Gorbachs neuer Arbeitgeber

Der Montafoner Liftkaiser Walter Klaus möchte sein Tourismusimperium weiter ausbauen – mit Hubert Gorbach an seiner Seite. Der Umstieg für den Vizekanzler und Infrastrukturminister wird jedoch alles andere als einfach.

Gorbach kann kommen, so viel ist fix, und zwar lieber heute als morgen. Die Familien sind befreundet, die Frauen kommen gut miteinander aus. Die Chemie zwischen den Führungskräften stimmt, man kann gut miteinander. Walter Klaus liebt den Rummel um seine Person zwar nicht sehr, ist andererseits aber auch kein Drückeberger. Ins Licht der Öffentlichkeit geraten, steht er selbstverständlich Rede und Antwort: „Das bin ich meinen Leuten in der Firma schuldig.“

Walter Klaus ist Unternehmer, und ein erfolgreicher noch dazu. Er ist der Liftkaiser vom Montafon, dem zweiten großen Vorarlberger Skigebiet neben dem internationalen Lech. Und er wird, aus heutiger Sicht, bald einen prominenten Partner an seiner Seite haben: den Vizekanzler der Republik, Infrastrukturminister und derzeitigen geschäftsführenden BZÖ-Obmann Hubert Gorbach. „Wir haben uns geeinigt“, sagt Klaus. Dass der Eintritt von Gorbach bis jetzt noch nicht erfolgte, hat einen staatstragenden Grund: „Ich will ja die Regierung nicht stürzen.“ Dass Gorbach schon heuer im Sommer wechseln könnte, wird von Klaus dementiert, ist aber im Bereich des Möglichen (siehe Seite 20).

Denn: Klaus braucht Gorbach. Der 71-Jährige ist gesundheitlich nicht mehr ganz auf der Höhe; Klaus hat Parkinson und steht nun vor der harten Aufgabe, die Firma auf seinen Rückzug vorzubereiten. Das Modell der Neuorganisation existiert, sagt er, derzeit nur in den Grundzügen. Fix ist: „Das Unternehmen muss um neue Führungskräfte erweitert werden.“ Die leitenden Mitarbeiter, jene, „die können und wollen“, will er einbinden, auch seinen Sohn, aber nicht in führender Position. Nur Gorbach traut er zu, sein Lebenswerk in seinem Sinne weiterzubetreiben. In einigen Gesprächen, so erzählt Klaus, bat er seinen Freund um Empfehlungen für geeignete Nachfolgekandidaten. Er fragte so lange, bis Gorbach sich selbst als Bewerber ins Spiel brachte.

Reich durch Straßenbau. Die Lebensgeschichte von Klaus, geboren 1934 im oberbayrischen Friedberg bei Augsburg, ist imposant. Als Sohn eines Baumeisters musste er vorerst einmal in die Maurerlehre, machte die Gesellenprüfung, dann die Fachhochschule, dann das Diplom. Seine ersten D-Mark verdiente er sich in einem Architekturbüro in Düsseldorf. Zurück in den elterlichen Betrieb ging er nur, weil die Mutter ihn anflehte, den Vater nicht im Stich zu lassen. Das war anno 1957. Der Anfang war hart, die Karriere steil: 1964 stieg er als geschäftsführender Gesellschafter in das marode Straßenbauunternehmen Kranzfelder GmbH ein. 1968, als andere die Revolution übten, übernahm er kurzerhand den elterlichen Betrieb. Er kaufte jedes Jahr ein weiteres mittelständisches Unternehmen dazu, zuletzt hatte seine Baugruppe 1000 Beschäftigte und machte in den Neunzigern eine Milliarde D-Mark Umsatz. 1995 übergab er die Firmengruppe zur Gänze an seinen Sohn.

In Österreich engagierte sich der Straßenbauer aus Sentimentalität. 1952 war er das erste Mal ins Montafon gekommen, um eine Freundin zu besuchen. Seit damals kam Klaus Jahr für Jahr zurück in die Berge. 1967 erwarb er in Gaschurn „die ersten eigenen Quadratmeter“ und begann darauf sein Haus zu bauen, das Haus, in dem er immer noch lebt.

1969 wurde er gefragt, ob er nicht beim Liftbau helfen könnte. Klaus konnte, vorerst mit rund 100.000 Mark. Ein Jahr darauf, 1970, bat der Bürgermeister den Dauergast um eine weitere kleine Gefälligkeit: die Übernahme der Anteilsmehrheit an der Liftgesellschaft.

Rasanter Aufstieg zum Liftzar. Den einmal eingeschlagenen Weg des Montafonentwicklers sollte er nie mehr verlassen. Mit deutscher Gründlichkeit beendete er die österreichische Schlampigkeit. Er unterband die weit verbreitete Abgabe von Freikarten und den damit florierenden Schwarzhandel. Er bekam alles, was er wollte. Gleich ein Jahr nach der Macht-übernahme in Gaschurn stieg er beim Hauptkonkurrenten im Nachbarort St. Gallenkirch ein. 1972 fusionierte er die beiden Gesellschaften, baute Stein auf Stein, Lift um Lift, Piste um Piste. 1980 gründete der zum österreichischen Staatsbürger avancierte Touristiker die Silvretta Nova Bergbahnen GmbH und die Silvretta Gastronomie GmbH. Die Geschäfte führte ihm der alteingesessene Vollprofi Kurt Betschnau.

Vorarlberg wurde ihm bald zu eng. 1984 erwarb er das Skigebiet Sulden am Ortler. Mit seinem Einstieg am Diedamskopf im Bregenzer Wald im Jahr 1989 wurde er schließlich zum Vorarlberger Liftzaren. Er baute auch dort alles neu. Auf seine Lokale, von der Berghütte bis zur Erlebnisgastronomie, vom voluminösen Liftrestaurant bis zum feinen Bregenzer Speiselokal, ist er besonders stolz. Mit Essen und Trinken erzielt er ein Viertel des Gesamtumsatzes, kein Wunder, denn in seinen Skirevieren duldet er keine Mitbewerber.

Klaus hat dem Tal viel gebracht, in der Saison hunderte Arbeitsplätze. Manchem freilich wurde er zu groß, zu dominant. Es gibt, sagt einer, der lange in seinem Haus arbeitete, „schon Skepsis ihm gegenüber“. Seine engsten Mitarbeiter müssen 24 Stunden am Tag für ihn erreichbar sein. Er gilt als „nicht einfach“, als strenger Patriarch, auch als nachtragend. Im Fachverband der Seilbahnwirtschaft ist er nicht präsent, ein Standeskollege, der Ötztaler Liftunternehmer Jakob Falkner, kennt ihn bestenfalls vom „Grüß-Gott-Sagen“.

Ein Checker war Klaus jedenfalls immer. Bis vor zwei Jahren produzierte er mit einem Jugendfreund im fünf Hektar großen Weingut im steirischen Kitzeck biologischen Wein. Die 15.000 bis 25.000 Liter pro Jahr wurden an die eigene Gastronomie geliefert, auch der jetzige Pächter liefert an die Klaus’schen Betriebe.

Zur Belohnung kaufte er sich ein Fischerhaus auf einer Insel in der Lagune von Venedig, seiner Lieblingsstadt.

Naive Offenheit. In Hamburg erwarb er vor zwölf Jahren, quasi zur Alterssicherung, eine Wohnhausanlage mit 600 Mietwohnungen. Auf die Jagd geht er gern. Für notleidende Bergbauern richtete er eine eigene Stiftung ein, damit macht man sich Freunde. Dass die Medien plötzlich negativ über seine jahrzehntelange Aufbauarbeit berichten, kann er nicht fassen. Vorwürfe des Vorarlberger Grünen-Chefs Johannes Rauch, seinen zu guten Draht zu Gorbach betreffend, erregen ihn noch immer über alle Maßen. Dass die Belegschaft seiner Silvretta Nova sehr irritiert war, nicht zuletzt über den bevorstehenden Gorbach-Einstieg, hat ihn sehr beschäftigt. „Ich habe gedacht, es ist im Interesse des Unternehmens, möglichst früh für Klarheit zu sorgen, aber das war naiv.“

Lange Jahre war des Vizekanzlers zukünftiger Brotgeber eine unangetastete Größe, plötzlich aber wird im Ländle, auf diversen Internetseiten, über den „Macher“ hergezogen und über die wenigen Flops, die Klaus baute, gewitzelt. Etwa über die hölzerne „Arche Nova“, ein richtiges Schiff, das er in seinem Bludenzer Gastro-Betrieb anstatt der Bar einbauen ließ.

Schmerzlich verlief für ihn ein Groß-Investment im fernen Osten: 1991 erwarb er das vom Verfall bedrohte Sanatorium Purkersdorf des berühmten Architekten Josef Hoffmann. Klaus wollte sich als Retter des bedrohten Jugendstil-Bauwerks ein Denkmal setzen. Er ließ die Außenfassade renovieren, die Sanierung des Inneren sollte durch eine Wohnverbauung im umgebenden Park finanziert werden. Einen Teil des Grundstücks verkaufte er an einen Geschäftsfreund, der aber gleich darauf in Konkurs ging. „Nicht geschickt“ sei das gewesen, sagt der Bürgermeister Karl Schlögl. Klaus präsentierte „nicht umsetzbare“ Projekte, galt bald als „Spekulant“. Er selbst fühlte sich hingegen in der Entwicklung der Immobilie „von den Behörden behindert“.

Des Herumhandelns mit Denkmalschützern müde, verkaufte er, enttäuscht und mit einigem Verlust, das Objekt in zwei Tranchen 1999 und 2001 an die Buwog, die daraus ein Altersheim machte.

Auftrag an Gorbach. Walter Klaus sitzt auf der Terrasse seines Gaschurner Hauses, tätschelt den irischen Wolfshund Mike und schaut in die Zukunft. „Ich bin nicht mehr der Optimist, der ich noch vor zehn Jahren war“, sagt er, und: „Es ist nicht mehr viel drinnen. Auf die Branche kommen nette Probleme zu.“

Der Umsatz im letzten Winter ging zurück. Vielleicht, so mutmaßt ein Mitbewerber, weil er „die letzten drei, vier Jahre kaum mehr was investiert hat“. Und der Sommer ist so wie überall anders ein Verlustgeschäft. „Da ist der Durchbruch“, sagt Klaus, „noch nicht geschafft.“

Um den zu erreichen, möchte er die ÖBB-Bodenseeschiffe als „ideale Ergänzung“ kaufen; er könnte Touristen vormittags am See spazieren fahren und abends mit der Gondel ins Bergrestaurant hoch über Bludenz einschweben lassen. Doch nix is fix – und ein Konkurrent ebenfalls ernsthaft interessiert (siehe Kasten).

Trotz Krankheit setzt Klaus sich weitere engagierte Ziele. Unlängst hat er sämtliche Lifte in Trafoi am Stilfser Joch gekauft. „Die Südtiroler haben noch einen Biss, da kann man noch was machen.“

Abschließende Bergfahrt mit der Gondelbahn zur „Nova Stoba“. In der Ferne glänzen die Liftstützen der Vallisera- und Garfrescha-Bahnen. Von der Terrasse sieht man ins Novatal, bis zum Talschluss. „Ich habe deponiert, dass ich die Erweiterung in höhere Lagen für sinnvoll und unbedingt nötig erachte“, sagt Klaus und zeigt auf den steilen Hang, der „ein ideales neues Skigebiet“ wäre. Er will weitermachen, aber irgendwie klingt der Satz schon nach einem Arbeitsauftrag für Gorbach: „Hier müssten wir noch ein paar hundert Meter hinauf.“

Von Othmar Pruckner

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