Handy für alles, alles fürs Handy

2005 bringt Musik, Video und Internet aufs Handy – und spezielle Dienste etwa zum Navigieren durch den Straßenverkehr. trend hat es ausprobiert und beschreibt die Mobilfunk-Trends des heurigen Jahres.

Wir werden jeden Angriff erwidern, dass es sich gewaschen hat!“ Eine kämpferische Ansage von Michael Krammer, dem Chef des viertgrößten Mobilfunkanbieters Österreichs; eine Ansage, die bereits die zu erwartenden Entwicklungen des begonnenen Jahres charakterisiert. „Wir sind Preis-Leistungs-Führer, und alles, was hier in unsere Nähe kommt, werden wir kontern.“ Krammer, der mit seiner speckigen Werbekampagne und aggressiven Preisen den heimischen Mobilfunkmarkt aufgemischt hat, stellt klar: „Die Tarife könnten noch mal runtergehen“ – und lässt schon zu Jahresbeginn mit dem neuen Wertkartentarif Twist15 die Muskeln spielen.

Eine Einschätzung, die auch Karim Taga, Geschäftsführer des Consultingunternehmens Arthur D. Little, teilt: „Der Preiskampf wird 2005 weitergehen. Solange fünf Anbieter um jeden einzelnen Kunden feilschen, werden die Tarife sinken.“ Womit aber die Unternehmen weiterhin gezwungen seien, einerseits effizienter zu arbeiten – so rechnet Taga, dass es nach der aktuellen Kündigung von 150 T-Mobile-Mitarbeitern 2005 zu einem weiteren Abbau von bis zu 750 Mitarbeitern kommen könnte –, und andererseits neue Einnahmequellen zu erschließen.

Damit ist eines gewiss: Das Jahr 2005 wird klar im Zeichen von Diensten stehen, die das Handy noch mehr als bisher zum Multifunktionsgerät machen und die die werte Kundschaft doch bitte schön in aller Ausgiebigkeit in Anspruch nehmen soll: Musik, Video, Fotos, Internet, Shops, Bank, Funkgerät, Navigator, Spielkonsole.

Nullsummenspiel. Aber bleiben wir bei den Tarifen, die nach wie vor das wichtigste Entscheidungskriterium für die Wahl des einen oder anderen Betreibers sind. Auch der zweite große Dumping-Spezialist, Berthold Thoma, CEO von Hutchison 3G Austria mit der UMTS-Marke „3“, erwartet sinkende Gesprächsgebühren: „Wenn nach Effizienzsteigerungen die Betreiber wieder mehr Luft haben, werden sie weiter an den Tarifen drehen.“ Und auch Georg Pölzl, Vorsitzender der Geschäftsführung von T-Mobile Austria, glaubt an weitere Senkungen, „diese werden aber nicht mehr so dramatisch ausfallen wie vergangenes Jahr“.

Der Kampf um jeden Handykunden ist verständlich, erzielen die Mobilfunk-Netzbetreiber doch nach wie vor rund 90 Prozent des Umsatzes mit der Sprachtelefonie. Obwohl bereits neun von zehn Österreichern ein Handy besitzen, versuchen die Anbieter daher nach wie vor, mit teuren Marketingaktionen und dem Verschenken von Mobiltelefonen neue Kunden an Land zu ziehen oder dem Mitbewerb abspenstig zu machen. tele.ring-Chef Krammer: „2005 wird weiterhin einiges Irrationales passieren, mit Kundengewinnungskosten, die betriebswirtschaftlich nicht mehr darstellbar sind.“

Nur langsam kommt es zu einem Umdenken: Dienste und Services rücken mehr in den Mittelpunkt; das Handy soll immer öfter auch zum Musikhören oder als mobiles Büro eingesetzt werden und dabei neue Umsätze generieren. „Unsere Kunden haben 2004 bereits sechsmal so intensiv unsere Datendienste genutzt wie noch 2003“, erklärt Hannes Ametsreiter, Marketingvorstand von Marktführer Mobilkom. „Wir erwarten für heuer eine Fortsetzung dieses Trends.“

So liegen derzeit bei der Mobilkom 30.000 Bestellungen für die so genannten Ringbacktones vor, ein Dienst, der Anrufer, während sie darauf warten, dass das Gespräch entgegengenommen wird, mit ausgewählten Musikstücken unterhält.

Musik ist Trumpf. Musik gilt generell als neuer Hoffnungsmarkt für die Netzbetreiber. „Das Geschäft mit den normalen Klingeltönen ist ausgereizt“, meint Hutchison-Chef Thoma, „jetzt wollen unsere Kunden ganze Musikstücke auf das Handy downloaden.“ Derzeit tun das „3“-Kunden im Durchschnitt zweimal im Monat; für das heurige Jahr erwartet sich Thoma eine Verdoppelung, was bei derzeit rund 200.000 Kunden immerhin rund zehn Millionen Musikstücken pro Jahr entspräche.

Gerne wird der Funktion des Musikplayers am Handy bereits ein Erfolg ähnlich jenem von Apples iPod vorausgesagt: „Ein Handy ist das ideale Gerät, um unterwegs Musik zu hören und sich neue Musikstücke darauf zu laden“, sagt der Geschäftsführer von One, Jørgen Bang-Jensen. „Wir setzen daher ganz auf Musik als Service für unsere Kunden und auf Erweiterungen entsprechender Partnerschaften mit der Musikindustrie.“ Dennoch glaubt Bang-Jensen, dass erst die Jahre 2006 und 2007 den Durchbruch für Musik am Handy bringen werden. „Die Handys sind noch nicht optimal dafür.“

Was auch T-Mobile-Chef Pölzl bestätigt: „Der iPod und die Musikplattform iTunes leben vom Plug & Play. Und davon sind wir technologisch noch etwas entfernt.“ Mobilkom-Vorstand Ametsreiter hält dennoch schon jetzt „eine umfassende Musikplattform für eine sehr interessante Option. Wir werden da noch heuer entsprechende Services anbieten.“

Weniger Begeisterung ist von den Betreibern hingegen noch zum Thema Video am Handy zu vernehmen. Zwar werden bereits heute Videoclips, Wetterberichte oder Nachrichten zum Download angeboten, doch Geschäft ist das noch keines. Lediglich Mobilkom und Hutchison halten Videostreaming schon heuer für ein wichtiges Thema. „3“-Chef Thoma: „Alles, was das Leben bequemer macht, wird sich durchsetzen – auch Videos am Handy.“

Mail wird mobil. Was auf jeden Fall das Leben leichter macht, sind Mobile-Office-Lösungen für Handys, denen für heuer ein wahrer Boom vorhergesagt wird. „Das Geschäftsfeld für Business Solutions hat enormes Potenzial“, prognostiziert Arthur-D.- Little-Experte Taga. Mails und Dokumente unterwegs zu lesen und zu bearbeiten, auf wichtige Daten zuzugreifen oder seinen Kalender von überall aus aktualisieren zu können sind wesentliche Features, die vor allem Manager und Selbstständige immer mehr zu schätzen wissen.

Motor für diese Dienste war 2004 der Blackberry, ein Minicomputer mit Tastatur und Handyfunktionalität, dessen dahinter stehendes System in der Lage ist, Mails und andere Daten automatisch vom Unternehmenscomputer an den Blackberry weiterzuleiten. Auf diese Weise ist der Benutzer immer up to date.

T-Mobile und Mobilkom werden auch heuer stark auf den Blackberry setzen. T-Mobile-Chef Pölzl sieht vor allem in der Möglichkeit, die Blackberry-Funktionen nun auch in ausgewählten anderen Handys implementieren zu können, neue Chancen für neue Kundschaft: „Wir werden das stark forcieren. Der Blackberry ist, wie man so schön sagt, eine Bank für uns.“

Die Mobilkom wird hingegen bewusst auch andere Lösungen anbieten, möglicherweise auch deshalb, weil die Lizenzgebühren für den Blackberry recht teuer sind und dieser noch Schwächen hat. Ametsreiter: „Wir werden heuer auch ähnliche Systeme mit anderer Software und anderer Plattform anbieten. Wir wollen eine Fülle perfekter Mobile-Office-Lösungen bereitstellen und uns nicht auf ein Angebot beschränken.“

Ein Ansatz, den auch die restlichen Betreiber verfolgen wollen, wenn auch nicht so dezidiert. So setzen One und Hutchison auf standardisierte Lösungen wie Microsoft Exchange, und tele.ring plant überhaupt erst für 2006 den Einstieg in diesen Markt – jedenfalls aber ohne Blackberry. Krammer: „Das Zeitfenster dafür geht mit der Verbreitung alternativer Lösungen schon wieder zu.“

Karte für Daten. Sperrangelweit steht hingegen das Fenster für UMTS-Datenkarten offen. Alleine in den letzten beiden Monaten des vergangenen Jahres konnten Mobilkom und T-Mobile nach eigenen Angaben jeweils rund 10.000 Datenkarten verkaufen, One brachte es aufgrund eines Lieferengpasses vorerst auf 2000 Stück. Eine derartige Datenkarte für den Laptop ermöglicht es dem User, unterwegs mit UMTS-Geschwindigkeit (im Idealfall halb so schnell wie ADSL) aufs Internet zuzugreifen (siehe trend 1/05). „Das Potenzial dafür ist signifikant höher, als wir vermutet haben“, freut sich Mobilkom-Vorstand Ametsreiter; und T-Mobile-Chef Pölzl ergänzt, dass „der Interessentenkreis dafür weit in den Bereich der privaten User hineinreicht, wofür vor allem auch die günstigen Tarife verantwortlich sind, die dem Festnetz-Internet Konkurrenz machen.“

Für Consulter Taga sind die Datenkarten derzeit das optimale Geschäftsmodell, um einerseits die praktisch leeren UMTS-Netze zu nützen und andererseits den Umsatz von derzeit durchschnittlich 35 Euro pro Kunden und Monat erhöhen zu können. Mit Multimediadiensten lasse sich dieser Betrag gegenwärtig um höchstens ein bis zwei Euro ergänzen. Da sei der Breitbandzugang schon lukrativer: „Immerhin ist ein durchschnittlicher Internet-User bereit, 35 bis 50 Euro im Monat in einen Breitbandzugang zu investieren.“ Ziel der Mobilfunker müsse es nun sein, sich davon eine möglichst große Scheibe abzuschneiden und damit gleichzeitig die Kunden für noch schnellere und geeignetere künftige Technologien (Stichwort: Wimax & Co, siehe trend 7/04) an sich zu binden.

Das sonstige UMTS-Geschäft wird – bis auf die Anstrengungen von UMTS-Anbieter Hutchison mit einem umfassenden Multimedia-Contentangebot und entsprechenden Endgeräten – in der ersten Jahreshälfte noch eher flau verlaufen. Erst für die zweite Jahreshälfte erwarten die Mobilfunk-Manager ausgereifte UMTS-Handys. Bang-Jensen: „Wir werden im zweiten Halbjahr viele Anstrengungen unternehmen, um möglichst viele UMTS-Kunden mit verbesserten Services und neuen Handys zu gewinnen.“

Wobei die Mobilkom und vermutlich auch T-Mobile heuer zusätzlich noch auf eine weitere Technologie namens EDGE (Enhanced Data rates for GSM Evolution) setzen, die die bestehenden UMTS-Netze – die bis Ende 2005 laut Lizenzvereinbarung jeweils auf eine Abdeckung von 50 Prozent der Bevölkerung ausgebaut werden müssen – ergänzen soll. EDGE dient der Beschleunigung der Datenraten im herkömmlichen GSM-Netz auf eine Geschwindigkeit, die theoretisch an die UMTS-Leistung herankommen kann. Ametsreiter: „Auf diese Weise werden wir die Nutzung mobiler Highspeed-Multimediadienste bis zum Sommer österreichweit anbieten können.“

Weitere Themen für 2005:

  • Fotos am Handy: Zwar sind schon Handycams mit bis zu fünf Megapixel angekündigt worden, es werden dennoch heuer maximal zwei bis drei Megapixel. Mit entsprechenden Fotoplattformen etwa für die Ausarbeitung der Bilder ist dennoch noch nicht zu rechnen.
  • Dafür bemühen sich die Netzbetreiber, MMS (Multimedia Messaging) zum Übertragen der Fotos von Handy zu Handy endlich zu einem fehlerfreien Service auszubauen (siehe trend 10/04). „Bei MMS liegen wir alle deutlich unter allen Erwartungen“, gibt tele.ring-Chef Krammer zu, „aber MMS ist eine große Chance, Umsatz und Marge zu generieren.“
  • Push-to-talk, die Walkie-Talkie-Funktion bestimmter Handys (siehe trend 11/04), wird trotz großer Prophezeiungen auch 2005 noch kein großer Erfolg. Lediglich in engen Nischen werde eine mögliche Etablierung erwartet.
  • Außerdem werden die Mobilfunker versuchen, völlig neue Services zu entwickeln und anzubieten, wie etwa gerade eben die Navigation am Handy . „3“-Chef Thoma: „Damit werden wir zwar nicht generell die reinen Auto-Navigationssysteme ablösen, aber einer bestimmten Zielgruppe können wir so ein gutes und kostengünstiges Service bieten.“

Insgesamt erwartet die umworbenen Kunden damit heuer ein Bündel an neuen Services. Fraglich ist dabei nur, ob alle fünf Anbieter den Spagat zwischen neu zu entwickelnden, teuren Diensten und sinkenden Tarifen heil überstehen werden. Zwar rechnen die meisten Betreiber damit, dass es erst 2006 zu einer Markt-Konsolidierung kommen werde, doch aktuelle Gerüchte sprechen von einer unmittelbar bevorstehenden Mehrheitsbeteiligung von Tele2 bei One mit unbekannten Auswirkungen. Arthur-D.-Little-Chef Taga will für heuer jedenfalls nichts ausschließen: „Ein Jahr ist lang in der Branche. Ich sehe eine latente Gefahr für 2005, dass sich einer der Anbieter zurückziehen könnte oder übernommen wird.“

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