Heimat bist du großer Söhne?

Österreich hat nicht so erfolgreiche Unternehmer, weil, sondern obwohl sie hier leben.

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz kauft den Formel-1-Rennstall Jaguar. Manfred Leo Mautner Markhof hat genug vom Kuponschneiden, wird wieder Feinkostproduzent und kehrt damit zur Tradition der alten Unternehmerdynastie zurück. Gernot Langes-Swarovski exportiert die von André Heller kreierte Kristallwelt, die nach Schönbrunn erfolgreichste heimische Touristenattraktion, nach China (eine exklusive Verlautbarung aus der Titelgeschichte über den Weltkonzern im neuen trend).

Irgendwie befällt einen bei den Meldungen der letzten Tage das mollig warme Gefühl, als ob der gute alte Entrepreneursgeist wieder durch das Land weht. Das stimmt beruhigend in Zeiten, wo unternehmerische Dynamik meist nur aus Ungarn, Polen, Tschechien oder Rumänien vermeldet wird. Und es wirkt wie ein wattiger Dämpfer auf die im Hinterkopf immer heftiger schrillenden Alarmglocken: Wie lange habe ich noch meinen Arbeitsplatz? Die erfreulichen Meldungen von Österreichs Unternehmen lassen wieder ein bisschen Hoffnung zu. Frei nach dem Motto: Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s allen gut.

Aber ist das wirklich so? Ist Österreich tatsächlich ein Land, in dem ein breiter Unternehmergeist herrscht und Freude am Risiko belohnt wird?

Betrachtet man Österreichs international bekannte und erfolgreiche Unternehmer, sind es entweder Familienbetriebe mit einer langen Tradition (Swarovski, Rauch, Doppelmayer, Riedel ...) oder Ausnahmepersönlichkeiten (Mateschitz, Pierer, Lauda, Dogudan ...), die den Weg an die absolute Spitze geschafft haben. Bei den Durchschnittsunternehmern (so es so etwas überhaupt gibt) wird’s dünn – weil es jenen in der Mitte ungleich schwerer gemacht wird.

Die jüngste Steuerreform beispielsweise bringt manchen Unternehmen in Österreich einen gewaltigen Schub. Die Senkung der Körperschaftsteuer von 34 auf 25 Prozent verhindert ohne Zweifel, dass Betriebe, wie beispielsweise Magna, nicht doch auf die Idee kommen, ihre Maschinen auf einen Tieflader zu packen und ein paar Kilometer weiter östlich wieder aufzustellen. Dem Großunternehmertum ist dadurch effektiv geholfen. Nur wie sieht es mit den Kleinen aus, den Jung- und Nachwuchsunternehmen? Für sie hat die Steuerreform keine entsprechenden Anreize gebracht. Sie begünstigt Kapitalgesellschaften (AGs und GmbHs), Einzelunternehmen und Personengesellschaften zahlen hingegen in Zukunft sogar mehr Abgaben an den Staat. Das Argument der Reformer, damit Arbeitsplatz- und Standortsicherheit geschaffen zu haben, hat eine zweite Seite der Medaille: Der Transformationsprozess von einer Angestellten- in eine Selbstständigen-Arbeitswelt ist in Österreich in vollem Gange. Die Zahl der Einkommensempfänger schrumpft, jene der Honorarbezieher steigt. Diese sind aber genau jene, die an der Wiege zum Unternehmertum stehen. Die sich, wenn ihre Einnahmen aus Honoraren als Architekt, Autor oder Programmierer stimmen, eine Bürostruktur aufbauen, Mitarbeiter, Partner zulegen – also auf dem Weg zum Unternehmer sind. Aber genau jene werden von der 2005 in Kraft tretenden Steuerreform nicht begünstigt.

Mit allergrößtem Respekt vor der weltweit erfolgreichen Vermarktung von Zuckerwasser, Kristalltierchen, Fruchtsaft oder Kremsersenf, aber die Produkte, mit denen man in Zukunft – auch – erfolgreich sein kann, sollten möglicherweise einen höheren Komplexitätsgrad aufweisen. Nur, um diesen zu erreichen, werden hierzulande denkbar wenige Voraussetzungen geschaffen. Die Universitäten sind Massenbildungsvereine. Elitäre Forschungseinrichtungen, die eng mit den Unternehmern zusammenarbeiten, gibt es bei uns kaum. Wäre dem so, würde die nächste Generation von Plasma-TV-Bildschirmen von einem österreichischen Unternehmen produziert werden, die Pharmaindustrie bei uns zu Hause sein oder die Nanotechnologie nur ein Nona hervorrufen.

Es gibt noch unzählige weitere Erklärungen, warum durch Österreich – noch – nicht der Geist des Unternehmertums weht: Über Jahrzehnte wurde die Bevölkerung in einem Netz sozialer Sicherheit verschaukelt; wurde sie von der Pflicht, selbst Verantwortung für ihr Wohlergehen wahrzunehmen, verschont; wurde die Illusion aufrechterhalten, dass anständiges Beitragszahlen für die Solidargemeinschaft in weiterer Folge auch belohnt wird.

All das fällt in Zukunft weg. Und immer mehr Menschen wollen – oder müssen – ihr Einkommen nicht bekommen, sondern dafür etwas unternehmen. Doch für diese kleinen großen Töchter und Söhne ist Österreich noch keine gute Heimat.

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