Geld, Gold, Gier, Glück

„Die Phönizier haben das Geld erfunden – aber warum so wenig?“ Gertrude Stein

Ehe wir eines der erfreulichsten Wirtschaftsbücher der letzten Jahre besprechen, ein paar Anmerkungen zum Erfinder der Reihe, in der dieses Buch erschien.

Prof. Leo Mazakarini, Verlagsleiter der Buchverlage Kremayr & Scheriau/Orac, ist beruflich ein alter Hase mit langen Löffeln für Qualität. Menschlich ist er unverwechselbar. Dynamisch, sprudelnd, wie eine Dampflok unter Siededruck, könnte er den Büchern von Heimito von Doderer entsprungen sein. Filmregisseure suchen Mazakarini als abgründigen Nebendarsteller.

Einer der glücklichsten Einfälle des Professors ist die Etablierung einer offenen Reihe: „Der österreichische Essay im Verlag Kremayr & Scheriau“. Umfang der schmalen Bändchen: zirka 130 Seiten, luftig gesetzt. Das erlaubt selbst jenen, die beim Lesen die Lippen bewegen, innerhalb eines Wochenendes durchzukommen. Die Preise (17 bis 19 Euro) sind angemessen. Als Band 2 der Reihe erschien von Doktor Hans Haumer: „Reichtum“. Untertitel: „Metamorphosen eines Menschheitstraums“.

In englischer und deutscher Sprache habe ich trotz eifrigem Bemüh’n keine vergleichbare Abhandlung über Reichtum gefunden. Das Buch ist inhaltlich und stilistisch eine Sternstunde. Es ist die gültige Antwort auf die Frage, ob viel Geld die Menschen wirklich mächtiger, erotischer und glücklicher macht.

Inhaltlich fehlt gar nichts, eine glitzernde Fundgrube. Stilistisch verzeichnen wir Eleganz. Kein Wort zu viel, keines zu wenig. Fettränder gibt es nur dort, wo sie als Geschmacksträger der Sprache wichtig sind.

Die schöpferische Qualität mag zunächst wundern. Dr. Hans Haumer, 64, ist als Banker und Kapitalexperte bekannt. Nach Schulungen in Amerika leitete er viele Jahre die heutige Erste Bank. Derzeit wirkt er vor allem im Fürstentum Liechtenstein, u. a. als Präsident der CapitalLeben-Versicherung. Auf den zweiten Blick sind Kreativität und Kapitalmanagement kompatibel. Haumer zählt zu einer Banker-Generation, für die schöpferische Sensibilität und Universalbildung noch unverzichtbar waren. Er zählte darin schon in jungen Jahren zur Spitze. Heute gilt er im Zweitberuf ohnehin schon als Schriftsteller.

Selbst Haumers Bildungs-Eitelkeit kommt dem Buch zugute. Sein wacher Sinn für Etymologie etwa fördert verblüffende Wortdeutungen. Textbeispiel: „Von den begüterten Römern wurde Arbeit konsequenterweise neg-otium oder Nichtmuße genannt, für die Masse wurde sie zur labor, was wörtlich Wanken unter einer Last bedeutet.“

Haumer war als Rechercheur fleißig, ein oft unterschätztes Merkmal guter Schriftstellerei. Er bediente sich nicht nur aus griechischer Mythologie und römischer Geschichte. Als Kunstsinniger nahm er auch aus den Regalen von Theater, Film, Literatur und – da selber ein glänzender Pianist – der Musik. Besorgniserregend allenfalls, dass er auch aus „Ladies’ Home Journal“ zitiert.

Die Fundstücke ruhen schön verteilt im Skelett der Zwischenüberschriften, die einen guten Überblick des Inhalts geben: Metamorphosen; Reiche Illusionen; Reich zwischen Himmel und Hölle; Reichtum für alle; Reich durch Wissen; Der Reichtum der Seele; Reichtum und Ewigkeit; Das Projekt Mensch.

Überraschend: Haumer lindert kaum einen Schmerz der Reichen, obgleich sie in Vaduz seine Schutzbefohlenen sind. Nur auf Seite 35 schreibt er ein wenig zu gründlich über den Segen des Bankgeheimnisses, wie es die Länder Schweiz, Österreich und Liechtenstein verstehen. Entzückend, vielleicht auch schlitzohrig Hans Haumers letzter Sub-Titel auf Seite 124: „Hans im Glück“. Jene Märchengestalt wurde umso glücklicher, je weniger sie besaß. Da Bescheidenheit speziell in Liechtenstein & der Schweiz angesagt ist, mag dem Autor der Verdacht einer autobiografischen Parallele willkommen sein. Dieser Verdacht wäre unbegründet.

Ich schenke dem Autor für eine Neuauflage des Buchs eine Anekdote, die er als trend-Leser ohnehin kennt. Beim ersten Interview war Bill Gates verkrampft. Er war noch bettelarm, bestenfalls der fünftreichste Bürger der Welt. Beim zweiten trend-Interview, mittlerweile zum Reichsten aufgestiegen, antwortete er auf die Frage, wie es sich mit 50 Milliarden Dollar so lebe, in wunderbarer Nestroy’scher Manier: „Klass.“ Er war entspannt und wirkte jünger als zuvor.

Erklärung dieses Phänomens: Bill Gates hat noch viel labor und kaum negotium vor sich. Er darf die wichtige Digitalwelt mitgestalten. Und er lernte zu teilen. Seinen neuen Umgang mit Aktionären lobte selbst der zynische „Economist“. Sein beispiellos professionelles Aids-Hilfsprogramm ist eine Hoffnung für die Dritte Welt.

Dies entspricht fast perfekt dem Zitat, das Autor Hans Haumer als Programm an den Anfang seines Buches „Reichtum“ stellte: „Geld ist nur etwas wert, wenn es Geist wird.“

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