Hi-Tech-November

Erntedankfest: eine Auswahl des fruchtbaren Digitalkamera-Herbstes.

I.Digitalkameras (A)
Die Speicher-Chips und der Geiz
Der Werbeslogan „Geiz ist geil“ mag manche schon recht ermüden. Unverkennbar freilich, dass er Wirkung zeigte. Er ging nicht nur in Kaisermühlen in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. Derzeit ist alles „geil“. Früher gehörte das Wort nur den Bundesheer-Soldaten, wenn sie die „Playboy“-Faltseite mit den Nackerten in ihrem Spind betrachteten.

Dass geil sich durchsetzte, ist keine dramatische Bereicherung der Hochsprache, aber auch keine Katastrophe. Schon eher schlimm, dass die Sache mit dem „Geiz“ viel ernster genommen wurde, als die Werber planten. Beispielsweise bei den Speicherkarten der Digitalkameras. Dazu einige grundsätzliche Anmerkungen.

Der „Film“ der digitalen Kameras ist eine Speicherkarte, die für Kompaktkameras nicht größer ist als ein Fingernagel (beispielsweise SD und xD), für Profi-kameras nicht größer als eine dicke Briefmarke (CF-Card I/II und IBM-Microdrive). Sonys Memory Stick bzw. Memory Stick Pro ist ein proprietäres Sonderformat (eine Art kleiner Kaugummistreifen, gültig quer durchs komplette Sony-Programm inklusive Vaio-Notebooks, Videokameras und Organizer), und manche Digitalkameras brennen direkt auf CDs und Mini-CDs.

Bis heute haben 90 Prozent der Amateur-Digitalfotografen nicht begriffen, dass man fürs wirklich entfesselte Fotografieren noch einmal üppig in Speicherkarten investieren sollte. Die den Kameras beigelegten Karten sind lächerlich, eigentlich eine Frechheit und reichen nur den anspruchslosesten Kunden. Ursprünglich legte man Karten mit 8 MB bei, jetzt sind es wenigstens 16 MB, in wenigen Ausnahmefällen 32 MB. Aber auch die sind viel zu klein. Sie gleichen einem Analogfilm, auf den du nur drei Negative oder drei Dias belichten kannst. Das sagen die ansonst um Eleganz bemühten Kamera-Companys freilich nicht dazu. Im Gegenteil: In beschämender Manier nützen sie die Unkenntnis der Amateure. Während beim alten Silberhalogenidfilm die Anzahl der Fotos immer konstant war (entweder 36 oder 24 Aufnahmen), variiert bei digitalen Speicherkarten die Bildanzahl mit der gewählten Auflösungsqualität.

Diese kann man radikal reduzieren. Die so erzeugten Schrott-Bilder (die nur für Web-Seiten und private e-Mails sinnvoll sind, aber nicht für ernst zu nehmende Fotografie) haben so geringe Datenmengen, dass man auf 16 MB bis zu hundert Bilder und mehr draufkriegt. In einer Qualität aber, die ein ambitionierter Amateur oder gar Profi wünscht, kriegst du gerade ein Bild drauf – oder gar keines.

Kleine Belehrung: Wer ein verlustfreies Digitalfoto wünscht, das wirklich mit der Qualität alter Analogbilder vergleichbar ist, sollte das leider beliebte Kompressionsformat JPEG meiden. Er muss entweder mit dem fetten Vollformat TIFF arbeiten oder mit dem meistens markengebundenen halbfetten RAW-Format (radiert ebenfalls keine Pixel weg, ist also verlustfrei, verlangt aber grundsätzlich Nacharbeit am Computer). Da ich professionell mit den Digitalkameras mehrerer Marken arbeite, derzeit konkret mit Canon EOS 1D (Spiegelreflex), Minolta Dimage A-1 (Bridgesystem) und Olympus C-5060 (Profi-Kompakte), die alle ihr eigenes RAW-Format haben, fotografiere ich grundsätzlich gleich im TIFF-Format, obwohl dabei bereits ein einziges Bild eine 16-MB-Speicherkarte randvoll nützt. Logische Folge: Eine CF-Karte oder ein IBM-Microdrive muss her, mit mindestens 256 bzw. 350 MB, besser 512 MB, am besten ein Gigabyte. Es sind bereits CF-II-Karten mit bis zu drei Gigabyte angekündigt, die aber zwei Nachteile haben. Sie sind, sofern überhaupt schon erhältlich, teurer als die Kamera selbst, und die meisten Kameras sind noch nicht gerüstet, diese gewaltigen Speicherkarten zu verwalten.

Der Einwand, man könne auch mit JPEG tolle Bilder machen, ist richtig und auch nicht. Manche detailarmen Motive mit homogener Farbstruktur können komprimiert fotografiert werden, und man merkt kaum einen Qualitätsunterschied zum unkomprimierten Format TIFF. Doch Vorsicht: Wer dieses Bild bei der Computer-Nachbearbeitung auch nur vom Querformat ins Hochformat dreht und dann wieder abspeichert, komprimiert es wieder, und wenn er später die Farbsättigung, den Kontrast und die Helligkeit verändert und abspeichert, komprimiert er es schon wieder. So schnell kann man gar nicht schauen, und man hat aus einem Mammutbaum ein Zündhölzl gemacht. Kurzum: Ein JPEG-Bild ist nicht nur dramatisch datenärmer als ein TIFF-Bild, es wird, wenn man es am Bildschirm gedankenlos verarbeitet, mit jedem Schritt noch kleiner. Die Umwandlung auf eine stabile Datenmenge ist zwar möglich, mir aber zuletzt bei einer schnellen Arbeit nicht gelungen (was entweder gegen mich oder mein Bildbearbeitungsprogramm spricht).

Seit gut zwei Jahren geistert ein Format JPEG 2000 durch die Medien, das Kompression ohne Verlust verspricht. Ich kann mir das nicht vorstellen. Das gleicht dem Versuch, einen Kuchen zugleich zu essen und zu behalten. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum es noch immer nicht marktreif ist.
Kurzum: Investieren Sie in eine möglichst große Speicherkarte. Geiz ist hier schon deshalb kleinbürgerlich, weil diese Karten ja ein ewiger Film sind. Selbst Amateure, die nur zu Ostern, Weihnachten, im Urlaub und an Geburtstagen fotografieren, kommen damit irgendwann billiger weg als mit den früheren Analog-Filmen, die immer wieder neu gekauft werden mussten.

II.Digitalkameras (B)
Die Arten, Rassen und Gattungen

Es gibt mehr oder weniger wunderbare Fotozeitschriften, die recht gut über das aktuelle Angebot informieren. Einige sind aber insofern wunderlich, als sie die Digitalkameras in Preisklassen einteilen. Reiner Schwachsinn. In deren Rubriken findet man dann Kraut und Rüben. Denn der gleiche Preis kann in technischem Aufwand, in Design, in Edelmetall oder einfach in Marken-Prestige begründet sein. So ist beispielsweise die Contax-Digital-Spiegelreflex in Design, Prestige (und durch die Zeiss-Ikon-Objektive) gewiss ein Objekt der Begierde für alle, die das Besondere und Seltene suchen, von der Technik her aber beinahe grotesk überteuert, vergleichbar einem Bentley Azure Cabrio, das von den Superreichen vor allem deshalb geschätzt wird, weil es eine Möglichkeit ist, sich vom Volk der einfachen Millionäre abzusetzen.

Eine sinnvolle Rubrizierung könnte so aussehen:

  • Kompakte Fotonotizbücher, die zwei Megapixel und weniger auflösen. Für Amateure, die so wie bisher vor allem Erinnerungsbilder im Format 9 x 13 oder 10 x 15 cm haben wollen, durchaus ausreichend. Nicht nur das: Sie sind auch vernünftig, weil sie in der Kamera selbst und später vielleicht im Computer wenig Speicherplatz brauchen, insgesamt also – angefangen beim niedrigen Kaufpreis – sehr ökonomisch sind.
  • Die guten 3-Megapixler, die vor drei Jahren noch eine Sensation waren. Heute sind sie ein beinah unüberschaubarer Ozean verschiedenster Marken und Konzepte, die neue Untergrenze für ambitionierte Fotografie. Da diese trend-Rubrik „Notebook“ ausschließlich dem Elitären gewidmet ist, verweisen wir auf gute Fotozeitschriften, die dieser für den Fotohandel wichtigen Digitalszene viele Seiten und Tests widmen.
  • Die High-End-Hemdtaschentauglichen: eine Sonderform von Mini-Kameras, in die ihre Hersteller viel Ehrgeiz stecken. Meine derzeitigen Favorites dieser Kategorie wertvoller Winzlinge wären die Pentax Optio 4S (vergleichsweise großer technischer Funktionsumfang) und die brandneue Canon Ixus-i. Ich habe das angeblich erste nach Österreich gelieferte Ixus-i-Test-Exemplar ausprobiert. Ein programmierter Verkaufsschlager. Die Ixus-i ist in erster Linie ein Schmuckstück, mit dem ein Könner bei sorgfältigem Umgang auch ambitioniert fotografieren kann. Der Lichtsammler (Fachjargon CCD = charged coupled device) bietet immerhin 4 MP, und beim Objektiv hat man entsprechend der Winzigkeit des Gehäuses auf ein Zoom verzichtet. Man baute eine Festbrennweite (Kleinbildäquivalent: ca. 39 mm) ein, die qualitativ viel leichter zu optimieren war. Der Schwerpunkt liegt aber eindeutig in Design, Schönheit und Schmuck.

Erstmals bietet man eine Kamera in vier verschiedenen Farben an, in einem Rot-Bronze (das wohl nur Asiaten und Amerikaner wirklich mögen), in Silber, Weiß und – für mich eindeutig der Hit – in Pianoschwarz mit Silberkanten. Speziell rauchende Powerfrauen, die schon ein Dupont-Feuerzeug in schwarzem China-Lack haben, werden an diesem hinreißenden, zugleich nützlichen Accessoire kaum vorbeikommen. Die Bedienung bzw. Menüführung orientiert sich an den bisherigen Ixus-Modellen. Preis der vier farbigen Beautys: 399 Euro.

  • Die Dinnerjackettaschentauglichen, zu denen die Ixus-Zoom-Digitalen im strengen Bauhaus-Look zählen, oder die im letzten trend gründlich beschriebe Olympus mju 300/400, die Digitalversion der erfolgreichsten analogen Kompaktkamera-Serie, die mit Stoßschutz, Feuchtigkeitsschutz und einem unverwechselbaren Schutzklappen-Design punktet. Die Obergrenze im Volumen für Dinnerjackets – es kommt da auf Millimeter an und ob man der Bulle von Tölz ist oder nicht – stellt die neue Pentax Optio 555 dar. Schon deren Vorgängerin 550 war berühmt für ihre technische Hyperausstattung, unter anderem 5 MP und Fünffach-Zoom.
  • Die manteltaschentauglichen Profi-Kompakten. Alles in allem gab es da bisher nur zwei Hauptkonkurrentinnen: die Canon G5 und die Nikon Coolpix 5400. Beide bieten eine üppige Ausstattung auf Spiegelreflex-Niveau und liefern einander ein totes Rennen, weshalb Canon-Profis und Nikon-Profis blindlings markentreu bleiben durften. Die Vorzüge der Canon liegen im Telebereich und dem größeren schwenk- und drehbaren Monitor, die Vorzüge der Nikon im Weitwinkelbereich und dem kompakteren Gehäuse.

Nun ist es mit dem idyllischen Zweikampf vorbei. Olympus zog nach. Die Firma, die den Ehrgeiz hat, mit der neuartigen Spiegelreflex E-1 die dritte Kraft im Profibereich zu werden (siehe frühere Ausgaben dieser trend-Kolumne), hat ihre bisher halbherzige Profi-Kompakte C-5050 zur C-5060 dramatisch aufgewertet. Man ging wie Nikon mit dem Vierfach-Zoom in den bei Profis geschätzten Weitwinkelbereich (28–112 mm) und bietet nun ebenfalls den wesentlichen Vorzug eines dreh-und schwenkbaren Monitors.

Die neue Olympus zeigt die Gnade der späten Geburt, ihr Monitor ist sogar geschickter, weil er sich mittig erhebt, statt seitlich auszuschwenken. Darüber hinaus bezaubert ein doppelter Speicherkarten-Slot, einer für CF-Karten (oder IBM-Microdrives) und einer für die Olympus-eigenen xD-Cards. Beide können wahlweise oder hintereinander benützt werden. Die Olympus Camedia C-5060 ist eine äußerst erfreuliche, ex logo nicht billige Neuerscheinung des Kompakt-Profi-Marktes, sofern man sich einmal an die verspielte, animierte Menüführung gewöhnt, die Olympus mit den kleinen mju-Modellen einführte. Allerdings braucht man das elektronische Menü in der Alltagsarbeit ohnehin praktisch nie – fast alle Parameter sind mit Gehäuse-Buttons, Vierwege-Jog-Regler und einem Drehrad von außen einstellbar.

  • Die Profi-Bridge-Kameras (SLR-artige Kameras mit fest montiertem Super-Zoom), die man nicht mehr ohne weiteres einstecken kann (und die wegen ihres reichen Zubehörs ohnehin meist in Kamerataschen geführt werden oder um den Hals hängen), werden derzeit von zwei Modellen dominiert.

Die eine hatte ich noch nicht im Test, die zirka 1100 Euro teure, neue Sony DSC-F 828 mit aufsehenerregenden 8 MP Auflösung und Specials wie der Nachtsichtfähigkeit, die schon ihre Vorgängerin hatte. Die andere bewährte sich schon im Test: die Minolta Dimage A-1, die mit ihrem weit gespannten Zoom 28–200 mm alle Aufgaben in diesem Bereich so gut wie eine Profi-Wechselobjektiv-Spiegelreflex beherrscht. Vielleicht sogar besser. Sie glänzt mit einer Innovation: einem Bildstabilisator, der nicht im Objektiv, sondern im Gehäuse sitzt. Dank diesem kann man in der Tele-Stellung (200 mm) noch scharfe Aufnahmen mit der langsamen Belichtungszeit von 1/15stel-Sekunde machen. Diese Innovation müsste eigentlich in künftige Spiegelreflex-Wechselobjektiv-Konstrukionen einfließen. Ob Minolta selbst dabei sein wird, hängt wohl vom neuen Fusionspartner Konica ab. Einen gründlichen Minolta-Dimage-A-1-Test können die trend-LeserInnen in der Hi-Tech-Schwesterzeitschrift „e-trend“ lesen (Preis: 1199 Euro).

  • Der mittlerweile üppige Spiegelreflexmarkt wurde in den letzten vier Ausgaben dieser Kolumne gründlich beleuchtet. Hier wären nur Spezial-Profimodelle nachzutragen, wie eine besonders schnelle Nikon, die ihre Bilder gleich ab Kamera direkt an den Empfänger senden kann, großartig beispielsweise für Sportfotografen von Zeitungen, die weniger an höchster Auflösung interessiert sind, mehr an schnellen Serien und deren schneller Verarbeitung.
Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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