Im Namen der Dose

Nach dem endgültigen Aus für SPIELBERG kann sich DIETRICH MATESCHITZ nun endgültig auf seine neuesten Projekte stürzen. Ob Südseeinsel, Glamour-Magazine oder jetzt sogar eine Beteiligung an den Cube-Hotels von Rudolf Tucek – die Welt des Red-Bull-Erfinders ist längst nicht mehr auf Energydrinks, Boliden und Flugzeuge beschränkt.

Nein, zurzeit könne der Chef „seine Dreitagewoche nicht durchhalten“, seufzt seine Sprecherin. Die Tage des bekennenden Wenigarbeiters Dietrich Mateschitz sind angefüllt mit Tüfteleien zum Start seines im November gekauften Jaguar-Formel-1-Teams. Zwischendurch muss er der Öffentlichkeit gegenüber noch einmal begründen, warum das Großprojekt Spielberg auch nicht in einer abgespeckten Version realisierbar ist.

Und daneben muss noch das Dosen-Geschäft überwacht werden. Auch wenn der Chef die operative Tagesarbeit der Red Bull GmbH längst seinen Managern anvertraut hat – über die großen Entwicklungen will er denn doch Bescheid wissen.

Denn nur die sprudelnden Gewinne aus seinem Energydrink-Imperium – Mateschitz hält 49 Prozent an Red Bull, weitere 49 Prozent der Bangkoker Industrielle Chaleo Voovidhya, dessen Sohn Chalerm die restlichen zwei Prozent – ermöglichen teure Experimente wie den Kauf eines ganzen Formel-1-Teams, mit dem die Marke Red Bull weltweit noch schnellere Runden drehen soll. Und auch die Gewinnausschüttung an die Eigentümer, durch derlei Großinvestitionen bedroht, darf keinesfalls zu kurz kommen: Die Privatvergnügen des 60-jährigen Steirers verschlingen in letzter Zeit viel Geld.

  • Jüngster Streich: Kurz vor dem Jahreswechsel beteiligte sich der Milliardär – das US-amerikanische „Forbes“-Magazin taxierte allein den Wert von Mateschitz’ Red-Bull-Beteiligung zuletzt auf 1,3 Milliarden Euro – über seine Privatstiftung mit zehn Prozent an der FUN Hotelprojektierungs GmbH. Dahinter verbirgt sich die Entwicklungs- und Lizenzgesellschaft für die Cube-Hotels von Ex-Verkehrsbüro-General Rudolf Tucek, der mit seiner RBL Privatstiftung auch die Mehrheit (67,5 Prozent) an FUN hält. Im Kärntner Tröpolach ist bereits eines dieser spektakulären würfelförmigen Jugendhotels realisiert, ab April wird das zweite im schweizerischen Savognin gebaut, sechs weitere konkrete sind in Planung. Mateschitz sagte dem trend, „eine gewisse Hilfestellung“ geben zu wollen, um das Projekt „in seiner Anfangsphase realisierbar zu machen“.
  • Mitte 2004 übernahm er 80 Prozent an der Wiener Seitenblicke Verlags GmbH, an der er Minderheitsanteile besessen hatte.1) Nur ein halbes Jahr später, ab 24. Februar, wird nun das „Seitenblicke-Magazin“, von teuer eingekauften Medienprofis gründlich überarbeitet, in einem 14-Tage-Rhythmus statt wie bisher monatlich erscheinen. Mateschitz: „Ich wäre nicht ich, würde ich die Dinge auf sich beruhen lassen.“ Ein „gewisser sportlicher Ehrgeiz“ habe ihn dazu getrieben, „die Sache besser zu machen“ als die alten „Seitenblicke“-Macher. Sprich: Jetzt, wo er das Heft in der Hand hat, will er beweisen, dass man mit einem österreichischen Society-Heft auch Gewinne machen könne. Der Dosen-Milliardär hat aber andere Medienprojekte in der Schublade (siehe Kasten „In medias res“, Seite 60).
  • Bereits Anfang 2003 kaufte der viel bewunderte Marketingmann dem US-Medienclan Forbes die 1214 Hektar große Fidschiinsel Laucala ab – wahrscheinlich hat er diesem Umstand seinen Sprung in die „Forbes“-Superreichen-Liste im selben Jahr zu verdanken. Seine Vision, so die Lokalpresse auf Fidschi, sei, „Laucala als ein Inselparadies zu erhalten und es als hochwertiges Ressort mit Freunden und Gästen zu teilen“. Der Käufer selbst sagt über seine Beweggründe knapp, „dass es sich um eine wunderschöne Insel handelt und dass sie am anderen Ende der Welt liegt“. Die kolportierte Kaufsumme von zehn Millionen Dollar ebenso wie die geplante Investition von 100 Millionen Euro in eine Luxushotelanlage seien aber „bei weitem überhöht“, so der Südsee-Aficionado.

Erstmals werden damit auch Mateschitz’ Aktivitäten jenseits von Red Bull offenkundig. Großprojekte wie sein Salzburger Hangar 7, die Kunstflugtruppe Flying Bulls, Spielberg oder der Kauf des Jaguar-Teams waren ungewöhnliche – und ungewöhnlich teure – Marketingaktionen, die auch formal in die Red-Bull-Welt eingegliedert sind. Was steckt aber hinter den Beteiligungen, die er als Privatmann oder über seine Stiftung tätigt?

„Ich gehe davon aus, dass alles, was er macht, der direkten oder indirekten Stärkung der Marke Red Bull dient“, sieht Cube-Entwickler Tucek die private Motivation seines prominenten Neo-Aktionärs, in die Hotellerie einzusteigen, nicht grundsätzlich anders gelagert als die berufliche. Ein innovatives, spaß- und extremsportaffines Produkt, also ein Produkt für potenzielle Red-Bull-Junkies – da leistet man schon einmal gern Anschubhilfe. Eine Erhöhung seiner Cube-Beteiligung sei aber „derzeit nicht geplant“, so Mateschitz.

Global Red Bull. „Wie die Jungfrau zum Kind“ sei er hingegen zum Seitenblicke Verlag gekommen, wundert sich der Neo-Medienunternehmer. Gemeinsame Sache mit seinen Freunden Heinz Kinigadner und Markus Stauder, die die restlichen Anteile halten, habe er machen wollen – das „Seitenblicke-Magazin“ bot sich gerade an. Und weil er selbst die Präsenz in den Seitenblicken tunlichst meidet, kauft er sich damit wohl auch von einem Teil der Berichterstattung frei.

Es wäre freilich nicht Mateschitz, wenn er das Magazin-Know-how nicht auch für hausinterne Zwecke nutzen wollte, etwa für ein globales Red-Bull-Magazin, das noch im Konzeptstadium ist. „Große weitere Medienambitionen gibt es aber nicht“, versichert er.

Natürlich ist wirtschaftlicher Erfolg dem Energydrink-Guru auch bei all seinen Nebenaktivitäten wichtig – schließlich wird er auch auf der Südseeinsel, die er als „rein privates Projekt“ betrachtet, unternehmerisch aktiv. Aber Spaß an der Sache dürfte die noch wichtigere Leitlinie sein. Dem Handelsprofessor an der Wirtschaftsuni Wien, Peter Schnedlitz, teilte er mit, er habe selbst als WU-Student das „Fun-Prinzip“ vermisst und halte es im Übrigen für falsch, „dass nach wie vor das Prinzip der Gewinnmaximierung gelehrt wird“. Und dozierte dem verdutzten Professor: „Sie können die Motivation, die Qualität, die Kreativität, die Innovation, die Einzigartigkeit, den Spaß, alles können Sie maximieren, nur nicht den Gewinn.“

Ein Tipp also für all jene, die ihre Geschäftsidee dem Red-Bull-Gründer zwecks finanzieller Unterstützung vorlegen wollen: Nur nicht über die erzielbare Rendite sprechen! Am besten Rudolf Tuceks Beispiel folgen: „Ich habe ihm die Geschichte erzählt, über die geplante Verbindung von Design und Sport. Und er hat gesagt, er macht’s.“

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

trend

Avaaz – Politik und Konzerne im Visier

 

trend

Berufsunfähigkeitsversicherungen – Prämienübersicht und Vergleich

Die Reichsten aller Kontinente

trend

Die Reichsten aller Kontinente