In aller Freundschaft

Firmen mit mehreren Gesellschaftern haben die größte Pleitenquote. Umso wichtiger ist die optimale Gestaltung der Partnerstrukturen.

Der Blick vom Büro im neu gebauten Kaipalast K47 ist ebenso schön wie vom alten Office auf den Stephansdom. Für die drei Wirtschaftsanwälte Marcus Bachmayr-Heyda, Michael Hule und Christian Nordberg bedeutet er jedenfalls ab September eines: mehr unternehmerischen Weitblick. Sie trennten sich diesen Sommer von ihrem einstigen Partner Eric Heinke. „Wir hatten unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung der Kanzlei“, erzählt Bachmayr-Heyda. „Daher erfolgte in aller Freundschaft und Sachlichkeit die Entscheidung, getrennte Wege zu gehen.“
Natürlich überlege man sich eine Trennung genau, schließlich sei die Kanzlei die wirtschaftliche Existenz für alle Beteiligten, ergänzt Partner Nordberg. „Andererseits muss eine Partnerschaft so flexibel gestaltet sein, dass sich die Partner auch unterschiedlich entwickeln können.“ Der Blick ist nun nach vorne gerichtet, demnächst soll ein Büro in Prag eröffnet werden.
Ob Kanzlei, Kreativagentur oder Kfz-Werkstätte: Es liegt in der Natur der Sache, dass Firmen mit mehreren Gesellschaftern auch mehr Konfliktpotenzial beinhalten. „Zu den häufigsten Streitpunkten gehören Unstimmigkeiten über Entscheidungsszenarien, wenn es um Expansion, Investitionen, Produktentwicklungen, Positionierung des Unternehmens geht“, weiß der Geschäftsführer des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV), Johannes Nejedlik.
„Die insolvenzhäufigsten Unternehmen sind jene mit Partnerstrukturen.“ Das ist beachtenswert, wenn man sich die Rechtsformen der in Österreich neu gegründeten Firmen ansieht: 80,8 Prozent aller Betriebe werden als Einzelunternehmen gegründet, nur jedes zehnte Unternehmen als GesmbH, bloß 7,2 Prozent der Firmen als KEG oder OEG. Von den jährlich rund 5000 Insolvenzen in Österreich entfallen mit 50 Prozent daher überproportional viele auf Partnergesellschaften.

Knalleffekt bei knallgrau. Nicht ganz reibungslos ging es auch bei der Entwicklung der New-Media-Agentur knallgrau ab. Das Brüderpaar Michael und Matthias Platzer und ihre Partner Alexander Ostleitner und Dieter Rappold hatten Anfang 2001 beschlossen, ihren beruflichen Ambitionen fixe gesellschaftsrechtliche Strukturen zu geben. Die vier – damals im Alter zwischen 22 und 25 – gründeten eine GesmbH, an der die Brüder Platzer und Ostleitner je ein Drittel der Anteile hielten. Rappold, der von Anfang an mitarbeitete, behielt sich eine 25-Prozent-Option für den Einstieg nach Studienende vor. „Wir hatten die GesmbH als Rechtsform gewählt, weil wir schnell wachsen und dies auch nach außen kommunizieren wollten“, erklärt Matthias Platzer. Außerdem wollten die Jungunternehmer „spätere Umgründungsaufwände“ vermeiden.
Doch bereits zweieinhalb Jahre später standen sie vor einer großen Herausforderung: Ostleitner überdachte seine Lebensplanung, äußerte den Wunsch einer beruflichen Neuorientierung und stellte seine Firmenanteile zur Disposition. Doch wie bemisst man den Wert eines jungen IT-Unternehmens?
Nach ein paar Wochen harter Diskussionen, die damals „viele unserer Ressourcen blockierten“, so Rappold, war der Komplettausstieg Ostleitners beschlossen, Rappold übernahm dessen Drittelanteil. Dass diese Debatten von „hoher Gesprächskultur“ geprägt waren, darauf sind alle Partner stolz: Ostleitner arbeitet heute noch projektbezogen in der Agentur mit, knallgrau ist mit acht ständigen freien Mitarbeitern und zwanzig laufenden Kunden gut im Geschäft.
„Die menschlichen Komponenten sind besonders in Mikrobetrieben und KMUs entscheidend für den Erfolg“, meint Wirtschaftscoach Christine Bauer-Jelinek, Gründerin der „Initiative für Mikrobetriebe“, die sich im Herbst „analog zum Institut für KMU“ konstituieren wird. Gründer sollten sich genau überlegen, ob und warum sie sich für eine Partnerschaft entscheiden. „Oft liegen die Motive nicht im rationalen Bereich wie Kompetenzverteilung, Berechtigungen und der Finanzierung, sondern im emotionalen“, analysiert die Expertin. „Viele zukünftige Unternehmer kommen aus dem Angestelltenverhältnis und scheuen sich vor einem Alleingang.“ Wichtig sei die „Prüfung der menschlichen Übereinstimmung, denn auch wenn man sich rasch auf der Sachebene einigt, kann man im laufenden Betrieb auf handfeste Kommunikationsprobleme und Wertedifferenzen stoßen“.
„Es ist ein großer Vorteil, wenn sich die Partner auch privat kennen, denn man kann auf Stärken und Schwächen des anderen besser eingehen“, stimmt Wirtschaftsprüfer Wolfgang Rossbacher, Partner von Deloitte in Klagenfurt, zu. Seiner Ansicht nach sollten schon bei der Gestaltung des Gesellschaftsvertrages im Vorfeld möglichst viele Eventualitäten angesprochen werden. „Dabei sollte man keine Scheu an den Tag legen, denn es ist sehr wichtig zu regeln, was bei Krankheit ist, wie die Pläne in ferner Zukunft aussehen, wie steht es mit dem Kinderwunsch etc.“, so Rossbacher.
Solche Veränderungen seien dann kein Grund, eine Partnerschaft aufzulösen, aber auch kein Grund, den Partner gänzlich von der Einkunftsquelle auszuschließen. „Hier sollte eine gewisse Solidarität unter den Partnern herrschen, denn schließlich kann z. B. eine Krankheit jeden der Partner treffen“, meint Rossbacher. Für den Fall, dass ein Gesellschafter im Nachhinein zeitmäßig weniger arbeiten will oder kann, hat er noch eine andere Lösung parat: „Das Beteiligungsverhältnis kann aufrecht bleiben, die Entlohnung jedoch – sei es als Konsulent oder im Werkvertrag – an die tatsächliche Arbeitszeit und Leistung angepasst werden.“

Baby & Beruf. Auch bei der Werbeagentur dasuno steht mit Dezember eine massive interne Veränderung ins Haus. Eine der drei Partnerinnen, Dagmar Guger, bekommt ein Baby und steigt für rund acht Monate – zumindest teilweise – aus dem 50-Stunden-Arbeitswochen-Alltag der „Venus“-gekrönten Agentur aus. Vor fünf Jahren hatte sie die Agentur mit Nora Jascha und Susanne Vostrel nach dem gemeinsamen Studium an der Universität für angewandte Kunst gegründet. Das Kind bedeutet für die werdende Mutter für die Dauer ihres Ausstieges „no cash“: Nur wer arbeitet, kassiert – das hatten die drei Frauen so vereinbart, als sie sich in einer OEG als gleichberechtigte Partnerinnen zusammenfanden. Geregelt wurde im Gesellschaftsvertrag nur das Minimum: das Prinzip der Einstimmigkeit bei allen wichtigen Entscheidungen, ein Aufgriffsrecht der Anteile für die anderen und
die Gewinnverteilung nach dem Motto „Alle arbeiten gleich viel, alles wird geteilt“.
„Vorsorgen für den Fall einer Berufsunterbrechung muss jeder mit seinen laufenden Ausschüttungen“, erklärt Guger. „Ein Segen, dass wir zu dritt sind: Meine zwei Partnerinnen können nun meinen Part übernehmen.“ Wenn das Baby älter wird, will sie schrittweise wieder einsteigen: Gugers Gehalt wird dann dem tatsächlichen Arbeitseinsatz angepasst werden.
Eine andere Möglichkeit zur Honorierung des höheren Arbeitseinsatzes eines Partners ist auch die Vereinbarung eines „Vorentnahmerechts“ bei der Gewinnverteilung. So zum Beispiel bei den Immobilienberatern Philipp Marenzi und Georg Spiegelfeld, per September 50:50-Partner der Marenzi & Spiegelfeld Real Estate Consulting GmbH. „Ich werde als Jüngerer zeitlich sicher mehr Arbeitseinsatz in die Firma einbringen, profitiere dafür aber von dem Namen, den mein Partner als Unternehmer schon in der Branche hat“, sagt der 36-jährige Marenzi, der sich – trotz gleicher Beteiligungsverhältnisse – gegenüber dem 52-jährigen Spiegelfeld als „Juniorpartner“ sieht. Das „Vorentnahmerecht“ soll den Ausgleich schaffen: Marenzi bekommt sein Gehalt monatlich bevorzugt ausgezahlt, am Ende des Geschäftsjahres wird dies zugunsten Spiegelfelds im Nachhinein bei der Gewinnverteilung ausgeglichen.
„Für meinen Partner zählt auch die Sicherheit eines regelmäßigen Gehaltes, für mich ist die Gewinnrealisierung langfristiger“, erklärt Spiegelfeld, weiterhin auch 100-Prozent-Eigentümer des Maklerbüros Spiegelfeld Immobilien GmbH. Er sieht in der Partnerschaft außerdem „die Vorwegnahme des Weitergabe- und Nachfolgethemas“ mit der „realistischen Möglichkeit“, dass Marenzi in fernerer Zukunft seine Anteile übernehmen könnte. „Das Patriarchentum und Nicht-loslassen-Können gehört für mich der Vergangenheit an“, so Spiegelfeld.
Bei den eingangs erwähnten Anwälten Bachmayr-Heyda, Hule und Nordberg ist die Gewinnverteilung hingegen variabel geregelt. „Die Gewinne hängen bei uns von der Leistung des einzelnen Partners ab“, erklärt Hule. Maßgeblich für die Höhe der Ausschüttungen sei das Ergebnis des vorangegangenen Geschäftsjahres. Hinter dem System stehe „der Gedanke des kontinuierlichen Leistungsanreizes“, so Nordberg. Es sei ein „sehr kapitalistisches und zugleich flexibles System, das jedem eine freie Einteilung ermöglicht“, ergänzt Bachmayr-Heyda.
„Es ist sicherlich sinnvoll, wenn die Gewinnverteilung jährlich neu vereinbart wird: Nur so kann sie an neue Gegebenheiten angepasst werden“, stimmt Wirtschaftstreuhänderin Christine Hapala zu. Sie empfiehlt, bereits bei Gründung der Gesellschaft zu vereinbaren, dass es „laufende Gespräche nicht nur das Unternehmen betreffend, sondern auch zur persönlichen Befindlichkeit gegenüber dem Partner geben soll“.
Wenn sich potenzielle Geschäftspartner nicht gut kennen, schlägt sie einen sanften Einstieg in die unternehmerische Realität vor: „Manchmal ist es empfehlenswert, zuerst eine lose Kooperationsform zu bilden, z. B. eine Kostengemeinschaft, damit die Möglichkeit offen bleibt, einander im beruflichen Umfeld kennen zu lernen.“ So sei ein möglicher Exit aus dem „Unternehmen“ leichter und kostengünstiger möglich.

Exit ohne Exitus. Denn Ausstiegspläne eines Partners sind für eine Firma oft eine harte Belastungsprobe, die nicht selten zum Untergang des Betriebs führt. Damit der Exit eines Teilhabers nicht automatisch den Exitus der Firma bringt, gilt es frühzeitig vorzusorgen. Zeitintensive Dispute können bis zur Handlungsunfähigkeit des Unternehmens führen, teure externe Bewertungen dem Betrieb stark schaden. „Wenn ein Partner aussteigen möchte und horrende Summen für den Ausstieg verlangt, so kann er damit das Gebilde zerstören“, warnt Wirtschaftsprüfer Rossbacher.
Falls nicht intern ein Konsens gefunden werden kann, ist die Anrufung eines Schiedsgerichtes empfehlenswert. „Es agiert nicht öffentlich und entscheidet meist schneller“, erklärt Anwalt Nordberg. Wichtig sei allerdings, schon im Vorfeld die Modalitäten der Bestellung dieses Gerichtes genau zu regeln. „In unserem Fall würde die Wiener Rechtsanwaltskammer die Bestellung der Schiedsrichter festlegen.“
Für den Fall der Fälle haben auch Marenzi & Spiegelfeld vorgesorgt: „Für einen eventuellen Ausstieg muss das Unternehmen bewertet werden. Bei uns nominiert in diesem Fall jeder einen Vertreter, und die beiden müssen sich dann einigen“, erklärt Marenzi. „Das sollte eine kostengünstige und friedliche Entscheidung bei einem möglichen Konflikt bringen.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente