Im Kreuzfeuer

Nach Franz Struzls Rücktrittserklärung fangen für Voest-Aufsichtsratschef Rudolf Streicher die Troubles erst richtig an.

Rudolf Streicher hat Nerven wie Drahtseile. Das bewies er schon als Minister, später als Steyr-General und schließlich bei seiner Ablöse als ÖIAG-Boss. Doch jetzt, als Chef des VoestAlpine-Aufsichtsrats, wird Streicher diese Nerven mehr denn je brauchen.

Nicht nur, dass sich der widerborstige Voest-General Franz Struzl nach seinen zwielichtigen Aktiendeals bis zuletzt gegen einen freiwilligen Rücktritt sträubte. Auch Alt-FPÖ-Chef Jörg Haider ist mittlerweile auf das Thema aufgesprungen und hat Streicher – via Busenfreund und Justizminister Dieter Böhmdorfer – die Staatsanwaltschaft auf den Hals gehetzt.

Doch das ist noch nicht alles. Denn auch die eigenen Genossen sitzen Streicher im Genick. SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer & Co sind gar nicht erfreut darüber, dass Streicher willens scheint, Struzl seinen Abgang mit ein paar Millionen Euro zu versüßen. „Die sind alle stinksauer auf Streicher“, verrät ein Insider, „weil es in der Partei nicht goutiert wird, dass ein roter Manager, wenn er bei unsauberen Geschäften erwischt wird, sich auch noch auszahlen lässt.“

Offiziell formuliert das SPÖ-Wirtschaftssprecher Hans Moser natürlich vorsichtiger: „Wir gehen davon aus, dass es eine gewisse Ethik gibt und hier nicht mehr gezahlt wird, als in der Privatwirtschaft in solchen Fällen üblich wäre.“ Gleich darauf schiebt er allerdings nach: „Ein Manager in dieser Kategorie darf das nicht machen. Wenn so etwas passiert, muss das entsprechend sanktioniert werden.“

Streicher scheint dies alles vorerst kalt zu lassen. Nachdem er Haider via Medien ausrichten ließ, dass er etwaigen Untersuchungen gelassen entgegensehe, schaltete er am Morgen des 20. August – am Tag nach Struzls Rücktrittsankündigung – kurzerhand das Handy ab und begab sich auf Urlaub.

Auch trend gegenüber war Streicher zunächst einsilbig. Zu Struzls Vertragsauflösung meinte er lapidar: „Über Dienstverträge redet man nicht in der Öffentlichkeit.“ Doch dann platzte er heraus: „Wenn das Amtsgeheimnis verletzt wird, dann steht da drauf eine Menge Strafe.“ Und das Amtsgeheimnis sei von jenen, die die Struzl-Affäre an die Öffentlichkeit gebracht hätten, gehörig verletzt worden. Streicher: „Die Basis jeder Diversion (außergerichtlicher Vergleich, wie er auch in der Causa Struzl zur Anwendung kam, Anm.) ist ja schließlich die Vertraulichkeit.“

Anschließend sprudelt es aus Streicher nur so heraus, warum er sich seiner Sache nach wie vor sicher glaubt. Immerhin sei er es gewesen, der im Juli 2002 – unmittelbar nach der Erstinformation durch Struzl – so-fort eine rechtliche Überprüfung des Falls durch die Insiderexperten Christian Nowotny und Christian Hausmaninger sowie die Hinterlegung des Struzl’schen Aktienpakets samt Zweckwidmung etwaiger Gewinne für karitative Zwecke bei einem Notar veranlasst habe.

Beide seien zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich hier nicht um Insidertrading handle. Trotzdem habe sich Hausmaninger als Struzls Anwalt noch Ende Juli 2002 von sich aus an die Finanzmarktaufsicht gewandt und den Fall offen gelegt. „Eine Art Selbstanzeige“, so Streicher, „obwohl es ja keine Selbstanzeige war, weil kein Strafdelikt vorlag.“

Ein Strafdelikt – und das ist die Crux an dieser Causa, an der zuletzt auch der Voest-Aufsichtsrat bei seinem viel kritisierten Persilschein für Struzl am 8. August 2003 würgte – liegt tatsächlich bis heute nicht vor. „Natürlich gibt es auch eine moralische Seite“, stöhnt Voest-Aufsichtsrat Karl Haas, „aber ‚ungut‘ und ‚unschön‘ sind im Wirtschaftsbereich keine Kriterien. Und die Rechtsgutachten, die uns im Aufsichtsrat präsentiert wurden, belegen, dass ein Insiderhandel nicht nachgewiesen werden kann.“ Struzl, so Haas, habe deshalb nach wie vor als unbescholten zu gelten.

Genau das macht auch die Vertragsauflösung so schwierig. Aber selbst wenn Struzl seine Abfertigungs- und Pensionsansprüche in langen Dienstjahren erworben hat – Spiel- raum für Verhandlungen gibt es doch. Etwa was die Auszahlung seines bis 2006 laufenden Vertrags betrifft. Und falls sich – wonach es derzeit nicht aussieht – doch noch ein Entlassungsgrund finden sollte, stünde Struzl gar nichts zu.

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