Habemus Pappen

Wer wird wann der nächste österreichische politische Papst werden?

Wir befinden uns in einer Situation, der die durchschnittliche Tagespresse nicht annähernd gerecht wird. Wir lechzen nach der Übersetzung hehrer Ansinnen, nach der Durchschaubarkeit aufrüttelnder Appelle, nach tiefstgründigen Meinungen, schürfenden Analysen, kongenialen Kommentaren, besinnlichen Betrachtungen und staatlich gestylten Aussichten.

In Ermangelung der illuminierenden Interna müssen wir uns, manche Volksvertreter vertretend, fragen: Wollt ihr den totalen Kick?

Es ist ewig schade, dass Jörg Haider an einem derart historischen Augenblick verabsäumt hat, auf große traditionelle Rhetorik zurückzugreifen. Er hätte ja auch noch dazu sagen können, wer Haupt sät, wird Haider ernten. Noch hat Haider nicht gewagt, den wirtschaftlichen Fortschritt, den sein neues Biertischbündnis zustande bringen will, zu artikulieren. Vermutlich musste er seine Leistungen in der jüngst bewegten Zeit der vergangenen sieben Jahre verarbeiten. Heute, so scheint es dem Kärnterrado nicht mehr opportun zu sein, eine „Bewegung“ ins Leben zu hauchen, denn vor uns liegen Bewegungen mit Aktionären statt Gehaltsempfängern auf stille Weise von unten nach oben, von den globalisierenden Firmen von uns nach Osten und Süden, sodass langsam jedes Arbeits-Los sich beinahe als Firmencoupon entpuppen lässt.

Parteien müssten sich Programmen verpflichtet fühlen, die zum Beispiel den Kalte-Progression-und-Steuererhöhungs-Stopp plus die Inflation über Ölpreis und Tarife plus die Arbeitslosigkeit bekämpfen – ein wahrhaft zu weites Feld für einen kleinäugigen Selbstverwirklicher.

Das Bündnis ist ein Spiegel zurück, denn wer, der jemals in Österreich seit Leopold Figl Politik gemacht hat, hat nicht gesagt, er wünsche sich jetzt zurück zur Zukunft. Das Ewigmorgige Jörg Haiders wurde schon in dem Musical „Cabaret“ festgeschrieben: da sangen die fürchterlich nationalen Burschen „denn der morgige Tag ist mein“.

Habemus Pappen! Wer lauter ist in der Drei-Goschen-Oper Schüssel-Gusenbauer-Haider, kann bei uns gewinnen. Schüssel hat vergangene Woche sich selbst versprechend im hohen Haus gesagt: „Wir werden fürs Streiten nicht bestraf...nicht bezahlt.“ Das ist ein Irrtum des Kanzlers; denn das Volk, betäubt von den anscheinend irreversiblen Rückziehern des Finanzministers, der seit einigen Monaten persönlich äußerst wenig zu bieten hat, liebt Panik et circenses.

Es mag die, die sagen: Drah ma’s um, und drah ma’s auf, was liegt denn dran; es mag die Liechtenthaler, es mag die Reingeher und Draufgänger, es mag die, die zu einer Banane Republik Österreich sagen.

Wenn Frechheit siegt, dann hat diese Republik sehr viele Sieger. Wir haben Wolfgang Schüssel, der mit der größten Pensionsreform aller Zeiten sehr viele Rentner ins Abseits geschoben hat; wir haben Andreas Khol, der weiß, dass „die Wahrheit eine Tochter der Zeit“ ist, aber über temporäre Lügen keine Silbe verliert; wir haben Heinz Christian Strache, der sich so aufführt, als dürfe die Wiener FPÖ nicht die Meldemannstraße werden; wir haben Alfred Gusenbauer, von dem jeder außerhalb der SPÖ weiß, dass er startklar ist; wir haben einen ums falsche politische Tempo kämpfenden Hubert Gorbach; und wir haben einen sich immer süßlicher an einen flagranten Wechsel nach einer Neuwahl anbiedernden Alexander Van der Bellen, der mit jedem verbalen Zuckerl für die ÖVP allmählich zum Van der Pepsi wird.

Alle politischen Parteien müssen neu pokern, der Ritt zwischen Neusiedler See und Bodensee ist für alle Goscherten gleich weit: der Parcours ist alles, Namen sind Schall und Rauch. Es ist offensichtlich den Österreichern zumutbar, dass sie mit Herdenvertretern konfrontiert werden, die sich z. B. nach einem „Bündnis“ in überstürzenden Abkommen Kern, Begegnung, Gemeinschaft, Seher, Wertebewahrer, Beschwörer oder Freimauler nennen werden.

Darauf muss die ÖVP als Österreichische Verfassungs Partei Voll Partei, Vorzugspartei, Vereinigte Partei antworten. Die SPÖ ringt ein wenig inniger um ihre neuerliche Deklaration, sie wird sich als Sogenannte Partei Österreichs anbieten, als Sendungs Partei Österreichs oder als Sozusagen: Partei Österreichs. Die Grünen werden sich wieder entdecken als Evergreens, Grünes Licht, Grüne Hoffnung oder die Kühnen.

Die Bundeswirtschaftskammer wird den abschüssigen Staatswagen aufzuhalten versuchen mit dem trotzigen Slogan: Wenn wir nicht endlich alle die Wirtschaft sind, ist die Wirtschaft alle. Die Handelskammer wird Öffnungszeiten des Parlaments verlängern lassen, vor allem für den langen Samstag für die Parteigründer der Woche. Die Industriellenvereinigung wird gewiss sein, dass, egal, wer regiert, die Industrie dermaßen expandiert, dass diese schon wie eine Auswanderung aussieht. Bald werde es ohnehin nur noch in den österreichischen Stammfirmen Telefonzentralen geben.

Österreich wird den politischen Pontifex bekommen, den es verdient. Als Bruno Kreisky sprach, hieß es, das Wort sei Fleisch geworden. Seitdem Jörg Haider spricht, ist das Wort Wurscht geworden.

Avaaz sammelt nicht nur online Millionen von Unterschriften, sondern begleitet seine Kampagnen oft mit öffentlichen Aktionen. In vielen Fällen, gerade bei globalen Anliegen, ist das von Erfolg gekrönt.
 

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