“

Daten statt Impulse. Die Idee, Sprache in Datenpakete umzuwandeln und diese mithilfe des Internet-Protokolls zu verschicken, ist vermutlich so alt wie das Internet. Das weltweite Computernetzwerk hat sich jedoch für die Sprachübertragung nur als bedingt geeignet herausgestellt. Zwar ist es damit möglich, von einem PC aus jedes beliebige Telefon der Welt zu erstaunlich günstigen Tarifen anzurufen – der weltweit bekannteste Anbieter net2phone bietet beispielsweise für die Lächerlichkeit von fünf US-Cent pro Minute Telefonate von Österreich nach Deutschland oder etwa in die USA an.

Doch obwohl auch net2-phone spezielle Geschäftslösungen offeriert, ist die Qualität für den professionellen Einsatz vielfach nicht ausreichend. Alle Telefonate werden über die zentrale Schaltstelle in den USA geführt. Dadurch entstehen hörbare Verzögerungen bei der Sprachübertragung, und mit plötzlichen Gesprächsabbrüchen muss man beim Telefonieren ebenso leben. Das liegt daran, dass es unmöglich ist, Sprachdaten im Internet bevorzugt zu übertragen. Günther Brand, General Manager von Cisco Österreich: „Bei der Internet-Telefonie werden die Sprachpakete genauso behandelt wie zum Beispiel die hunderttausenden MP3-Files. Es kann keinerlei Qualität garantiert werden.“

Unbeeindruckt zeigt sich der Cisco-Mann daher auch von den Ankündigungen Microsofts, sich in Zukunft stärker im Bereich der Internet-Telefonie zu engagieren. Im April hatte Microsoft ja bereits ein gemeinsam mit Samsung entwickeltes IP-Bildtelefon auf Basis des Betriebssystems Windows.CE.NET präsentiert, und im Oktober hatte Microsoft-Chairman Bill Gates auf der „ITU Telecom World“, der weltweit größten Telekom-Messe in Genf, eine auf dem Live Communication Server basierende Lösung in Aussicht gestellt, die bei einem Anruf von einem Büro in ein anderes auch gleichzeitig die Computer der Gesprächspartner verbinden soll.

Professionelle IP-Telefonie will Brand daher auch nicht mit der Internet-Telefonie über einen Kamm geschoren sehen, obwohl die dabei verwendete Technologie im Prinzip die gleiche ist. Brand: „Die Basis ist das Internet-Protokoll. Bei der IP-Telefonie in Unternehmen wird aber das eigene Firmennetzwerk zum Telefonieren genutzt. Und durch eine spezielle Technologie, genannt MPLS, Multi-Protocol Level Switching, können die Sprachdaten bevorzugt transportiert werden. So kann eine Qualität garantiert werden, wie man sie beim Telefonieren gewohnt ist und erwartet.“

Weniger Kosten, mehr Komfort. Die größten Vorteile entstehen dabei für Unternehmen mit mehreren unterein-ander vernetzten Standorten. Mit IP-Telefonie kann zwischen den einzelnen Standorten telefoniert werden, ohne dass dabei zusätzliche Kosten anfallen – die Miete für die Datenleitungen muss nämlich ohnehin bezahlt werden.
Auch bei herkömmlichen Telefonaten besteht die Möglichkeit, Geld zu sparen. Ein in der IP-Anlage integrierter Least Cost Router kann so programmiert werden, dass automatisch der für das jeweilige Telefonat günstigste Telefonanbieter ausgewählt wird. Telekom-Austria-Mann Haberbusch: „So können mit IP-Telefonie leicht zwanzig bis dreißig Prozent der Kosten gespart werden, und der Return on Investment ist enorm. Eine derartige Lösung rechnet sich binnen eines Jahres.“

Die modernen IP-Telefonanlagen haben aber noch eine Menge weiterer Vorteile gegenüber den herkömmlichen PBX(Private-Branch-Exchange)-Anlagen. So sind sie zum Beispiel beinahe unbegrenzt skalierbar. Zusätzlich benötigte Apparate müssen lediglich am zentralen Rechner registriert werden und sind sofort einsatzbereit. Wechselt ein Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz innerhalb des Unternehmens, so nimmt er mit seinem IP-Telefon auch seine Durchwahl an den neuen Arbeitsplatz mit. Von den Telefonen, die eigentlich kleine Mini-Computer sind, können zentrale Telefonbücher oder Adressdateien, auch aus Programmen und Datenbanken wie SAP, Oracle, Outlook oder Lotus Notes, aufgerufen werden.

Das in vielen Fällen größte Sparpotenzial entsteht jedoch durch den Wegfall des Telefonnetzwerks. Cisco-Manager Brand: „Bisher hatten viele Unternehmen mehrere Netzwerke: ein Telefonnetz, ein ISDN-Netz, vielleich noch ein Frame Relay und ein Datennetzwerk. Sie alle können jetzt durch ein einziges IP-Netz ersetzt werden. Dadurch sinkt der Wartungsaufwand drastisch.“ Auch die bei den klassischen Telefonanlagen üblichen langjährigen kostspieligen Wartungsverträge gehören mit der IP-Telefonie der Vergangenheit an. „Das gesamte Spielfeld ändert sich“, sagt Brand, „mit dem Umstieg auf IP-Telefonie ändert sich die Kommunikationskultur.“

Reife Produkte. „Wir sind heute an einem Punkt angelangt, an dem es für den professionellen Einsatz reife Produkte gibt“, sagt TA-Mann Haberbusch. Vor 15 Monaten sei dies noch nicht der Fall gewesen, doch wie die vergangenen Monate zeigen, könne IP-Telefonie jetzt auch bei größeren Projekten reibungslos umgesetzt werden. Der Baukonzern Porr, das Reisebüro Springer Reisen, Banken oder Versicherungen – immer mehr Unternehmen würden die IP-Telefonie verwenden und so Kosten sparen. Von den Vorteilen der IP-Telefonie profitieren jedoch auch Klein- und Mittelbetriebe, die nicht selbst in eine eigene IP-Anlage investieren wollen. Haberbusch: „Für Unternehmen mit weniger als 70 Anschlüssen bieten wir IP-Telefonie mit voller Funktionalität in Shared-Varianten an.“

Zuversichtlich, dass die Bedeutung der IP-Telefonie in den nächsten Monaten weiter zunehmen wird, ist auch Rainer Schittenhelm, Leiter des Geschäftskundenbereichs bei der UTA: „Durch den Einsatz der MPLS-Technologie kann heute bei IP-Te-lefonie die von ISDN gewohnte Sprachqualität angeboten werden.“ Die niedrigeren Infrastrukturkosten, die höhere Produktivität und die erwei-terten Leistungsmerkmale sowie die höhere Flexibilität der Mitarbeiter seien neben den Kosteneinsparungen bei den Telefongesprächen dafür ausschlaggebend, dass IP-Telefonie heute immer weitere Verbreitung finde. „Es gibt dabei keine Pferdefüße“, betont NextiraOne-Chefin Schramböck. Es gebe nichts, das mit IP nicht möglich sei. Ganz im Gegenteil eröffne die IP-Technologie auch zusätzliche neue Möglichkeiten. Schramböck: „Es kann nicht nur Sprache übertragen werden, auch Videokonferenzen sind damit möglich.“

Tatsächlich arbeiten die Hersteller von IP-Telefonen wie Cisco, Alcatel, Nortel und Siemens bereits intensiv an Geräten mit integrierten Kameras, Touchscreens und Farbdisplays. Den Vogel hat jedoch Cisco mit dem Modell 7920 abgeschossen, dem ersten IP-Handy der Welt, mit dem es möglich ist, drahtlos in Wireless-LAN-Umgebungen zu telefonieren.

Angesichts der rasant zunehmenden Verbreitung von WLANs, den Funknetzen, die einen kabellosen Einstieg in das Internet ermöglichen, wird das 7920 wohl nicht lange das einzige WLAN-Handy bleiben. Telekom-Insider vermuten, dass spätestens im Rahmen der nächsten CeBit, der alljährlich im Frühjahr in Hannover stattfindenden Leistungsschau der IT-Branche, ähnliche Geräte anderer Hersteller zu sehen sein werden. Christian Czech, Geschäftsführer des Handynetzbetreibers One: „Vermutlich werden bald alle Handys standardmäßig eine WLAN-Funktion haben. Bisher wurde das wohl aus Rücksicht auf die Netzbetreiber noch nicht angeboten.“ Und Telekom-Austria-Produktmanager Haberbusch ergänzt: „Diese Wireless-Komponente macht IP-Telefonie besonders interessant. Die Möglichkeit, in einem WLAN telefonieren zu können, verleiht der IP-Telefonie eine zusätzliche Bedeutung, die heute noch nicht absehbar ist.“

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