Höchste Rendite, höchstes Risiko: Aktien, Hedgefonds, Junk Bonds oder Penny Stocks?

Hände weg von dieser Geschichte! Hier erfahren Sie, wie Sie mit Immobilien Ihr Kapital innerhalb von einem Jahr verdoppeln, wie Sie es mit Aktien verzehnfachen und wie Sie Ihr Spielkapital mit Swaps oder Futures um das Hundertfache vermehren können. Lesen Sie weiter, wenn Sie starke Nerven haben, und investieren Sie nur, wenn Sie massive Verluste verkraften können.

Zwei Nobelpreisträger, also zwei der besten Ökonomen der Welt, und ein ausgefuchster Wall-Street-Händler haben ein Ziel: reich zu werden, und zwar richtig reich. Und das nicht in ein paar Jahrzehnten, sondern schnell, richtig schnell. Sie heuern 25 der besten Harvard-Absolventen an. Gemeinsam tüfteln sie ein System aus, mit dem unterbewertete Titel auf den internationalen Märkten für Staatsanleihen aufgespürt werden sollen. Die Idee ist gut: Historisch betrachtet werden kurzfristige Kursabweichungen auf den weltweiten Optionsmärkten schnell korrigiert. Man muss nur rechtzeitig erkennen, wo es solche abnormalen Abweichungen gibt. Da die besten Köpfe der Welt auf diesem Gebiet vereint sind, schaffen sie es schließlich, aus den Daten ein mathematisches Modell zu formen und daraus ein Computerprogramm zu entwickeln. Die drei Finanzexperten wollen klotzen und nicht kleckern, daher platzieren sie ihre Wetten auf die Glattstellung der Kursabweichungen gleich mit einem Hebel von 50 auf den Märkten. Auf einen eigenen Dollar kommen also 50 geborgte, die ebenfalls investiert werden.

Das Wunder der Wall Street. Und weil sie ja wirklich reich werden wollen, gründen sie einen Investmentfonds. 100 Millionen Dollar kratzen sie zusammen. Im ersten Jahr seines Bestehens macht der Fonds 42,8 Prozent, im zweiten Jahr 40,8 Prozent Gewinn. Die Finanzszene ist begeistert und spricht von der „akademisch am besten geführten Finanzabteilung der Welt“. Die Banken und Investmenthäuser Goldman Sachs, Deutsche Bank, UBS und J. P. Morgan investieren nun Millionenbeträge in den Fonds. Schließlich haben die Finanzwissenschafter ja ein System gefunden, mit dem sich schnell und vor allem sicher Geld verdienen lässt. Das Team entwickelt das mathematische Modell weiter und findet so immer weitere Verwerfungen im Finanzsystem, die sich gewinnbringend ausnützen lassen. Der Fonds ist so raffiniert konstruiert, dass er sogar in der Lage ist, anhand von winzigen Signalen darzustellen, wie sich die Kurse in der Zukunft entwickeln werden.

Mittlerweile liegen sieben Milliarden Dollar auf dem Konto der beiden Nobelpreisträger und des Wall-Street-Brokers, die Gesellschaft ist weltweit der größte Besitzer von Anleihen. Doch dann kommt es zu einem Ereignis, von dem die Finanzmathematiker angenommen haben, dass es nur alle drei Milliarden Jahre auftreten würde: Innerhalb weniger Tage gibt es an den Börsen gleich drei Abstürze. Die russischen Anleihen des Fonds, Long Term Capital (LTCM) so sein Name, verlieren innerhalb von Minuten dramatisch an Wert. Am 31. August 1998 muss LTCM einen Verlust von 52 Prozent melden. Wenig später sind vom gesamten Vermögen nur noch 600 Millionen Euro übrig. Die Nobelpreisträger Myron Scholes und Robert C. Merton räumen zerknirscht das Feld, die Banken retten, was noch zu retten ist.

Doch die Geschichte geht nicht so aus, wie Moritaten auszugehen pflegen. John Meriwether, Initiator des Projekts, gründete einige Zeit später einen neuen Fonds – und wurde wieder reich.

Der Traum vom schnellen, großen Geld wohnt jedem Menschen inne. Doch was früher nur mit Arbeit, mit der Gründung eines Unternehmens, mit langfristigem, kontinuierlichem Wachstum möglich war, ist heute anders.

Die internationale Finanzwelt hat Produkte hervorgebracht, die es ermöglichen, mit geringem Einsatz in kurzer Zeit große Summen zu verdienen. Junk Bonds, Penny Stocks, Future Trades oder Turbozertifikate heißen die Vehikel zum großen Geld. Nur: Das Spiel mit diesen heißen Eisen zählt zu den gefährlichsten und riskantesten Anlageformen, die es nur gibt. Wer sich dabei die Finger verbrennt, hat oft nicht nur seinen Einsatz, sondern manchmal noch viel mehr verloren. Und dennoch gibt es immer wieder geschickte und gewiefte Investoren, die es schaffen.

Krisen machen reich. „Nimmt man die Standardmodelle des Finanzsektors“, sagt der Mathematiker Benoit B. Mandelbrot, „dann liegt die Wahrscheinlichkeit, mit Aktien oder Anleihen Pleite zu gehen, bei eins zu zehn Milliarden. Aber die Kurse schwanken tatsächlich heftiger, als es die Modelle zeigen.“ Die Gefahr, im Finanzsektor Pleite zu gehen, ist also um einiges größer, als man es gemeinhin berechnen würde. Das wissen die meisten Menschen intuitiv. Dennoch ist die Verlockung groß, an der Börse das schnelle Geld zu machen, und der Wunsch da, den anderen Marktteilnehmern ein Schnippchen zu schlagen.

„Es ist wie beim Poker“, sagt Peter Pühringer, Besitzer des Palais Coburg in der Wiener Innenstadt, der in den vergangenen zehn Jahren sein ohnehin nicht bescheidenes Vermögen an der Börse noch einmal verzehnfacht hat. „Wenn ich den Einfaltspinsel am Tisch nicht identifizieren kann, dann kann ich mit Sicherheit davon ausgehen, dass ich derjenige selbst bin.“ Pühringer konnte just jene Krise, die LTCM zum Verhängnis wurde, für seine größten Kursgewinne nützen. Er kaufte zu diesem Zeitpunkt billig russische Anleihen ein, die Fonds wie LTCM mit Verlust verkaufen mussten. „In der Krise starren die meisten Anleger wie die vom Schreck gelähmte Maus auf die Schlange. Doch das sind die entscheidenden Momente, in denen man handeln muss. Wir beschäftigen uns daher sehr intensiv mit der Krise“, verrät Pühringer.

Die Zockermillionen. Also gut, mit der notwendigen Disziplin kann man an der Börse tausend Prozent in zehn Jahren machen. Man benötigt Wissen, Geld, Geduld, stahlharte Nerven und die richtigen Informationen: Wer im Jahr 2003 in Aktien des deutschen Maschinenherstellers Elexis investierte, musste a) leichtsinnig oder b) wirklich gut informiert gewesen sein. Bei einem Umsatz von 186 Millionen Euro erwirtschaftete das Management einen Verlust von 22 Millionen Euro. In Bankenkreisen raunte man sich das Wort Insolvenz zu. Wer damals mit zehntausend Euro Einsatz bei den geschmähten Aktien – zum Kurs von 0,25 Cent das Stück – zugriff, kann heute ohne Reue in Champagnerwannen baden. Schließlich besitzt er Aktien im Wert von einer Million Euro.

„Meistens setzen die Anleger jedoch zu früh auf solche Turnaround-Kandidaten“, warnt Matthias Schrade von GSC Research, Experte für Nebenwerte und sonstige

Geheimtipps an deutschen Börsen. „Man kann genauso eine Dead Cat Bouncing erwischen.“ Was prosaisch übersetzt heißt: Ein insolventes Unternehmen, das am Aktienmarkt nur noch seine letzten Zuckungen abgibt. Wenn man weiß, dass positive Informationen über diese so genannten Penny Stocks rar sind und Kurse schnell in die Höhe treiben, ahnt man, wer die Drahtzieher hinter solchen Fehlinformationen sein könnten: diejenigen, die in den betroffenen Unternehmen oder ihren Aufsichtsräten sitzen und noch rasch versuchen, ihre Aktienpakete zu halbwegs erträglichen Kursen abzustoßen. „Es kann leicht passieren, dass man da abgezockt wird“, warnt Schrade, der solche Vorfälle dokumentiert.

Die vorliegende trend-Geschichte soll Ihnen helfen, die riskantesten Anlageprodukte kennen zu lernen und den Zockern an der Börse über die Schulter zu schauen. Sie soll davor warnen, selbst zum Einfaltspinsel der pokernden Anlegerrunde zu werden.

Betrachten Sie die folgenden Seiten daher als Anregung, jenem Geld eine Spielwiese zu eröffnen, das Ihren letzten Kasinobesuch wie durch ein Wunder überlebt hat. Wenn Sie wirklich reich werden wollen, sollten Sie außerdem eine weitere Grundregel beachten: Wer mit seinem gesamten Kapital investiert ist, kann in der Krise nicht mehr manövrieren. Also: Hände weg, bevor Sie die nächste Order aufgeben.

von Alexis Johann

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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