Im Softwaredschungel

„Heute ist morgen gestern.“
Karl Valentin

Dieser Tage durfte ich bei Ogilvy & Mather einen schlauen Vortrag halten. Es ging um den menschlichen Faktor an der Schnittstelle Werber/Kunde. Die Stimmung war prächtig. Man war nachher nett zu mir, wenn man von einem Mann absieht, der mich grimmig musterte und sagte, jetzt wisse er endlich, wie der Mann aussehe, dem er einen hohen Geldverlust verdanke.

„Ihre Begeisterung für High-Tech“, sagte er, „hat mich bewogen, in den neunziger Jahren meine Kohle in Werte der New Economy zu stecken. Was sagen Sie dazu?“

Da ich von Kreativen umzingelt war, sagte ich kreativ „Ui jegerl“ und „Um Himmels willen“ und schenkte ihm eine Flasche Wein, die nicht mir, sondern Ogilvy gehörte.
„Mir gefällt gut, dass man dir die Schuld daran gibt“, feixte Ogilvys Art Director Xandi Zelmanovics. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Ich musste, so Leid es mir tat, die „geistesgestörten Geldprofis“ zu Schuldigen erklären, die Weltmeister der Joint Ventures, die Könige von „Acquisition & Merger“, die Pharaonen der Gründungsfinanzierung und all die ganz normalen Banker, die damals in der ersten Welle der New Economy jedem Grünschnabel ein paar Millionen in den Hintern schoben, vorausgesetzt, er war nicht älter als 25 Jahre und konnte das Wort BYTE korrekt buchstabieren.

„Ich habe zwar auch Mitleid mit allen, die mit Tech-Aktien Geld verloren“, sagte ich wahrheitsgemäß, „aber am meisten tun mir diese jungen Leute Leid, die in ein kaufmännisches Abenteuer gerissen wurden und schon als Teenager und Twens auf den ersten Konkurs ihres Lebens zurückblicken durften. Schade um jeden Hot Shop, der damals überhastet gegründet wurde, denn hinter jedem stand eine junge Idee.“

Gleich am nächsten Tag war ich entsprechend glücklich, einen Hot Shop zu entdecken, den ich, seit ich nicht mehr in Wien lebte, aus den Augen verloren und ebenfalls tot geglaubt hatte. Der „Software Dschungel“ ist nicht nur am Leben, sondern prächtig unterwegs, mit allen früheren Vorzügen und dem einzigen Makel, der schon vor Jahren nervte.

Die Idee der einstigen Jungspatzen um Kurt Goll war und ist ein Marktplatz und Versandhaus, in dem PC-User absolut jede Software kriegen oder auf schnellstem Weg zugeschickt bekommen, von Freaks und Spezialisten betreut, die wirklich alles selbst ausprobieren und wissen, wovon sie sprechen. Das funktionierte damals gut und funktioniert, wie ich mich vergewisserte, noch heute. Ein Beispiel für „Dschungel“-Service: Ich erkundigte mich testhalber telefonisch nach Rennspielen für die Microsoft-Konsole Xbox. Eine Viertelstunde später purzelte nicht nur ein komplettes Verzeichnis aus meinem Fax, sondern für jedes Spiel auch eine gründliche Beschreibung und Bewertung. Hervorragend. Der erwähnte Makel ist witzigerweise ein wesentliches Erfolgswerkzeug dieses Shops: das so genannte „Dschungelbuch“, eine in Design, Layout, Typografie und schriller Buntheit unbeschreiblich hässliche Broschüre, die freilich zwei Vorzüge hat – sie informiert umfassend und anregend über das aktuelle Softwareangebot, die Begeisterung fürs Thema spritzt aus jeder Seite, vor allem auch aus den persönlichen Kolumnen der Spezialisten. Ein Hot Shop, den ich herzlich rekommandiere. Info für Interessenten: Tel.: 01/526 38 01. E-mail: software@dschungel.com.

Es war dann nicht nur der „Software Dschungel“, der Nostalgien weckte, sondern die Softwarewelt selbst, die genauer zu studieren ich wieder angeregt wurde.
Ich muss, auch wenn dies traditionell einigen LeserInnen missfällt, meine Begeisterung über zwei Marktführer unterstreichen. Sowohl Adobe (führend für alle Digital-Kreativen) wie auch Microsoft setzen ihr Erfolgsrezept fort: die Software, deren Urversion oft gar nicht so toll war, Jahr für Jahr gnadenlos zu verbessern. Adobe hat mit der neuen Photoshop-Version und dem Photoshop-Album erkennbar viele Wünsche der Digitalfotografen aufgegriffen (wie üblich gegen gutes Geld, die Adobe-Preise sind exorbitant). Und Bill Gates hat sein Versprechen, das er in einem trend-Interview gab, auch 2004 eingehalten: jedes Programm, vom Betriebssystem Windows XP über den Anwendungs-Bestseller „MS Office“ bis zur besten Bildungssoftware („Encarta“), permanent in einen Ozean voll Programmierer-Piranhas zu werfen, die alle staubigen Ecken und Fettrandln wegknabbern, neue Funktionen hinzufügen und das Design verbessern.

Tipp: Kaufen Sie nicht nur ständig neue Hardware (Desktops, Notebooks, Subnotebooks), sondern auch faszinierende neue Software, sonst gleichen Sie einem reichen Bauern, der mit seinem Porsche ackert.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente