Horx, Ludwig, Rust

Konstruktive Anmerkungen zu drei Gentlemen, damit die kommende Wellness-Epoche nicht zu einer Illness-Katastrophe wird.

Wir geraten in eine Zeit, die viele Vorzüge verspricht. Manche werden sie als liebenswürdig empfinden. Die Kühle der Info-Technologie, die nun lange unsere Existenz dominierte, wird durch Menschennäheres überholt werden: Gesundheit, Fitness, Schönheit und Klugheit.

Die Rede ist vom Wechsel der Lokomotivbranchen. Diese werden seit den maßgeblichen Untersuchungen eines russischen Wissenschafters Kondratieff-Zyklus genannt. Die erste Lok am Beginn des Industriezeitalters waren Baumwolle & Textil und im Maschinenbau die Dampfkraft, später kamen Chemie und Elektrizität. Die derzeit gültige Lok ist die Info-Tech (Datenverarbeitung und Telekommunikation), von der man annahm, sie werde nun für immer dominieren.
Richtig ist: Sie wird zwar, wie auch die Medienindustrie, nie mehr unwichtig werden. Als Werkzeug, Botenstoff und Schiene werden beide weiterhin eminent sein. Eine moderne Infrastruktur ist ohne sie undenkbar. Auch die körperlichen, angreifbaren 3-D-Produkte, die mit Info-Tech und Medien verbunden sind, vom Computer bis zum Werbespot, werden ein vitaler Wirtschaftszweig bleiben. Und doch ist diese so mächtig scheinende Welt aus Dingen und Dienstleistungen schon jetzt auf dem besten Weg, überholt zu werden. Der Sammelbegriff heißt WELLNESS. Er umspannt allerdings tausendmal mehr, als man bisher darunter verstand.

Er subsumiert die ganze Sehnsucht heutiger, durch Technologie abgekühlter BürgerInnen nach mehr Wärme, Wohlbefinden und Glück; einer Befriedigung elementarer Bedürfnisse, die lange Zeit zurückgedrängt wurden. Sie wurden zwar wahrgenommen, aber im Zuge des industriellen Wachstums und des Ziels einer geistigen Evolution als sekundär, ja primitiv ange-sehen. Oder doch wenigstens als Privatsache: Der Wunsch, gesünder und jünger und klüger zu werden, und all dies in einer grünen, zukunftssicheren Natur, wird nun aber vom Einzelstreben zum Volkssport. Aus individuellem Tröpfeln wird eine ganzheitliche Flut, die unsere Wirtschaft stärker verändern wird als alles andere.

Wie schnell dies gehen wird, wissen wir nicht. Gescheite, um Wahrhaftigkeit bemühte Menschen sind sich über die Möglichkeit einer Vorausschau uneins. Ich kann dies am Beispiel zweier Freunde belegen. Der eine, Prof. Holger Rust, der jahrelange erstklassige Arbeit am Publizistischen Institut der Uni Wien leistete, ehe er wieder in seine Heimat Norddeutschland berufen wurde, ist der profilierteste Gegner aller professionellen Kaffeesudleser. Sein Buch gegen die Trendforscher („Das Anti-Trendbuch – Klares Denken statt Trendgemunkel“, Wirtschaftsverlag Ueberreuter, 1997) gilt als amüsantes Standardwerk.

Der andere ist Matthias Horx, der seit langem interessanteste Zukunftsdeuter. Er ist umfassend gebildet. Er ist in Schrift und Rede in seiner Branche unübertroffen. Er neigt auch, soweit ich dies beurteilen kann, in seinen Vorwärtsblicken weder zu Temperamentlosigkeit noch zu Überschwang.

Ich selbst fühle mich in dieser Frage lauwarm und passiv, wie ein Korn zwischen zwei Mühlrädern. Oder, um nicht der übertriebenen Selbstgeißelung schuldig zu werden: Ich mag beide Positionen.

Zunächst bin ich auf Holger Rusts Seite. Einst hielt ich die Premiere-Laudatio auf sein Buch. Auch mir missfielen die vielen Scharlatane. Dazu kam, dass ich vom weltberühmten John Naisbitt („Megatrends“) enttäuscht war. Ich hatte als Moderator im Siemens-Forum ihn und Lech Walesa zu domptieren. Der eine Königstiger, Polens Walesa, erwies sich als witzig und selbstironisch. Der andere, Naisbitt, nicht. Er verteidigte verbissen sein Werk „Megatrend Asia“, das die Asiaten dramatisch überschätzt, obwohl es auf den Markt gekommen war, als Asien in die tiefste Krise fiel.

Anderseits halte ich Horx & Co für unverzichtbar. Sie werden mit ihren Prognosen oft unschuldig als unscharfe Seher unterschätzt, weil sie eben mit ihren Zukunftsbildern halfen, das Schlimmste zu vermeiden. Für Matthias Horx spricht neben seiner skrupulösen, aufwändigen Art, an die Dinge heranzugehen, auch die Suche nach idealen Nachbarn.

Er bewohnt als Denk-Zentrale ein Schloss im Waldviertel, das er u. a. mit Bernhard Ludwig teilt. Dieser ist, was die A-1-Zielgruppe betrifft, der meistgebuchte High-End-Kabarettist Österreichs. Er vereinigt Medizin und Witz. Er bietet vieles vom Wichtigsten, das in den kommenden Kondratieff-Zyklus fällt. Darunter die Themen Bluthochdruck, Herzinfarkt, Ernährung, Lebensfreude und seine „Anleitung zur sexuellen Unzufriedenheit“. Mein Tipp: Reservieren Sie für Ihre Mitarbeiter und nettesten Geschäftsfreunde das ausführliche Best-of-Programm Bernhard Ludwigs, eine Art Tour d’Horizon (Info: www.seminarkabarett.com).

Eine bessere Investition in die Wellness-Zeit ist derzeit kaum zu denken.

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