Ihr persönlicher trend-Finanzcheck: So sparen Sie mindestens 1000 Euro pro Jahr

Ihr Kredit ist teurer, als Ihnen Ihr Berater vorgerechnet hat. Ihre letzte Prämienerhöhung bei der Versicherung ist saftiger ausgefallen als notwendig. Und die Gebühren für Ihr Girokonto, die Sie ständig ärgern, sind tatsächlich zu hoch. trend sagt Ihnen, wie Sie bei Krediten, Versicherungen und Konten sparen können, auf welche Tricks und Fallen Sie achten müssen und wie Sie zu Top-Konditionen kommen.

Am Anfang war Johannes Wenninger*) tief beeindruckt. Nach einer Stunde hatte sich sein Visavis, ein hünenhafter Finanzberater namens Karl, einen Überblick über Wenningers Finanzleben, seine Sorgen, Risiken und Erwartungen verschafft. „In zehn Jahren soll also das Ferienhaus gebaut werden. Sie wollen Geld ansparen und dabei so flexibel bleiben, dass Sie jederzeit auf Ihr Geld zugreifen können“, fasste Karl zusammen. Sein Vorschlag: eine fondsgebundene Lebensversicherung. Zehn Prozent des Geldes fließen in eine Ablebensversicherung, das biete steuerliche Vorteile, so Karl. Der Rest der Prämienzahlungen wandere in Fonds – und die könne man jederzeit verkaufen.

Eine Woche später kam es zur Vertragsunterzeichnung. Warum in den Papieren von einer Laufzeit von 25 und nicht mehr von zehn Jahren die Rede sei, fragte Wenninger etwas irritiert. Karls flüssige Erklärung: „Das macht man so. Aber die Laufzeit ist völlig unerheblich. Das Geld ist jederzeit behebbar. Das haben wir ja besprochen.“

Die Wahrheit zeigt sich ein Jahr später. 2400 Euro wurden in zwölf Monaten eingezahlt, doch nur ganze 200 Euro davon in die Fonds investiert. Der Rest ging für die Vermittlungsprovision und die Kapitalrückstellung aus der Ablebensversicherung drauf. Schließlich werden diese Gebühren aus der Gesamtprämie – in diesem Fall sind es 25 Jahre – berechnet und gleich zu Beginn der Laufzeit von den Einzahlungen abgezogen. Wer diesen Vertrag innerhalb der ersten drei Jahre kündigt, hat auf jeden Fall Geld verloren.

Wenningers Ärger war grenzenlos. Das Ferienhaus würde nicht mehr als ein Rohbau werden, wenn er nicht schnell an seiner Finanzstrategie etwas änderte.

Fallstricke wie diese begegnen einem im täglichen Finanzleben auf Schritt und Tritt. Weil immer mehr Österreicher auf Pump finanzieren und Alternativen zu ihren mickrig verzinsten Sparbüchern suchen, haben Finanzberater, Strukturvertriebe und Versicherungsmakler gute Zeiten. Das Wachstum insbesondere bei Konsumkrediten lag in den letzten Jahren beständig über jenem der Gesamtwirtschaft, 2004 betrug es sogar über zwölf Prozent. Auch die Summe aller Versicherungsprämien hat – der Schrecken über Naturkatastrophen wie die Hochwasser 2002 und 2005 sitzt tief – deutlich stärker zugelegt als das Bruttoinlandsprodukt (siehe Grafik).

Gefährliche Abschneider. In dieser Situation ist es nicht leicht, einen kühlen Kopf zu bewahren, um – wie es der Privatbankier Jürgen Danzmayr von der Schoellerbank ausdrückt – „auf dem Pfad der Tugend zu bleiben und den Weg zum Wohlstand nicht abzukürzen“. Freunde erzählen davon, dass sie mit Aktien innerhalb weniger Wochen ein Jahresgehalt verdient haben, Bankbetreuer raten, noch schnell prämiengeförderte Lebensversicherungen abzuschließen, die Werbung erzählt vom „Zinsentief“, das Kredite so billig wie noch nie mache.

Dabei könnte man mit einigem Geschick diese Situation ausnutzen, ohne sich die Konditionen diktieren zu lassen. Ein Blick in die Statistik zeigt etwa, dass die Kreditinstitute den Vorteil sinkender Zinsen nicht zur Gänze an ihre Kunden weiterreichen und stattdessen in den letzten Jahren den Gebührenanteil nach oben geschraubt haben (siehe Grafik). Nur die wenigsten wissen das – und trauen sich, knallhart zu feilschen.

„Die Tricks der Banken und Versicherungen sind gefinkelter geworden, das Umfeld komplexer“, zieht Max Reuter, Konsumentenschützer des VKI, aus jahrzehntelanger Marktbeobachtung seine Schlüsse. Die Finanzbranche hat in den vergangenen Jahren eine Vielzahl neuer komplexer Produkte erfunden, mit denen sich Spesen-, Vertrags- und Risikofallen kaschieren lassen. Reuter: „Es gibt ein überbordendes Provisionswesen, das sich überall durchzieht. Das ganze System beruht auf Verschweigen. Unabhängigkeit gibt es in diesem Sektor nicht.“

Dazu kommt, dass das Bewusstsein dafür, wie viel der Ausgabenposten „Banken und Versicherungen“ am Haushaltsbudget inzwischen ausmacht, dürftig entwickelt ist. Wer alle seine Versicherungsprämien und Finanzierungskosten addiert, kommt leicht auf ein Zehntel der Gesamtausgaben. Selbst in Zeiten großen Spardrucks wird aber eher beim Essen oder beim Auto gespart als bei den vermeintlich unabänderlichen Dingen des täglichen Finanzlebens.

Weil die Beziehung zur Hausbank und zum Versicherungsvertreter aus der Verwandtschaft über viele Jahre gewachsen ist, ist die Scheu davor, zur günstigeren Konkurrenz zu wechseln, überdies groß. Astrid Schwödt, Vermögensplanerin in der Steuerberatungskanzlei Hübner & Hübner, diagnostiziert das selbst bei ihrer Klientel, großteils vermögenden Ärzten: „Mit den Banken wird viel zu wenig verhandelt. Da darf man nicht schüchtern sein, sondern muss professionell auftreten, am besten drei Konkurrenzofferte auf den Tisch legen. Viele verschlafen das jahrelang.“

Schwödt ist neben einigen Einzelkämpfern im Finanzbereich eine der wenigen, die die Kosten für ihre Beratungsleistung – von der Analyse der persönlichen Finanzsituation bis zum konkreten Nachverhandeln bei Banken – offen legt: 800 Euro Pauschale plus 0,1 Prozent des Vermögens, was in ihrem Fall durchschnittlich zwischen 2000 und 3000 Euro Honorar ergibt. Nur zum Vergleich: Die Provision, die ein so genannter unabhängiger Finanzberater für den Abschluss einer Lebensversicherung mit einer monatlichen Ansparprämie von 200 Euro kassiert, ist ungefähr genauso hoch.

Kostenexplosion. Und selbst bei den etwas transparenteren Banken ist man höchst erfinderisch darin, Spesen zu verstecken und gegebenenfalls stillschweigend zu erhöhen. Ein Beispiel: Die Zinsen für Kredite in Schweizer Franken sind um 1,375 Prozentpunkte günstiger als bei einem Euro-Kredit. Ein Franken-Kredit wäre somit ein guter Deal.

Dieses Marktpotenzial haben inzwischen auch die zuerst zögerlichen Kreditinstitute erkannt und bieten diese Finanzierungsvariante in beinahe jedem Kreditgespräch an. Zuvor drehten sie allerdings an der Kostenschraube. Nach einer Studie der Arbeiterkammer Wien sind die Spesen der Banken für Fremdwährungskredite in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) verteuerte zwischen März 2003 und Mai 2005 die Mindestgebühr für den obligatorischen Wechsel von Euro in Fremdwährung von 72,67 Euro auf 400 Euro. Zusätzlich erhöhte die BA-CA die jährlichen Kosten für das Fremdwährungsverrechnungskonto um das Dreifache – von 30,52 Euro auf 97,96 Euro.

Helmut Siegler, Leiter der Abteilung Financial Planning der Schoellerbank, empfiehlt deshalb, „mit einem selbstsicheren Auftreten die Gebühren und Spesen zu hinterfragen, denn der Vergleich und die Verhandlung der Konditionen wird sich immer lohnen“.

Doch ist dieser Vergleich der Leistungen in der Praxis überhaupt möglich? Wirtschaftspsychologin Linda Pelzmann von der Universität Klagenfurt erklärt, warum wir uns in komplizierten Finanzfragen selbst gleichsam permanent ein Schnippchen schlagen: „Je komplexer die Sache wird, desto mehr muss sich der Mensch auf Näherungen und Indizien bei der Entscheidungsfindung verlassen. Etwa auf die Freundlichkeit des Beraters oder auf sein Outfit. Der wichtigste Faktor für diese Abkürzung ist die Neigung, sich selbst das Denken zu ersparen und andere nachzuahmen.“

Gerade bei neuen Finanzprodukten würden die Erfahrungswerte fehlen, auf die sich der Mensch verlassen könne. In diesen Situationen würde man daher auf seine Umgebung achten. Und meistens sehe man nur, dass andere Geld machen. „Die Finanzindustrie ist nämlich ständig damit beschäftigt, die Leichen unbemerkt aus dem Feld zu räumen“, so Pelzmann.

Ohne Feilschen. Schon haben einige Finanzdienstleister diese Überforderung des Konsumenten erkannt und wittern ihre Chance darin, die Dinge wieder einfacher zu machen. Eine der am schnellsten expandierenden Banken Europas ist die niederländische Direktbank ING-DiBa. In Deutschland akquiriert die Bank täglich 4000 neue Kunden. Stefan Klestil, der als Unternehmensberater von Roland Berger die Bankbranche analysiert, sieht, dass ING-DiBa auch in Österreich immer tiefer in die lukrativen Segmente der Banken vordringt. „Sie spricht Kunden an, die ein gutes Einkommen haben, eine globale Marke suchen und gute Deals abschließen wollen. Es sind die Porsche-Fahrer, die auch bei Hofer einkaufen.“ In Österreich etabliert sich ING-DiBa als Zweitbank. Während die Filialbanken im Durchschnitt mehr als 100 Produkte führen, konzentriert sich ING-DiBa nur auf drei: Sparbücher, Direktkredite und Fondssparbriefe. Es gibt keine Girokonten, keine Nebenspesen und keine Extrawünsche. „Mit uns kann man nicht feilschen. Jeder Kunde bekommt die gleichen Konditionen. Das ist doch fair“, erläutert ING-DiBa-Chef Heinz Stiastny die Kernidee seiner Bank.

Unternehmensberater Klestil glaubt, dass die Filialbanken durch solche Angebote unter Zugzwang geraten. „Warum sollte das ein Kunde nicht machen? Die Hemmschwelle ist sehr niedrig, denn es fallen keine versteckten Gebühren an. Die Konditionen sind so günstig, weil ING-DiBa eine schlanke Kostenstruktur hat. Sie haben keinen historisch gewachsenen Overhead, keine Stäbe und keine Filialen.“

Leider ist die Sache nicht ganz so einfach, dass man, um den besten Deal zu machen, nur einfach zu einer Direktbank wechseln muss. Bei Kleinkrediten sind Filialbanken durchwegs günstiger als die Direktbanken. Außerdem gibt es bei ING-DiBa keine Hypothekarkredite, keine große Auswahl an Fonds und keine Girokonten.

Überstürzen Sie deshalb nichts, lesen Sie sich den trend-Finanzcheck aufmerksam durch, und machen Sie sich daran, Verträge mit Ihrer Bank und Ihrer Versicherung besser zu verhandeln. trend hat dazu Top-Experten der Finanzbranche nach ihren Ratschlägen befragt und Ihnen auf den nächsten Seiten eine Übersicht zusammengestellt, wie Sie möglichen Fallen im Finanzleben aus dem Weg gehen können, sodass Sie bei Krediten, Versicherungen, Steuer und Kontokarten jährlich über 1000 Euro sparen können.

Von Bernhard Ecker und Alexis Johann, Mitarbeit: Raja Korinek

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